<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Lyrik - SlangGuy&#039;s Blog</title>
	<atom:link href="https://slangtimes.com/tag/lyrik/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://slangtimes.com</link>
	<description>Über Slang, Übersetzen &#38; die Sprache dazu</description>
	<lastBuildDate>Sat, 27 Aug 2016 05:14:37 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.8.5</generator>

<image>
	<url>https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2016/01/fav.png</url>
	<title>Lyrik - SlangGuy&#039;s Blog</title>
	<link>https://slangtimes.com</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Amerikanische Lyrik (2) — Walt Whitman</title>
		<link>https://slangtimes.com/2010-09-06/amerikanische-lyrik-2-walt-whitman/</link>
					<comments>https://slangtimes.com/2010-09-06/amerikanische-lyrik-2-walt-whitman/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 05:43:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://slangtimes.com/?p=2459</guid>

					<description><![CDATA[1904 erschien bei Diedrichs in Leipzig eine Auswahl aus Walt Whitmans Werk in der Übersetzung von Wilhelm Schölermann. Der Übersetzer gab dem Bändchen auch einige einführende Worte zu Whitman und seinem Werk mit. Aus diesen sei folgender Abschnitt zu Whitmans Person zitiert. In Emerson verkörpert sich die reine Hoffnung, in Thoreau der schlicht-ursprüngliche Naturglaube, in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>1904 erschien bei Diedrichs in Leipzig eine Auswahl aus Walt Whitmans Werk in der Übersetzung von Wilhelm Schölermann. Der Übersetzer gab dem Bändchen auch einige einführende Worte zu Whitman und seinem Werk mit. Aus diesen sei folgender Abschnitt zu Whitmans Person zitiert.</h4>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.archive.org/stream/grashalme00whitiala#page/n0/mode/2up" target="_blank"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2460" title="Whit400a" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/09/Whit400a.jpg" alt width="400" height="526" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/09/Whit400a.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/09/Whit400a-228x300.jpg 228w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px"></a></p>
<p style="text-align: left;">In <strong>Emerson</strong> verkörpert sich die reine Hoffnung, in <strong>Thoreau</strong> der schlicht-ursprüngliche Naturglaube, in <strong>Whitman</strong> aber die Liebe. <span id="more-2459"></span></p>
<p style="text-align: left;">Die nachfolgenden Zeilen sind als Zeugnis dieser großen Liebe im Leben Walt Whitmans zusammengestellt für diejenigen, die ihn noch nicht kennen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/09/WaltWhit5c.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-8827" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/09/WaltWhit5c.jpg" alt="WaltWhit5c" width="220" height="240"></a>»Seine äußere Erscheinung«, so erzählt <strong>Elbert Hubbard</strong>,<sup><a href="https://slangtimes.com/2010-09-06/amerikanische-lyrik-2-walt-whitman/#footnote_1_2459" id="identifier_1_2459" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Elbert Hubbard war berühmt für seine umfangreiche Reihe von Künstlerporträts, die alle auf einer Reise zum Haus des jeweiligen Künstlers aufgebaut waren. Das Porträt Walt Whitmans finden Sie in dem Band mit dem Titel Little Journeys to the Homes of American