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	<title>Zeitgeschehen - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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	<description>Über Slang, Übersetzen &#38; die Sprache dazu</description>
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	<title>Zeitgeschehen - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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		<title>Der ganz normale Wahnsinn, Digga? Von wegen …</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Jul 2023 05:24:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zeitgeschehen]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Welt geht den Bach runter, volle Segel und mit dem Außenborder auf Anschlag, und wir haben nichts Besseres zu tun, als unsere Zeit mit Idioten und Idiotien zu verschwenden: Wir wählen sie, wir folgen ihnen, klicken hinter ihnen her, regen uns über sie auf. Kann das daran liegen, dass wir selbst Idioten, Pardon, Idioten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p style="font-size:24px">Die Welt geht den Bach runter, volle Segel und mit dem Außenborder auf Anschlag, und wir haben nichts Besseres zu tun, als unsere Zeit mit Idioten und Idiotien zu verschwenden: Wir wählen sie, wir folgen ihnen, klicken hinter ihnen her, regen uns über sie auf. Kann das daran liegen, dass wir selbst Idioten, Pardon, Idioten und Idiotinnen sind? Sie sehen, was ich meine? Nein? Okay, dann für die Langsamen – es sind ja immer die anderen – zum Mitschreiben. Kleinteilig, wie das im heute angesagten Jargon wohl heißt … </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2020/08/lut1.jpg"><img decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2020/08/lut1.jpg" alt class="wp-image-14678" width="189" height="183" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2020/08/lut1.jpg 377w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2020/08/lut1-300x290.jpg 300w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px"></a></figure></div>


<p style="font-size:22px"><strong>Frage</strong>: Wie konnte jemand wie Donald Trump Präsident werden? Präsident der mächtigsten Nation der Erde obendrein. Wer wählt so einen? Wie kann ein Wähler – oder überhaupt irgendjemand – übersehen, dass der Mann die letzten Jahre über – und vermutlich seit jeher  schon – lügt, Schwachsinn redet oder einfach nur auf die Kacke haut, wenn er auch nur den Mund aufmacht? </p>



<p style="font-size:22px"><strong>Antwort</strong>: Trump wurde a) von Leuten gewählt, die seine Ansichten ohnehin teilten, ob sie das nun wussten oder nicht, und b) von Leuten, die ihm – aus welchen Gründen auch immer – alles abkaufen, was er sagt. </p>



<p style="font-size:22px">Ersteres ist einfach zu verstehen: Im Meinungsspektrum vom Schwachsinn am einen bis hin zum Schwachsinn am anderen Ende war schon immer alles drin. Zweiteres Phänomen ist für mich weniger einleuchtend, aber offenbar nicht weniger normal, wie ein Beispiel im kleinen weit überschaubarer zeigt: Da berichtete die <strong>SZ</strong> dieser Tage unter dem Titel »<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sueddeutsche.de/bayern/regensburg-supermarkt-raeumung-influencer-1.5967873" target="_blank">Digga, das ist doch geisteskrank!</a>« über den »Run« auf einen Supermarkt in Regensburg, nachdem ein Rapper dort für Schokolade werben sollte. Ich weiß nicht, wer dieser Rapper – AbuGoku ist – und es spielt hier auch keine Rolle, für mich zählt hier nur, dass der Artikel ihn als »<strong><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Influencer" target="_blank">Influencer</a></strong>« bezeichnet. </p>



<p style="font-size:22px">Das wiederum, so weiß Wikipedia,  seien »<strong>Multiplikatoren</strong>« , »die ihre starke Präsenz und ihr Ansehen in sozialen Netzwerken nutzen, um beispielsweise Produkte oder Lebensstile zu bewerben«. Ah ja, ich verband damit bisher in der Hauptsache aufgespritzte Tussen, die vor ihrer Botoxbehandlung vielleicht sogar ganz hübsch gewesen sein mochten, danach aber eher in Richtung abscheulich gehen. Aber um Geschmack – oder den Mangel an selbigem – soll es ja hier nicht gehen. Solche <strong>Influencer</strong>, so lese ich weiter, lassen sich anhand ihrer <strong>Followerzahl</strong> einteilen und benennen, wobei Multiplikatoren mit 1.000.000 Jüngern als »<strong>Mega-Influencer</strong>« zu bezeichnen seien. </p>



