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	<title>Volksetymologien - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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	<description>Über Slang, Übersetzen &#38; die Sprache dazu</description>
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	<title>Volksetymologien - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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		<title>nuschen: eine genuscht kriegen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Mar 2019 06:54:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Warum das an dieser Stelle mal versprochene Wörterbuch der deutschen Umgangssprache trotz hehrer Absichten wieder eingeschlafen ist, habe ich anderenorts im Blog erklärt, aber irgendwie stoße ich nun mal immer wieder auf Wörter, die mich seit Jahren – immer wieder mal – beschäftigen. »Nuschen« bzw. »eine genuscht kriegen« ist eines davon. Und wo der Artikel [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4><img decoding="async" class="alignleft wp-image-12034 size-thumbnail" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-150x150.jpg" alt width="150" height="150" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-150x150.jpg 150w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-300x300.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-144x144.jpg 144w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25-370x368.jpg 370w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-25.jpg 448w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px">Warum das an dieser Stelle mal versprochene Wörterbuch der deutschen Umgangssprache trotz hehrer Absichten wieder eingeschlafen ist, habe ich anderenorts im Blog erklärt, aber irgendwie stoße ich nun mal immer wieder auf Wörter, die mich seit Jahren – immer wieder mal – beschäftigen. »Nuschen« bzw. »eine genuscht kriegen« ist eines davon. Und wo der Artikel hier seit Jahren als Entwurf bereit steht, versuch ich das mal zu Ende zu bringen…</h4>
<p>Wie dem auch sei, jemandem eine zu »<strong>nuschen</strong>« bzw. »<strong>eine genuscht kriegen</strong>« / »<strong>eine genuscht bekommen</strong>« ist Dialekt, und unsere deutschsprachigen Dialekte sind (obwohl dazu auch zunehmend inkompetente Übersetzungen zählen<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_1_12700" id="identifier_1_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe »am Ende des Tages«, »lose Kanonen«, »wilder Ritt« und ähnlicher Mist, der als schick empfunden und als Slang nachgeplappert wird">1</a></sup> ) die eigentlichen Quellen unserer gesamtdeutschen Umgangsprache. Zum Beleg dafür habe ich ja auch mühselig den alten <a href="https://slangtimes.com/2018-07-28/deutscher-slang-a-la-1892-22/">Genthe</a> aufbereitet. Da gäb’s noch viel zu holen, soweit die Aussprache einer gesamtdeutschen Verbreitung nicht entgegensteht. Und bei »nuschen« ist das nun sicher nicht der Fall. Ich bin – relativ – sicher<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_2_12700" id="identifier_2_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ich möchte keinen Eid drauf leisten bei meinem Gedächtnis, aber ich bilde mir ein aus dem Munde von Hans Meiser; auf der anderen Seite: Habe ich die Nachrichten auf RTL geguckt? Fraglich...">2</a></sup>, »<strong>nuschen</strong>« zum ersten Mal im TV gehört zu haben: irgendjemand hatte, seiner Aussage nach, irgendjemandem »eine genuscht«.</p>
<p>Okay, das war noch vor dem Internet – oder jedenfalls noch bevor dieses als World Wide Web für uns nutzbar wurde. Aber selbst heute gibt die Suche nicht allzu viel her. Und Duden und selbst »der Küpper« versagen auch. Und wo wir schon dabei sind, das gilt auch für die gesamte großartige Flöte von klassischen Wörterbüchern, die die Uni Trier ins Web gestellt hat. Aber wenn wir <strong>Dialekt</strong> vermuten, sind wir mit den guten alten (mit Betonung auf »alt«) <strong>Dialektwörterbüchern</strong> bzw. <strong>Idiotika</strong> sowieso ausnahmslos am besten beraten. Und dazu muss man heute noch nicht mal mehr in den Lesesaal der nächsten Bibliothek.</p>
<p>Aber lassen Sie mich erst mal das erste »moderne« Glossar zitieren, in dem ich »nuschen« seinerzeit fand, Claus Spricks <em><strong>HÖMMA! Sprache im Ruhrgebiet</strong></em>.</p>