Authors aus dem Jahre 1896.">1</a></sup> „war die eines zur Reife ausgewachsenen Apoll. Sein baumwollenes kariertes Hemd trug er vom am Halse offen bis zur Brust, und sein Auftreten zeigte etwas so Selbstverständliches und Selbstgenügsames, vor allem Sanftes und Reines, daß man fühlte, er müsse die Kraft eines Riesen haben, ohne sie wie ein Riese zu mißbrauchen. — Whitman nahm fast nie geistige Getränke oder Tabak, denn er brauchte kein trägfließendes Blut in Wallung zu bringen. Ein <strong>bedürfnisloser Mensch</strong>, <strong>aber kein Asket</strong> war dieser Einsiedler, der gern unter Menschen ging und statt der Abtötung des Fleisches ein reines, schuldloses Sinnenleben führte, frei von Sündenbewußtsein und ohne Hoffnung auf himmlischen Lohn. <strong>Whitman</strong> soll in seiner Jugend jenen Ausdruck von Reife, aber im Alter den Abglanz der Jugend in den Gesichtszügen gehabt haben, der häufig ein Kennzeichen ungewöhnlicher Menschen ist. Es offenbart sich in ihnen jene innere Heiterkeit einer ernsten und doch fröhlichen Wissenschaft, von der es bei <strong>Nietzsche</strong> heißt: „Etlicheaber werden spät jung. Doch spät jung, hält lang jung”.</p>
<p style="text-align: left;">Mit diesem Eindruck des ganzen Menschen stimmt auch der Bericht von <strong>Edmund Gosse</strong> überein, der Whitman im Jahre 1884 besuchte: „Der ganze Mensch schien wie der Raum, in dem er war, zur neunten Potenz der Fleckenlosigkeit erhoben, gleichsam sandweiß von Reinheit, wie ein unter der scheuernden Bürste alt gewordener Tannentisch”.</p>
<p style="text-align: left;">Und Whitmans langjähriger Freund, <strong>Dr. Bücke</strong>, sagt von ihm: „Seine hohe und wohlgebaute Gestalt, die außergewöhnliche Gesundheit seines Geistes und Körpers, die freien Gesichtszüge und die Anmut seiner Bewegungen und Gebärden verliehen dem Zauber seiner Gegenwart einen Zug ins Große und einen starken Magnetismus .… Die Einfachheit seiner Lebensgewohnheiten und Neigungen, das Breitangelegte und Schöne seines Auftretens, seine Duldsamkeit und Milde, seine immer gleichmäßige Ruhe und Zurückhaltung, die alles umfassende Freundlichkeit und beispiellose Fähigkeit, Zuneigung zu erwecken: das sind untrügliche Beweise seiner vollkommen ausgeglichenen Männlichkeit.”</p>
<p style="text-align: left;">Dieses Urteil eines hervorragenden Arztes und Leiters einer Heil­anstalt für Geisteskranke scheint um so beachtenswerter, wenn man es&nbsp; mit den spottlüsternen Äußerungen geistreicher Literaten vergleicht, wie&nbsp; die des orakelhaften und an unheilbarer Normalomanie erkrankten&nbsp; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Nordau" target="_blank"><strong>Max Nordau</strong></a>,<sup><a href="https://slangtimes.com/2010-09-06/amerikanische-lyrik-2-walt-whitman/#footnote_2_2459" id="identifier_2_2459" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Max Nordau – 1849 - 1923 – war Arzt, Schriftsteller, Politiker und Mitbegründer der Zionistischen Weltorganisation. Schölerman spielt hier auf Nordaus kontroverses Werk Entartung (1892) an.">2</a></sup> dessen Behauptung „Verrückt war Whitman ohne jeden&nbsp; Schatten eines Zweifels” jeden Zweifel an der Geistlosigkeit dieser&nbsp; Art von Literaturpiraten beseitigen sollte.