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	<title>Dialektforschung - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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	<description>Über Slang, Übersetzen &#38; die Sprache dazu</description>
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		<title>nuschen: eine genuscht kriegen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Mar 2019 06:54:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Warum das an dieser Stelle mal versprochene Wörterbuch der deutschen Umgangssprache trotz hehrer Absichten wieder eingeschlafen ist, habe ich anderenorts im Blog erklärt, aber irgendwie stoße ich nun mal immer wieder auf Wörter, die mich seit Jahren – immer wieder mal – beschäftigen. »Nuschen« bzw. »eine genuscht kriegen« ist eines davon. Und wo der Artikel [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4><img decoding="async" class="alignleft wp-image-12034 size-thumbnail" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-150x150.jpg" alt width="150" height="150" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-150x150.jpg 150w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-300x300.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-144x144.jpg 144w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-370x368.jpg 370w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25.jpg 448w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px">Warum das an dieser Stelle mal versprochene Wörterbuch der deutschen Umgangssprache trotz hehrer Absichten wieder eingeschlafen ist, habe ich anderenorts im Blog erklärt, aber irgendwie stoße ich nun mal immer wieder auf Wörter, die mich seit Jahren – immer wieder mal – beschäftigen. »Nuschen« bzw. »eine genuscht kriegen« ist eines davon. Und wo der Artikel hier seit Jahren als Entwurf bereit steht, versuch ich das mal zu Ende zu bringen…</h4>
<p>Wie dem auch sei, jemandem eine zu »<strong>nuschen</strong>« bzw. »<strong>eine genuscht kriegen</strong>« / »<strong>eine genuscht bekommen</strong>« ist Dialekt, und unsere deutschsprachigen Dialekte sind (obwohl dazu auch zunehmend inkompetente Übersetzungen zählen<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_1_12700" id="identifier_1_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe »am Ende des Tages«, »lose Kanonen«, »wilder Ritt« und ähnlicher Mist, der als schick empfunden und als Slang nachgeplappert wird">1</a></sup> ) die eigentlichen Quellen unserer gesamtdeutschen Umgangsprache. Zum Beleg dafür habe ich ja auch mühselig den alten <a href="https://slangtimes.com/2018-07-28/deutscher-slang-a-la-1892-22/">Genthe</a> aufbereitet. Da gäb’s noch viel zu holen, soweit die Aussprache einer gesamtdeutschen Verbreitung nicht entgegensteht. Und bei »nuschen« ist das nun sicher nicht der Fall. Ich bin – relativ – sicher<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_2_12700" id="identifier_2_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ich möchte keinen Eid drauf leisten bei meinem Gedächtnis, aber ich bilde mir ein aus dem Munde von Hans Meiser; auf der anderen Seite: Habe ich die Nachrichten auf RTL geguckt? Fraglich...">2</a></sup>, »<strong>nuschen</strong>« zum ersten Mal im TV gehört zu haben: irgendjemand hatte, seiner Aussage nach, irgendjemandem »eine genuscht«.</p>
<p>Okay, das war noch vor dem Internet – oder jedenfalls noch bevor dieses als World Wide Web für uns nutzbar wurde. Aber selbst heute gibt die Suche nicht allzu viel her. Und Duden und selbst »der Küpper« versagen auch. Und wo wir schon dabei sind, das gilt auch für die gesamte großartige Flöte von klassischen Wörterbüchern, die die Uni Trier ins Web gestellt hat. Aber wenn wir <strong>Dialekt</strong> vermuten, sind wir mit den guten alten (mit Betonung auf »alt«) <strong>Dialektwörterbüchern</strong> bzw. <strong>Idiotika</strong> sowieso ausnahmslos am besten beraten. Und dazu muss man heute noch nicht mal mehr in den Lesesaal der nächsten Bibliothek.</p>
<p>Aber lassen Sie mich erst mal das erste »moderne« Glossar zitieren, in dem ich »nuschen« seinerzeit fand, Claus Spricks <em><strong>HÖMMA! Sprache im Ruhrgebiet</strong></em>.</p>
<blockquote><p><strong>nuschen: jemandem eine nuschen</strong> = jemandem eine Kopfnuß oder eine rasche (aber nicht sehr heftige) OHR­FEIGE verpassen — “hör endlich auf zu brüllen, oder willze noch eine genuscht kriegen?” / SCHLAGEN<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_3_12700" id="identifier_3_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Straelener Manuskripte Verlag 1989. Glossar Nr. 3. EUROPÄISCHES ÜBERSETZER-KOLLEGIUM">3</a></sup></p></blockquote>
<p>Ich stelle das Zitat deshalb an den Anfang, weil es – zumindest indirekt – die Beziehung zur »<strong>Nuss</strong>« herstellt, die sich bei weiterer Nachforschung womöglich als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Volksetymologie" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Volksetymologie</strong></a> erweist. So fand ich damals mit einiger Beinarbeit, heute kriegen Sie das, ohne den Hintern lüften zu müssen, im <strong>Internet Archive</strong>, einen verstaubten Band aus dem Jahre 1868 von einem Karl Regel, <a href="https://archive.org/details/bub_gb_V4ACAAAAQAAJ/page/n251" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em><strong>Die Ruhlaer Mundart</strong></em></a><sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_4_12700" id="identifier_4_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Weimar: Hermann Boehlau, 1868.">4</a></sup> Nun, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhla" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ruhla</strong></a> liegt (aber auch schon so was von mitten in Deutschland!) in Westthüringen.</p>