<blockquote><p><strong>nuschen: jemandem eine nuschen</strong> = jemandem eine Kopfnuß oder eine rasche (aber nicht sehr heftige) OHR­FEIGE verpassen — “hör endlich auf zu brüllen, oder willze noch eine genuscht kriegen?” / SCHLAGEN<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_3_12700" id="identifier_3_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Straelener Manuskripte Verlag 1989. Glossar Nr. 3. EUROPÄISCHES ÜBERSETZER-KOLLEGIUM">3</a></sup></p></blockquote>
<p>Ich stelle das Zitat deshalb an den Anfang, weil es – zumindest indirekt – die Beziehung zur »<strong>Nuss</strong>« herstellt, die sich bei weiterer Nachforschung womöglich als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Volksetymologie" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Volksetymologie</strong></a> erweist. So fand ich damals mit einiger Beinarbeit, heute kriegen Sie das, ohne den Hintern lüften zu müssen, im <strong>Internet Archive</strong>, einen verstaubten Band aus dem Jahre 1868 von einem Karl Regel, <a href="https://archive.org/details/bub_gb_V4ACAAAAQAAJ/page/n251" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em><strong>Die Ruhlaer Mundart</strong></em></a><sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_4_12700" id="identifier_4_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Weimar: Hermann Boehlau, 1868.">4</a></sup> Nun, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhla" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ruhla</strong></a> liegt (aber auch schon so was von mitten in Deutschland!) in Westthüringen.</p>
<blockquote><p><strong>noss</strong> v. trans. heftig schlagen, prügeln (z. B. <em>dän humme düchtig genosst’, ä hät ämä d’n kôpf genosst krejt</em> tüchtige Schläge auf den Kopf bekommen); <strong>kópfnoss</strong> f. Kopfnuss, Schlag auf den Kopf (<em>där hät schô kôpfnöss gekrêjt</em>); ebenso thür. <em><strong>noss, nussen</strong></em> schlagen, <em><strong>kopfnuss</strong></em> Ohrfeige; henneb. <em><strong>zernusst</strong></em> zerschlagen Fromm. 3, 137. bair. <strong><em>nussen, abnussen</em></strong> Schmell. 2, 711. westerw. <em><strong>nossen, nössen</strong></em> Schmidt 126. schwäb. <em><strong>nussen, vernussen</strong></em> Schmid 410. Schweiz, <em><strong>nüssi</strong></em> n. Nasenstüber, <strong><em>nusch</em></strong> m. Schlag, <strong><em>nuschen</em></strong> ohrfeigen Stald. 2, 246. 247. Schwerlich haben diese Wörter eine andere Verbindung mit ‚Nuss‘ (nux) als die, welche das etymologisierende Volksbewusstsein hergestellt hat (wie z. B. auch in der verbreiteten thür. Redensart: <em>du kriegst Prügel wie ein Nusssack</em>); vielmehr berechtigt uns das ahd. Partic. <em><strong>firnuosoten</strong></em> attritis Grff. 4, 1126. 2, 1130, welches als eine Ableitung von ahd. <em><strong>nuan</strong></em> tundere erscheint (Grff. 4, 1125. Dfb. goth. wb. 1, 314), unserem Zeitwort <em><strong>nussen, vernussen</strong></em> eine völlig gesonderte Stelle anzuweisen.<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_5_12700" id="identifier_5_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Regel, Seite, 243">5</a></sup></p></blockquote>
<p>Die ich diakritischen Zeichen im Zitat hier nicht korrekt wiedergeben kann, hier noch ein Screenshot von der Stelle im Buch für die, die’s genauer wissen wollen:</p>
<p><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-medium wp-image-12710" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-300x222.jpg" alt width="300" height="222" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-300x222.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-768x568.jpg 768w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-1024x758.jpg 1024w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-370x274.jpg 370w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-570x422.jpg 570w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-770x570.jpg 770w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss-784x580.jpg 784w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2019/03/noss.jpg 1115w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px"></a></p>