<p style="font-size:22px">Wie auch immer, da schlugen »1200 Teenies in einem Supermarkt auf, um ihren Influencer … für Schokolade werben zu sehen«; zum Chaos sei es gekommen, man habe die Aktion nach einer halben Stunde abbrechen müssen und »bis auf eine blutige Unterlippe sei alles glimpflich ausgegangen«. </p>



<p style="font-size:22px">Bevor wir das jetzt hochrechnen auf amerikanische Verhältnisse mit <strong>Trump als »Multiplikator«, </strong>sprich »<strong>Mega-Influencer</strong>«, machen wir doch erst mal einen kleinen Selbsttest. Sie kennen alle – selbst auf guten Webseiten (gerade bei denen muss der Schlot ja von was rauchen) – die »<strong>Köderboxen</strong>«, die uns zum Klicken verführen sollen, indem sie uns – wie clever! – bei unseren niedersten Instinkten zu packen versuchen, deren harmlosester wohl die Neugier ist, dann kommt die Dummheit, dazwischen liegt irgendwo und überall die Geilheit. Gucken Sie selbst: </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack2.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="802" height="316" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack2.jpg" alt class="wp-image-18215" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack2.jpg 802w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack2-300x118.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack2-768x303.jpg 768w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack2-800x316.jpg 800w" sizes="(max-width: 802px) 100vw, 802px"></a></figure></div>


<p style="font-size:22px">Sehen Sie? Rechts und links die Geilheit und in der Mitte die Neugier, was die vollschlanke Dame an Vermögen gebunkert hat und warum wir ihr selbiges nicht gönnen sollen. Ungeachtet der Tatsache, dass ich keine Ahnung habe, wer die Frau ist. Oder nehmen Sie folgende Zeile: </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack1.jpg"><img decoding="async" width="796" height="338" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack1.jpg" alt class="wp-image-18217" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack1.jpg 796w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack1-300x127.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/ChumPack1-768x326.jpg 768w" sizes="(max-width: 796px) 100vw, 796px"></a></figure></div>


<p style="font-size:22px">Wow! Wenn ich mal davon ausgehe, dass die Hose nicht durch Gewichtszunahme am Tag 3 nicht mehr passt (kann ja jeder), dann gibt es also gleich drei solcher Supermittel, die ohne jegliches Zutun unserer Selbst die Pfunde purzeln lassen, wie es auf den Titeln so vieler Zeitschriften heißt. Und auch noch Gummibärchen! Wahnsinn! Und keine Bange, es gibt nicht nur drei … </p>



<p style="font-size:22px">Also meine Frage: Wer ist nicht schon mal geil oder dumm oder auch einfach nur ahnungslos genug gewesen, auf diese Köder reinzufallen. Obwohl wir auf dem Grunde unserer schwarzen Seele wissen, dass wir verarscht werden. Und wer jetzt meint, er würde darauf auf keinen Fall klicken, dem sage ich, es gibt diese Köderboxen auf jedes Psycherl zugeschnitten, und auf die eine oder andere ist wohl jeder mal reingefallen: Heilpraktiken, Fitnessgeräte, Anlagetipps … Machen Sie sich da bloß nichts vor. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-22-e1597844670755.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-22-e1597844670755.jpg" alt class="wp-image-12009" width="250" height="250" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-22-e1597844670755.jpg 499w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-22-e1597844670755-150x150.jpg 150w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-22-e1597844670755-300x300.jpg 300w" sizes="(max-width: 250px) 100vw, 250px"></a></figure></div>