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Whitman gehört in die Klasse der Überlebensgroßen</strong>, die in einem verschwenderischen Übermut der zeugenden Naturfülle entstehen. Seines- gleichen sind die großen Schenkenden, die Geber, die Nicht-Normalen, denn ihre Maße und Maßstäbe kann man mit dem kleinen Einmaleins nicht messen. <strong>Beethoven</strong> oder <strong>Bismarck</strong> sind von ähnlichem Kaliber; Whitman zeigt auch manche Züge jenes seltsam eindringlichen Ganzmenschen, <strong>Jesus von Nazareth</strong> — seine hohe, milde Güte und die heroische Liebe. Und dann das Aufrüttelnde, das Gewaltige seiner Predigt (»denn er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten« — ); diese kräftige Seite im Charakter Christi ist Ja leider so oft und konventionell ins Empfindsame, beinahe Schmerzlüsterne verzerrt worden, daß wir sein wahres Wesen und Angesicht erst in späteren Heldengestalten, wenn auch mit neuen Zügen, wiederzuerkennen vermögen.<br>
Es ist die Güte des Gehenden, des Erneuerers, gefestigt durch die&nbsp; Stärke des Willens zum Wohltun und Wirken, die nur von den ganz&nbsp; reichen Menschen so schrankenlos ausströmen kann, wenn sie Gelegenheit findet, von ihrem Überfluß auszuschütten.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.archive.org/stream/grashalme00whitiala#page/n0/mode/2up" target="_blank"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2462" title="Whit400b" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/09/Whit400b.jpg" alt width="400" height="565" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/09/Whit400b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/09/Whit400b-212x300.jpg 212w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px"></a></p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_2459" class="footnote"><strong>Elbert Hubbard</strong> war berühmt für seine umfangreiche Reihe von Künstlerporträts, die alle auf einer Reise zum Haus des jeweiligen Künstlers aufgebaut waren. Das Porträt Walt Whitmans finden Sie in dem Band mit dem Titel <strong><em>Little Journeys to the Homes of American Authors</em></strong> aus dem Jahre 1896.</li><li id="footnote_2_2459" class="footnote"><strong>Max Nordau</strong> – 1849 — 1923 – war Arzt, Schriftsteller, Politiker und Mitbegründer der <a title="Zionistische Weltorganisation" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zionistische_Weltorganisation" target="_blank">Zionistischen Weltorganisation</a>. Schölerman spielt hier auf Nordaus kontroverses Werk <strong>Entartung</strong> (1892) an.</li></ol>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://slangtimes.com/2010-09-06/amerikanische-lyrik-2-walt-whitman/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Amerikanische Lyrik (1)</title>
		<link>https://slangtimes.com/2010-08-21/amerikanische-lyrik-1/</link>
					<comments>https://slangtimes.com/2010-08-21/amerikanische-lyrik-1/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Aug 2010 05:50:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzen]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://slangtimes.com/?p=2224</guid>

					<description><![CDATA[Der Rabe von Edgar Allan Poe Deutsch von Alexander Neidhardt. Einst in mitternächt’ger Stunde, Als ob lang vergess’ner Kunde Ich in alten, netten Bänden Grübelte, das Herze schwer, Und ich nickend kaum noch wachte, Plötzlich ich zu hören dachte Klopfen an der Thür es sachte. “Ein Besucher ist es, der Angeklopft!” so sagt’ ich murmelnd, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 style="text-align: center;">Der Rabe<br>