<p>Halten wir erst mal zwei Punkte fest: Erstens gab es das Wort schon damals von Mitteldeutschland bis in die Schweiz; wir müssten uns (vielleicht später) noch im deutschen Norden umsehen; zweitens, kommt »nussen« bzw. »nuschen« womöglich nicht von der »Nuss«. Ich zitiere: »Schwerlich haben diese Wörter eine andere Verbindung mit ‚Nuss‘ (nux) als die, welche das etymologisierende Volksbewusstsein hergestellt hat…«</p>
<p>Als Bayer möchte hier auch noch den von <strong>Regel</strong> angeführten <a href="https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000004050" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Schmeller</strong></a> zitieren, zu dessen <em><strong>Bayerischem Wörterbuch</strong></em> ich ein recht gespaltenes Verhältnis habe, weil es selbst in meiner schönen vierbändigen Printausgabe (Oldenbourg) a) schlicht kaum zu lesen und in dem b) seiner unergründlichen Anordnung wegen schlicht nichts zu finden ist. Was übrigens leider auch für die <a href="https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB00005026?cq=Bayerisches%20W%C3%B6rterbuch%20Sammlung&amp;p=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online-Ausgabe</a> gilt. Probieren Sie’s da mal im 1. Band, Spalte 1764–65. Das folgende Zitat stammt jedoch aus der älteren Ausgabe.</p>
<blockquote><p><strong>nußen, abnußen, dernußen</strong> Einen, ihn abprügeln, durchprügeln. <strong>Nuß</strong>, plur. Stöße, Schläge, Streiche. <strong>Nuß kriegen</strong>. Vielleicht ist diese Bedeutung von <strong>nußen</strong> eine bloße Figur von der vorhergehenden, (<em>d Weiber und d Nussbam wlln geschlagng sa</em>). Indessen könnte umgekehrt die das Stoßens, des Brechens durch Stoßen oder Drücken die erste seyn. Vrgl. oben unter <strong>nießen</strong> das alte <strong>niozan</strong> <em>tundere</em>. Contriti[o] cordis heißt im Psalt. Windb. “des vernozzen hercen.”</p></blockquote>
<p>In <strong>Follmanns <em>Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten</em></strong> finden wir:</p>
<blockquote><p><strong>nossen</strong> [nosən Bo.] tr. v. <em>mit dem Fingerknöchel auf den Kopf schlagen</em>: ich han em än genosst. — ElsWB els. 1, 789 nusse; hess. N. 195 nussen, nüssen stoßen, schlagen; baier. 1, 1764 nussen, abnussen; östr. nuss’n puffen, knuffen From. 3, 191, 70. s. Nuss 2.<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_6_12700" id="identifier_6_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Michael Ferdinand Follmann, Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten (1909)">6</a></sup></p></blockquote>
<p>Und in <strong>Müllers <em>Rheinischem Wörterbuch</em></strong> haben wir noch:</p>
<blockquote><p><strong>Noss</strong> ‑o- = Nuss (s. d.); nossen ‑o- = prügeln s. nussen II;&nbsp;<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_7_12700" id="identifier_7_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Josef Müller / Heinrich Dittmaier / Karl Meisen / Matthias Zender, Rheinisches Wörterbuch">7</a></sup></p></blockquote>
<p>Es sei hier angemerkt, dass die von Regel zitierte interessante Fundstelle »<strong><em>nusch</em></strong> m. Schlag, <strong><em>nuschen</em></strong> ohrfeigen Stald. 2, 246. 247.« aus dem <em><strong>Versuch eines <a href="https://archive.org/details/versucheinessch00unkngoog/page/n273" target="_blank" rel="noopener noreferrer">schweizerischen Idiotikon</a> mit etymologischen Bemerkungen Untermischt</strong></em> von <strong>Franz Joseph Stalder</strong> (1812) stammt, wo es heißt:</p>
<blockquote><p><strong>Nuschen</strong> v act. u. n. – Streiche, Ohrfeigen versetzen (Unt.); Nusch, Schlag (Schf.) Von unserm Zwischenwort nu (hui), wie Husche, Hursche von hui, hursch.</p></blockquote>
<p>Interessanterweise finden sich hier auch noch</p>
<blockquote><p><strong>Nüschen, nischen, nuschen</strong> v. act. – rütteln. (B. Oberl.)<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_8_12700" id="identifier_8_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Stalder, 247">8</a></sup>&nbsp;</p></blockquote>
<p>und</p>
<blockquote><p><strong>Nussen</strong> v.n.m. haben&nbsp; (Pict. p. 309) Nüsse pflücken.<sup><a href="https://slangtimes.com/2019-03-24/nuschen-eine-genuscht-kriegen/#footnote_8_12700" id="identifier_9_12700" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Stalder, 247">8</a></sup></p></blockquote>
