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	<title>Ralph Ellison - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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	<description>Über Slang, Übersetzen &#38; die Sprache dazu</description>
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		<title>Mark Twain, Kolonialgräuel &#038; Islamischer Staat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Sep 2015 15:43:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Die ebenso allgegenwärtige wie gerechtfertigte Verteufelung mordlustiger islamistischer Schwachköpfe nahöstlicher Provenienz im ach so humanen Abendland – sprich Westen – lässt uns immer wieder gern vergessen, dass »wir« auch nicht besser sind. Okay, von mir aus, nicht besser waren. Ich möchte hier keinem auf den gerade jetzt moralisch frisch gestärkten Schlips treten. Und weil die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5>Die ebenso allgegenwärtige wie gerechtfertigte Verteufelung mordlustiger islamistischer Schwachköpfe nahöstlicher Provenienz im ach so humanen Abendland – sprich Westen – lässt uns immer wieder gern vergessen, dass »wir« auch nicht besser sind. Okay, von mir aus, nicht besser waren. Ich möchte hier keinem auf den gerade jetzt moralisch frisch gestärkten Schlips treten. Und weil die Nazi-Kiste nun wirklich zu wohlfeil &amp; abgenudelt ist &amp; Serben &amp; Kroaten gerade in Slasherfilmen abgehandelt werden, gehen wir mal gut 100 Jahre zurück bei unserem Blick auf das blutrünstige Abendland…</h5>
<p>Wir befinden uns zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Das berühmte Fin de siècle ist in voller Blüte, Jugendstil, Art nouveau&nbsp; Sezessionsstil, wie immer man es nennen will &amp; mag, bringen zeitlos Schönes hervor. Und literarisch… Aber genug der Lobhudelei. Was ging zu dieser Zeit sonst noch so ab? Ganz einfach: Holen Sie einfach mal Ihren Großen Ploetz aus dem Regal.</p>
<p><del><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo1.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-7559" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo1-300x196.jpg" alt="Leo1" width="300" height="196" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo1-300x196.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo1-1024x669.jpg 1024w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo1-900x588.jpg 900w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo1.jpg 1307w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px"></a></del>In <strong>Südafrika</strong> machten die Briten die <strong>Buren</strong> nieder, die da schon 250 Jahre zuhause waren. Und die Briten gingen mit entsetzlicher Brutalität zuwerke. Und sie mögen heute noch im Clinch mit den Nazis liegen und dabei scheppernd auf den leeren (= hohlen) Topf ihres <strong>Great Britain</strong> klopfen wie gerade jüngst wieder, als es um die schottische Schnaps‑, pardon, Whiskeyidee der Abspaltung ging, sie haben damals das Konzept der <strong>Konzentrationslager</strong> erfunden. Ja, die Briten sind die Erfinder des infamen KZs.&nbsp; Nicht dass wir oder das damalige junge Deutsche Reich besser waren. So gehörten wir – mit Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn, Japan, Russland, den Amerikanern und, natürlich, den Briten – zu den »Vereinigten acht Staaten«, die in China – in Christi Namen letztlich – die »Boxer« niedermetzelten, um ein »offenes« China zu schaffen, was fatal an unsere heutige schöne neue Freihandels<a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo9.jpg"><img decoding="async" class="alignright wp-image-7567 size-medium" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo9-196x300.jpg" alt="Leo9" width="196" height="300" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo9-196x300.jpg 196w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo9.jpg 500w" sizes="(max-width: 196px) 100vw, 196px"></a>welt erinnern mag. Einer dieser acht Staaten, die USA waren auf den Philippinen mit der Ermordung der Eingeborenen beschäftigt, ein Vernichtungskrieg, in dem übrigens der Grundstein zum modernen Überwachungsstaat amerikanischer Prägung gelegt wurde. Lesen Sie das mal in Alfred W. McCoys Mammutwerk <em><strong>Policing America’s Empire: The United States, the Philipines, and the Rise of the Surveillance State</strong></em> nach. Und um wieder auf Mitteleuropa zu kommen: <strong>Leopold II</strong>., seines Zeichens König von Belgien, ein Schlächter, gegen den sich selbst <strong>Hitler</strong> wie ein Waisenknabe ausnehmen muss, ließ im <strong>Kongo</strong> sage und schreibe zehn Milllionen Eingeborene verstümmeln &amp; massakrieren. Und das ganz ohne Hitlers »hehre« Motive allein um des schnöden Mammons in Form von Elfenbein und Kautschuk willen.</p>