<p style="font-size:22px">Unsere Anfälligkeit dergestalt konstatiert, nehmen wir Trump als »<strong>Mega-Influencer</strong>«, eine Medien-Persönlichkeit, die, wie hieß es da gleich wieder, »ihre starke Präsenz und ihr Ansehen in sozialen Netzwerken nutzen, um beispielsweise Produkte oder Lebensstile zu bewerben«. Oder eben Politik. Ist ja auch ein <strong>Lifesytyle</strong>. Man braucht sich ja nur anzusehen, was da an sittlichen Präferenzen bei Trump, Giuliani und Co. so ans Licht kommt. Und der <strong>politisch korrekte Mob</strong> braucht sich jetzt nicht groß in die Brust werfen, da viel besser zu sein: Es ist mehr als grenzwertig, anderen zu sagen, wie sie sich auszudrücken haben (ich spreche vom Gendern) oder Toleranz gegenüber religiösen Fanatikern zu predigen, die nach dem Sturz des Schahs munter weiter gefoltert haben. Der <strong>politisch korrekte Mob </strong>trägt eine gewaltige Mitschuld an dem, was einem <strong>Salman Rushdie</strong> passiert ist – machen Sie sich da gar nichts vor. </p>



<p style="font-size:22px">Der eine <strong>Influencer</strong> mag zum Besuch – definitiv nicht zum Sturm! – auf einen Supermarkt aufgerufen haben, um Schokolade zu verkaufen; der andere hat zum Sturm – definitiv nicht zum Besuch! – des Kapitols und damit letztlich zum Sturm auf die Demokratie aufgerufen. Ersterer hat die Aktion selbst über Megaphon rechtzeitig abgeblasen, Letzterer hat das bewusst unterlassen. Und mit Sicherheit hat Trump nie so etwas gesagt wie »Digga, das ist doch geisteskrank!« Nee, nicht doch, der gießt immer noch Öl ins Feuer. Der Mann ist ein <strong>Influencer</strong> und eine wandelnde <strong>Köderbox</strong> in Personalunion. Nur dass die Leute, die in der Wahlkabine auf ihn klicken, verarscht werden <em>wollen</em>. Auch wenn sich das Argument hier irgendwie in den Hintern beißt, die eigentliche Frage ist hier, was man sich von ihm verspricht. </p>



<p style="font-size:22px">Klickt man auf diese Art von politischen Köderboxen in dem Glauben, dass es vielleicht doch irgendwo Gummibärchen geben könnte, bei deren Konsum nach drei Tagen die Hosen nicht mehr passen? Oder dass es vielleicht doch etwas Besseres gibt als die Demokratie? Nein, ihr Idioten, gibt es nicht. Und mag sie noch so lahmen. Dass sie lahmt, liegt nicht zuletzt daran, dass auch die Politik ein Opfer der <strong>Entrüstungskultur</strong> geworden ist. Aber wie auch immer, es wird euch unter einem starken Mann auch nicht besser gehen als unter einer lahmen demokratisch gewählten Regierung. Mal abgesehen von denen unter euch, versteht sich, die da irgendwie abkochen können oder denen die geil auf einen Job in den nächsten Folterkellern sind. </p>
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		<title>König Leopolds Selbstgespräch (4)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 May 2023 08:23:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei dem Gedanken, Mark Twains Satire aus dem Jahre 1905 auf heutige Megalomanen – von China über Nordkorea, Moskau und Iran bis in die USA — umzuschreiben, kommt einem unwillkürlich der Gedanke, inwiefern sich dieser menschliche Abschaum wohl bewusst ist, was genau er da anderen antut … … Leopold II ist sich dessen – wohl [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p style="font-size:24px"><strong>Bei dem Gedanken, Mark Twains Satire aus dem Jahre 1905 auf heutige <a rel="noreferrer noopener" href="https://gedankenwelt.de/megalomanen-7-merkmale/" target="_blank">Megalomanen</a> – von China über Nordkorea, Moskau und Iran bis in die USA — umzuschreiben, kommt einem unwillkürlich der Gedanke, inwiefern sich dieser menschliche Abschaum wohl bewusst ist, was genau er da anderen antut … </strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg" alt class="wp-image-7419" width="200" height="188" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b-300x281.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px"></a></figure></div>


