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	<title>Literatur - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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	<description>Über Slang, Übersetzen &#38; die Sprache dazu</description>
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	<title>Literatur - SlangGuy&#039;s Blog</title>
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		<title>König Leopolds Selbstgespräch (7)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Jul 2023 09:48:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Mark Twain brachte 1905 — mit all der ihm gemeinhin zugeschriebenen Naivität — sein Entsetzen über die ruchbar gewordenen Gräuel zum Ausdruck, die man im Namen des belgischen Königs Leopold II. im Kongo beging. Er tat dies in Form eines fiktiven Monologs, in dem der König seine Handlungsweise auf himmelschreiende Weise zu rechtfertigen versucht. Es [&#8230;]]]></description>
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<p style="font-size:24px"><strong><strong>Mark Twain brachte 1905 — mit all der ihm gemeinhin zugeschriebenen Naivität — sein Entsetzen über die ruchbar gewordenen Gräuel zum Ausdruck, die man im Namen des belgischen Königs Leopold II. im Kongo beging. Er tat dies in Form eines fiktiven Monologs, in dem der König seine Handlungsweise auf himmelschreiende Weise zu rechtfertigen versucht. Es handelt sich hier um ein Stück — durchaus brutaler — Satire, wie man sie heute, wie’s aussieht, leider kaum noch findet</strong>. <strong>Satiriker würden sich denn ja auch gleich von mindestens zwei Seiten kritisiert bis bedroht sehen</strong> …</strong></p>



<p style="font-size:22px">In diesem siebten Teil von Twains bitterböser Satire bezeichnet sich der gute alte Leopold – wie heute der Donald  – als politisch verfolgt; er spricht von einer ungerechtfertigten Hatz auf ihn. Stets laste man ihm die Fehler seiner Herrschaft an; niemand spreche von seinen guten Taten. Er wirft seinen Kritikern einen Mangel an Selbstachtung vor, sie wüssten schließlich ganz genau, dass seine brutalen Methoden nicht nötig wären, wenn es eine andere wirkungsvolle Methode gäbe, bei den Schwarzen einzutreiben, was ihm als Herr des Kongos zusteht. Und dann beklagt er den Gipfel der Verteufelung seiner Person: Man durchforste die Weltgeschichte nach Personen und Ereignissen, die seiner Schlechtigkeit gleichkommen, ohne fündig zu werden. Allein die Sintflut, so klagt er, komme ihm in den Augen dieser Lästerer gleich … </p>



<p></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/10/Tued11.png"><img decoding="async" width="123" height="83" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/10/Tued11.png" alt class="wp-image-18281"></a></figure></div>


<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>Mark Twain</strong> </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>König Leopolds Selbstgespräch<br>Eine Verteidigung seiner Herrschaft im Kongo</strong></p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px">1905 </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:24px">in der Übersetzung von Bernhard Schmid © 2023<sup><a href="https://slangtimes.com/2023-07-16/koenig-leopolds-selbstgespraech-7/#footnote_1_18243" id="identifier_1_18243" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie hier">1</a></sup> </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/10/P1260811_b.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="400" height="375" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/10/P1260811_b.jpg" alt class="wp-image-18306" style="aspect-ratio:1.0666666666666667;width:277px;height:auto" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/10/P1260811_b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/10/P1260811_b-300x281.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px"></a></figure></div>


<p class="has-text-align-right" style="font-size:22px">[Fortsetzung von <a href="https://slangtimes.com/2023-06-14/koenig-leopolds-selbstgespraech-6/">hier</a>]</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Bei alledem verzichtet er geflissentlich auf den Hinweis, dass wir uns zur Geiselnahme gezwungen sehen, wollen wir das uns Geschuldete eintreiben, schließlich haben die Leute nichts, um zu zahlen. In die Wälder geflohene Familien verkaufen einige ihrer Angehörigen in die Sklaverei und sorgen so für das Lösegeld. Er weiß, dass ich dem ein Ende machen würde, ließe sich eine weniger anstößige Möglichkeit finden, das uns Geschuldete einzutreiben … Hmm – hier eine weitere Kostprobe von der Delikatesse des Herrn Konsul! Er berichtet von einem Gespräch, das er mit einigen Eingeborenen geführt haben will: </p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px"><strong>Frage:</strong> »Woher wisst ihr, dass die Grausamkeiten, die man euch angetan hat, vom weißen Mann angeordnet wurden? Das muss euch doch wohl von den schwarzen Soldaten ohne Wissen des weißen Mannes angetan worden sein.