<blockquote><p><strong>noss</strong> v. trans. heftig schlagen, prügeln (z. B. <em>dän humme düchtig genosst’, ä hät ämä d’n kôpf genosst krejt</em> tüchtige Schläge auf den Kopf bekommen); <strong>kópfnoss</strong> f. Kopfnuss, Schlag auf den Kopf (<em>där hät schô kôpfnöss gekrêjt</em>); ebenso thür. <em><strong>noss, nussen</strong></em> schlagen, <em><strong>kopfnuss</strong></em> Ohrfeige; henneb. <em><strong>zernusst</strong></em> zerschlagen Fromm. 3, 137. bair. <strong><em>nussen, abnussen</em></strong> Schmell. 2, 711. westerw. <em><strong>nossen, nössen</strong></em> Schmidt 126. schwäb. <em><strong>nussen, vernussen</strong></em> Schmid 410. Schweiz, <em><strong>nüssi</strong></em> n. Nasenstüber, <strong><em>nusch</em></strong> m. Schlag, <strong><em>nuschen</em></strong> ohrfeigen Stald. 2, 246. 247. Schwerlich haben diese Wörter eine andere Verbindung mit ‚Nuss‘ (nux) als die, welche das etymologisierende Volksbewusstsein hergestellt hat (wie z. B. auch in der verbreiteten thür. Redensart: <em>du kriegst Prügel wie ein Nusssack</em>); vielmehr berechtigt uns das ahd. Partic. <em><strong>firnuosoten</strong></em> attritis Grff. 4, 1126. 2, 1130, welches als eine Ableitung von ahd. <em><strong>nuan</strong></em> tundere erscheint (Grff. 4, 1125. Dfb. goth. wb. 1, 314), unserem Zeitwort <em><strong>nussen, vernussen</strong></em> eine völlig gesonderte Stelle anzuweisen.<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_5_12700" id="identifier_5_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Regel, Seite, 243">5</a></sup></p></blockquote>
<p>Die ich diakritischen Zeichen im Zitat hier nicht korrekt wiedergeben kann, hier noch ein Screenshot von der Stelle im Buch für die, die’s genauer wissen wollen:</p>
<p><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-medium wp-image-12710" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-300x222.jpg" alt width="300" height="222" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-300x222.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-768x568.jpg 768w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-1024x758.jpg 1024w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-370x274.jpg 370w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-570x422.jpg 570w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-770x570.jpg 770w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-784x580.jpg 784w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss.jpg 1115w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px"></a></p>
<p>Halten wir erst mal zwei Punkte fest: Erstens gab es das Wort schon damals von Mitteldeutschland bis in die Schweiz; wir müssten uns (vielleicht später) noch im deutschen Norden umsehen; zweitens, kommt »nussen« bzw. »nuschen« womöglich nicht von der »Nuss«. Ich zitiere: »Schwerlich haben diese Wörter eine andere Verbindung mit ‚Nuss‘ (nux) als die, welche das etymologisierende Volksbewusstsein hergestellt hat…«</p>
<p>Als Bayer möchte hier auch noch den von <strong>Regel</strong> angeführten <a href="https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000004050" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Schmeller</strong></a> zitieren, zu dessen <em><strong>Bayerischem Wörterbuch</strong></em> ich ein recht gespaltenes Verhältnis habe, weil es selbst in meiner schönen vierbändigen Printausgabe (Oldenbourg) a) schlicht kaum zu lesen und in dem b) seiner unergründlichen Anordnung wegen schlicht nichts zu finden ist. Was übrigens leider auch für die <a href="https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB00005026?cq=Bayerisches%20W%C3%B6rterbuch%20Sammlung&amp;p=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online-Ausgabe</a> gilt. Probieren Sie’s da mal im 1. Band, Spalte 1764–65. Das folgende Zitat stammt jedoch aus der älteren Ausgabe.</p>
<blockquote><p><strong>nußen, abnußen, dernußen</strong> Einen, ihn abprügeln, durchprügeln. <strong>Nuß</strong>, plur. Stöße, Schläge, Streiche. <strong>Nuß kriegen</strong>. Vielleicht ist diese Bedeutung von <strong>nußen</strong> eine bloße Figur von der vorhergehenden, (<em>d Weiber und d Nussbam wlln geschlagng sa</em>). Indessen könnte umgekehrt die das Stoßens, des Brechens durch Stoßen oder Drücken die erste seyn. Vrgl. oben unter <strong>nießen</strong> das alte <strong>niozan</strong> <em>tundere</em>. Contriti[o] cordis heißt im Psalt. Windb. “des vernozzen hercen.”</p></blockquote>
<p>In <strong>Follmanns <em>Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten</em></strong> finden wir:</p>
<blockquote><p><strong>nossen</strong> [nosən Bo.] tr. v. <em>mit dem Fingerknöchel auf den Kopf schlagen</em>: ich han em än genosst. — ElsWB els. 1, 789 nusse; hess. N. 195 nussen, nüssen stoßen, schlagen; baier. 1, 1764 nussen, abnussen; östr. nuss’n puffen, knuffen From. 3, 191, 70. s. Nuss 2.<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_6_12700" id="identifier_6_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Michael Ferdinand Follmann, Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten (1909)">6</a></sup></p></blockquote>
<p>Und in <strong>Müllers <em>Rheinischem Wörterbuch</em></strong> haben wir noch:</p>
<blockquote><p><strong>Noss</strong> ‑o- = Nuss (s. d.); nossen ‑o- = prügeln s. nussen II;&nbsp;<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_7_12700" id="identifier_7_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Josef Müller / Heinrich Dittmaier / Karl Meisen / Matthias Zender, Rheinisches Wörterbuch">7</a></sup></p></blockquote>
<p>Es sei hier angemerkt, dass die von Regel zitierte interessante Fundstelle »<strong><em>nusch</em></strong> m. Schlag, <strong><em>nuschen</em></strong> ohrfeigen Stald. 2, 246. 247.« aus dem <em><strong>Versuch eines <a href="https://archive.org/details/versucheinessch00unkngoog/page/n273" target="_blank" rel="noopener noreferrer">schweizerischen Idiotikon</a> mit etymologischen Bemerkungen Untermischt</strong></em> von <strong>Franz Joseph Stalder</strong> (1812) stammt, wo es heißt:</p>
<blockquote><p><strong>Nuschen</strong> v act. u. n. – Streiche, Ohrfeigen versetzen (Unt.); Nusch, Schlag (Schf.) Von unserm Zwischenwort nu (hui), wie Husche, Hursche von hui, hursch.</p></blockquote>