<p style="font-size:22px">… Leopold II ist sich dessen – wohl nicht nur in Twains satirischer Reflexion — sehr wohl bewusst. Schuldgefühle hat er deswegen freilich nicht, wiegt er doch seine Schandtaten mit all dem »Guten« auf, das er getan zu haben meint. Wie sich das wohl bei seinen heutigen Pendants verhalten mag? </p>



<p style="font-size:22px">Keine Ahnung, was in dem Kopf von dem kleinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kim_Jong-un" target="_blank">Dicken aus Nordkorea</a> vorgeht. Seiner Handlungsweise nach zu urteilen, scheint sein Land für ihn wohl eher ein einziger riesiger Kinderspielplatz, auf  dem er seine kindischen Phantasien auslebt. <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping" target="_blank">Xi Jinping</a> steht in der großen Tradition menschenverachtender Planung auf lange Sicht. Der Einzelne hat dabei noch nie eine Rolle gespielt. Entsprechend wird er sich auch keinerlei Gedanken über die unter seinem Regime begangenen Gräuel machen. In Teheran gibt es eine »göttliche Ordnung« zu verteidigen, die von einer Religion vorgeschrieben ist, die den Tod von Ketzern wie <strong><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Salman_Rushdie" target="_blank">Salman Rushdie</a></strong> fordert … </p>



<p style="font-size:22px">… Hier muss man sich ganz nebenbei fragen, wie — hierzulande wie anderswo — die politisch ach so korrekte Fraktion damit umgeht, dass den Mann sein Schicksal nun doch noch ereilt hat; immerhin geht dieses Schicksal nicht zuletzt auf deren Kosten: Wer immer selbst nach dem Attentat in Paris noch Respekt vor diesen blutrünstigen Eiferern forderte, hat Salman Rushdies Auge auf dem Gewissen. Er steht hinter und zu dieser Tat! Macht sich da keiner was vor … </p>



<p style="font-size:22px">Was den <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Wladimirowitsch_Putin" target="_blank">Schlächter in Moskau</a> angeht, so hat der von Anfang an kein Hehl daraus gemacht, dass der im Westen gefeierte Fall der Sowjetunion das schlimmste Ereignis des 20. Jahrhunderts war und dass er, auf die eine oder andere Weise wieder zurück will. Dass der Westen unter der Führung der USA nicht aufgehört hat, Krieg gegen Moskau zu führen, ist wohl nicht von der Hand zu weißen; inwieweit dessen Vordringen nach Osten tatsächlich eine Bedrohung für Russland oder nur für ein durch und durch korruptes Regime war, sei dahingestellt. Nichts rechtfertigt die Gräuel in der Ukraine. Kratzt den Mann das? Todsicher nicht. </p>



<p style="font-size:22px">Und Donald Trump, den Vollpsychopathen, der mit einer so kindischen Sturheit die offenkundigsten Fakten leugnet. Nun, für den sind seine »Mitmenschen« allesamt nur <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.youtube.com/watch?v=dxdfD4OYLhQ" target="_blank">Objekte</a>. Entsprechend kratzt ihn ihr Schicksal nicht. Aber umso interessanter wäre wohl ein Monolog nach dem Vorbild von Leopolds <em>Selbstgespräch</em> … </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2022/02/st1r.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2022/02/st1r.png" alt class="wp-image-15893" width="97" height="103"></a></figure></div>