<p>All das waren Vorgänge, die einem <strong>Mark Twain</strong> ganz arg aufstießen. Der Mann, der bei uns vor allem durch zwei gemütliche Klassiker der Jugendliteratur und vielleicht auch noch durch seine nicht weniger gemütliche Bummelei als Tramp in Europa als Reiseliterat bekannt ist, war nicht nur ein literarischer sondern auch ein moralischer Riese. Oder besser noch, ein moralischer Fels in der oben geschilderten menschenverachtenden Brandung. Hatte er eben noch in dem Artikel »Selbstgespräch des Zaren« (1905) den russischen Zaren satirisch seiner kaiserlichen Kleider entledigt, nahm er sich noch im selben Jahr in einem kleinen Büchl mit dem Titel »Selbstgespräch König Leopolds« des begischen Schlächters an.</p>
<p><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo10.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-7568" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo10-300x297.jpg" alt="Leo10" width="300" height="297" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo10-300x297.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo10-150x150.jpg 150w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo10-144x144.jpg 144w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo10.jpg 500w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px"></a>Mit all der Schärfe seiner übermächtigen Intelligenz und seines gnadenlosen Witzes lässt er Leopold II. zur Rechtfertigung seiner Gräuel im Kongo im Selbstgespräch vor sich hin sinnieren. War der Monolog des Zaren eine Satire auf den russischen Imperialismus – ist da nicht grade wieder so eine Nase zugange? –, so galt dito für den Monolog des Königs aus Belgien, dessen Konterfei wir heute noch von Briefmarken her kennen – oder vom prächtigen Brüsseler <strong>Justizpalast</strong>, den er mit seinem Gummigeld hat hinstellen lassen. Ein Hohn an sich, bedenkt man, woher das Geld dafür kam.</p>
<p>Nicht nur ließ Leopold für sein Gummigeld millionenfach morden, er führte auch die Unsitte ein, armen Schweinen, die ihm nicht genügend Gummi sammelten, eine Hand abzuschlagen. Das fällt so pauschal wie großzügig mit unter den Begriff »Misshandlung«, der in diesem Kontext gern und oft fällt.</p>
<p>Ich habe keine Ahnung, was Twain über das Internet und YouTube gesagt oder ob er für seine Enthüllungen Wikileaks genutzt hätte, jedenfalls ließ er es sich nicht nehmen, sein Büchl über Leopolds Gräuel explizit zu bebildern. Entsprechend war sein Werk auch nicht für den Konsumenten der damaligen Magazine für die l<a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo7.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-7565 size-medium" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo7-275x300.jpg" alt="Leo7" width="275" height="300" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo7-275x300.jpg 275w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo7.jpg 500w" sizes="(max-width: 275px) 100vw, 275px"></a>esende Intelligenz geeignet, weshalb denn auch besagtes Büchl zustande kam. Für das er übrigens kein Honorar haben wollte; die Einkünfte gingen an einschlägige Hilfsorganistionen. Außerdem wurde es zu Tausenden umsonst verteilt.</p>
<p>Aber genug der Nostalgie, heutige Heuschrecken-Fonds – und damit alle, die ihr Geld in so was anlegen – sind so schlimm wie Leopold, da sie für die Verwüstung ganzer Landstriche in Afrika sorgen. Und das Foltern von Asylbewerbern durch deutsches Sicherheitsgesindel ist auch nicht besser.</p>