<p>Interessanterweise finden sich hier auch noch</p>
<blockquote><p><strong>Nüschen, nischen, nuschen</strong> v. act. – rütteln. (B. Oberl.)<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_8_12700" id="identifier_8_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Stalder, 247">8</a></sup>&nbsp;</p></blockquote>
<p>und</p>
<blockquote><p><strong>Nussen</strong> v.n.m. haben&nbsp; (Pict. p. 309) Nüsse pflücken.<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_8_12700" id="identifier_9_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Stalder, 247">8</a></sup></p></blockquote>
<p>Auch wenn die Bedeutung damit geklärt ist, dem Ursprung von »<strong>nuschen</strong>« auf den Grund zu gehen, scheint gar nicht so leicht. Mit dem Umstand, dass man Nüsse vom Baum schlägt, wäre »<strong>nussen</strong>« sicher prima erklärt, aber das haben Volksetymologien nun mal so an sich, dass sie die naheliegendsten, d.h die sich offensichtlich anbietende Erklärung bevorzugen. Ob es Sinn hat, sich nach der Nahtstelle zu heute kaum mehr verständlichen Wörtern wie <em><strong>firnuosoten</strong></em> umzusehen, »welches als eine Ableitung von ahd. <em><strong>nuan</strong></em> tundere erscheint«? Bestenfalls für Leute, die dafür bezahlt bekommen…</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_12700" class="footnote">siehe »am Ende des Tages«, »lose Kanonen«, »wilder Ritt« und ähnlicher Mist, der als schick empfunden und als Slang nachgeplappert wird</li><li id="footnote_2_12700" class="footnote">ich möchte keinen Eid drauf leisten bei meinem Gedächtnis, aber ich bilde mir ein aus dem Munde von Hans Meiser; auf der anderen Seite: Habe ich die Nachrichten auf RTL geguckt? Fraglich… </li><li id="footnote_3_12700" class="footnote">Straelener Manuskripte Verlag 1989. Glossar Nr. 3. EUROPÄISCHES ÜBERSETZER-KOLLEGIUM</li><li id="footnote_4_12700" class="footnote">Weimar: Hermann Boehlau, 1868.</li><li id="footnote_5_12700" class="footnote">Regel, Seite, 243</li><li id="footnote_6_12700" class="footnote">Michael Ferdinand Follmann, <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=LothWB&amp;lemid=CN00293" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten</a> (1909) </li><li id="footnote_7_12700" class="footnote">Josef Müller / Heinrich Dittmaier / Karl Meisen / Matthias Zender, <em><strong>Rheinisches Wörterbuch</strong></em></li><li id="footnote_8_12700" class="footnote">Stalder, 247</li></ol>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ugs.- Projekt 13: bräsig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Feb 2013 12:56:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Wieder mal so ein Wort, das mich in meiner Ansicht bestärkt, dass man sich nicht so haben sollte, wenn es darum geht, beim Übersetzen auf Wörter und Wendungen aus den deutschen Regionen zurückzugreifen. Vorausgesetzt, dass man sich kundig macht, was ihre Bedeutung angeht. Aber das sollte ja ohnehin zum Repertoire eines ordentlichen Übersetzers gehören. Unsere [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5 align="JUSTIFY"><span style="font-size: 16px; font-family: trebuchet ms,geneva;">Wieder mal so ein Wort, das mich in meiner Ansicht bestärkt, dass man sich nicht so haben sollte, wenn es darum geht, beim Übersetzen auf Wörter und Wendungen aus den deutschen Regionen zurückzugreifen. Vorausgesetzt, dass man sich kundig macht, was ihre Bedeutung angeht. Aber das sollte ja ohnehin zum Repertoire eines ordentlichen Übersetzers gehören. Unsere deutsche Umgangssprache ist im Grunde nichts weiter als ein Fundus von Wörtern und Wendungen, die gesamtdeutsch Karriere gemacht haben. Warum manche Wörter Karriere machen und andere nicht, darüber sollen sich andere Gedanken machen. Ich bin sicher, einer der wesentlichen Gründe dafür ist ihre Griffigkeit, die Tatsache, dass sie ganz präzise eine bestimmte Lücke im gesamtdeutschen Wortschatz füllen; ein weiterer liegt wohl darin, dass sie spontan gefallen, interessant klingen, ansprechen. Und für kaum ein Wort trifft das mehr zu als das Adjektiv »bräsig« und die eine oder andere Ableitung davon. </span></h5>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 12px;"><b>SlangGuy’s Wörterbuch der deutschen Umgangssprache</b><br>
(Die Bedeutungen von »bräsig« finden Sie weiter unten.)<b><br>
</b></span></p>
<p><span style="font-size: 14px;">»Aus dem anarchischen Exzess ist eine bräsige Vereinstümelei geworden«, meinte dieser Tage im Satire-Gipfel irgendso ein vor Selbstgefälligkeit berstender Profisatiriker in seinen herzlich überflüssigen Betrachtungen über den deutschen Fasching.<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-02-10/ugs-projekt-13-brasig/#footnote_1_5909" id="identifier_1_5909" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Solche sind so überflüssig wie die alljährlichen Reflexionen zum Weihnachtsstress.">1</a></sup> »Bräsig« freilich<span id="more-5909"></span> war sehr bezeichnend für seine preziös formulierten Banalitäten, so modisch wie das Wort in den letzten Jahren geworden ist. Es wäre mir entsprechend noch nicht mal aufgefallen, wäre mir »bräsig« nicht just am selben Tag in meiner derzeitigen Lieblingslektüre, <strong>Hermann Frischbiers</strong> <strong><i>Preussischem Wörterbuch</i></strong><sup><a href="https://slangtimes.com/2013-02-10/ugs-projekt-13-brasig/#footnote_2_5909" id="identifier_2_5909" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hermann Frischbier, Preussisches Wörterbuch. Berlin 1882.">2</a></sup> aus dem Jahre 1882 das Wort bräsig untergekommen.</span></p>
<blockquote><p><span style="font-size: 14px;"><span style="color: #252525;"><b>bräsen, </b></span><span style="color: #252525;"><i>sw., sich, </i></span><span style="color: #252525;">sich brüsten, blähen, aufgeblasen einherstolzieren, sich hochmütig geberden. Davon </span><span style="color: #252525;"><b>bräsig, </b></span><span style="color: #252525;"><i>adj. </i></span><span style="color: #252525;">In Livland ebenso. Hupel, 30. Sallmann, 29b.<br>
