<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Idioms - SlangGuy&#039;s Blog</title>
	<atom:link href="https://slangtimes.com/tag/idioms/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://slangtimes.com</link>
	<description>Über Slang, Übersetzen &#38; die Sprache dazu</description>
	<lastBuildDate>Mon, 18 Mar 2013 04:37:19 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.4</generator>

<image>
	<url>https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2016/01/fav.png</url>
	<title>Idioms - SlangGuy&#039;s Blog</title>
	<link>https://slangtimes.com</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>»in an agony of« – von den Agonien übersetzerischer Fortbildung (3)</title>
		<link>https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/</link>
					<comments>https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Mar 2013 06:57:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachkolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzen]]></category>
		<category><![CDATA[Fortbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Idioms]]></category>
		<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://slangtimes.com/?p=6285</guid>

					<description><![CDATA[Nachdem wir das letzte Mal die Entwicklung von »agony« in den Wörterbüchern skizziert haben, sehen wir uns doch zum Abschluss noch an, was die Kollegen im Lauf der Zeit so mit der Wendung »in an agony of« gemacht haben. Hier zeigt sich der Sinn des Sammelns &#38; systematischen Durchackerns gedruckter Übersetzungen ganz wunderbar. Ob man [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5 align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Nachdem wir das letzte Mal die Entwicklung von »agony« in den Wörterbüchern skizziert haben, sehen wir uns doch zum Abschluss noch an, was die Kollegen im Lauf der Zeit so mit der Wendung »in an agony of« gemacht haben. Hier zeigt sich der Sinn des Sammelns &amp; systematischen Durchackerns gedruckter Übersetzungen ganz wunderbar. Ob man nun von Haus aus ein Problem mit der Wendung gehabt hätte oder nicht, spielt dabei keine Rolle; es lässt sich eine Menge lernen. Und das sollte ja der Sinn der ganzen Arbeit sein. </span></h5>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Aus Gründen der Bequemlichkeit – die Geschichte ist wieder mal weit mehr Arbeit geworden als beabsichtigt – nehme ich mal einfach noch einige Fundstellen aus meiner Datenbank, ohne sie weiter einzuteilen oder zu kategorisieren. Das sind nun konkrete, im Druck erschienene Beispiele für den Umgang mit unserer Wendung »</span><span style="color: #000000;"><b>in an agony of</b></span><span style="color: #000000;">«. <span id="more-6285"></span>Und nur nebenbei bemerkt: obwohl ich selbstverständlich die Übersetzer prinzipiell nenne, möchte ich in den Fällen darauf verzichten, in denen jemand völlig daneben gelangt hat. Es geht hier schließlich nicht darum, im Glashaus mit Steinen zu werfen, sondern darum etwas zu lernen, weiter nichts. </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">The gunner’s mate was suspended in an agony of worry about the letter that Maryk had sent to the Red Cross regarding his mother’s illness.«</span><span style="color: #000000;"><sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_1_6285" id="identifier_1_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Herman Wouk, The Caine Mutiny">1</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»Der Geschützführer schwebte in einer ständigen, zermürbenden Unruhe, seit Maryk wegen der Krankheit seiner Mutter an das Rote Kreuz geschrieben hatte.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_2_6285" id="identifier_2_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Herman Wouk, Die Caine war ihr Schicksal, dt. von Christoph Ecke">2</a></sup> </span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">An dem Satz gefällt mir so einiges nicht und »suspended« wäre gleich ein weiterer Kandidat für eine ähnliche Recherche. »Zermürbende Unruhe« an sich für »in an agony of worry« freilich wäre prinzipiell eine durchaus brauchbare Lösung.&nbsp;</span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">and I am in an agony of nerves, every day that you are away from us, for fear that I should be taken away suddenly, in the middle of the night perhaps«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_3_6285" id="identifier_3_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Atwood, Alias Grace">3</a></sup></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Atwood, Alias Grace: »und jeden Tag, den Du nicht bei uns bist, leide ich Qualen der Angst, daß ich plötzlich abberufen werden könnte, vielleicht in der Mitte der Nacht«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_4_6285" id="identifier_4_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Atwood, Alias Grace, dt. von Brigitte Walitzek">4</a></sup> </span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Hier wurden »nerves« und »fear« recht clever zusammengezogen. Und »Qualen der Angst« sind nachzuvollziehen. Ich finde dafür auch auf die Schnelle zwei Beispiele in der deutschen Literatur: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Da setzt sich denn der Bube, in der Mitte des Zimmers mit dem Rücken gegen den Vorhang gekehrt, in einen Sessel und bleibt ein paar Stunden lange sitzen, indes der arme Hofmeister im Hemde und mit bloßen Füßen </span><span style="color: #000000;"><b>alle Qualen der Angst</b></span><span style="color: #000000;"> und der Kälte erduldet.