<p>Auch wenn die Bedeutung damit geklärt ist, dem Ursprung von »<strong>nuschen</strong>« auf den Grund zu gehen, scheint gar nicht so leicht. Mit dem Umstand, dass man Nüsse vom Baum schlägt, wäre »<strong>nussen</strong>« sicher prima erklärt, aber das haben Volksetymologien nun mal so an sich, dass sie die naheliegendsten, d.h die sich offensichtlich anbietende Erklärung bevorzugen. Ob es Sinn hat, sich nach der Nahtstelle zu heute kaum mehr verständlichen Wörtern wie <em><strong>firnuosoten</strong></em> umzusehen, »welches als eine Ableitung von ahd. <em><strong>nuan</strong></em> tundere erscheint«? Bestenfalls für Leute, die dafür bezahlt bekommen…</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_12700" class="footnote">siehe »am Ende des Tages«, »lose Kanonen«, »wilder Ritt« und ähnlicher Mist, der als schick empfunden und als Slang nachgeplappert wird</li><li id="footnote_2_12700" class="footnote">ich möchte keinen Eid drauf leisten bei meinem Gedächtnis, aber ich bilde mir ein aus dem Munde von Hans Meiser; auf der anderen Seite: Habe ich die Nachrichten auf RTL geguckt? Fraglich… </li><li id="footnote_3_12700" class="footnote">Straelener Manuskripte Verlag 1989. Glossar Nr. 3. EUROPÄISCHES ÜBERSETZER-KOLLEGIUM</li><li id="footnote_4_12700" class="footnote">Weimar: Hermann Boehlau, 1868.</li><li id="footnote_5_12700" class="footnote">Regel, Seite, 243</li><li id="footnote_6_12700" class="footnote">Michael Ferdinand Follmann, <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=LothWB&amp;lemid=CN00293" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten</a> (1909) </li><li id="footnote_7_12700" class="footnote">Josef Müller / Heinrich Dittmaier / Karl Meisen / Matthias Zender, <em><strong>Rheinisches Wörterbuch</strong></em></li><li id="footnote_8_12700" class="footnote">Stalder, 247</li></ol>]]></content:encoded>
					
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		<title>Linguistische Aspekte des Slang (8)</title>
		<link>https://slangtimes.com/2010-06-26/linguistische-aspekte-des-slang-8/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jun 2010 05:03:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[British Slang]]></category>
		<category><![CDATA[Etymologie]]></category>
		<category><![CDATA[Slang]]></category>
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		<category><![CDATA[Volksetymologien]]></category>
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					<description><![CDATA[E.B. Tylor – Linguistische Aspekte des Slang (8) Macmillan’s Magazine, Vol. XXIX (1873–74) pp. 502–513 Übersetzung © Bernhard Schmid (Fortsetzung von) Der Strom des Französischen, der sich seit der Eroberung durch die Normannen ins Englische ergießt, hat unserem Slang, dem mittelalterlichen wie dem modernen, einige eigenartige Wörter beschert. So hören wir beim Kartenspielen und Würfeln [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/06/SlaCov11111.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-1606" title="SlaCov1111" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/06/SlaCov11111.jpg" alt width="170" height="252"></a>E.B. Tylor – Linguistische Aspekte des Slang (8) </strong></p>
<p>Macmillan’s Magazine, Vol. XXIX (1873–74) pp. 502–513</p>
<p>Übersetzung © Bernhard Schmid</p>
<p>(Fortsetzung <a href="https://slangtimes.com/2010-06-10/linguistische-aspekte-des-slang-7/" target="_self">von</a>)</p>
<p>Der <strong>Strom des Französischen</strong>, der sich seit der Eroberung durch die Normannen ins Englische ergießt, hat unserem Slang, dem mittelalterlichen wie dem modernen, einige eigenartige Wörter beschert. So hören wir beim Kartenspielen und Würfeln heute noch die <strong>französischen Zahlwörter</strong>, die unsere Spieler sich vor langer Zeit ausgeborgt haben: <em>ace</em>, <em>deuce</em>, <em>tray</em>, <em>cater</em>, <em>cinque</em>, <em>size</em>. <em>Quarrel-picker<em> </em></em>war früher eine allgemeine »Berufsschelte« für einen Glaser; der moderne Engländer müsste, um den Scherz zu verstehen, zurückgehen bis in die Zeit, in der das französische <em>carreau</em> für eine Glasscheibe noch in seiner älteren Form <em>quarrel</em>, in der wir es geborgt haben, im Gebrauch war. Das Wort <em>vamp</em> war zuerst Slang, und selbst zu <strong>Groses</strong> Zeit bedeutete es ganz allgemein, alte Hüte, Schuhe und dergleichen auszubessern oder aufzupolieren; danach fügte er hinzu »desgleichen neue Füße in alte Stiefel stecken«. Und zu dieser letzteren Bedeutung gehört der merkwürdige französische Ursprung des Wortes, wie in Mr. Wedgwoods Wörterbuch durch die Definition von Palsgrave belegt: »<em>vampey</em> of a hose, <em>avant pied</em>«. So war <strong><em>vamp</em></strong> zuerst das Oberleder eines Schuhes, und <em>to vamp</em> war Schusterjargon dafür, neues Oberleder aufzuziehen; es wurde im Lauf der Zeit zum anerkannten Wörterbuchwort dafür, alles und jedes zu renovieren. <strong>Captain Grose </strong>hat mehrere französische Wörter überliefert, die zum Slang seiner Zeit gehörten, seither aber außer Gebrauch gekommen sind. Einige davon sind <em>nysey</em>, einen Einfaltspinsel, von französische <em>niais</em>, ein hübsches Wort, das (von lateinisch <em>nidus</em>) ursprünglich einen ungefiederten Nestling bezeichnete; dann das nicht eben unappetitliche Wort <em>hogo</em> für den Geruch von verdorbenem Fleisch – »it has a confounded <em>hogo</em>« (französisch <em>haut gout</em>). Andere Wörter haben sich ihren Platz bewahrt. So ist etwa in Londons Hospitälern das Vorschützen von Krankheiten noch heute als <strong><em>malingering</em></strong> (französ. <em>malingre</em>) bekannt; und <strong><em>savey</em></strong> (französ. <em>savez</em>) ist gegenwärtig sowohl als Verbum als auch als Substantiv im Einsatz: »Do you savey that?« – “He has plenty of savey.«<span id="more-1477"></span></p>
<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Bedenkt man den <strong>starken Einfluss der italienischen Mode</strong> auf das mittelalterliche England, verwundert es, in Harmans <em>Vocabulary of English Slang</em> für das 16. Jahrhundert nur zwei italienische Wörter zu finden. Immerhin ist eines davon erwähnenswert, nämlich <em><strong>commission</strong></em>, ein Hemd – eine auf amüsante Art anglisierte Form des italienischen <em>camicia</em>, die Taylor, der »water poet«, 1630 erwähnt:</p>
<blockquote><p>“As from our beds we doe oft caste our eyes,<br>
Cleane linnen yeelds a shirt before we rise,<br>
Which is a garment shifting in condition;<br>
And in the canting tongue is a <em>commission</em>.”</p></blockquote>
<p>Der moderne Slang verkürzt dies zu <em>mish</em>. Das Englische verfügt also mit dem Cant-Wort <em><strong>commission</strong></em> und dem anerkannten Begriff <em>chemise</em> sowohl über die italienische als auch die französische Form des nichtklassischen lateinischen <em>camisa</em> oder <em>camisia</em>, das im Verlauf seiner Geschichte für die Leinenkleidung des Soldaten herhalten hat müssen, für ein linnenes Nachtgewand, die Albe des Priesters und den Einband eines Buches. In den letzten Jahren jedoch hat die <strong>Invasion italienischer Bilderhändler und Leierkastenmänner</strong> für eine derartige Vertrautheit ihrer Sprache auf den englischen Straßen gesorgt, dass Mr. Hotten eine kuriose Liste von Wörtern hat sammeln können, deren italienischer Ursprung sich unter einer exotischen Schreibung und den phonetischen Eigenheiten unserer heimischen Gemüsehändler, Vagabunden und Diebe versteckt. So sind <em>omey</em> und <em>cassey</em> beide der Herr des Hauses (<em>uomo della casa</em>); eine Bäckerei ist ein <em>mungarly casa</em>, eigentlich ein Haus, in dem es zu Essen (mangiare) gibt; <em>to voker</em> bedeutet sprechen (vocare); <em>catever</em> oder <em>kertever</em> heißt schlecht (cattivo). Letzteres entspricht unserer französischen Form <em>caitiff</em>, sodass wir nun im Englischen drei Derivate des lateinischen <em>captivus</em> bzw. <em>captive</em> haben, zwei davon mit einer eigenartigen Bedeutungsverschiebung. Das bemerkenswerteste Beispiel italienischen Einflusses auf unsere Sprache ist jedoch die Übernahme einer <strong>Reihe italienischer Zahlwörter</strong>, mit denen das Londoner Straßenvolk <em>pence</em> oder <em>saltee</em> (soldi) zählt; sie gehen bis sechs: <em>oney</em>, <em>dooe</em>, <em>tray</em>, <em>quarterer</em>, <em>chinker</em>, <em>say</em> (uno, due, tre, quattro, cinque, sei); nachdem die Grenze der silbernen Sixpence-Münze erreicht ist, beginnt man von vorne; so