<b>brashaft, </b></span><span style="color: #252525;"><i>adj., </i></span><span style="color: #252525;">aufgeblasen, großmaulig. Danzig. W. Seidel, 29. Vgl. </span><span style="color: #252525;"><b>bräsen.<br>
bräsig, </b></span><span style="color: #252525;"><i>adj., </i></span><span style="color: #252525;">s. </span><span style="color: #252525;"><b>bräsen</b></span><span style="color: #252525;">.<br>
<b>Bräske </b></span><span style="color: #252525;"><i>(ä </i></span><span style="color: #252525;">lang), </span><span style="color: #252525;"><i>m., </i></span><span style="color: #252525;">dicker, träger Mensch. Natangen. Nach Mühling </span><span style="color: #252525;"><b>Bröske.&nbsp;</b></span></span></p></blockquote>
<h4><span style="color: #000000; font-size: 14px;"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2012/05/P1070124_460.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4783" title="P1070124_460" alt src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2012/05/P1070124_460.jpg" width="460" height="196" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2012/05/P1070124_460.jpg 460w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2012/05/P1070124_460-300x127.jpg 300w" sizes="(max-width: 460px) 100vw, 460px"></a></span></h4>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 14px;"><strong>»Bräsig«</strong> ist ein Wort, von dessen Existenz ich als Süddeutscher die ersten 30, 40 Jahre meines Lebens keine Ahnung hatte. Jedenfalls erinnere ich mich im Augenblick nicht daran. Und das pikanterweise obwohl der Norddeutsche das Wort ganz gern auf das <strong>Klischeebild des Bajuwaren</strong> anzuwenden scheint. So führte etwa das ZDF den Schauspieler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Fischer_%28Schauspieler%29" target="_blank"><strong>Dieter Fischer</strong></a> als Kommissar <strong>Anton Stadler</strong> in einem Interview mit der Überschrift »<strong>Der bayerisch-bräsige Typ</strong>« bei den <em><strong>Rosenheim-Cops</strong></em> ein. Wie dem auch sei, es handelt sich um ein niederdeutsches Adjektiv, das in den letzten Jahren eine gesamtdeutsche Karriere gemacht hat, womöglich gerade den ganz großen Durchbruch hinter sich hat. Kurzum, es hat sich zum – mehr oder weniger nervigen – <strong>Modewort</strong> gemausert und damit zum Slang. Mal sehen, ob es sich in der <strong>gesamtdeutschen Umgangssprache</strong> halten kann oder ob die Leute außerhalb von, was weiß ich, <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mecklenburg-Vorpommern" target="_blank">Mecklenburg-Vorpommern</a></strong> – und dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrpott" target="_blank"><strong>Ruhrpott</strong></a> (siehe weiter unten) –, es irgendwann wieder für sich alleine haben. So oder so, im Augenblick einnert mich seine Karriere irgendwie an die des ebenfalls norddeutschen »<strong>dröge</strong>«, das ebenfalls nach kurzer Anlaufzeit in aller Munde war.</span></p>
<p><span style="font-size: 14px;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/393971626X?ie=UTF8&amp;tag=slang-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3831130523&quot;" target="_blank"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-5927 alignleft" alt="Hamb1" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/Hamb1.jpg" width="240" height="372" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/Hamb1.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/Hamb1-193x300.jpg 193w" sizes="(max-width: 240px) 100vw, 240px"></a>Ein wesentliches <strong>Problem mit »bräsig«</strong> scheint mir daraus zu erwachsen, dass hier die Bedeutungen eines <strong>nieder- bzw. plattdeutschen Wortes</strong> mit einem Adjektiv aus dem <strong>Ruhrpott</strong> durcheinandergeraten, das dort als »bräsich« in Gebrauch ist. Nicht dass die »Muttersprachler« ein Problem damit hätten, das nicht, aber der Rest der Nation kommt bei so etwas leicht aus der Spur. Das sieht man, wenn in dem einen oder anderen Forum eine Bedeutung gestrichen wird, die es – wie ein selbst ernannter Fachmann zu monieren weiß – gar »nicht gibt«.<br>
</span></p>
<p>Die alte, die Grundbedeutung von »bräsig«, die heute offensichtlich nirgendwo mehr im Schwange ist,<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-02-10/ugs-projekt-13-brasig/#footnote_3_5909" id="identifier_3_5909" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="über einen Kommentar dazu würde ich mich sehr freuen">3</a></sup> ist »kräftig« , »wohlgenährt«, »gesund«. Von dieser wohlbeleibten, rotwangigen Grundkonstitution schloss man offensichtlich auf ein gewisses Phlegma, das eine körperliche wie geistige Trägheit und womöglich gar Dickfelligkeit suggeriert.</p>
<p><span style="font-size: 14px;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Reuter" target="_blank"><strong>Fritz Reuter</strong></a>, »einer der bedeutendsten Dichter und Schriftsteller der niederdeutschen Sprache«, wie die Wikipedia weiß, uns Bayern ist der Mann eher unbekannt, hatte einen <strong>»Entspekter Bräsig«</strong>, der übrigens kein Kriminaler war, sondern einer, der in seiner Eigenschaft als »Gutsinspektor« zugange war. <strong>Zacharias Bräsig</strong>, der seine »Überlegungen und Kommentare in einer hochdeutsch-plattdeutschen Sprachmischung, dem Missingsch, abgibt«,<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-02-10/ugs-projekt-13-brasig/#footnote_4_5909" id="identifier_4_5909" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Barbara Scheuermann, Zur Funktion des Niederdeutschen im Werk Uwe Johnsons. (Beiträge a. d. Institut für Verkehrswissenschaft d. Uni Münster">4</a></sup>) verdankt seinen Namen wohl einer der Eigenschaften, die man mit dem Adjektiv zum Ausdruck bringen will.</span></p>
<p><span style="font-size: 14px;">Wenn ich aus <strong>Peter Schmachthagens</strong> vorzüglicher Sammlung <i><b>Sprechen Sie Hamburgisch</b></i> zitieren darf:</span></p>