<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>Mark Twain</strong> </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>König Leopolds Selbstgespräch<br>Eine Verteidigung seiner Herrschaft im Kongo</strong></p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px">1905 </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:24px">in der Übersetzung von Bernhard Schmid © 2023<sup><a href="https://slangtimes.com/2023-05-15/koenig-leopolds-selbstgespraech-4/#footnote_1_18113" id="identifier_1_18113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie hier">1</a></sup> </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg" alt class="wp-image-7419" width="200" height="188" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b-300x281.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px"></a><figcaption class="wp-element-caption">»Ein Denkmal zur Verewigung meines Namens.« —</figcaption></figure></div>


<p class="has-text-align-right" style="font-size:22px">[Fortsetzung von <a href="https://slangtimes.com/2023-05-10/koenig-leopolds-selbstgespraech-3/">hier</a>] </p>



<p style="font-size:22px">Und was die Offenheit dieser Beckmesser hinsichtlich meines persönlichen Charakters anbelangt — sie könnten diesbezüglich unverblümter nicht sein, wäre ich ein Plebejer, ein Bauer, ein Mechaniker. Erinnern sie doch die Welt daran, dass mein Haus von Anbeginn an Kapelle und Bordell in einem und beide Gewerbe rund um die Uhr in Betrieb gewesen sind; dass ich meine Grausamkeiten gegenüber meiner Königin und meinen Töchtern Tag für Tag mit Schande und Schmach komplettiert habe; dass ich meiner Tochter einen letzten Blick auf ihre Mutter, meine Königin, in der seligen Zuflucht ihres Sarges verweigerte, und das, obwohl sie mich auf Knien flehend darum bat; und dass ich vor drei Jahren, nicht zufrieden mit dem, was ich einem fremden Volk gestohlen hatte, mein eigenes Kind seiner Habe beraubte und — ein Spektakel für die zivilisierte Welt zur Verteidigung meines Handelns und meines Verbrechens letzten Schliff — an ihrer statt vor Gericht erschien. Um es noch einmal zu sagen: Sie sind unfair und ungerecht! Sie werden dergleichen mehr wieder ausgraben und in Umlauf bringen, was immer sonst gegen mich spricht; aber sie werden dabei nichts, aber rein gar nichts von dem erwähnen, was für mich spricht. Habe ich doch mehr Geld für die Kunst ausgegeben als jeder andere Monarch meiner Zeit, und das wissen sie auch. Sagen sie das? Schreiben sie davon? Nein, tun sie nicht. Lieber verarbeiten sie ach so »grauenvolle Statistiken«, wie sie es nennen, zu ehrenrührigem Anschauungsunterricht für Kindergärten — und das zu dem alleinigen Zweck, sentimentale Gemüter schaudern zu machen und mit Vorurteilen gegen mich zu erfüllen. »Füllte man das von König Leopold im Kongo vergossene Blut Unschuldiger«, so schreiben sie, »in Eimer und reihte diese aneinandergestellt auf, so erstreckte sich diese Reihe über 2000 Meilen; könnten die Skelette seiner zehn Millionen abgeschlachteten oder verhungerten Toten«, sie meinen sie, »aufstehen und im Gänsemarsch defilieren, sie bräuchten sieben Monate und vier Tage, um einen gegebenen Punkt zu passieren; legte man sie zusammengedrängt aneinander, nähmen sie mehr Boden ein als St. Louis mitsamt der Weltausstellung; klatschten alle noch ein letztes Mal in die knochigen Hände, das grässliche Krachen wäre noch in einer Entfernung von — »Himmeldonnerwetter, was bin ich es leid! Und ähnliche Mirakel vollbringen sie mit dem Geld, das ich aus diesem Blut destilliert habe, um mir die Taschen zu füllen. Sie stapeln es auf zu ägyptischen Pyramiden, legen Teppiche in der Sahara damit aus, verteilen es über den Himmel, bis sein Schatten die Erde ins Dämmerlicht taucht. Und die Tränen, für die ich gesorgt, die Herzen, die ich gebrochen habe — oh, nichts, aber auch gar nichts kann sie dazu bewegen, sie nicht wieder aufzuwühlen! </p>



