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	<title>hip - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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	<description>Über Slang, Übersetzen &#38; die Sprache dazu</description>
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		<title>Nur wo Duden draufsteht…</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 08:06:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gestern habe ich mir mit einiger Verspätung endlich den neuen „Szeneduden“ geleistet, das vom Trendbüro herausgegebene Wörterbuch der Szenesprachen. Ich bin ein großer Fan, letztlich schon seit dem Trendwörterbuch von Horx, das diese ebenso nützliche wie interessante „Reihe“ seinerzeit eingeleitet hat. Noch nicht mal einer wie ich, der selbst ständig in eigener Sache die Sprachfront [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<h5 style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-709" title="emb.19" alt="emb.19" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/01/emb.19.jpg" width="250" height="243">Gestern habe ich mir mit einiger Verspätung endlich den neuen „Szeneduden“ geleistet, das vom Trendbüro herausgegebene <em>Wörterbuch der Szenesprachen</em>. Ich bin ein großer Fan, letztlich schon seit dem <em>Trendwörterbuch</em> von Horx, das diese ebenso nützliche wie interessante „Reihe“ seinerzeit eingeleitet hat. Noch nicht mal einer wie ich, der selbst ständig in eigener Sache die Sprachfront rauf und runter hetzt, kann all die Neuschöpfungen in seiner Datenbank haben, die die völlig unübersichtliche Szenenlandschaft heute so prägen.</h5>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">Gerade weil ich auch dieses neue Büchl wieder mag, fällt mir auf, was mir schon bei Horx unangenehm aufgefallen ist, und das sind die groben Schnitzer in Sachen Etymologie. Es ist ja nun – leider – über weite Strecken alles Englisch, was in solchen Sammlungen drin steht, und so bieten sich Erklärungsversuche, was die Herkunft eines Wortes angeht, natürlich an. <span id="more-708"></span>Ich erinnere mich an den blühenden Unsinn, den Horx damals über den „Nerd“ verzapft hat. Das nimmt man hin, ich meine, wir hauen alle mal daneben; die Zweifel, die solche Fehler bei anderen Publikationen am Rest des Inhalts aufkommen lassen, sind rasch zerstreut, weil man sieht, da kennt sich einer mit „Szenen“ aus. Dass er nicht eigentlich um die Ursprünge eines Begriffs weiß, tut dem keinen Abbruch. Das verhält sich mit dem Bändchen aus dem Bibliographischen Institut freilich etwas anders, weil nun mal „Duden“ draufsteht. Von Duden möchte man kein Gefasel, schon gar keine aus den Fingern gesogenen Etymologien.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">Ich habe gestern Nachmittag über einer Tasse Tee ein bisschen in der Sammlung geblättert, und selbst da, ohne also danach zu suchen, fielen mir bereits eine Handvoll dieser etymologischen „Freiheiten“ auf.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">So heißt es etwa unter „Moshpit“:</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Zusammensetzung aus engl. mosh = Chaos und engl. pit = Kreisel… </em></p>
</blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">Nun ist <em>moshen</em> ja bereits in den 1980ern aufgekommen, Zeit genug, möchte man meinen, da mal in einem ordentlichen Wörterbuch nachzuschlagen. Da hätte man dann gesehen, dass das nur eine Aussprachevariante von <em>mush</em> ist und <em>mush</em> seit Jahrhunderten für „Pampe“ und sonst allerhand „Breiiges“ steht. Das weckt doch Assoziationen. Und „pit“? Nun, keine Ahnung, wie’s heute um die Popularität von Edgar Allan Poe bestellt ist, aber zu meiner Zeit hätte man dabei sofort an „The Pit and the Pendulum“ gedacht. Und „pit“ ist nun mal jede Art von „Grube“, die man sich denken mag – bis hin zu den Pockennarben moshender Punks. Im Besonderen steht „pit“ aber hier natürlich für etwas, was man bei uns „Orchestergraben“ nennt… Bühne, Orchestergraben, Platz vor der Bühne… alles klar?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">Zu „Bash“ heißt es kaum weniger verwegen:</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Abkürzung von engl. bashment = Party</em></p>
</blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">Warum denn, wenn „bash“ im Englischen bereits seit mindestens 1900 jede Art von massiver Fete bezeichnet und das karibische „bashment“ erst gut 80, 90 Jahre später – womöglich (ich will hier nicht denselben Fehler machen) als Derivat davon – aufkam.&nbsp; Ich weiß nicht mehr, ob ich „bash“ vor Dylans „Million Dollar Bash“ bereits kannte, aber spätestens seither ist mir das Wort ein Begriff.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;">Dass „smoof“ (von <em>smooth</em>) ein „f“ bekommt, liegt nicht etwa an den hier unterstellten Problemen der Deutschen mit dem „th“; das Wort kommt schon so aus dem Englischen, wo es es als „smoove“ im Teenieslang lange für „großartig“ stand und wo es überdies bereits seit vielen Jahren für die Art von anämischem Plätscherjazz steht, wie er loungige Radio- &amp; Interwebsender füllt (und für den letztlich Steely Dan verantwortlich sind).</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-style: normal;">Etwas merkwürdig ist auch, und sie ist nahezu konsequent durchgezogen, die Unart, bei den etymologischen Angaben die Slangbedeutung der zitierten englischen Wörter zu übergehen, auf der die deutsche Bedeutung ja eigentlich fußt, und auf gerade die Bedeutung zurückzugreifen, die mit der deutschen nun so gar nichts zu tun haben mag. Anders gesagt, das von uns übernommene Wort ist doch bereits Slang, und diese Slangbedeutung des Worts ist etymologisch relevant, nicht seine ursprüngliche Bedeutung. „Straight Edge“ </span>etwa bezieht seine Bedeutung nicht von „straight“ = <em>gerade</em>, sondern von „straight“ = <em>drogenfrei, clean</em><span style="font-style: normal;">. Dasselbe gilt für „tight“: Nicht die Bedeutung </span><em>dicht</em><span style="font-style: normal;"> ist hier maßgeblich, sondern seine schon uralte Slangbedeutung, nämlich </span><em>großartig, klasse, cool</em><span style="font-style: normal;">. </span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-style: normal;">Ich dränge mich ja nicht gern auf und mag an sich keine trendigen Leute, kann euch Leuten vom Trendbüro aber trotzdem nur nahelegen, sich für die nächste Ausgabe mal bei mir zu melden. Wie gesagt, ich mag das Büchl ebenso wie seinen Vorgänger, setze aber von Haus aus gern trendig mit oberflächlich (um nicht zu sagen hirnlos) gleich, und möchte mich grade bei diesem Bändchen nicht immer wieder darin bestätigt fühlen. Ich denke, wo Duden draufsteht, sollte auch Duden drin sein. </span></p>
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		<title>Pseudohüftiges</title>
		<link>https://slangtimes.com/2009-09-19/pseudohuftiges/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Sep 2009 09:21:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Miszellaneen]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie’s der Zufall so will: Maule ich eben noch über “Pseudo-Etymologien”, schon finde ich was recht Interessantes dazu. In diesem Fall in der “Vorrede zur ersten und zweiten .Auflage&#160; . . der dritten und vielverbesserten und vermehrten Ausgabe” von Konrad Schwencks Wörterbuch der deutschen Sprache in Beziehung auf Abstammung und Begriffsbildung von 1838: »Der Zweck [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wie’s der Zufall so will: Maule ich eben noch über “Pseudo-Etymologien”, schon finde ich was recht Interessantes dazu. In diesem Fall in der “Vorrede zur ersten und zweiten .Auflage&nbsp; . . der dritten und vielverbesserten und vermehrten Ausgabe” von <strong><em>Konrad Schwencks Wörterbuch der deutschen Sprache in Beziehung auf Abstammung und Begriffsbildung</em></strong> von 1838:</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="color: #800000;">»Der Zweck dieser Schrift ist, die Ergebnisse deutscher Wortforschung … in der Kürze und so allgemein faßlich, als es der Gegenstand zuläßt, darzustellen, jedoch so, daß, um Raum zu sparen, nicht jedes abgeleitete Wort aufgenommen ward, wenn es jedermann selbst ableiten kann.… Wo sichere Wortableitungen fehlen, habe ich entweder Vermuthungen nicht angestellt oder öfters beigebracht, um solche als gewagt zu bezeichnen und somit davon abzumahnen, da die Neigung dazu verbreitet ist.«</span></p>
</blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Und dann stoße ich zufällig gestern auf der Suche nach Synonymen für »angesagt« in Hermann Ehmanns&nbsp; – wieder bei Ehmann, tut mir leid – sonst durchaus brauchbarer Sammlung von Jugendsprache <em>oberaffengeil</em> unter »hip« auf folgendes:<span id="more-136"></span></p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="color: #800000;"><strong>hip / hippig</strong></span><span style="color: #800000;"> </span><span style="color: #800000;"><em>engl. “hip”</em></span><span style="color: #800000;"> – 1. Hüfte, Becken; Bedeutungserweiterung bzw. ‑verschiebung: </span><span style="color: #800000;"><em>ange­sagt; … </em></span></p>
</blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das ist schlicht Unfug. »Hip« hat nichts mit »Hüfte« zu tun, hatte nie was mit »Hüfte« zu tun, ist also weder »Bedeutungsverschiebung« noch »-erweiterung«. Was auch denn schon die einzig gesicherte Erkenntnis ist, was die Etymologie von »hip« angeht.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Bis vor einigen Jahren galt als glaubwürdigste Erklärung für den Ursprung von »hip« die von schwarzen Sprachforschern wie Smitherman oder Major vertretene, nach der das Wort von »hepi« bzw. »hipi« abstammt, zwei Wörtern aus dem Wolof, einer Sprache, die – ich zitiere die Wikipedia – eine Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachen aus dem nördlichen Zweig der westatlantischen Sprachfamilie ist. Das ist weniger an den Haaren herbeigezogen, als es sich im ersten Augenblick anhört, denkt man an den regen Sklavenhandel mit Nordamerika und daran, dass »hip« dort zunächst nur unter Schwarzen verbreitet war. »Hepi« bedeutet im Wolof »sehen«, »hipi« heißt »die Augen öffnen«.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nun neigen schwarze Linguisten dazu, Wörter aus dem schwarzamerikanischen Dialekt von schwarzafrikanischen Sprachen abzuleiten, was nur allzu logisch wäre, übertrieben sie es nicht manchmal dabei. Die Etymologie gilt entsprechend als noch nicht gesichert.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein weiteres interessantes Argument kam nun jüngst von Daniel Cassidy, der in seinem ungemein interessanten Buch <span lang="en-GB"><em>How the Irish invented Slang</em></span> (2007) eine ganze Menge amerikanischer Slangwörter, deren Etymologie bislang als <span lang="en-GB"><em>unknown</em></span> galt, aus dem Irischen (einer gälischen Sprache) ableitet, darunter auch ein nicht weniger schwarzes als »hip«, nämlich »jazz«.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Cassidy leitet »hip« bzw. die von schwarzen Sprachforschern nie anerkannte Nebenform »hep« ab vom irischen <span lang="en-US"><strong>aibí </strong></span><span lang="en-US">(</span><em>gesprochen:</em><span lang="en-US"><em> </em></span><span lang="en-US">h‑ab</span><span lang="en-US"><strong>í</strong></span><span lang="en-US"> </span><em>bzw. zusammengezogen</em><span lang="en-US"><em> </em></span><span lang="en-US">h‑ab’); das </span>Wort bedeutet<span lang="en-US"> </span>soviel wie »reif, flink, klug, gewitzt« oder im übertragenen Sinne »informiert«.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Auf das Problem, wie das Wort von den Iren bzw. aus den von Iren bevölkerten Städten und Gegenden im Norden in die von Schwarzen bewirtschafteten Plantagen des Süden kam, geht Cassidy nicht ein. Oder anders gesagt, wieso es bei Iren, ja bei den Weißen überhaupt, nie im Schwang gewesen zu sein scheint. Wie sollte ein Wort sozusagen geradewegs aus dem Irischen in den schwarzen Dialekt übergehen, um sich dann dort eine Ewigkeit zu verstecken, bevor es zurück in die Welt der Weißen finden? Folgt man der Abstammung aus dem Irischen, muss es doch wundern, dass das Wörtchen nirgendwo schriftlich festgehalten scheint; dass das schwarze Englisch eine ausschließlich mündliche Tradition hat, ist nicht von der Hand zu weisen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Aber das sind Betrachtungen, die hier zu weit führen. (Obwohl es natürlich auch&nbsp; hier um Pseudo-Etymologien geht). »Hip« jedenfalls hat nichts mit der »Hüfte« zu tun, es ist von der Wurzel her noch nicht einmal ein englisches Wort – ein Blick in <em>irgendein</em> Wörterbuch hätte genügt, um diesen volksetymologischen Schnitzer als »gewagte Vermuthung« zu entlarven und damit zu umgehen. So etwas wertet derlei Sammlungen leider auch immer ab; man traut einem Buch, das voll ist von solchen Mutmaßungen, auch in so manch anderer Hinsicht nicht mehr. Was schade ist. Und genau das Gegenteil dessen, was Forscher wie der oben zitierte Schwenk wollen: gesicherte Information. Vielleicht sollte man das bei allem Unterhaltungswert, der natürlich bei solchen Sammlungen im Vordergrund steht, nicht außer Acht lassen. Immerhin war auch Schwencks »Schrift nicht für die sogenannte gelehrte Welt bestimmt«.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Mir fällt hier eben noch ein, dass »hip« und »Hüfte« doch etwas miteinander zu tun hatten,&nbsp; insofern unter herzlich unhippen Zeitgenossen in den 60er-Jahren der Scherz umging, dass sie »hippie« bis dahin immer mit »breit in den Hüften« verbunden hatten, also mit kurvigen bis vollschlanken Frauen…</p>
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