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_5_6285" id="identifier_5_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Grillparzer, Selbstbiographie">5</a></sup></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY">und:</p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY">Nun, werde nicht wieder ängstlich, fuhr sie fort, da sie sah, daß Margarithens Kopf glühend roth auf die Brust sank, und <b>alle Qualen der Angst </b>und Beschämung sie zu ergreifen schienen. Wenn es Dich sehr ängstigt, will ich warten, bis Du mehr Vertrauen zu mir fassest, sollte ich hier überhaupt lange verweilen.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_6_6285" id="identifier_6_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Henriette Paalzow, Godwie Castle. Breslau 1838">6</a></sup></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Wie’s der Zufall so will, von einem Schloss zum anderen. Norman Mailer, dem ich die Wendung gar nicht zugetraut hätte, benutzt sie in seiner Hitler-Biographie: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">the continuing absence of Alois caused Johann Nepomuk Hiedler to live in an agony of love.« </span><span style="color: #000000;"><sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_7_6285" id="identifier_7_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Norman Mailer, The Castle in the Forest">7</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»Die fortwährende Abwesenheit von Alois verursachte Johann Nepomuk Hiedler wahre Liebesmartern.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_8_6285" id="identifier_8_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Norman Mailer, Das Schloss im Wald, dt. von Alfred Starkmann">8</a></sup> </span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3486590995?ie=UTF8&amp;tag=slang-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3831130523%22" target="_blank"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-6032 alignleft" alt="kön2001_400" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/kön2001_400-210x300.jpg" width="210" height="300" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/kön2001_400-210x300.jpg 210w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2013/02/kön2001_400.jpg 400w" sizes="(max-width: 210px) 100vw, 210px"></a>»Liebesmartern« ist eine durchaus originelle Lösung. Die Verstärkung durch »wahre« scheint mir recht idiomatisch und erinnert mich an einen Artikel aus den </span><span style="color: #000000;"><i><b>Lebenden Sprachen</b></i></span><span style="color: #000000;"> von anno dunnemals, laut dem das Deutsche gern etwas kräftiger zulangt als das Englische. Muss ich mal raussuchen. Eine weitere solche Verstärkung wäre »tausend«, das ich bei <strong>E.T.A. Hoffmann</strong> gefunden habe: »wie er aus dem von tausend Liebesqualen aufgeregten Gemüt hervorsprudelte«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_9_6285" id="identifier_9_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hoffmann, Die Serapionsbrüder">9</a></sup>. Da ich die »Liebesmartern« nicht gefunden habe, gebe ich mich hier mal mit den »Liebesqualen« zufrieden. Bei <strong>Hermann Essig</strong> heißt es »hinter den verschlungenen Armen der in heißen Liebesqualen Sitzenden an der Aisne.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_10_6285" id="identifier_10_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Essig, Der Taifun">10</a></sup> Aber ich schweife wieder mal ab. Werfen wir lieber mal einen Blick in <strong>Edgar Allan Poes <em>Gordon Pym </em></strong>in Der Übersetzung von <strong>Arno Schmidt</strong>:<br>
</span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">My powers of speech totally failed, and </span><span style="color: #000000;"><b>in an agony of terror</b></span><span style="color: #000000;"> lest my friend should conclude me dead, and return without attempting to reach me, … </span><span style="color: #000000;">«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_11_6285" id="identifier_11_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Poe, Gordon Pym">11</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»Mein Sprachvermögen verweigerte mir einfach den Dienst; und </span><span style="color: #000000;"><b>in einer Agonie des Entsetzens</b></span><span style="color: #000000;">, daß mein Freund mich für tot halten &amp; ohne einen weiteren Versuch, mich zu erreichen, umkehren könne, stand ich da …«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_12_6285" id="identifier_12_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Poe, Gordon Pym, dt. von Arno Schmidt">12</a></sup> </span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Arno Schmidt behält hier die »Agonie« bei, was durchaus des Öfteren gemacht wird. Und der Text von Poe ist durchaus alt genug, um das auszuhalten. </span><span style="color: #000000;">Von Poe zu einem ziemlich jungen Text: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">At first it wouldn’t start. In an </span><span style="color: #000000;"><b>agony of dread</b></span><span style="color: #000000;">, she waited and watched as Dwina tried to fire the ignition.