«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px"><strong>Antwort:</strong> »Die weißen Männer sagten ihren Soldaten: ›Ihr tötet nur Frauen; seid ihr nicht Manns genug, Männer zu töten. Ihr müsst beweisen, dass ihr Männer tötet.‹ Also haben die Soldaten, als sie uns töteten« (hier hielt er inne und zögerte, dann wies er auf … und fuhr fort:) »dann haben sie … und sie zu den weißen Männern gebracht, die darauf sagten: ›Es ist wahr, ihr habt Männer getötet.‹«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px"><strong>Frage: </strong>»Du sagst, dass das wahr ist? Wurden denn viele von euch so behandelt, nachdem man sie erschossen hatte?«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Alle [laut schreiend]: »Nkoto! Nkoto!« (»Sehr viele! Sehr viele!«)</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Es bestand kein Zweifel daran, dass diese Menschen nichts erfanden. Ihre Vehemenz, ihre blitzenden Augen, ihre Aufregung waren nicht simuliert.«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Natürlich musste der Kritiker all das enthüllen; ihm fehlt jegliche Selbstachtung. Seinesgleichen machen mir Vorwürfe, obwohl sie ganz genau wissen, dass ich die Männer nicht zum Vergnügen auf diese Weise bestrafe, sondern nur als Warnung für andere Delinquenten. Gewöhnliche Strafen taugen nichts bei unwissenden Wilden; sie machen keinen Eindruck. [<em>Liest weitere Abschnittsüberschriften</em>]</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Region verwüstet; Bevölkerung von 40.000 auf 8.000 reduziert.«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Zu sagen, wie es dazu gekommen ist, das ist ihm die Mühe nicht wert. Ja, im Verschweigen ist er ganz groß. Er hofft, dass seine Leser und seine Kongo-Reformer vom Schlage Lord-Aberdeen-Norbury-John-Morley-Sir-Gilbert-Parker denken, dass die Leute alle getötet wurden. Das wurden sie nicht. Die große Mehrheit von ihnen entkam. Sie flohen vor den Kautschukeintreibern mit ihren Familien in den Busch und sind dort verhungert. Hätten wir das verhindern können?</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Einer meiner trauernden Kritiker bemerkt: »Andere christliche Herrscher besteuern ihr Volk, stellen aber im Gegenzug dafür Schulen, Gerichte, Straßen, Licht, Wasser und Schutz für Leib und Leben; König Leopold besteuert seine geraubte Nation, gibt aber im Gegenzug dafür nichts als Hunger, Schrecken, Trauer, Schmach, Gefangenschaft, Verstümmelung und Massaker.« Das ist ihr Stil! Ich gebe »nichts«! Ich bringe den Überlebenden das Evangelium; diese anmaßenden Tadler wissen das, würden sich aber lieber die Zunge abschneiden lassen, als es zu erwähnen. Ich habe meine Soldaten mehrmals angewiesen, den Sterbenden Gelegenheit zu geben, das heilige Sinnbild zu küssen; und sofern sie gehorchten, war ich zweifellos das demütige Mittel zur Rettung vieler Seelen. Keiner meiner Verleumder war so fair, dies auch nur zu erwähnen; aber lassen wir das; es gibt Einen, der das nicht übersehen hat, und das tröstet mich, das ist mein Trost.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">[<em>Legt den Bericht beiseite, nimmt ein Pamphlet zur Hand, wirft einen Blick über den Mittelteil.</em>]</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Jetzt kommt das mit der »Todesfalle«. Ein zudringlicher Missionar, der dort herumspionierte – ein Rev. W. H. Sheppard. Spricht mit einem meiner schwarzen Soldaten nach einer Kommandoaktion; bekommt ihn dazu, einige Einzelheiten auszuplaudern. So sagt der Soldat:<br>»Ich forderte 30 Sklaven von dieser Seite des Flusses und 30 von der anderen Seite; 2 Elfenbeinspitzen, 2.500 Kugeln Kautschuk, 13 Ziegen, 10 Hühner und 6 Hunde, etwas Maismehl etc.«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Wie kam es zu dem Kampf?«, fragte ich.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Ich ließ alle ihre Häuptlinge, Unterhäuptlinge, Männer und Frauen, an einem bestimmten Tag zusammenkommen und sagte ihnen, dass ich dem ganzen Theater ein Ende machen würde. Als sie durch die kleinen Tore hier kamen (die Umfriedung bestand aus Zäunen, die man aus anderen Dörfern zusammengetragen hatte, von der hohen Sorte, wie sie bei den Eingeborenen üblich sind), verlangte ich alles, was mir zustand, sonst würde ich sie töten; sie weigerten sich, mich zu bezahlen, und so befahl ich, den Zaun zu schließen, damit sie nicht weglaufen konnten; dann töteten wir sie hier innerhalb des Zauns. Teile des Zauns fielen um und einige entkamen.