<p>Und apropos lesende Intelligenz. Die Tatsache, dass deutsche Verlage »ihre« Übersetzer brutal in die Steinzeit zurückhonorieren? Wenn ich heute noch nicht mal das für meine Arbeit bekomme, was ich in den 80er-Jahren bekommen habe – was damals schon als Hungerlohn galt? Da mögen deutsche Verleger noch so engagiert das Maul aufreiß<a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-7562" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo4-274x300.jpg" alt="Leo4" width="274" height="300" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo4-274x300.jpg 274w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/Leo4.jpg 500w" sizes="(max-width: 274px) 100vw, 274px"></a>en, besser als Hände abschlagen ist Verhungernlassen auch nicht. Natürlich geht das alles im Stillen und nicht mit abgeschlagenen Köpfen wie bei IS vonstatten, aber macht sich da keiner was vor: Es ist nicht weniger brutal. Humaner als Händeabschlagen? Da war von diesen Leuten die letzten dreißig Jahre keiner mehr einkaufen. Es ist die Absicht, die zählt – sich zusammenzusetzen und zu überlegen, wie man den Übersetzer nach dem Motto »Friss oder stirb« in die Knie zwingen kann. Und macht sich da ja mal keiner Illusionen darüber, was er morgen tun wird, um seinen Job zu behalten. Da kann er noch so oft den Klappentext von Conrads <em><strong>Heart of Darkness</strong></em> nachbeten, weil er ja so gebildet ist, kapiert hat er so ein Stück Literatur nicht. Vielleicht hilft ein Blick in Twains Buch.</p>
<p>*</p>
<p><a href="https://archive.org/details/kingleopoldssoli00twaiuoft" target="_blank">King Leopold’s soliloquy; a defense of his Congo rule</a><br>
by <strong>Twain, Mark</strong>, 1835–1910<br>
Published 1905<br>
Topics Léopold II, King of the Belgians, 1835–1909, Zaire</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ralph Ellison › Die Biographie (5)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Mar 2008 10:53:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Ralph Ellison]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.amazon.de/Ralph-Ellison-A-Biography-ebook/dp/B000QCQ8YE/ref=sr_1_cc_1?s=aps&amp;ie=UTF8&amp;qid=1351355708&amp;sr=1-1-catcorr"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-5265" title="ellison1901b_72" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2008/03/ellison1901b_72.jpg" alt width="130" height="679"></a>Nur ein zweiter Roman ließ auf sich warten, obwohl er die Arbeit daran sofort nach dem Unsichtbaren begann. Für den Rest seines Lebens saß er darüber, fast jeden Tag, schien aber keinen rechten Focus zu finden. Darüber hinaus schien sein Material einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Die Frage nach dem Werk jedenfalls wurde fast schon zur Farce, als er sie immer auf die gleiche Art und Weise beantwortete: Er komme bestens voran. Es folgten mit <em>Shadow and Act</em> (1964) and <em>Going to the Territory</em> (1986) zwei brillante Essaysammlungen, die seinen Ruf als Autor zementierten, nur nicht das, was man eigentlich von ihm sehen wollte, was er von sich gern gesehen hätte, ein zweiter Roman. Fast möchte man Ellison seinem Protagonisten gegenüberstellen: Hatte die Erkenntnis seiner Unsichtbarkeit das Leben des Invisible Man zu einer Welt unendlicher Möglichkeiten gemacht, so scheint Ellison die eminente Sichtbarkeit über Nacht aller Mög­lichkeiten bis auf eine beraubt zu haben — der eines zweiten künstlerisch hieb- und stichfesten Erfolgs. Einer Theorie zufolge hatte er vielleicht nur einen Roman in sich gehabt; womöglich wäre er besser beraten gewesen, sich auf den Essay als Genre zu konzentrieren. Saul Bellows Ansicht nach fehlte es ihm an der künstlerischen Disziplin; allein schon seine geradezu obsessive Beschäftigung mit den literarischen Möglichkeiten von Folklore, Mythos und Ritual habe ihm die Sicht auf das Wesentliche versperrt. Rampersad verweist neben der Unfähigkeit, sich den Problemen einer neuen Zeit zu stellen, auf die Möglichkeit, Ellisons fast totale Lösung von seinem schwarzen Hintergrund, die Tatsache, dass er fast nur noch mit dem weißen »Establishment« verkehrte, könnte die eigene Unsicherheit über seine Stellung in der schwarzen Welt und die daraus resultierende Gestaltlosigkeit derart verstärkt haben, dass es ihm unmöglich wurde, als Künstler zu funktionieren. Toni Morrison äußerte lapidar den Verdacht, er sei schlicht an einem für den schwarzen Autor ganz normalen Problem gescheitert: »Kunst und, oder versus, Identität.« Mag auch sein, dass er letztlich an seinen eigenen uner­bittlichen Forderungen scheiterte. An den­selben Forderungen, die ihn so hart gegenüber allen jün­geren Talenten erscheinen ließen, die zu unterstützen er sich fast durch die Bank weigerte. Fest steht, dass er den Ruf eines Olympiers genoss und sich gern als Elder Statesman der schwarz­amerikanischen Literatur betrachtete. Und dass er seinen Vorstellungen von Literatur und Kunst ebenso treu blieb wie der romantischen Idee von einem amerikanischen Erbe, das letztlich für die ethnische Integration sorgen würde, für die er allenthalben Belege sah. Und diese Haltung zeugt nicht nur von Integrität, sie erforderte auch beträchtlichen Mut.</p>