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_13_6285" id="identifier_13_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kathy Lette, Mad Cows">13</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»</span><span style="color: #000000;"><b>Starr vor Angst</b></span><span style="color: #000000;"> wartete Maddy und sah zu, wie Dwina den Zündschlüssel immer wieder im Schloß drehte.«</span><span style="color: #000000;"><sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_14_6285" id="identifier_14_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kathy Lette, Kinderwahn, dt. von Thomas Bodmer">14</a></sup></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Auch eine originelle Lösung, die mir persönlich gut gefällt &amp; auf die man erst mal kommen muss; sicher nicht verkehrt, sich die zu merken. Zeitlich genau zwischen Poe und Lette liegt wohl Dreiser: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">and finally </span><span style="color: #000000;"><b>in an agony of</b></span><span style="color: #000000;"> dissatisfaction with herself at having brought all this on herself, she retired to the rest room«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_15_6285" id="identifier_15_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Theodore Dreiser, An American Tragedy">15</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»Aber ach, dieses Warten! Der Schmerz über seine Kälte! Sie konnte es kaum aushalten und zog sich in einem </span><span style="color: #000000;"><b>Übermaß an Kränkung</b></span><span style="color: #000000;"> darüber, daß sie selbst an all dem schuld war, gegen drei Uhr in den Erholungsraum zurück.“<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_16_6285" id="identifier_16_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Theodore Dreiser, Eine amerikanische Tragödie, dt. von Marianne Schön">16</a></sup> </span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»Kränkung« scheint mir »dissatisfaction« nicht ganz zu treffen, obwohl ich zu sehen meine, dass hier die »agony« integriert werden soll – was freilich das »Übermaß« fragwürdig erscheinen ließe. Ansonsten ist auch »Übermaß an…« für »agony of… « eine Lösung, die man sich herausschreiben sollte. Hier wieder ein älterer Text: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Every time Aram saw her, he was startled at the alteration; and kissing her cheek, her lips, her temples, in an agony of grief, wondered that to him alone it was forbidden to weep.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_17_6285" id="identifier_17_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Edward Bulwer Lytton, Eugene Aram">17</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»So oft Aram sie sah, erschrak er über die Veränderung. In </span><span style="color: #000000;"><b>der Todesqual des Grames</b></span><span style="color: #000000;"> küßte er ihr Wange, Lippen Schläfen und wunderte sich, daß nur ihm es versagt war, zu weinen.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_18_6285" id="identifier_18_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Edward Bulwer Lytton, Eugen Aram; die Gutenberg-DVD nennt den Übersetzer leider nicht">18</a></sup></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»In der Todesqual des Grames« gefällt mir zwar nicht, aber definitiv trifft »Todesqual« die »agony«. </span></p>
<p align="JUSTIFY"><a href="http://www.slangtimes.com/bernhardschmid/wp-content/uploads/2010/09/b470.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-489" alt="b470" src="http://www.slangtimes.com/bernhardschmid/wp-content/uploads/2010/09/b470.jpg" width="470" height="99"></a></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Gleich viermal habe ich mir unsere Wendung im Falle von Styrons </span><span style="color: #000000;"><i><b>Nat Turner</b></i></span><span style="color: #000000;"> notiert: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">With his other hand he is clutching his stomach in an agony of delight, and his laughter is high, loud, irrepressible.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_19_6285" id="identifier_19_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, The Confessions of Nat Turner">19</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»Mit der anderen hält er sich den Bauch vor Lachen – das Gelächter klingt laut und hoch und unwiderstehlich. »Hund, elender!« schreie ich ihn an.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_20_6285" id="identifier_20_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, Die Bekenntnisse des Nat Turner; der Übersetzer ist in meiner Buchclub-Ausgabe nicht genannt; das Titelfoto zu schießen war ja auch sicher mehr Arbeit…">20</a></sup></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY">Eine besonders originelle Lösung ist folgende:</p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">I was in an agony of waiting.