<blockquote><p><span style="font-size: 14px;"><b>bräsig</b> hörte man ab und zu auch in Hamburg. Urspr. ndd. für kräftig, wohlgenährt, wird es später im Sinne von dickfellig od. unwillig gebraucht. Lautvar.: <i><b>brösich</b></i>. Allgemein bekannt wurde das Wort durch die breit mecklenburgische Figur des <i>Onkel Bräsig</i> in Fritz Reuters Roman »Ut mine Stromtid«. In der ARD-TV-Serie von 1978 spielte der niederdeutsche Schauspieler Fitz Hollenbeck (geb. 1929 in Lübz) diese Rolle.<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-02-10/ugs-projekt-13-brasig/#footnote_5_5909" id="identifier_5_5909" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Peter Schmachthagen, Sprechen Sie Hamburgisch. Band 2. Hamburg: Hamburger Abendblatt, 2010.">5</a></sup></span></p></blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 14px;">Der Vollständigkeit halber vor den augenblicklich kursierenden Bedeutungen noch ein verwandter Eintrag aus dem <strong>Frischbier</strong>: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 14px;"><span style="color: #252525;"><b>brastig</b></span><span style="color: #252525;">, </span><span style="color: #252525;"><i>adj. </i></span><span style="color: #252525;">u. </span><span style="color: #252525;"><i>adv. </i></span><span style="color: #252525;">1. breit, bequem in Bezug auf den Raum, den jemand beim Sitzen einnimmt. </span><span style="color: #252525;"><i>Brastig sitzen </i></span><span style="color: #252525;">– </span><span style="color: #252525;"><i>sich brastig hinsetzen. Hei geit bret on brastig. </i></span><span style="color: #252525;">Sprw. I, 1179. 2. in betreff des Benehmens: keck, patzig, herausfordernd, übermütig, aufgeblasen, impertinent, frech, anmaßend, vornehm thuend. </span><span style="color: #252525;"><i>Es </i></span><span style="color: #252525;">(das Tier in einem Rätsel) </span><span style="color: #252525;"><i>kann recht brastig gehen. Carm. nupt. </i></span><span style="color: #252525;">III, 203 d. </span><span style="color: #252525;"><i>Du wellst di met diener Ehr brastig maken? </i></span><span style="color: #252525;">Dorr, 1. Wiew., 40. Mhd. </span><span style="color: #252525;"><i>bresten, </i></span><span style="color: #252525;">Prät. </span><span style="color: #252525;"><i>brast, </i></span><span style="color: #252525;">ahd. </span><span style="color: #252525;"><i>prestan </i></span><span style="color: #252525;">bersten. Vgl. Hennig, 38. Schade, 83b.<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-02-10/ugs-projekt-13-brasig/#footnote_6_5909" id="identifier_6_5909" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hermann Frischbier, Preussisches Wörterbuch. Berlin 1882.">6</a></sup></span></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 14px;">»<strong>Breit, bequem</strong>«, »<strong>sich brastig hinsetzen</strong>«, das scheint mir, wenn ich meine Fundstellen für »bräsig« ansehe, nicht allzu weit entfernt.</span></p>
<p><span style="font-size: 14px;">Wenn man sich Dank freundlicher Unterstützung des <i><b>Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache</b></i> – <strong><a href="http://www.dwds.de/" target="_blank">DWDS</a></strong> – die Fundstellen allein aus <i><b>Der Zeit</b></i> ansieht, wird rasch deutlich, dass sich »<strong>bräsig</strong>« jahrzehntelang nur auf Reuters »Inspektor Bräsig« bzw. »Onkel Bräsig« bezog. Erst Anfang der 80-Jahre tauchte in Zeit-Artikeln das Adjektiv auf, dem der Inspektor seinen Namen verdankt.</span></p>
<p><span style="font-size: 14px;"><a href=" http://www.amazon.de/gp/product/3939716316?ie=UTF8&amp;tag=slang-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3831130523&quot;" target="_blank"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright  wp-image-5928" alt="Hamb2" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/Hamb2.jpg" width="243" height="374" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/Hamb2.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/Hamb2-194x300.jpg 194w" sizes="(max-width: 243px) 100vw, 243px"></a>So wie übrigens die <strong>Aussprache ganz offensichtlich je nach Region variiert</strong>, so unterscheiden sich auch die Bedeutungen von »bräsig«. Welche der gesamtdeutsche Sprecher davon unter dem Strich für sich beanspruchen wird, das kann nur die Zeit zeigen, die Bedeutungen selbst werden in den Regionen deshalb noch lange nicht verschwinden.<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-02-10/ugs-projekt-13-brasig/#footnote_7_5909" id="identifier_7_5909" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="… wenn auch die Klugschnackereien darüber, dass »bräsig« eben das und nichts anderes heißt, zunehmen werden.">7</a></sup></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 14px;">Überhaupt eine <strong>allgemeine Bemerkung zu den »zahlreichen« Bedeutungen</strong> in den Einträgen meines ganz persönlichen <strong>Umgangssprache-Projekts</strong>: So wie es keinen Sinn hat, Wörter von vorneherein zu verleugnen, nur weil sie aus dem Dialekt kommen, so wenig Sinn hat es, die real vorhandenen Bedeutungen von Wörtern auf jene zusammenzustreichen, die man kennt oder die einem gerade mal noch so einleuchten wollen. Deshalb trage ich hier grundsätzlich alles zusammen, was mir so unterkommt. Weitere Beiträge sind jederzeit willkommen. Die Kommentarfunktion steht jedem offen. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><b>(1) </b><i>Adj.</i> (<i>niederdt.; es ist dies wohl das Bild, aus dem sich der Rest der niederdeutschen Bedeutungen ableitet; es ist keinesfalls die wesentliche Bedeutung, die sich in den Hunderten von Fundstellen findet, die ich vor mir habe</i>) <b>kräftig; wohlgenährt; rotbackig; rotwangig</b>. <i>Wendungen:</i> »«; »«; »«. <i>Zitate:</i> »« WWW »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> blad <i>(österr.)</i>; xxx; xxx. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><strong>(2)</strong> <i>Adj. (obwohl dies die einzige Bedeutung ist, die der Duden zitiert, scheint es nicht die im Augenblick vorherrschende zu sein; siehe Bedeutung 3) </i><b>nicht imstande / willens, sich auf jn einzustellen</b> (Duden); <b>gefühllos; unempfindlich; dickfellig</b> (= gleichgültig; unempfindlich gegenüber Aufforderung; Missbilligung o.