sind zum Beispiel <em>say dooe saltee</em> acht Pence. Der englische Slang verfügt auch über spanische Wörter, aber im Gegensatz zu den italienischen scheinen sie alle veraltet zu sein. An die Tage von <strong>Spaniens Glanzzeit </strong>als seefahrende und Nation von Eroberern erinnern uns Wörter mit dem Geruch der Goldküste und dem karibischen Meer. Solche sind <em>calaboose</em> für Gefängnis (span. <em>calabozo</em>), <em>picaroon</em>, der Pirat oder Gauner (span. <em>picaron</em>); <em>picaninny</em> für ein Kind (span. <em>pequeñino</em>, eine Diminutivform von <em>pequeño</em>, klein); <em><strong>palaver</strong></em>, Gerede (span. <em>palabra</em>, das Wort). <em>To box</em>, ein nautischer Begriff mit der Bedeutung <em>umsegeln</em>, stammt zweifelsohne vom spanischen <em>boxar</em>, <em>boxear</em>; und das ist auch eindeutig die Bedeutung von <em>to box the compass</em>, die 32 Kompassstriche hersagen, den Kompass beherrschen. Wenn Sir Richard Hawkins den undisziplinierten Pöbel unter seiner Mannschaft <em>besonios</em> nennt, entlehnt er damit den Ausdruck <em>bisono</em>, mit dem die Spanier einen ungeschliffenen Neuling, einen Neuling in der Karibik bezeichnen. Aber auch den Italienern ist das Wort nicht unbekannt: mit <em>bisogno</em> bezeichneten sie einen frischen Rekruten. Über welche Umwege auch immer, der englische Slang hat das Wort als <em>bezonian</em> für Bettler oder Halunke adoptiert, wie wir bei Ancient Pistol (<em>Henry IV</em>) sehen:</p>
<blockquote><p>“Under which king, Bezonian? speak, or die!”</p></blockquote>
<p>So eng ist die <strong>Verwandtschaft zwischen dem englischen und anderen Dialekten der germanischen Sprachfamilie</strong>, dass der unachtsame Slangetymologe rasch einmal ein gutes altenglisches Wort für einen holländischen oder deutschen Import hält. Er wird dann das <strong>Diebswort</strong> für »stehlen« <em>to nim</em> (von dem Corporal Nym seinen Namen hat) vom deutschen <em>nehmen</em> ableiten, wo es doch in Wirklichkeit direkt vom angelsächsischen <em>niman</em> (»nehmen«) kommt; desgleichen wird er das alte Cantwort <em><strong>cranke</strong></em> für die Fallsucht etc, von dem die Wendung »to counterfeit cranke« kommt, womit man die Vortäuschung epileptischer Anfälle bezeichnet, vom deutschen <em>krank</em> ableiten, wo es doch zweifelsohne ein gestandenes altes englisches Wort ist. In Fällen wie diesen ergibt sich die Verbindung zwischen englischen und hochdeutschen oder niederländischen Wörtern aus gemeinsamen Ahnen, nicht aus einer modernen Übernahme.</p>
<p>(Fortsetzung <a href="https://slangtimes.com/2010-07-11/linguistische-aspekte-des-slang-9/" target="_self">hier</a>)</p>
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		<title>Linguistische Aspekte des Slang (5)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 May 2010 07:41:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[British Slang]]></category>
		<category><![CDATA[Culture]]></category>
		<category><![CDATA[Neologismen]]></category>
		<category><![CDATA[Slang]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Volksetymologien]]></category>
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					<description><![CDATA[E.B. Tylor – Linguistische Aspekte des Slang (5) Macmillan’s Magazine, Vol. XXIX (1873–74) pp. 502–513 Übersetzung © Bernhard Schmid (Fortsetzung von) Es lässt sich nicht vermeiden, dass der Schatz altehrwürdiger Scherze, wie er uns in Slangwörterbüchern erhalten ist, zuweilen trefflichen Anekdoten moderneren Datums im Wege steht. So verhält es sich mit folgender berühmten Passage aus [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>E.B. Tylor – Linguistische Aspekte des Slang (5) </strong></p>
<p>Macmillan’s Magazine, Vol. XXIX (1873–74) pp. 502–513</p>
<p>Übersetzung © Bernhard Schmid</p>
<p>(<a href="https://slangtimes.com/2010-04-16/linguistische-aspekte-des-slang-4/#more-1190" target="_self">Fortsetzung von</a>)</p>