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_19_6285" id="identifier_21_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, The Confessions of Nat Turner">19</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»Das Warten peinigte mich.«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_21_6285" id="identifier_22_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, Die Bekenntnisse des Nat Turner">21</a></sup></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Die »agony« mit »peinigen« in eine Verbalkonstruktion aufzulösen, ist so originell wie selten und entsprechend interessant. </span><span style="color: #000000;">Und der Kollege macht das gleich noch mal: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">as I sat here </span><span style="color: #000000;"><b>in the hopeless agony</b></span><span style="color: #000000;"> of the knowledge of what was going to befall me«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_22_6285" id="identifier_23_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, The Confessions of Nat Turner">22</a></sup></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»wie ich </span><span style="color: #000000;"><b>hoffnungslos</b></span><span style="color: #000000;"> vor mich hin brüte und genau weiß, was ich zu erwarten hab«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_21_6285" id="identifier_24_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, Die Bekenntnisse des Nat Turner">21</a></sup></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Noch mal eine verbale Lösung, die vielleicht ein eleganteres »in dem Wissen, was…« hätte vertragen können statt dem zweiten Verb, aber »hoffnungslos brüten« scheint mir die »agony« durchaus ebenso zu treffen wie die nächste Lösung: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">buzzing eternally between heaven and oblivion </span><span style="color: #000000;"><b>in a pure agony of</b></span><span style="color: #000000;"> mindless twitching«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_22_6285" id="identifier_25_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, The Confessions of Nat Turner">22</a></sup> </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»die endlos zwischen Himmel und Vergessen hin und her summen, </span><span style="color: #000000;"><b>verdammt zur ewigen Qual</b></span><span style="color: #000000;">, zuckend, vom Trieb gezwungen, sich von Schweiß und Schmutz und Kot zu ernähren«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_21_6285" id="identifier_26_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, Die Bekenntnisse des Nat Turner">21</a></sup></span></p>
</blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">Das sachte Verschieben der Bezüge macht sich nicht schlecht. Und der »agony« ist auch Genüge getan. Und zu guter Letzt, auch wenn das reiner Zufall ist, die Art Lösung, mit der wir begonnen haben, die darin besteht, die Wendung ganz einfach wegzulassen: </span></p>
<blockquote>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">You mean to tell me that now, after all these here months, your heart ain’t touched by </span><span style="color: #000000;"><b>the agony of an event</b></span><span style="color: #000000;"> like that?«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_19_6285" id="identifier_27_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, The Confessions of Nat Turner">19</a></sup><br>
</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;">»Du willst mir also sagen, daß nach all diesen Monaten dein Herz von so was nicht gerührt wird?«<sup><a href="https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/#footnote_21_6285" id="identifier_28_6285" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="William Styron, Die Bekenntnisse des Nat Turner">21</a></sup></span></p>
</blockquote>
<p style="text-align: center;" align="JUSTIFY"><span style="color: #000000;"><a href="http://www.slangtimes.com/bernhardschmid/wp-content/uploads/2010/09/b470.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-489" alt="b470" src="http://www.slangtimes.com/bernhardschmid/wp-content/uploads/2010/09/b470.jpg" width="470" height="99"></a></span></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_6285" class="footnote">Herman Wouk, <span style="color: #000000"><i><b>The Caine Mutiny</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_2_6285" class="footnote">Herman Wouk, <span style="color: #000000"><i><b>Die Caine war ihr Schicksal</b></i></span><span style="color: #000000">, dt. von Christoph Ecke</span></li><li id="footnote_3_6285" class="footnote"><span style="color: #000000">Atwood, </span><span style="color: #000000"><i><b>Alias Grace</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_4_6285" class="footnote">Atwood, <span style="color: #000000"><i><b>Alias Grace</b></i></span><span style="color: #000000">, dt. von Brigitte Walitzek</span></li><li id="footnote_5_6285" class="footnote">Grillparzer, <em><strong>Selbstbiographie</strong></em></li><li id="footnote_6_6285" class="footnote">Henriette Paalzow, <strong><em>Godwie Castle</em></strong>. Breslau 1838</li><li id="footnote_7_6285" class="footnote">Norman Mailer, <span style="color: #000000"><i><b>The Castle in the Forest</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_8_6285" class="footnote">Norman