<p style="font-size:22px">[<em>Nachdenkliche Pause</em>] Nun denn … wie dem auch sei, die Yankees jedenfalls habe ich drangekriegt! das ist ein Trost. (<em>Liest mit höhnischem Lächeln den Anerkennungsbeschluss des Präsidenten vom 22. April 1884</em>)</p>



<p style="font-size:22px">»… die Regierung der Vereinigten Staaten bekundet hiermit ihr Wohlwollen wie ihre Billigung der humanen und wohltätigen Ziele (meines Plans für den Kongo) und wird die Offiziere der Vereinigten Staaten zu Lande und zu Wasser anweisen, ihre Flagge als die Flagge einer befreundeten Regierung zu sehen.« </p>



<p class="has-text-align-right" style="font-size:22px">[Fortsetzung hier]</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_18113" class="footnote">THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie <a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/kingleopoldssoli00twai_0" target="_blank">hier</a></li></ol>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>König Leopolds Selbstgespräch (2)</title>
		<link>https://slangtimes.com/2023-04-23/koenig-leopolds-selbstgespraech-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Apr 2023 07:35:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Mark Twain brachte 1905 — mit all der ihm gemeinhin zugeschriebenen Naivität — sein Entsetzen über die ruchbar gewordenen Gräuel zum Ausdruck, die man im Namen des belgischen Königs Leopold II. im Kongo beging. Er tat dies in Form eines fiktiven Monologs, in dem der König seine Handlungsweise auf himmelschreiende Weise zu rechtfertigen versucht. Es [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p style="font-size:24px"><strong>Mark Twain brachte 1905 — mit all der ihm gemeinhin zugeschriebenen Naivität — sein Entsetzen über die ruchbar gewordenen Gräuel zum Ausdruck, die man im Namen des belgischen Königs Leopold II. im Kongo beging. Er tat dies in Form eines fiktiven Monologs, in dem der König seine Handlungsweise auf himmelschreiende Weise zu rechtfertigen versucht. Es handelt sich hier um ein Stück — durchaus brutaler — Satire, wie man sie heute, wie’s aussieht, leider kaum noch findet</strong>. <strong>Satiriker würden sich denn ja auch gleich von mindestens  zwei Seiten kritisiert bis bedroht sehen</strong> … </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg" alt class="wp-image-7419" width="200" height="188" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b-300x281.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px"></a></figure></div>


<p style="font-size:22px">… von den Kritisierten und einem politisch ach so korrekten Mob, der Respekt vor jedem Schlächter verlangt, zumal wenn er »religiös« motiviert ist, wie das blutrünstige Gesindel in Teheran, das seit Jahrzehnten im Namen einer göttlichen Ordnung verfolgt, foltert, mordet. Ein Regime, das einen <strong>Salman Rushdie</strong> — einen britischen Staatsbürger obendrein! — zum Tode verurteilte, und das noch nicht mal einiger kleiner Scherze in einem Roman wegen, sondern letztlich weil das Regime ein Hühnchen mit den Briten zu rupfen hatte. Wenn Religion Staatsmacht erlangt, ist es nicht nur einfach, gegen Andersgläubige und Andersdenkende im Namen einer  göttlichen Ordnung anzugehen, es ist  auch einfach, selbst das schäbigste Eigeninteresse mit dieser göttlichen Ordnung zu verbrämen. </p>



<p style="font-size:22px">In dieser zweiten Portion von Leopolds zynischem Monolog passiert genau das: Leopold bezeichnet sich als ein von Gott eingesetzter und damit über jede Kritik erhabener Souverän. Jede Kritik an ihm kommt einer Gotteslästerung  gleich. </p>



<p style="font-size:22px">Eher witzig ist, dass Twain, der amerikanische Patriot, sich offensichtlich selbst auf den Schlips getreten fühlte, weil Leopold wohl als erste die Amerikaner dazu gebracht hatte, vor seiner im Kongo gehissten Flagge zu salutieren. </p>


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<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2022/02/st1r.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2022/02/st1r.png" alt class="wp-image-15893" width="97" height="103"></a></figure></div>