Ä.) (Duden) <i>Wendungen:</i> »«; »«; »«. <i>Zitate:</i> »« WWW »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> xxx; xxx; xxx. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 14px;"><b>(3) </b><i>Adj. </i>(<i>drückt »das körperliche Behagen wie auch eine gewisse Schwerfälligkeit« aus </i>Reinhard Goltz, <i>Die Welt;</i><i>hierunter scheint die große Mehrheit der Zitate zu fallen;</i>) <b>träge; behäbig; langsam; phlegmatisch; schwerblütig; schwer aus der Ruhe / Fassung zu bringen</b>. <i>Wendungen:</i> »«; »«; »«. <i>Zitate:</i> »Kleine Filme, in denen vielleicht einzelne Momente, Sequenzen und Dialoge ahnen ließen, was möglich wäre in Deutschland wenn wir denn mal eine andere Umgangsart mit dem Kino hätten als die ewig saublöde Supernasen-Komödien-Abteilung oder die Hardcore-Filmkunst oder die bräsige Literaturverfilmung.« <i><b>Die Zeit</b></i> »Stetig und bräsig und komme, was wolle, pflügen die zwei Tonnen [des Chrysler] übern Highway.« <i><b>Die Zeit</b></i> »Jede Rechenoperation braucht Energie, jeder umständliche Rechenweg, jede zu üppige Software, jedes zu bräsige Betriebssystem trägt zur Stromrechnung bei.« <i><b>Die Zeit </b></i><i>Synonyme:</i> xxx; xxx; xxx. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><b>(4) </b><i>Adj</i>. <b>faul; lahm; unbeweglich</b>. Wendungen: »«; »«; »«. <i>Zitate:</i> »« WWW »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> xxx; xxx; xxx. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><b>(5) </b><i>Adj</i>. <b>dümmlich; langsam im Denken; ignorant; schwer von Begriff; nicht zurechnungsfähig</b>. <i>Wendungen:</i> »«; »«; »«. Zitate: »« WWW »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> dösig; dummdösig; dummdröselig; etw weich in der Birne; einen an der Waffel haben; einen an der Membrane haben. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">&nbsp;=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><b>(6) </b><i>Adj</i>. <b>selbstgefällig; angeberisch</b>. <i>Wendungen:</i> »«; »«; »«. Zitate: »« WWW »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> xxx; xxx; xxx. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><b>(7) </b><i>Adj</i>. <b>verärgert</b>; <b>brummig; schlecht / übel gelaunt; missgelaunt; ungehalten; nörgelig</b>. <i>Wendungen:</i> »«; »«; »«. <i>Zitate:</i> »Jemand, der bräsig ist, meckert, schimpft vor sich hin, nörgelt.« WWW »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> grantig; vergnatzt; maßleidig; angenervt; brummig; brummelig. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><b>(8) </b><i>Adj</i>. <i>(Ruhrgebiet) </i><b>angetrunken; leicht betrunken</b>. <i>Wendungen:</i> »«; »«; »«. <i>Zitate:</i> »›Bräsig‹ ist weniger als ›knülle‹.« WWW »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> angeheitert; xxx; xxx. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><strong>(9)</strong> <i>Adj</i>. <i>(plattdt.; verbindet man offensichtlich vor allem mit Kleinwüchsigen) </i><b>frech (und vorlaut)</b>. <i>Wendungen:</i> »«; »«; »«. Zitate: »Wat kickt he bräsig.« Reinhard Goltz. »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> mausig; xxx; xxx. </span></p>
<h4><span style="font-size: 14px;">=== bräsig ===</span></h4>
<p><span style="font-size: 14px;"><b>(10) </b><i>Adj. (plattdt.)</i><b>auf geschlechtliche Befriedigung aus; geil; lüstern</b>. Wendungen: »«; »«; »«. <i>Zitate:</i> »« WWW »« WWW »« WWW <i>Synonyme:</i> geil; rammelig; rollig <i>(von Frauen)</i>; brunftig; wuschig; scharf. </span></p>
<p>Noch ein letzter Blick in den <strong>Frischbier</strong>:</p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 14px;"><b>bräsen, </b><span style="color: #252525;"><i>sw., sich, </i></span><span style="color: #252525;">sich brüsten, blähen, aufgeblasen einherstolzieren, sich hochmütig geberden. Davon </span><span style="color: #252525;"><b>bräsig, </b></span><span style="color: #252525;"><i>adj. </i></span><span style="color: #252525;">In Livland ebenso. Hupel, 30. Sallmann, 29b.<br>
<b>brashaft, </b></span><span style="color: #252525;"><i>adj., </i></span><span style="color: #252525;">aufgeblasen, großmaulig. Danzig. W. Seidel, 29. Vgl. </span><span style="color: #252525;"><b>bräsen.<br>
</b></span><span style="color: #252525;"><b>bräsig, </b></span><span style="color: #252525;"><i>adj., </i></span><span style="color: #252525;">s. </span><span style="color: #252525;"><b>bräsen.<br>
</b></span><span style="color: #252525;"><b>Bräske </b></span><span style="color: #252525;"><i>(ä </i></span><span style="color: #252525;">lang), </span><span style="color: #252525;"><i>m., </i></span><span style="color: #252525;">dicker, träger Mensch. Natangen. Nach Mühling </span><span style="color: #252525;"><b>Bröske.<br>
brastig</b></span><span style="color: #252525;">, </span><span style="color: #252525;"><i>adj. </i></span><span style="color: #252525;">u. </span><span style="color: #252525;"><i>adv. </i></span><span style="color: #252525;">1. breit, bequem in Bezug auf den Raum, den jemand beim Sitzen einnimmt. </span><span style="color: #252525;"><i>Brastig sitzen </i></span><span style="color: #252525;">– </span><span style="color: #252525;"><i>sich brastig hinsetzen. Hei geit bret on brastig. </i></span><span style="color: #252525;">Sprw. I, 1179. 2. in betreff des Benehmens: keck, patzig, herausfordernd, übermütig, aufgeblasen, impertinent, frech, anmaßend, vornehm thuend. </span><span style="color: #252525;"><i>Es </i></span><span style="color: #252525;">(das Tier in einem Rätsel) </span><span style="color: #252525;"><i>kann recht brastig gehen. Carm. nupt. </i></span><span style="color: #252525;">III, 203 d. </span><span style="color: #252525;"><i>Du wellst di met diener Ehr brastig maken? </i></span><span style="color: #252525;">Dorr, 1. Wiew., 40. Mhd. </span><span style="color: #252525;"><i>bresten, </i></span><span style="color: #252525;">Prät. </span><span style="color: #252525;"><i>brast, </i></span><span style="color: #252525;">ahd. </span><span style="color: #252525;"><i>prestan </i></span><span style="color: #252525;">bersten. Vgl. Hennig, 38. Schade, 83b.</span></span></p>