Mailer, <span style="color: #000000"><i><b>Das Schloss im Wald</b></i></span><span style="color: #000000">, dt. von Alfred Starkmann</span><span style="font-family: AngsanaUPC,serif"><span style="font-size: large"><span style="color: #000000"><span style="font-size: medium"></span></span></span></span></li><li id="footnote_9_6285" class="footnote">Hoffmann, <em><strong>Die Serapionsbrüder</strong></em></li><li id="footnote_10_6285" class="footnote">Essig, <em><strong>Der Taifun</strong></em></li><li id="footnote_11_6285" class="footnote">Poe, <span style="color: #000000"><i><b>Gordon Pym</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_12_6285" class="footnote">Poe, <span style="color: #000000"><i><b>Gordon Pym</b></i></span><span style="color: #000000">, dt. von Arno Schmidt</span></li><li id="footnote_13_6285" class="footnote">Kathy Lette, <span style="color: #000000"><i><b>Mad Cows</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_14_6285" class="footnote"><span style="color: #000000">Kathy Lette, </span><span style="color: #000000"><i><b>Kinderwahn</b></i></span><span style="color: #000000">, dt. von Thomas Bodmer</span></li><li id="footnote_15_6285" class="footnote">Theodore Dreiser, <span style="color: #000000"><i><b>An American Tragedy</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_16_6285" class="footnote">Theodore Dreiser, <span style="color: #000000"><i><b>Eine amerikanische Tragödie</b></i></span><span style="color: #000000">, dt. </span>von Marianne Schön<span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_17_6285" class="footnote"><span style="color: #000000">Edward Bulwer Lytton, </span><span style="color: #000000"><i><b>Eugene Aram</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_18_6285" class="footnote">Edward Bulwer Lytton, <span style="color: #000000"><i><b>Eugen Aram</b></i></span><span style="color: #000000">; die Gutenberg-DVD nennt den Übersetzer leider nicht</span></li><li id="footnote_19_6285" class="footnote"><span style="color: #000000">William Styron, </span><span style="color: #000000"><i><b>The Confessions of Nat Turner</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_20_6285" class="footnote">William Styron, <span style="color: #000000"><i><b>Die Bekenntnisse des Nat Turner</b></i></span><span style="color: #000000">; der Übersetzer ist in meiner Buchclub-Ausgabe nicht genannt; das Titelfoto zu schießen war ja auch sicher mehr Arbeit…</span></li><li id="footnote_21_6285" class="footnote">William Styron, <span style="color: #000000"><i><b>Die Bekenntnisse des Nat Turner</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li><li id="footnote_22_6285" class="footnote">William Styron, <span style="color: #000000"><i><b>The Confessions of Nat Turner</b></i></span><span style="color: #000000"></span></li></ol>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://slangtimes.com/2013-03-17/in-an-agony-of-von-den-agonien-ubersetzerischer-fortbildung-3/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>»We know time« – Bewusstein in der Zeit vs. Zeit im Bewusstein</title>
		<link>https://slangtimes.com/2010-05-25/%c2%bbwe-know-time%c2%ab-%e2%80%93-bewusstein-in-der-zeit-vs-zeit-im-bewusstein/</link>
					<comments>https://slangtimes.com/2010-05-25/%c2%bbwe-know-time%c2%ab-%e2%80%93-bewusstein-in-der-zeit-vs-zeit-im-bewusstein/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 May 2010 15:25:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Miszellaneen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Beats]]></category>
		<category><![CDATA[Culture]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Idioms]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzen]]></category>
		<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://slangtimes.com/?p=1356</guid>

					<description><![CDATA[Ein Freund fragte dieser Tage mal an, was ich denn meine, ob der Satz »We know time.«, der mehrmals in Kerouacs On the Road vorkommt, mit »Wir kennen die Zeit.« richtig übersetzt sei. Ob es vielleicht nicht besser allgemeiner gefasst »Wir wissen Bescheid.« heißen sollte. Die Frage will mich nicht mehr so recht loslassen. Aber [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/05/kerouac.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-1358" title="kerouac" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/05/kerouac.jpg" alt width="160" height="242"></a>Ein Freund fragte dieser Tage mal an, was ich denn meine, ob der Satz »<strong>We know time</strong>.«, der mehrmals in <strong>Kerouacs <em>On the Road</em></strong> vorkommt, mit »Wir kennen die Zeit.« richtig übersetzt sei. Ob es vielleicht nicht besser allgemeiner gefasst »Wir wissen Bescheid.« heißen sollte.<br>
Die Frage will mich nicht mehr so recht loslassen. Aber ich habe Kerouac Anfang der 70er-Jahre gelesen, und obwohl es ein Traum wäre, sich diese Sachen noch mal vor dem Hintergrund all dessen vorzunehmen, was man in drei Jahrzehnten dazu&nbsp; gelernt zu haben meint, ich habe die Zeit dazu nicht und eine Menge anderer, dringlicherer Probs obendrein.<br>
Trotzdem.<br>