von<br>
Edgar Allan Poe</h3>
<h4 style="text-align: center;">Deutsch von Alexander Neidhardt.</h4>
<p style="text-align: center;"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/pob.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2229 aligncenter" title="pob" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/pob.jpg" alt width="219" height="297" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/pob.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/pob-221x300.jpg 221w" sizes="(max-width: 219px) 100vw, 219px"></a></p>
<p style="text-align: center;">Einst in mitternächt’ger Stunde,<br>
Als ob lang vergess’ner Kunde<br>
Ich in alten, netten Bänden<br>
Grübelte, das Herze schwer,<br>
Und ich nickend kaum noch wachte,<br>
Plötzlich ich zu hören dachte<br>
Klopfen an der Thür es sachte.<br>
“Ein Besucher ist es, der<br>
Angeklopft!” so sagt’ ich murmelnd,<br>
“Ein Besucher ist es, der<br>
Klopft, – nur dies – und sonst nichts mehr.” – <span id="more-2224"></span></p>
<p style="text-align: center;">O mir dünkt noch völlig klar es –<br>
In Decembers Bleiche war es ­–<br>
Sterbend jeder Aschefunken<br>
Malte Geister rings umher;<br>
Heiß ersehnte ich den Morgen,<br>
Denn umsonst strebt’ ich zu borgen<br>
Aus den Büchern Trost für Sorgen<br>
Um Lenore, die nicht mehr;<br>
Um das strahlend holde Mädchen,<br>
So genannt im Engelheer –<br>
Hier einst namenlos so sehr. *)</p>
<p style="text-align: center;">Und das dunkle, traurig-milde<br>
Rauschen seidnen Vorhangs füllte<br>
Mich mit Schauer, mit phanthast’schem<br>
Grausen, nie gefühlt vorher;<br>
So daß, meines Herzens Schlagen<br>
Zu besänft’gen, ich mit Zagen<br>
Wiederholte: “Anzufragen,<br>
Ob nicht unwillkommen er,<br>
Klopft noch später ein Besucher,<br>
Ob nicht unwillkommen er,<br>
Einlaß wünschen – sonst nichts mehr!”</p>
<p style="text-align: center;">So mein Herz zur Ruhe bracht’ ich –<br>
Und nich länger zögernd sagt’ ich:<br>
“Monsieur oder Madame – wahrlich,<br>
Um Vergebung bitt’ ich sehr;<br>
Doch die Wahrheit ist, ich wachte<br>
Kaum noch recht, – und so ich dachte,<br>
Da ihr klopftet nur so sachte,<br>
Mich getäuscht hat mein Gehör!”<br>
Drauf die Thüre öffnet’ weit ich –<br>
Ja – mich täuschte mein Gehör –<br>
Nacht war draußen&nbsp; – sonst nichts mehr!</p>
<p style="text-align: center;">Tief dann in das Dunkel schauend,<br>
Stand ich lange, staunend, grauend,<br>
Zweifelnd, träumend, wie noch nimmer<br>
Sterblicher gewagt vorher;<br>
Aber Nichts brach’s tiefe Schweigen,<br>
Und das Dunkel gab kein Zeichen;<br>
Nur “Lenore” klang’s im weichen<br>
Flüsterlaute leis daher.<br>
Ich sprach selbst es, und ein Echo<br>
Klang “Lenore!” leise daher&nbsp; –<br>
Einzig dies&nbsp; – und sonst nichts mehr!</p>
<p style="text-align: center;">Mich zurück in’s Zimmer ziehend,<br>
Meine Seele tief erglühend,<br>
Hört’ ich wieder bald ein Pochen,<br>
Etwas lauter, als vorher.<br>
“Sicher, sprach ich, ist es, daß es<br>
An das Fenster klopfte, – lass’ es<br>
Darum mich erforschen, was, –<br>
Schweig’, mein Herz, daß ich erklär’<br>
Dies Geheimnis, nur ’ne kleine<br>
Weile, daß ich es erklär’,<br>
’s ist der Wind&nbsp; – und sonst nichts mehr!”</p>
<p style="text-align: center;">Oeffnet’ drauf ich’s Fenstergatter,<br>
Als in’s Zimmer mit Geflatter<br>
Stattlich schritt herein ein Rabe<br>
Aus vergangen Zeiten hehr;<br>