<p><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/05/SlaCov12.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-1302" title="SlaCov12" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/05/SlaCov12.jpg" alt width="200" height="296"></a>Es lässt sich nicht vermeiden, dass der <strong>Schatz altehrwürdiger Scherze</strong>, wie er uns in Slangwörterbüchern erhalten ist, zuweilen trefflichen Anekdoten moderneren Datums im Wege steht. So verhält es sich mit folgender berühmten Passage aus <strong>Carlyles</strong> <em>Life of Sterling</em>: »Mir ist ein Beispiel für Sterlings Eloquenz zu Ohren gekommen, das uns auf den Schwingen schmunzelnden Hörensagens überliefert ist und augenscheinlich auf die eine oder andere Art auf den Konservatismus der Kirche anspielt: ›Haben sie nicht?‹ oder vielleicht auch ›Hat Sie (die Kirche) nicht‹ – ›einen schwarzen Dragoner in jeder Gemeinde, bei gutem Salär und ebensolcher Kost aus Ross- und Menschenfleisch, der dort Patrouille reitet und für derlei kämpft?‹« Durchaus wahrscheinlich, so bemerkt Carlyle, dass der schwarze Dragoner »begreiflicherweise die rundum junge Phantasie zu stürmischem Gelächter aufstachelte«; der Scherz jedoch war bereits etwas angestaubt, da bereits <strong>Grose</strong>, lange vor Sterlings Geburt, in seinem Slangwörterbuch »a review of the black cuirassiers« als »Heimsuchung durch die Geistlichkeit« definiert hatte. Dieselbe klassische Autorität (das Buch erschien 1785) übrigens, die <em>Turkey merchant</em> als Geflügelhändler* definiert. Ich muss es besseren Kennern der Vergangenheit überlassen, die Frage um die Wahrscheinlichkeit einer Anekdote zu klären, nach der dieser Scherz von dem (1736 geborenen) Horne Tooke stammt, den die Jungs bei seiner Ankunft in Eton die schreckliche Frage nach seinen Verhältnissen stellten: »Was macht denn dein Vater?«<span id="more-1301"></span></p>
<p>Es war unter <strong>Etymologen</strong> durchaus üblich, ein Wort, mit dem man seine liebe Not hatte, etwas abzuändern, um Sinn hineinzubekommen, so wie wir das von Straßenhändlern her kennen; erstere freilich mit wissenschaftlichem Anspruch, während letztere ein Wort nur der Umgangssprache anpassen wollen. Einem dieser gescheiten Gelehrten (der große Fehler von Philologen ist der, dass sie einfach zu gescheit sind) wollte nicht einleuchten, warum man mit Käse überbackenen Toast als <em>Welsh rabbit </em>bezeichnen sollte, so dass er denn zu dem Schluss kam, es müsse sich um eine Verballhornung von <em>Welsh rare-bit</em> (im Sinne eines Leckerbissens) handeln. Die Öffentlichkeit nahm es ihm ab und schrieb das Wort entsprechend, so dass heute selbst die beste Ausgabe von Webster’s Dictionary (Bell and Daldy’s) das Gericht als »eigentlich <em>Welsh rare-bit</em>« wiedergibt. Nun, das Ganze ist schlicht dummes Zeug; der Begriff <em>rare-bit</em> an sich ist erfunden, und <em>Welsh rabbit</em> ist ein genuiner Slangbegriff, der zu einer granzen Gruppe von Begriffen gehört, die auf dieselbe humorvolle Weise das besondere Gericht, Produkt bzw. die Spezialität einer bestimmten Gegend beschreibt. Einige Beispiele: ein <em>Essex stile</em> ist ein Graben und ein <em>Essex lion</em> ein Kalb, <em>Field-lane duck</em> ist ein gebackener Schafskopf; <em>Glasgow magistrates</em>, <em>Gourock hams</em> oder <em>Norfolk capons</em> sind allesamt Bücklinge; <em>Irish apricots</em> oder <em>Munster plums</em> sind Kartoffeln; <em>Gravesend sweetmeats</em> sind Krabben; und ein <em>Jerusalem pony</em> ist ein Esel.</p>
<p><strong>Wortspiele</strong> führen zu merkwürdigen neuen Begriffen. Als etwa die altbewährte Maschinerie des Henkers – Wagen und Leiter – durch den »drop« (Falltür) ersetzt wurde, sprach die für dergleichen Feinheiten empfängliche Menge davon, es sei <em>autumn</em> für den Verbrecher in Anspielung auf <em>das Fallen des Laubs</em>; oder, um ein weniger degoutierliches Beispiel zu nehmen: Als in Frankreich ein auf­gemöbelter alter Schuh als <em>dix-huit</em> bezeichnet zu werden begann, weil er <em>deux fois neuf</em> war. Der Händler in Sachen Slang wickelt seine neue Bedeutung gerne in einen Witz, auf dass seine Kundschaft ihn auspackt – und etwas Unangenehmes darin findet. Man verlangt von ihm sein Geld zurück, und er bietet einem ein <em>draught</em> aus dem Pumpwerk von Aldgate; man gesteht ihm, ein Narr gewesen zu sein, weil man ihm vertraut hatte, und er empfielt einem kühl, doch nach Battersea (mit seinen berühmten Kräutergärten) zu gehen, um sich dort seine <em>simples</em> stutzen zu lassen. <strong>Wortspiele auf Ortsnamen</strong> bilden