Zunächst erinnert »<strong>we know time</strong>« in der Tat an »<strong>to know the time</strong>« – mit Artikel –, und das heißt natürlich »Bescheid wissen«, »wissen, wo’s lang geht«, »wissen, wie der Hase läuft« – am Besten trifft es das modernere »wissen, was gebacken wird«; »know the time« hat sich mindestens bis in den Hiphop der 90er Jahre gehalten; ich erinnere mich an eine Zeile von <strong>Chuck D.</strong> / <strong>Public Enemy</strong>. Es wurde ab den 80er-Jahren zunehmend durch »<strong>to know what time it is</strong>« ersetzt, das unter Schwarzen jahrelang ganz furchtbar in Mode war; <span id="more-1356"></span>ich habe da noch einen Sketch aus <em><strong>In Living Color</strong></em> im Gedächtnis, der Comedy-Serie der <strong>Wayans</strong>-Brothers, wo ein hoffnungslos unhipper »brother« auf die Frage »Don’t you know what time it is?« tatsächlich auf seine funkelnde Uhr schaut… zum brüllenden Gelächter des ach so wissenden Studiopublikums.<br>
Das Problem, soweit ich mich erinnere, ist aber – mal abgesehen von dem fehlenden Artikel – bei<strong><em> On the Road</em></strong>, dass es doch da immer darum geht, dass Dean in der absoluten Gegenwart lebt, jedenfalls Sals Meinung nach, der ja sein eifriger Schüler ist.<br>
Ich hatte mir aus einem ganz anderen Grund kurz zuvor <strong>John Clellon Holmes’ <em>The Horn</em></strong> angesehen und dabei an eine Szene aus <em><strong>On the Road</strong></em> denken müssen, in der Sal und Dean in einem Jazzclub gewesen waren. Dean schwärmt von dem Saxophonisten der Combo: »Now, man, that alto man last night had IT–he held it once he found it; I’ve never seen a guy who could hold so long.« Sal will natürlich sofort wissen, worum es sich denn bei disem mystischen »it« handele. Worauf Dean auf seine ganz eigene Wesie sich an eine Erklärung macht: »“Ah well&nbsp; … now you’re asking me impon-de-rables­ahem! Here’s a guy and everybody’s there, right? Up to him to put down what’s on everybody’s mind. He starts the first chorus, then lines up his ideas, people, yeah, yeah, but get it, and then he rises to his fate and has to blow equal to it. All of a sudden somewhere in the middle of the chorus he gets it­ everybody looks up and knows; they listen; he picks it up and carries. <strong>Time stops</strong>. He’s filling empty space with the substance of our lives, confessions of his bellybottom strain, remembrance of ideas, rehashes of old blowing. He has to blow across bridges and come back and do it with such infinite feeling soul-exploratory for the tune of the <strong>moment</strong> that everybody knows it’s not the tune that counts but IT–”<br>
Hier haben wir es: »<strong>Time stops.</strong>« Natürlich nur für den Musiker und alle die ihn verstehen. Die Eingeweihten. Das ist natürlich zunächst einmal Dean. Der weiß instinktiv, dass der Mann am Saxophon eins mit dem Augenblick geworden ist, was den Fluss der Zeit zum Stillstand bringt. Dean kennt sich da aus: Wer in den Augenblick eintritt, tritt aus dem Fluss der Zeit. Dean weiß das, weil er so sein Leben lebt: von einem Augenblick zum anderen.<br>
Wenn ich meine vergilbte alte Penguin-Ausgabe von <strong><em>On the Road</em></strong> zu Hand nehme, sehe ich, wie oft ich dort »<strong>moment</strong>« angestrichen habe. (Überhaupt ist viel unterstrichen in diesem Buch.) Gibt es ein Buch, in dem das Wort »<strong>moment</strong>« öfter vorkommt als in <em><strong>On the Road</strong></em>?<br>
An einer bezeichnender Stelle etwa erzählt Sal: »My moments in Denver were coming to an end, I could feel it…« Warum sagt er nicht »time«, »days« oder etwas Entsprechendes?<br>
Oder: »And all this time Dean was tremendously excited about everything he saw, everything he talked about, every detail of every moment that passed.«<br>
In <strong>Tom Wolfes <em>Acid Test</em></strong>, das zu übersetzen ich das Glück hatte, lebt Neal Cassady – Kerouacs Vorbild für Neal Moriarty – auch ständig und ausschließlich, wie es scheint, im Augenblick. Der pausenlose Monolog, mit dem er alles, was er fühlt, denkt, erlebt, laut wiedergibt – ob es nun einer hören will oder nicht, ist Zeichen dieses Lebens im Augenblick. Nicht nur Kerouac ist hier sein Schüler, auch <strong>Ken Kesey</strong> hat sich dieses Eins-Seins mit dem Augenblick zum Ziel gemacht.<br>
Oder: »Not courting talk – real straight talk about souls, for life is holy and every moment is precious.«<br>
Oder: »We played one ballgame on the TV, another on the radio, and kept switching to a third and kept track of all that was happening every moment.«<br>
Ziel ist ein Leben »in a sudden moment of gaping wonder«.<br>
Mag sein, dass hier bei <strong>Kerouac</strong> die Beschäftigung mit dem <strong>Zen-Buddhismus</strong> hereinspielt, aber mit dem kenne ich mich nicht aus. Ich weiß aber, dass westliche Philosophen sich Gedanken über das Wesen der Zeit gemacht haben. »<strong>Zeit ist Bewusstsein</strong>« heißt deren Mantra.<br>