<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>Mark Twain</strong> </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>König Leopolds Selbstgespräch<br>Eine Verteidigung seiner Herrschaft im Kongo</strong></p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px">1905 </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:24px">in der Übersetzung von Bernhard Schmid © 2023<sup><a href="https://slangtimes.com/2023-04-23/koenig-leopolds-selbstgespraech-2/#footnote_1_17995" id="identifier_1_17995" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie hier">1</a></sup> </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg" alt class="wp-image-7419" width="200" height="188" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b-300x281.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px"></a><figcaption class="wp-element-caption">»Ein Denkmal zur Verewigung meines Namens.« —</figcaption></figure></div>


<p class="has-text-align-right" style="font-size:22px">[Fortsetzung von <a href="https://slangtimes.com/2023-04-16/koenig-leopolds-selbstgespraech-1/">hier</a>] </p>



<p style="font-size:22px">Diese Kanaillen – <em>alles</em> plaudern sie aus! Oh ja, alles: dass ich mit Tränen in den Augen von einer Großmacht zur anderen gepilgert bin, die Bibel im Mund, jede Pore meines Fells Frömmigkeit schwitzend, und eine wie die andere flehentlich bat, mir – als ihrem Statthalter – den riesigen, reichen und dicht bevölkerten Freistaat Kongo anzuvertrauen, auf dass ich Sklaverei und Sklavenjagd ausmerze und diese fünfundzwanzig Millionen sanftmütiger und unschuldiger Schwarzer aus der Finsternis ins Licht hebe, — das Licht unseres gesegneten Erlösers, das Licht, das seinem heiligen Wort entströmt, das Licht, das unsere edle Zivilisation so glorreich macht, — auf dass ich sie emporheben, ihre Tränen trocknen und ihre geschundenen Herzen mit Freude und Dankbarkeit erfüllen kann, — auf dass ich sie emporheben und ihnen begreiflich machen kann, dass sie nicht länger Ausgestoßene und Verlassene, sondern unsere Brüder in Christus sind; dass Amerika und dreizehn große europäische Staaten sich — voll Mitgefühl mit mir weinend — überzeugen ließen; dass ihre Vertreter sich in Berlin zu einer Konferenz trafen und mich zum Oberaufseher und Superintendenten des Staates Kongo bestallten, dabei unter größter Sorgfalt meine Befugnisse und Grenzen festlegten, um Leib, Leben, Freiheiten und Eigentum der Eingeborenen vor Schaden und Verletzungen zu bewahren; dass sie Gerichte einsetzten; dass sie den Handel mit Whisky und Waffen verboten, sonstigen Handel für die Kaufleute und Händler aller Nationen unumschränkt freigaben; und dass sie die Missionare aller Glaubensrichtungen und Konfessionen willkommen hießen und zu schützen versprachen. So schrieben sie über Planung und Vorbereitung meines dortigen Establishments, über die Auswahl meiner Beamtenschar — »Kumpane« und »Zuhälter« von mir, allesamt »abscheuliche Belgier« — darüber, dass ich meine Flagge aufgezogen und einen Präsidenten der Vereinigten Staaten »behumpst« hätte, sie als erster anzuerkennen und vor ihr zu salutieren. Sollen sie mich doch einen Lumpen schimpfen, wenn sie wollen; allein der Gedanke, eine Spur zu clever gewesen zu sein für diese Nation, die sich für ach so clever hält, ist mir eine tiefe Genugtuung. Ja doch, ich habe in der Tat einen Yankee ausgeschmiert – wie die Leute dort sagen. Piratenflagge? Sollen sie es ruhig so nennen — vielleicht ist sie das ja. Jedenfalls <em>haben sie als erste davor salutiert</em>. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/05/leo2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/05/leo2.jpg" alt class="wp-image-18027" width="238" height="288" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/05/leo2.jpg 317w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/05/leo2-248x300.jpg 248w" sizes="(max-width: 238px) 100vw, 238px"></a><figcaption class="wp-element-caption">»Jedenfalls haben sie als erste davor salutiert.«</figcaption></figure></div>


