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Keith Richards’ Arsch­loch­freun­de – Des ko koa Gua­ter sei…

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Dies ist kei­ne Über­set­zungs­kri­tik. Kann es gar nicht sein, weil ich die Über­set­zung nicht gele­sen habe. Aber mein Nach­bar hat mich gera­de auf die Rezen­si­on der Keith Richards-Bio­gra­phie in der FAZ auf­merk­sam gemacht. Und natür­lich hät­te ich als Über­set­zer für so einen Auf­trag mein lin­kes Ei gege­ben. Nicht nur weil ich Keith Richards irgend­wie mag.

Beim Über­flie­gen der Rezen­si­on noch im Ste­hen blieb mein Blick an etwas hän­gen, was ich erst nicht für wahr hal­ten moch­te, und das war die For­mu­lie­rung »fan­tas­ti­sche Arsch­loch­freun­de«. WTF, möch­te man auf Neu­deutsch aus­ru­fen? Weil ich es nicht fas­sen konn­te… moch­te… immer noch nicht fas­sen will…

Was sind wohl »Arsch­loch­freun­de«1 in den Augen des­je­ni­gen, der sie in die Welt gesetzt hat? Nun, kei­ne Ahnung. Ich weiß nur eines, und das ist zwei­er­lei:

Ers­tens weiß ich, was ein »Arsch­loch« ist und dass ein »Arsch­loch« im Deut­schen Nega­ti­ves kon­no­tiert und auch damit auch als Bestim­mungs­wort in Zusam­men­set­zun­gen das näher bestimm­te Grund­wort in den brau­nen Dreck zieht. Das liegt in der Natur deut­scher Wort­bil­dungs­ge­set­ze. Ein »Arsch­loch­po­li­ti­ker«, sei er denn hier mal um des Argu­ments wil­len erfun­den, wäre eben­so nega­tiv wie ein »Arsch­loch­über­set­zer«, wenn wir mal davon aus­ge­hen, dass es sich nicht um einen Über­set­zer han­delt, der sich auf das Über­set­zen von Arsch­lö­chern kapri­ziert hat.2

Und zwei­tens weiß ich, was da im eng­li­schen Ori­gi­nal steht; dazu brau­che ich gar nicht nach­zu­se­hen – dazu hät­te ich mich nicht mal seit vier­zig Jah­ren mit eng­li­scher Umgangs­spra­che zu befas­sen brau­chen, das Wort ist näm­lich jedem Mut­ter­sprach­ler satt­sam begannt. Die Rede ist näm­lich garan­tiert von einem »ass­ho­le bud­dy«. Und die­ser »ass­ho­le bud­dy« – viel­leicht soll­ten sich doch ein paar mehr Leu­te – herr­gott­noch­mal! – mei­ne Wör­ter­bü­cher zule­gen; in mei­nem Ame­ri­can Slang näm­lich steht es garan­tiert drin. (Auch hier brau­che ich erst gar nicht noch mal nach­zu­schla­gen.) – ist, was man bei uns als »Intim­freund« defi­nie­ren müss­te. Anders gesagt, es ist ein Aus­druck, der nur und aus­schließ­lich die »aller­bes­ten Freun­de« bezeich­net; und für die gibt es im Deut­schen ja wohl Syn­ony­me – um die ich in den Kom­men­ta­ren bit­ten möch­te.

Was ich sagen will: Kein Deut­scher, der sein sau­er ver­dien­tes Geld für die­se Über­set­zung hin­legt, wird auf die Idee kom­men, dass die­se »Arsch­loch­freun­de« als unein­ge­schränk­tes, nicht zu miss­deu­ten­des Kom­pli­ment gemeint sind. Den bes­ten Beweis dafür lie­fert der Satz, in dem der Rezen­sent der FAZ Jörg Tho­mann die­sen Schnit­zer zitiert: »Sei­ne Kum­pel3 packt er schon rau­er an, wenn er sie ›fan­tas­ti­sche Arsch­loch­freun­de‹ nennt.«4

Sie sehen, was ich mei­ne? Die Über­set­zung gibt ein völ­lig fal­sches Bild von dem, was Rich Kiff­hard da sagen woll­te. Sei­ne Freun­de wer­den mit dem Begriff »ass­ho­le bud­dies« nicht weni­ger »hin­ge­bungs­voll gewür­digt« als sei­ne Ehe­frau Pat­ti und sei­ne ver­stor­be­ne Mut­ter Doris! Es ist die Über­set­zung des Begriffs, der hier über­haupt Zwei­fel auf­kom­men lässt. Und so etwas soll­te eben nicht pas­sie­ren. Nicht nur weil sie einen Typen, der immer gra­de raus ist wie Keith Richards, als hin­ter­fot­zi­gen Scheiß­kerl hin­stellt!

Ich habe eini­ges über Keith Richards gele­sen und genü­gend Inter­views mit ihm gese­hen, um zu wis­sen, dass der Mann sich mit »Arsch­loch­freun­den«, wie sie hier impli­ziert sind, nicht abge­ben wür­de. Bei dem weiß jeder, wor­an er ist. Das hat ihn mir – über »sei­nen Riff«5 hin­aus so sym­pa­thisch gemacht.

Also wenn ich schon so was nicht zu über­set­zen bekom­me, die John Lee Hoo­ker-Bio­gra­phie von Charles Shaar Mur­ray war um eini­ges kom­pli­zier­ter! –, dann schaut wenigs­tens in mei­nem Forum vor­bei. Ich hel­fe bei allem Frust nach wie vor jedem aus. 6

  1. Wer den Begriff »Arsch­loch­freun­de« in sei­ne Such­ma­schi­ne ein­gibt, der wird auf den ers­ten Blick sehen, dass der Begriff im Deut­schen vor­be­las­tet und in Gebrauch ist. []
  2. Eine Art Prok­to­lo­gen unter Über­set­zern ken­ne ich frei­lich nicht. []
  3. ah, hat das Deut­sche womög­lich doch Syn­ony­me für »Freun­de«? []
  4. FAZ, 31. Okto­ber 2010, Nr. 43 S. 59. []
  5. nicht »sein Riff«, herr­gott­noch­mal; hier ist nicht vom Schnor­cheln die Rede, in der Musik heißt es der Riff. Was übri­gens – hof­fent­lich – nichts mit die­ser Über­set­zung zu tun hat, aber mit vie­len ande­ren, die ich mir so ange­se­hen habe. []
  6. Mehr zu sol­chen Schnit­zern? Sie­he hier. []

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