Nicht zum Gruß sich beugt’, noch bog er,<br>
Keinen Augenblick verzog er,<br>
Nein, vornehmer Miene folg er<br>
Ueber meine Thür’, wo er<br>
Saß, auf einer Büst’ der Pallas,<br>
Grad’ ob meiner Thür’ wo er<br>
Saß sich spreizend&nbsp; – sonst nichts mehr.</p>
<p style="text-align: center;">Und der nächt’ge Vogel machte,<br>
Daß mein trübes Herze lachte<br>
Ueber’s würdige Decorum<br>
Seiner Mien’, gedankenschwer.<br>
“Ob gestutzt dir, sagt’ ich, immer<br>
Sei der Kamm, bist du doch nimmer<br>
Ater Rab’, gespenstisch grimmer,<br>
Zieh’nd vom nächt’gen Strande her;<br>
Sag’, welch’ stolzen Namen trägst du<br>
Vom Pluton’schen Strande her?”<br>
Sag’, welch’ stolzen Namen trägst du<br>
Vom Pluton’schen Strande her?”<br>
Sprach der Rabe: “Nimmermehr!”</p>
<p style="text-align: center;">Ob des täpp’schen Vogels war ich,<br>
Sehr erstaunt, als also klar ich<br>
Hört’ ihn sprechen, ob die Antwort<br>
Dunkel auch, bedeutungsleer;<br>
Denn ich mußte mir gestehen,<br>
Wie es wohl noch nie geschehen,<br>
Daß ein Sterblicher gesehen<br>
Solchen Vogel, steift und hehr,<br>
Sitzend auf der Büste über<br>
Seiner Thüre, steif und hehr,<br>
Der geheißen: Nimmermehr!</p>
<p style="text-align: center;">Doch der Rabe, dort alleine,<br>
Einsam sitzend, sprach das eine<br>
Wort nur, als ob seine Seeele<br>
In dies Wort gegossen wär’;<br>
Weiter Nichts hervor er brachte,<br>
Kein Geräusch’ ’ne Feder machte,<br>
Bis ich, kaum gemurmelt, sagte:<br>
“Andere Freunde floh’n vorher!<br>
Morgen wird er mich verlassen,<br>
Wie mein Hoffen mich vorher!”<br>
Sprach der Rabe: “Nimmermehr!”</p>
<p style="text-align: center;">Ich erschrak, als war gebrochen<br>
Durch das Wort, so klar gesprochen,<br>
Jetzt die Stille: “Sicher, sagt’ ich,<br>
All sein Vorrath ist’s, den er<br>
Aufgeschnappt bei einem armen<br>
Meister, welchem ohn’ Erbarmen<br>
Unglück folgte, bis des Armen<br>
Lieder mit dem Wort, so schwer,<br>
Schlossen all, und seines Hoffens<br>
Grablied mit dem Wort, so schwer,<br>
Schloß mit: Nimmer-Nimmermehr!</p>
<p style="text-align: center;">Doch da stets der Rabe machte<br>
Daß mein krankes Herze lachhte,<br>
Alsogleich mit meinem Polster<br>
nach der Thüre macht’ ich Kehr;<br>
Dann auf’s Ksiten nieder sank’ ich,<br>
Träume so an Träume schlang ich,<br>
Und vertiefend mich, dacht’ lang ich,<br>
Was der Vogel ungefähr,<br>
Der gespenst’ge, hagre, grimme<br>
Unglücksvogel ungefähr<br>
Meine, krächzend: Nimmermehr.</p>
<p style="text-align: center;">Also grübelnd, sinnend lag ich;<br>
Doch kein Wort zum Vogel sprach ich,<br>
Dessen feur’ge Augen brannten<br>
Mir in’s tiefste Herz&nbsp; – und scher<br>
Von Gedanken, ließ ich neigen<br>
Sich mein Haupt dann auf den weichen<br>
Sammt des Kissens, dass der bleichen<br>
Lampe Schimmer mich nicht stör’,<br>
Auf den Sammt, darauf nicht stör’,<br>
Sie ach, wird doch nimmermehr!</p>
<p style="text-align: center;">Dann schien süßer Duft zu mengen<br>
Mit der Luft sich, als ob schwängen<br>
Engel ein unsichtbar Rauchfaß,<br>
Deren Fußtritt träte hehr;<br>
“Armer! rief ich, Gott dir wendet<br>
In den Engeln, dir gesendet,<br>
Um Lenore; leer’ drum, leer’<br>
Das Vergessens Trank&nbsp; – gedenke<br>
Ihrer nimmer, leer’ ihn, leer!”<br>
Sprach der Rabe: “Nimmermehr!”</p>
<p style="text-align: center;">Du Prophet, sprach’ ich, on’ Zweifel<br>
Dies, ob Engel, oder Teufel.<br>
Sprich, ob der Versucher sandt’ dich,<br>
Ob dich Sturm hat von dem Meer<br>