dabei eine Klasse für sich. Nach <em>Bedfordshire</em> oder auf die <em>Scilly</em> Isles zu gehen, bedarf keiner Erklärung; ein <em>Greenlander</em> ist ein Neuling, und Ferien in <em>Peckham</em> zu machen bedeutet, ohne Abendessen auskommen zu müssen. Nach demselben Prinzip bedeutet in Frankreich »aller à Versailles« <em>sich aufregen</em> und ein Narr »fait son cours à Asnières«; es ist dort außerdem ein allgemein bekannter Wink mit dem Zaunpfahl, jemanden seines Wegs zu schicken, indem man ihm eine Präbende in der Abtei von <em>Vatan</em> in Aussicht stellt. Um nicht weiter bei eher schwachen Bildungen zu verharren, werfen wir als nächstes einen Blick auf historische Relikte in solchen Slangwörtern, die ihren Ursprung im Namen einer Person oder eines Ortes haben oder Zeugnis eines Ereignisses ablegen, eines Brauchs oder einer Idee.</p>
<p>Einige dieser <strong>historischen Ableitungen</strong> sind modern und vertraut wie etwa die Namen <em>bobby</em> oder <em>peeler</em> oder <em>to burk</em>, ein unangenehmes Thema ersticken. Weniger bekannt ist, dass es einen General Martinet gab, dessen Namen man auf andere Zuchtmeistern übertrug; dass die Eisentür bzw. der Schieber an einem Ofen einmal ein <em>sacheverel</em> war nach dem berühmten »blower of the coals of dissension« zu Queen Annes Zeit; dass das weißgepunktete blaue Halstuch, das wir heute noch als <em>belcher</em> bezeichnen, den Namen eines berühmten Preiskämpfers trägt; und dass der galgenähnliche Kran, mit dem man auf Werften die Schiffe mit Masten versieht, seinen Namen einem berühmten Scharfrichter namens <strong>Derrick</strong>, dem Calcraft des 17. Jahrhunderts, verdankt. <em>Bastile</em>, die Bezeichnung der Nichtsesshaften für ein Armenhaus (»union workhouse«); <em>Billingsgate</em> als allgemeine Bezeichnung für jede Art von Unflätigkeit; und das Verbum <em>to chivey</em> nach dem Jungenspiel <em>Chevy</em> Chase sind Beispiele mit offensichtlicher Historie. Andere sind weniger offensichtlich. So gehört der Begriff »<em>hums</em> in the autem«, mit dem die Sprache der Diebe Leute in der Kirche bezeichnet, in die Tage, in denen die Gemeinde einem beliebten Prediger durch Summen Beifall zollte; »the devil to <em>pay</em>, and no pitch hot« ist nicht etwa der bare Unsin, für die Landsleute ihn halten, da die Wendung sich auf die unter Seeleuten als »Teufel« bezeichnete und schwer abzudichtende Düwelnaht bezieht; das Wort <em>cockshy</em> bewahrt die Erinnerung an den einst beliebten Zeitvertreib, mit Knütteln nach lebenden Hähnen zu werfen; und die <em>cock-and-bull story</em>, ein Begriff, den man heute auf eine aberne, nicht enden wollende Geschichte bezieht, illustriert die Verachtung, mit der man die alten Tierfabeln bedachte, das schiere Entzücken, das der Mensch bei der Betrachtung aller niedrigeren Kulturstufen rund um den Globus empfand. Viele Wörter dieser Kategorie, hätten womöglich als nicht mehr zu dechiffrierende Rätsel in der Sprache weitergelebt, hätte nicht eine Person, der sie zufällig kannte, notiert. Zweifelsohne verfügt jede Sprache über derlei historische Wörter mit verloren gegangenem Ursprung – ein Gedanke, der all jenen Philologen als Warnung vor ihrem Gewohnheitslaster dienen mag, die Etymologie selbst des letzten Wortes finden zu wollen.</p>
<p>______________________________</p>
<p>* Anm. d. Übers. Da mir der “Witz” dieses Slangbegriffs nicht ganz einleuchten will, frage ich mich, ob Grose nicht womöglich einen Angehörigen der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Worshipful_Company_of_Poulters" target="_blank">Worshipful Company of Poulters</a>, eine der 108 <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Livery_Company" target="_blank">Gilden der City of London</a>, meint. Nicht dass ich einen großen Unterschied sehe. Falls ein Fachmann auf diesen Artikel stoßen sollte…</p>
<p>(<a href="https://slangtimes.com/2010-04-16/linguistische-aspekte-des-slang-4/#more-1190" target="_self">Fortsetzung von</a>)(<a href="https://slangtimes.com/2010-05-29/linguistische-aspekte-des-slang-6/" target="_self">Fortsetzung hier</a>)</p>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading">Worshipful Company of Poulters</h1>
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