<p>Rampersads Biographie ist nicht weniger monumental als Ellisons großer Roman. Mit schier un­glaublicher Geduld, Akribie und Sachkenntnis zusammengetragen, präsentiert er seinen Gegenstand ohne die oft allzu wohlfeile Analyse sowohl was Ellisons Psyche anbelangt als auch das Werk selbst. Meist lässt er die Fakten sprechen, zieht Schlüsse, vermutet, kommentiert hier und da, und das in einem in seiner präzisen Schlichtheit schönen und schön zu lesendem Stil. Und nebenbei erfährt man eine Fülle von Details, die einen immer wieder staunend innehalten lassen: dass in Ralphs Kindheit in Oklahoma City Schwarze zwar Kleidung in Geschäften von Weißen kaufen, aber nicht dort anprobieren durften; dass Ellison fließend Jiddisch sprach; dass er ein ausgezeichneter Fotograf war; dass er sich 1950, während seiner Arbeit an Invisible Man, einen Verstärker für seine HiFi-Anlage nach einer Anleitung in einem Magazin baute, mit deren Autor er dann die HiFi-Anlage von keinem Geringerem als Arturo Toscanini installierte… Es ist schade, dass Bücher wie dieses nie übersetzt werden, sagen sie doch mehr über Amerika und die nach wie vor schwärende »Rassenfrage« als so manche Abhandlung, als so mancher Roman. Ebenso schade wie der Umstand, dass keiner unserer Verlage einer Reihe mit schwarzer Literatur eine Chance zu geben scheint, die das Bild vom Schwarzen als zynischem Kriminellen und Menschen verachtendem Zuhälter, Paroli bieten könnte, wie es sich uns in der Rapmusik präsentiert. Oder um mit Ellisons Worten zu sprechen, die derzeit modische groteske Maske, hinter der man den Menschen nicht sieht.</p>
<p>Ein tragisches Scheitern? Oder eher nur ein trauriges, wie Toni Morrison meint? Wer wollte das sagen? Ein Mann von Ellisons Brillanz wusste, wie er leben wollte. Und falls er sich verkalkuliert hat, so war er alles in allem kühl, distanziert, berechnend und selbstbezogen genug, um unser Mitgefühl nicht zu strapazieren. Ich persönlich hätte ihm den zweiten Roman von Herzen gegönnt. Auf dem Totenbett übrigens hörte Ellison Armstrong. Auf einer rasch gekauften <em>boombox</em>, da seine Frau mit seiner komplizierten Stereoanlage nicht zurecht kam. Und hatte er bei Prokofjew noch lediglich mit dem Kopf genickt, bekam Satchmos Blues seine volle Zu­stimmung: die Spitzen von Daumen und Zeigefinger aneinandergelegt zu einem letzten Symbol.</p>
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		<title>Ralph Ellison › Die Biographie (4)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Mar 2008 10:46:32 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Miszellaneen]]></category>
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					<description><![CDATA[Trotz des ungeheuren kritischen Erfolgs (ein Rekord selbst für Random House) und zahlreicher Glückwünsche anderer Schriftsteller hatte das Buch eher bescheidenen Erfolg in der Buch­handlung. Die festliche Kleidung der Ellisons für die zahlreichen Anlässe jedenfalls ver­schlang mehr, als an Tantiemen hereinkam, und das inklusive eines ersten Taschenbuchdeals. Es war der ungemein großzügige Scheck einer ihnen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.amazon.de/Ralph-Ellison-A-Biography-ebook/dp/B000QCQ8YE/ref=sr_1_cc_1?s=aps&amp;ie=UTF8&amp;qid=1351355708&amp;sr=1-1-catcorr"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-5249" title="ellison1901a_72_300" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2007/09/ellison1901a_72_300.jpg" alt width="300" height="443" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2007/09/ellison1901a_72_300.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2007/09/ellison1901a_72_300-203x300.jpg 203w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px"></a>Trotz des ungeheuren kritischen Erfolgs (ein Rekord selbst für Random House) und zahlreicher Glückwünsche anderer Schriftsteller hatte das Buch eher bescheidenen Erfolg in der Buch­handlung. Die festliche Kleidung der Ellisons für die zahlreichen Anlässe jedenfalls ver­schlang mehr, als an Tantiemen hereinkam, und das inklusive eines ersten Taschenbuchdeals. Es war der ungemein großzügige Scheck einer ihnen kaum bekannten Bewunderin, der ihnen gewisse An­nehmlichkeiten ermöglichte. Aber nachdem der Wirbel abgeebbt war, konnte Ellison sich im­merhin zu den Großen von New Yorks Literaturszene zählen.<br>