Einsam, aber ohne Zagen<br>
An dies öde Land verschlagen,<br>
In das Haus des Grams&nbsp; – und sagen<br>
Sollst&nbsp; – o gibt es Trost im Gilead?<br>
Sag’s getreu – ich bitt’ dich sehr!”<br>
Sprach der Rabe: “Nimmermehr!”</p>
<p style="text-align: center;">Du Prophet, sprach ich, ohn’ Zweifel<br>
Dies, ob Engel, oder Teufel,<br>
Bei dem Himmer ob uns, bei dem<br>
Gott, dem geben wir die Ehr’:<br>
Künde dieses Herzens Bangen,<br>
Ob in fernem Reich umfangen<br>
Wird ’ne Maid all sein Verlangen.<br>
Die “Lenore” im Engelheer<br>
Heiß&nbsp; – sich strahlend holde Mädchen,<br>
So genannt im Engelheer?”<br>
Sprach der Rabe: “Nimmermehr!”</p>
<p style="text-align: center;">Sei dies Wort des Scheidens Zeichen!<br>
In der Nacht Pluton’schen Reichen<br>
Fort&nbsp; – zum Sturm, ob Vogel oder<br>
Teufel, schrie ich, fort! und stör’<br>
Meine einsamkeit nicht, – keine<br>
Schwarze Feder, die an deine<br>
Lüg’ gemahn’, laß’ hier, – alleine<br>
Laß’ mich, – von der Büst’, o hör’<br>
Fort mit dir! und deine Krallen<br>
Nimmer aus meiner Brust, o hör!”<br>
Sprach der Rabe: “Nimmermehr!”</p>
<p style="text-align: center;">Und der Rabe, wankend nimmer,<br>
Sitzt noch immer, sitzt noch immer,<br>
Auf der Pallas weißer Büste<br>
Ueber meiner Thür’; – als wär’<br>
Er ein Dämon, traumbefangen,<br>
Scheint sein Aug’&nbsp; – und seine langen<br>
Schatten wirft die Lamp’ im bangen<br>
Dämmer an der Wand umher;<br>
Und mein Herz aus diesem Schatten,<br>
Lagernd um mich dicht umher,<br>
Wird sich heben&nbsp; – Nimmermehr!</p>
<p style="text-align: center;"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/187b.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2244" title="187b" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/187b.jpg" alt width="400" height="303" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/187b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/187b-300x227.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px"></a></p>
<p><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/187d1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2246" title="187d" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/187d1.jpg" alt width="400" height="331" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/187d1.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2010/08/187d1-300x248.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px"></a></p>
<p style="text-align: center;">
</p><p style="text-align: center;">~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p>*) Im Original ist auch hier, wie in allen anderen Strophen, der  Schlußreim more, nämlich evermore. Im Deutschen gibt es keine Reime mit  “mehr” für immer, ewig, – und so wird die einzige Abweichung von der  Form nicht zu streng beurtheilt werden. (Alexander Neidhardt)</p>
<h5 style="text-align: center;">Aus: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen<br>
Elfter Jahrgang: Neunter Band (1856)<br>
Braunschweig: George Westermann (1856)&nbsp; S. 185 ff.</h5>
<p style="text-align: center;">Bildmaterial aus:<br>
William F. Gill, <em>The Life of Edgar Allan Poe</em> (New York: W.J. Middleton, 4. Aufl. 1878)</p>
<p style="text-align: center;">Edgar Allan Poe, »The Raven« in der Übersetzung von Alexander Neidhardt.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://slangtimes.com/2010-08-21/amerikanische-lyrik-1/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