Dean sagt über seine Mitmenschen: “But they need to worry and betray time with urgen­cies false and otherwise, purely anxious and whiny, their soul really won’t be at peace unless they can latch on to an estab­lished and proven worry …” Jeder Gedanke an die Zeit ist für ihn gleichzusetzen mit Sorge und ist ein Verrat an der Zeit selbst. Man tritt aus dem Augenblick, dem Einssein mit Zeit und Sein, heraus und ein ins Bewusstsein der Zeit, was die Antithese all dessen ist, was ihm vorschwebt, nämlich das Sein im Augenblick als Eins-sein mit der Zeit und reine Möglichkeit … Es geht um den Gegensatz der Vorstellungen “Bewusstsein in der Zeit” – ein Zustand der Unfreiheit, da diese Art von Existenz von Kausalzusammenhängen bestimmt wird, derer man sich bange bewusst ist – und einem »reinen Bewusstsein«, das jeden Augenblick für sich nimmt und sich damit auskoppelt aus dem sequentiellen Erleben der Zeit. So lässt die Zeit sich manipulieren und eine Freiheit leben, die man andernfalls nicht haben kann. Man holt sich die Zeit in Form des bedingungslos erlebten Augenblicks ins Bewusstsein. Wer das kann, der <strong>kennt sich aus mit der Zeit</strong>. Und das scheint mir, will <strong>Kerouac</strong> mit »we know time« denn auch sagen.<br>
»Wir kennen die Zeit« scheint mir so als Übersetzung durchaus in die richtige Richtung zu gehen, nur dass man eben nicht sagen würde: »Ich kenne die Mathemathik.« oder »Ich kenne Französisch.« Nicht um damit auszudrücken, dass man die Mathematik oder Französisch beherrscht.<br>
Dean und seinesgleichen <strong>wissen um das Wesen der Zeit und wie man sie aushebelt</strong>. Sie kennen sich aus mit der Zeit.<br>
Ich würde also eher sagen, »know« ist mit »kennen« einfach falsch übersetzt.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://slangtimes.com/2010-05-25/%c2%bbwe-know-time%c2%ab-%e2%80%93-bewusstein-in-der-zeit-vs-zeit-im-bewusstein/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Linguistische Aspekte des Slang (4)</title>
		<link>https://slangtimes.com/2010-04-16/linguistische-aspekte-des-slang-4/</link>
					<comments>https://slangtimes.com/2010-04-16/linguistische-aspekte-des-slang-4/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Apr 2010 15:31:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[British Slang]]></category>
		<category><![CDATA[Culture]]></category>
		<category><![CDATA[Idioms]]></category>
		<category><![CDATA[Slang]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachforschung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://slangtimes.com/?p=1190</guid>

					<description><![CDATA[E.B. Tylor – Linguistische Aspekte des Slang (4) Macmillan’s Magazine, Vol. XXIX (1873–74) pp. 502–513 Übersetzung © Bernhard Schmid (Fortsetzung von) Die Vermehrung des Wortschatzes durch Neubildungen und Wortänderungen, wie wir sie eben mit Beispielen belegt haben, ist jedoch im Slang – wie in anderen Spachzweigen auch – eher selten. Ein hundertmal effektiveres Mittel besteht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>E.B. Tylor – Linguistische Aspekte des Slang (4) </strong></p>
<p>Macmillan’s Magazine, Vol. XXIX (1873–74) pp. 502–513</p>
<p>Übersetzung © Bernhard Schmid</p>
<p>(<a href="https://slangtimes.com/2010-04-08/linguistische-aspekte-des-slang-3/" target="_self">Fortsetzung von</a>)</p>
<p>Die Vermehrung des Wortschatzes durch <strong>Neubildungen und Wortänderungen</strong>, wie wir sie eben mit Beispielen belegt haben, ist jedoch im Slang – wie in anderen Spachzweigen auch – eher selten. Ein hundertmal effektiveres Mittel besteht darin, <strong>fertige Wörter zu nehmen</strong> und diese dann geschickt <strong>für neue Ideen zu adaptieren</strong>. Zu diesem Ende bedient der Slang sich ganz ungeniert der grammatischen Muster der Sprache ganz allgemein. Ein Pferd als <em>prauncer</em> zu bezeichnen (ein <em>prigger of prauncers</em> ist im Cant, der alten Gaunersprache, ein Pferdedieb), einen Fuß als <em>trotter</em> (französisch <em>trottin</em>), eine Feder als <em>volante</em>, einen Keks als <em>cassant</em> (im Sinne des modernen amerikanischen <em><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/04/SlaCov12.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-1191" title="SlaCov1" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/04/SlaCov12.jpg" alt width="200" height="296"></a>cracker</em>) und die Erde als <em>the produisante</em> belegt eine Methode der <strong>Wortbildung ganz nach Art des Sanskrit</strong>. In die andere Richtung ist diese Art der Wortbildung im Englischen noch aufschlussreicher, da sie uns im Geiste auf einen primitiven Zustand der Sprache zurückführt, in dem es kaum einen Unterschied gab zwischen ihren einzelnen Elementen und in dem noch jedes Wort zu konjugieren war; so steht etwa <em>to knife</em> für erstechen, war <em>to fork out</em> ursprünglich eine Art des Taschendiebstahls, bei dem man zwei gestreckte Finger wie eine Gabel in die Tasche des Opfers schiebt; <em>to be cornered</em> bedeutet in eine Ecke gedrängt, <em>to be fullied</em> voll und ganz dem Gericht überantwortet, <em>to be county-courted</em> heißt <em>vorgeladen werden</em> oder, um den präzisen Slangausdruck zu verwenden, <em>summonsed</em>, i.e. eine <em>summons</em> (Vorladung) des <em>County Court</em> zugestellt bekommen. Einige der von Adjektiven abgeleiteten Substantive im Slang sind durchaus treffend: <em>hardy</em> für einen Stein, <em>flimsy</em> für eine Banknote, <em>milky ones</em> für weiße Leintücher; im Französischen finden wir <em>dure</em> für Eisen, <em>basse</em> für die Erde, <em>curieux</em> für einen Richter und <em>incommode</em> für eine Laterne; das Italienische kennt <em>dannoso</em> (der bzw. die Gefährliche) für die Zunge, <em>divoti</em> (die Andächtigen) für die Knie und <em>perpetua</em> (die Ewigwährende) für die Seele.<span id="more-1190"></span></p>