Im Januar 1953 dann schlug die Bombe ein: Invisible Man bekam den National Book Award, der damals in Amerika was Prestige anging, gleich nach dem Nobelpreis rangierte. Und er be­kam ihn in Konkurrenz zu Steinbecks Jenseits von Eden und Hemingways <em>Der alte Mann und das Meer</em>. »Ich dachte, das kann doch nicht stimmen«, meinte Ellison später, »Hemingway, Stein­beck — das waren richtige Schriftsteller. Ich war nur ein Parvenü.« Nicht die Veröffentlichung von <em>Invisible Man</em> veränderte Ellisons Leben für immer, sondern dass er den National Book Award gewann. Erst in diesem »Annus mirabilis« begannen sich Türen zu öffnen, »schwere Türen«, wie Rampersad so wunderbar schreibt. Ellison wurde dem weißen Amerika zur Autorität, zur Stimme der Schwarzen mit einem Gewicht, das andere Autoren, die sich weit besser verkauften, nie gehabt hatten.<br>
Als Autor von Rang, als Schwarzer, der dem Miteinander von Schwarz und Weiß das Wort redete und der rund um sich Hinweise auf eine Besserung der Situation amerikanischer Schwarzer zu sehen meinte, schien Ellison dem weißen Amerika offensichtlich der ideale Kandidat für eine »Rolle von beträchtlicher politisch-kultureller Bedeutung«, wie sie der Literaturtheoretiker und Philosoph Kenneth Burke sofort nach der Preisverleihung prophezeit hatte. Vergessen wir nicht seines Status als reformierter Radikaler und überzeugter Antikommunist. Das schwarze Amerika freilich wollte davon nichts hören. Was, wie man nach der Lektüre der Biographie sagen möchte, auf Gegenseitigkeit beruhte. Privat verkehrten die Ellisons zunehmend nur noch mit Weißen, vor allem solchen, die dem Paar beim weiteren Aufstieg dienlich sein konnten. Öffentlich sprach Ellison sich vehement gegen die radikalen schwarzen Strömungen aus. Er weigerte sich, schwarzen Autoren zu helfen, die seine Unterstützung aus Gründen literarischer Qualität nicht verdient hatten. Was bei seinen harten Forderungen an sich selbst fast kategorisches Nein hinauslief. Kurzum, er konnte und wollte die Erwartungen eines schwarzen Amerika an einen großen Autor nicht erfüllen. Entsprechend war er für viele, wenn schon nicht ein Verräter, so doch ein buckelnder »Onkel Tom«. In den 1960er Jahren war er ein erklärter Gegner der Black Panthers und ein vehementer Befürworter von Johnsons Krieg in Vietnam; er war gegen Quotenregelungen für Schwarze; sein Name stand für ultrakonservativ. Tatsache ist aber auch, dass er seine Rolle als Schriftsteller, als Künstler, ungemein ernst nahm und eine ungemeine Integrität dabei zeigte, die »Rassenfrage« nicht über ästhetische Fragen zu stellen. Seiner Überzeugung nach war er zunächst Künstler, dann Amerikaner und erst in dritter Linie ein Neger — »schwarz« wollte er nie sein, da er die Bezeichnung mit einer Ideologie assoziierte, die ihm nicht lag.<br>
Wie auch immer, auf den National Book Award folgten die Pfründen. Kaum ein anderer Schriftsteller sah sich mit einer solchen Fülle von Ehrungen und Ämtern überhäuft, die ihm bei einem Minimum an Verpflichtungen und Aufwand ein feines Leben ermöglichten. So bekam er eine Professur an der New York University und lehrte unter anderem in Yale. Harvard verlieht ihm einen akademischen Grad ehrenhalber und bot ihm einen Lehrstuhl. Er sah sich in eine ganze Reihen hehrer Gremien wie der American Academy of Arts and Letters gewählt. Die Century Association, einer der ältesten und renommiertesten Künstlerclubs Amerika nahm ihn als einzigen Schwarzen in ihre Reihen auf. Orden bekam er sowohl von Lyndon B. Johnson als auch von Ronald Reagan, auf Anregung von André Malraux wurde er in Frankreich ein Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres und bekam den Prix de Rome. Und natürlich brachten ihm Vorträge Spitzengagen.</p>
<p>(<a href="https://slangtimes.com/2008-03-09/ralph-ellison-%E2%80%BA-die-biographie-5/" target="_self">Fortsetzung folgt</a>)</p>
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