«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Wie viele habt ihr getötet?«, fragte ich.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Wir haben viele getötet, willst du einige von ihnen sehen?«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Genau das wollte ich.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Er sagte: »Ich glaube, wir haben zwischen achtzig und neunzig getötet, und was die anderen Dörfer angeht, weiß ich nichts, ich bin da nicht selbst hin, ich habe meine Leute geschickt.«<br>Er und ich gingen hinaus auf die Ebene gleich neben dem Lager. Dort lagen drei Leichen, denen von der Taille abwärts das Fleisch von den Knochen tranchiert war.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Warum hat man sie so zugerichtet, es sind nur noch die Knochen da?«, fragte ich.<br>»Meine Leute haben sie gegessen«, antwortete er prompt. Dann erklärte er: »Die Männer, die kleine Kinder haben, essen keine Menschen, aber alle anderen haben sie gegessen.« Auf der linken Seite lag ein großer Mann mit einer Schusswunde am Rücken und ohne Kopf. (Alle diese Leichen waren nackt.)</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Wo ist der Kopf des Mannes?«, fragte ich.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Oh, sie haben aus der Stirn eine Schale gemacht, um darin Tabak und Haschisch zu zerreiben.<br>Wir setzten unsere Untersuchung bis zum späten Nachmittag fort und zählten einundvierzig Leichen. Der Rest war von den Leuten aufgegessen worden.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Als wir zum Lager zurückkehrten, kamen wir an einer jungen Frau vorbei, der man in den Hinterkopf geschossen und eine Hand abgetrennt hatte. Ich fragte warum, und Mulunba N’Cusa erklärte, dass sie immer die rechte Hand abtrennten, um sie bei ihrer Rückkehr dem Staat zu übergeben.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Kannst du mir einige dieser Hände zeigen?«, fragte ich.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">So führte er uns zu einem Gerüst aus Stäben, unter dem ein schwaches Feuer glomm, und da waren sie, die rechten Hände – ich zählte sie, einundachtzig insgesamt.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Es gab dort nicht weniger als sechzig gefangene Frauen (Bena Pianga). Ich habe sie selbst gesehen.</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Wir sind uns einig, diese Ungeheuerlichkeit so vollständig wie möglich untersucht zu haben, und befinden, dass das im Voraus geplant war, um »so viel Zeug wie möglich zu bekommen« und die armen Leute dann in der ›Todesfalle‹ zu fangen und zu töten.« </p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">Eine weitere Einzelheit, wie wir sehen! – Kannibalismus. davon berichten sie mit einer geradezu beleidigenden Häufigkeit. Meine Verleumder lassen keine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, dass ich als absoluter Herrscher im Kongo mit einem Machtwort verhindern könnte, was zu verhindern mir genehm sei, sodass ich selbst verübe, was immer dort mit meiner Erlaubnis passiere, womit es ein ganz persönlicher Akt von mir sei; dass ich es verübe; dass die Hand meines Handlangers nicht weniger wahrhaftig meine eigene sei, als befände sie sich an meinem eigenen Arm; und so stellen sie sich mich im Staatsgewand vor, meine Krone auf dem Kopf, beim Mampfen von Menschenfleisch, ein Tischgebet auf den Lippen und ein gemurmeltes Dankeschön an Ihn, von dem alles Gute kommt. Oje, oje, diesen Weichherzigen braucht nur etwas wie der Beitrag dieses Missionars in die Hände zu fallen, schon ist es um ihre Seelenruhe geschehen. Sie beginnen gottlos zu lästern und machen dem Himmel Vorwürfe, dass er so einen Unmenschen leben lässt. Womit ich gemeint bin. Sie halten das für ungebührlich. Sie laufen zitternd umher und sinnieren über die Verringerung der Bevölkerung des Kongo von 25.000.000 auf 15.000.000 in den zwanzig Jahren meiner Regierungszeit; dann reißen sie den Mund auf und nennen mich »den König mit zehn Millionen Morden auf dem Gewissen«. Sie bezeichnen das als »Rekord«. Und die meisten von ihnen begnügen sich nicht damit, mir lediglich die 10.000.000 vorzuwerfen. Nein, sie denken, dass die Bevölkerung ohne mich sich durch natürliches Wachstum jetzt auf 30.000.000 belaufen würde, also rechnen sie mir weitere 5.000.000 an und erhöhen meine Todesbilanz auf 15.000.000. Sie meinen, dass der Mann, der die Gans tötete, die das goldene Ei gelegt hatte, auch für all die Eier verantwortlich gewesen sei, die sie später gelegt hätte, wenn man sie in Ruhe gelassen hätte. Oh ja, sie nennen mich einen »Rekord«. Sie weisen darauf hin, dass der Hunger in Indien zweimal pro Generation 2.000.000 von 320.000.000 Einwohnern vernichtet, worauf die ganze Welt vor Mitleid und Entsetzen die Hände wringt; dann fragen sie sich, wo die Welt wohl Platz für ihre Gefühle finden würde, hätte ich die Möglichkeit, zwanzig Jahre lang mit dem Hunger in Indien zu tauschen! Der Gedanke beflügelt ihre Phantasie derart, dass sie sich ausmalen, wie der Hunger nach Ablauf der zwanzig Jahre mit großem Zeremoniell zu mir kommt, sich vor mir niederwirft und sagt: »Lehre mich, oh Meister, ich sehe, dass ich nur ein Lehrling bin.