<p style="font-size:22px">Diese amerikanischen Missionare, so was von lästig! diese britischen Konsuln, so was von unverblümt! diese geschwätzigen Verräter unter der belgischen Beamtenschaft! — diese leidigen Papageien, die in einem fort reden, in einem fort aus der Schule plaudern. So haben sie gesagt, dass ich den Kongostaat zwanzig Jahre lang nicht als Treuhänder der Mächte, nicht als deren Agent, nicht als Untergebener, nicht als Aufseher regiert hätte, sondern als Souverän — als Souverän über ein fruchtbares Gebiet vom vierfachen Ausmaß des Deutschen Reiches, — als absoluter, niemandem verantwortlicher, über jedes Gesetz erhabener Souverän, der das Berliner Abkommen über den Kongo mit Füßen getreten hätte; der alle auswärtigen Handelsleute außer meiner eigenen Person ausgeschlossen hätte; der den Handel mittels Konzessionären, allesamt meine Kreaturen und Verbündeten, an sich gerissen hätte. Ich hätte Besitz ergriffen von diesem Staat, als mein ganz persönliches und alleiniges Eigentum; ich würde die Gesamtheit seiner ungeheuren Einkünfte als meine private »Beute« betrachten — meine und meine allein; ich würde Millionen von Menschen dort als mein Privateigentum, als meine Leibeigenen beanspruchen, sie als meine Sklaven halten; deren Arbeit, bezahlt oder unbezahlt, die von ihnen angebauten Nahrungsmittel gehörten nicht ihnen, sondern mir; der Kautschuk, das Elfenbein und alle anderen Reichtümer des Landes gehörten mir – mir allein – und würden für mich von Männern, Frauen und kleinen Kindern gesammelt, — unter Androhung von Peitsche, Kugel, Feuer, Hunger, Verstümmelung und dem Strang.</p>



<p style="font-size:22px">Dieses Ungeziefer! — es ist, wie ich sage, sie haben nichts, aber auch rein gar nichts zurückbehalten! Sie haben diese und noch weitere Einzelheiten enthüllt, über die sie schon aus Scham hätten schweigen müssen, schließlich handelt es sich dabei um Enthüllungen über einen König, eine heilige Persönlichkeit, die aufgrund seiner Wahl und Ernennung zu seinem großen Amt durch Gott selbst immun gegen Vorwürfe ist; einen König, dessen Handlungsweise nicht kritisiert werden kann, ohne Gott selbst zu lästern. Hat Gott sie nicht selbst von Anfang an im Auge gehabt, ohne Unzufriedenheit zu äußern, ohne sie zu missbilligen, ohne sie in irgendeiner Weise zu hemmen oder ihnen gar ein Ende zu machen? Das sind für mich Zeichen seiner Billigung dessen, was ich getan habe, seiner tief empfundenen, freudigen Billigung, das darf ich wohl sagen. Mit dieser großen Auszeichnung gesegnet, gekrönt, selig mit dieser goldenen, dieser unsagbar kostbaren Auszeichnung, – was kümmert es mich, wenn Menschen mich verfluchen und schmähen? [<em>mit einem plötzlichen Gefühlsausbruch</em>] Mögen sie eine Million Äonen rösten in — [<em>er beginnt schwer zu atmen, überzieht das Kruzifix mit überschwänglichen Küssen und murmelt dann kummervoll: »Diese indiskreten Worte bringen mir noch die ewige Verdammnis ein.«</em>] </p>



<p class="has-text-align-right" style="font-size:22px">[Fortsetzung <a href="https://slangtimes.com/2023-05-10/koenig-leopolds-selbstgespraech-3/">hier</a>]</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_17995" class="footnote">THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie <a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/kingleopoldssoli00twai_0" target="_blank">hier</a></li></ol>]]></content:encoded>
					
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