</blockquote>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 12px;">~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</span></p>
<table style="height: 300px; width: 570px;" border="0" align="center">
<caption><span style="font-family: comic sans ms,sans-serif; font-size: 12px;">bei amazon.com</span></caption>
<tbody>
<tr>
<td style="text-align: center;"><span style="font-size: 12px;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3550088779?ie=UTF8&amp;tag=slang-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3831130523&quot;" target="_blank" rel="attachment wp-att-5861"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-5861 aligncenter" alt="dia1" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/01/dia1.jpg" width="180" height="240"></a></span></td>
<td style="text-align: center;"><span style="font-size: 12px;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406630340?ie=UTF8&amp;tag=slang-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3831130523&quot;" target="_blank" rel="attachment wp-att-5862"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-5862 aligncenter" alt="dia2" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/01/dia2.jpg" width="180" height="282"></a></span></td>
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</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 12px;">~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 12px;"><strong> SlangGuy’s Wörterbuch der deutschen Umgangssprache</strong></span><br>
<span style="font-size: 12px;"> © slangtimes.com</span><br>
<span style="font-size: 12px;"> Bitte mit Herkunftsangabe zitieren.</span><br>
<span style="font-size: 12px;"> <a title="Wörterbuch der deutschen Umgangssprache : Von Abfuck bis Zock" href="https://slangtimes.com/2012-05-16/worterbuch-der-deutschen-umgangssprache-von-abfuck-bis-zock/">Worum’s hier geht?</a></span></p>
<h4 style="text-align: center;"><span style="color: #000000; font-size: 12px;"><strong>~~~</strong></span></h4>
<p><span style="font-size: 12px;">&nbsp;</span></p>
<p><span style="font-size: 12px;">&nbsp;</span></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_5909" class="footnote">Solche sind so überflüssig wie die alljährlichen Reflexionen zum Weihnachtsstress.</li><li id="footnote_2_5909" class="footnote">Hermann Frischbier, <i>Preussisches Wörterbuch.</i> Berlin 1882.</li><li id="footnote_3_5909" class="footnote">über einen Kommentar dazu würde ich mich sehr freuen</li><li id="footnote_4_5909" class="footnote">Barbara Scheuermann, <i>Zur Funktion des Niederdeutschen im Werk Uwe Johnsons</i>. (Beiträge a. d. Institut für Verkehrswissenschaft d. Uni Münster</li><li id="footnote_5_5909" class="footnote">Peter Schmachthagen, Sprechen Sie Hamburgisch. Band 2. Hamburg: Hamburger Abendblatt, 2010.</li><li id="footnote_6_5909" class="footnote">Hermann Frischbier, <span style="color: #252525;"><i>Preussisches Wörterbuch.</i></span><span style="color: #252525;"> Berlin 1882.</span></li><li id="footnote_7_5909" class="footnote">… wenn auch die Klugschnackereien darüber, dass »bräsig« eben das und nichts anderes heißt, zunehmen werden.</li></ol>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Dialekt, boah – volle Dröhnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jan 2013 08:21:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Sprachkolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
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					<description><![CDATA[Falls Sie auch der Meinung sind, dass neues Umgangsdeutsch ausschließlich aus lausig synchronisierten amerikanischen Filmen &#38; Fernsehserien kommen sollte, und es entsprechend lieben, ins Kino zu gehen, anstatt einfach gerne zu gehen, sind Sie zwar falsch hier, sollten das Folgende aber doppelt so gründlich lesen. Und falls Sie der Ansicht sind, ich hätte einen guten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5>Falls Sie auch der Meinung sind, dass neues Umgangsdeutsch ausschließlich aus lausig synchronisierten amerikanischen Filmen &amp; Fernsehserien kommen sollte, und es entsprechend lieben, ins Kino zu gehen, anstatt einfach gerne zu gehen, sind Sie zwar falsch hier, sollten das Folgende aber doppelt so gründlich lesen. Und falls Sie der Ansicht sind, ich hätte einen guten Job gemacht anstatt gute Arbeit geleistet, gilt das dreimal. Und ich lege noch eins drauf, falls Sie denken, man müsse die Sprache vor irgendetwas anderem schützen als denen, die sie unter Schutz stellen wollen.&nbsp; Vergessen Sie Ihre albernen Klischees vom Wachsen der Sehnsucht nach Heimat und Zugehörigkeit in einer globalisierten Welt, hier geht es um brauchbaren Wortschatz in einer blutleeren Übersetzungswelt…</h5>
<p>»<strong>Mundart als Anlass für Diskriminierung</strong>« hieß ein netter Artikel im Bayern-Teil der <strong><i>SZ</i></strong> vom Sylvester letzten Jahres.<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-01-20/dialekt-boah-volle-drohnung-eh/#footnote_1_5771" id="identifier_1_5771" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Süddeutsche Zeitung, Nr. 300, Samstag/Sonntag, 29./30. Dezember 2012, S. 41.">1</a></sup> <strong>Hans Kratzer</strong> stellt darin den Augsburger Sprachwissenschaftler <strong>Werner König</strong>, einen der Herausgeber des <strong><i>Bayerischen Sprachatlas</i></strong>, vor. Es hört sich erst mal recht empfindlich an, was der emeritierte Germanist über die Benachteiligung zu sagen hat, die uns <strong>Süddeutschen</strong> zuteil wird, nur weil wir das »r« rollen, aber letztlich hat er natürlich Recht. Wir <strong>Bayern</strong> und <strong>Baden-Württemberger</strong> können zehnmal den Rest dieser Republik wirtschaftlich mit durchziehen, ernst nehmen wollen uns die Preussen oberhalb der Mainlinie nicht. Zu schweigen von der Überheblichkeit, mit der man uns unserer Sprache wegen begegnet. »Eine südliche Färbung« der Aussprache, so meint König, »reicht aus, um im Deutschen Fernsehen als Vollexot vorgeführt zu werden.« Oder als »Volldepp, der kein Deutsch kann«, wie der Autor des Artikels erklärend nachschiebt.</p>