<p>Von hier kommen wir auf <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tropus_%28Rhetorik%29" target="_blank">Trope</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Metapher" target="_blank">Metapher</a></strong>, derer der Slang sich ausgiebig und oft mit einigem Geschicke bedient. Selbstverständlich haben wir es hier mit einem Fall von »natürlicher Auslese« zu tun. Schreiber von Burlesken, Haarespalter, die Witzbolde aus den Raucherzimmern der Clubs oder vom Droschkenstationsplatz sind unablässig bei der Arbeit an neuen Beiwörtern und Gleichnissen; aber der Prozentsatz derer, die selbst der Slang zu akzeptieren und in Umlauf zu bringen gewillt ist, fällt so unendlich klein aus, dass auf tausend Versager kaum ein Erfolg kommt. Die Öffentlichkeit ist, alles in allem, ein nicht zu unterschätzender Kenner von Sinnfälligkeit und Humor; und das Wort oder die Wendung, die ins öffentliche Leben zu entlassen sie bereit ist, kann wohl gewisser Meriten nicht entbehren. Es muss jemand mit einem Ohr für den Witz gewesen sein, der dem haarigen Flaum auf ungepflegten Möbeln den Namen <em>beggar’s velvet</em> oder <em>slut’s wool</em> gegeben hat; der einen Schurken hoch oben auf dem Pranger als <em>overseer</em> und den Sklavenhandel als <em>blackbird-catching</em> bezeichnet hat; der eine »große maskuline, einem Herren ähnliche Dame« mit der ausdrucksvollen Bezeichnung <em>horse-godmother</em> bedenken kann; der den Wirt einer Gaststätte einen <em>ale-draper</em> oder <em>beggarmaker</em> nennt oder ein Spiel Karten »The History of the Four Kings; or, Child’s Best Guide to the Gallows«. Etwas nachgerade Nettes hat der Gebrauch von <em>granny</em> zur Bezeichnung eines eingebildeten überlegenen Wissens und der eigenen Bedeutung wie in der von Mayhew zitierten Bemerkung »to take the <em>granny</em> off them as has white hands«. Jeder, der die kleinen Mädchen gesehen hat, die man zu Besorgungen in die Stadt schickt und die sich auf die Zehenspitzen stellen, um nach einem Türklopfer hoch über ihren Köpfchen zu greifen, wird die Wendung »up to the knocker« zu schätzen wissen, die eine Person beschreibt, die ihrer Aufgabe gewachsen oder nach der neuesten Mode gekleidet ist. Man sagt von einem Mann, dessen Frau kein Vermögen mit in die Ehe bringt, dass er <em>for love</em> (aus Liebe) geheiratet habe, und so ist das Wort <em>love</em> heute gleichbedeutend mit »nichts«. Nicht nur ist die Wendung <em>to play for love</em> in Gebrauch, sie dient dem Billardkellner als Zahl beim Führen der Trefferliste: five-<em>love</em>,&nbsp; eight-<em>love</em> etc. Es war ursprünglich Fleischer-Slang, Herz, Leber und Lunge als <em>pluck</em> zu bezeichnen, da man sie herausrupft, dann begann man den Mut als <em>pluck</em> zu bezeichnen, so dass heute jeder von <em>pluck</em> und <em>plucky</em> spricht, und warum auch nicht? Diese Wörter haben nicht weniger das Recht zu existieren als <em>heart</em> und <em>hearty</em>. Es bedarf keiner Erklärung, weshalb <em>to peel</em> dasselbe ist wie <em>to strip</em> oder <em>‘tater-trap</em> ein Mund, weshalb <em>floored</em> oder <em>gravelled</em> (französisch <em>terrassé</em>) metaphorisch wie materiell »zu Boden geschlagen« heißt; desgleichen gilt für die Wendung <em>to die in a horse’s nightcap</em>, »erhängt werden«, und <em>planted</em>, was »beerdigt werden« heißt, wenn es durch den Pastor geschieht. Da man einen Polizisten als <em>blue-bottle</em> bezeichnet, erhält die Schmeißfliege (<em>blue-bottle</em>) durch bloße Inversion den Namen <em>policeman</em>. <em>Crown</em> und <em>half-crown</em> sind unter Londoner Droschkenkutschern als <em>hind-wheel</em> und <em>fore-wheel</em> bekannt, so wie in Paris <em>roue de derrière</em> und <em>roue de devant</em> eine 5‑Franc-Münze und eine 2‑Franc-Münze sind; ähnlich ist <em>red rag</em>, die Zunge, im französischen <em>chiffon rouge</em> und »balancer le <em>chiffon rouge</em>« heißt »reden«; <em>accroche-cœur</em> nennen die Franzosen die hakenähnliche Locke, die im Deutschen <em>Bubenträtzerlein</em> und im Englischen <em>beau-catcher</em> heißt. Es steckt eine ganze sarkastische Moralpredigt dahinter, einen Wegweiser am Straßenrand als <em>parson</em> zu bezeichnen, weil er anderen den rechten Weg weist, ohne ihn selber zu nehmen. Überhaupt ist der Slang in so mancherlei Hinsicht etwas hart, was den Geistlichen anbelangt. Er ist als <em>devil-driver</em> oder <em>devil-scolder</em> bekannt und auch als <em>ungrateful man</em>, insofern er wenigstens einmal die Woche seinen größten Wohltäter, den Teufel, beschimpft.</p>
<p>(<a href="https://slangtimes.com/2010-04-08/linguistische-aspekte-des-slang-3/" target="_self">Fortsetzung von</a>)(<a href="https://slangtimes.com/2010-05-05/linguistische-aspekte-des-slang-5/" target="_self">Fortsetzung hier</a>)</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://slangtimes.com/2010-04-16/linguistische-aspekte-des-slang-4/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