<p>Aber für mich ist das nur die eine Hälfte eines allgemeineren Problems mit den Dialekten, <span id="more-5771"></span>die Ausspracheseite sozusagen. Weit mehr wurmt mich als Übersetzer und Wörterbuchmacher die andere Seite, die Wortschatzseite.</p>
<p><a href="https://slangtimes.com/2013-01-20/dialekt-boah-volle-drohnung-eh/p1200234c_400/" rel="attachment wp-att-5780"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft  wp-image-5780" alt="P1200234c_400" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/01/P1200234c_400.jpg" width="320" height="240" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/01/P1200234c_400.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/01/P1200234c_400-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 320px) 100vw, 320px"></a>Natürlich ist man ein herzlich einsamer Rufer in der Wüstenei anämischer 08/15-Übersetzungen, wenn man darauf beharrt, <strong>Übersetzer</strong> sollten den »<strong>unerschöpflichen Born der Volkssprache ausschöpfen</strong>«,<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-01-20/dialekt-boah-volle-drohnung-eh/#footnote_2_5771" id="identifier_2_5771" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hermann Frischbier im Vorwort seines Preussischen Wörterbuchs von 1882">2</a></sup> um präzise bis originelle Lösungen für übersetzerische Probleme zu finden. Dass man auf den <strong>vollfetten Wortschatz</strong> unserer zahlreichen Regionen zurückgreifen könnte, um unsere gesamtdeutsche Sprache zu bereichern, scheint vielen, vor allem Verlagsmenschen, völlig absurd. Was sie dabei freilich nicht sehen ist, dass alle deutsche Sprache aus der Region kommt.</p>
<p>Hier trifft sich besagter Artikel in der <i>SZ</i> mit meiner beschäftigung mit <strong>Hermann Frischbiers <i>Preussischem Wörterbuch</i></strong> von 1882, das ich irgendwann mal auf einem meiner regelmäßigen Streifzüge durchs <a href="http://archive.org/details/texts" target="_blank"><strong>Internet Archive</strong></a> fand. Wenn ich je ein Dialektwörterbuch gesehen habe, das meine Behauptung, es komme alles aus dem Dialekt, ebenso stützt wie meine Forderung, auch beim Übersetzen – mit Maß und Ziel – auf den <strong>Wortschatz der Regionen</strong> zurückzugreifen, dann ist das dieses.</p>
<p>Egal, auf welcher Seite ich mit dem Textmarker in der bald 150 Jahre alten Schwarte zu werken beginne, sie ist im Handumdrehen ganz gelb vor Wörtern, die hochaktuell sind. Nehmen wir für den Anfang nur ein Beispiel heraus. Wir alle kennen nun seit Jahrzehnten die »<strong>Dröhnung</strong>« sowohl als »Rauschgiftmenge, die für einen … Rausch ausreicht« als auch für den »Rausch« selbst. Und dann ist da natürlich die »<strong>Dröhnung</strong>« als »Abreibung« oder »Tracht Prügel« bekannt.</p>
<p>Und was finde ich da in diesem phantastischen Schinken aus dem Jahre 1882?</p>
<blockquote><p><b>Drähn, Drän</b>, m., von <i>drähnen</i>, 1. Rausch. Er hat einen Drähn– ist im Drähn. … 2. Hieb, Schlag, Stoß. <i>Das war ein guter Drähn</i>, sagt man wenn man sich stark den Kopf stößt. <i>Er hat einen Drähn weg</i>, er ist nicht recht bei Verstande. … Schemionek, 9, schreibt <b>Dröhn</b>.</p></blockquote>
<p>Dagegen wirkt Küppers Erklärung ausnahmsweise mal blass:</p>
<blockquote><p><b>Dröhn</b> <i>m</i> Benommenheit; vorübergehende Geistesabwesenheit. Es dröhnt einem im Kopf, nicht nur wenn man einem dröhnenden Geräusch ausgesetzt ist, sondern auch bei starkem Blutandrang zum Gehirn, bei Föhn usw. 1900 ff.</p></blockquote>
<p>Ach ja, die Dröhnung…</p>
<blockquote><p><b>Drähnung</b>, <i>f.</i> Dröhnung, Erschütterung. <i>… sintemal auch Nachricht ist, dass auf 3 Meile weges von hie die Dränung oder das erschüttern der Erden ist gemerket worden.</i> (bei Explosion des Pulverturmes am Schloßteich im Juli 1636). Linem., 19a.</p></blockquote>
<p>Das Verb »<b>drähnen, dränen</b>« ist hier für mich als Übersetzer aus dem Englischen besonders interessant, da es in seiner zweiten Bedeutung dem englischen Verbum »to drone« entspricht, das mitnichten »dröhnen« bedeutet sondern <i>summen, brummen</i> oder, was mich interessiert, <i>leiern</i>. Denken Sie an all die Musikbücher, die Sie übersetzt haben, in denen das eine Rolle spielt.</p>
<blockquote><p><b>drähnen, dränen</b>, <i>sw</i>. … 2. in nachhallendem Reck- und Zögertone sprechen. <i>Er drähnt so lange, daß einem die Geduld vergeht. Er drähnt in einem weg</i>, ohne Aufhören. … Bock. 8. u. Hennig, 53, schreiben <b>dröhnen</b>.</p></blockquote>
<p>Aber zurück zu unserer neuzeitlichen <b>Dröhnung</b>.</p>
<blockquote><p><b>bedrähnen</b>, <i>sw., sich</i>, sich berauschen, benebeln. S. <b>Drähn</b>.</p></blockquote>
<p>Also ich finde so was aufregend. Ich sag nur <b>Frischbier</b>… Weitere Beispiele im Lauf der Zeit hier. Und wenn es schon nicht ohne Klischees geht, dann lassen Sie sich mal das der Berührungsängste durch den Kopf gehen. Wem nach diesser <strong>Dröhnung</strong> nicht der Gedanke kommt, dass Dialekte so dröge, heimelig, angestaubt, beschränkt vielleicht gar nicht sind, der sollte doch mal in diese Richtung hin umdenken. Und wenn Sie denken, <strong>Frischbier</strong> sei das einzige Hausmittel, das in dieser Richtung interessant wäre, erzähle ich Ihnen gelegentlich mal von seinem Kollegen<i><b> Dornkaat</b></i>.</p>
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_5771" class="footnote"><i>Süddeutsche Zeitung</i>, Nr. 300, Samstag/Sonntag, 29./30. Dezember 2012, S. 41.</li><li id="footnote_2_5771" class="footnote">Hermann Frischbier im Vorwort seines <i>Preussischen Wörterbuchs</i> von 1882</li></ol>]]></content:encoded>
					
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