« Und dann stellen sie sich vor, dass der Tod mit Sense und Stundenglas mich bitten kommt, doch seine Tochter zu heiraten, seinen Betrieb zu reorganisieren und das Geschäft zu führen. Und das weltweit, versteht ihr! Zu diesem Zeitpunkt befindet sich ihr fiebernder Verstand bereits in voller Fahrt, und sie holen ihre Bücher heraus und erhöhen ihre Anstrengungen, mit mir als Thema. Sie durchforsten sämtliche Biographien nach meinem Pendant, arbeiteten sich nach allen Regeln der Kunst durch <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Attila" target="_blank">Attila</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tom%C3%A1s_de_Torquemada" target="_blank">Torquemada</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan" target="_blank">Dschingis Khan</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_IV._(Russland)" target="_blank">Iwan den Schrecklichen</a> und Konsorten und brechen in bösartigen Jubel aus, wenn ihnen keines unterkommt. Dann nehmen sie sich die historischen Erdbeben und Wirbelstürme vor, die Schneestürme und Kataklysmen und Vulkanausbrüche: ihr Urteil, keiner von ihnen nimmt es mit mir auf. Und wenn sie es endlich geschafft zu haben meinen, schließen ihre Arbeit mit dem – wenn auch widerwilligen – Urteil, dass ich doch ein Pendant in der Geschichte habe, wenn auch nur eines – die Sintflut. Was maßlos überzogen ist.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_18243" class="footnote">THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie <a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/kingleopoldssoli00twai_0" target="_blank">hier</a></li></ol>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>König Leopolds Selbstgespräch (6)</title>
		<link>https://slangtimes.com/2023-06-14/koenig-leopolds-selbstgespraech-6/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jun 2023 11:50:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Aus Mark Twains Hammer von einer Satire aus dem Jahre 1905 spricht das schiere Entsetzen über die ruchbar gewordenen Gräuel, die im Namen des belgischen Königs Leopold II. im Kongo begangen wurden – nur um dem bärtigen Megalomanen die Taschen zu füllen. Twain vermittelte den Horror des Geschehens im Kongo in Form eines fiktiven Monologs, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p style="font-size:24px"><strong>Aus Mark Twains Hammer von einer Satire aus dem Jahre 1905 spricht das schiere Entsetzen über die ruchbar gewordenen Gräuel, die im Namen des belgischen Königs Leopold II. im Kongo begangen wurden – nur um dem bärtigen <a rel="noreferrer noopener" href="https://gedankenwelt.de/megalomanen-7-merkmale/" target="_blank">Megalomanen</a> die Taschen zu füllen. Twain vermittelte den Horror des Geschehens im Kongo in Form eines fiktiven Monologs, in dem der König seine Handlungsweise auf völlig zynische Weise zu rechtfertigen versucht. Ich stelle mir das Ganze umgeschrieben </strong> <strong>und auf heutige Menschenschinder angepasst vor, sei</strong> <strong>es der auf den größenwahnsinnigen Völkermörder in Moskau, sei es der blutrünstige menschliche Abschaum in Teheran … </strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-7.jpg"><img decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-7.jpg" alt class="wp-image-12032" width="228" height="223" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-7.jpg 456w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-7-300x293.jpg 300w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2018/03/web-7-370x362.jpg 370w" sizes="(max-width: 228px) 100vw, 228px"></a></figure></div>


<p style="font-size:22px">… oder auf Donald Trump, der es einem nun wirklich einfach machen würde, ließe sich doch aus zentnerweise zynischem Schwachsinn zitieren … </p>



<p style="font-size:22px">In dieser sechsten Tranche von Leopolds zorniger Parodie bezeichnet sich der gute alte Leopold – wie heute der Donald  – als politisch verfolgt. Gerade dass er nicht die Hände hebt, um sich symbolisch Handschellen anlegen zu lassen. Aber das hätte damals wohl auch nicht funktioniert. Wie dem auch sei, während Trump von der einen — offensichtlich geistesgestörten — Hälfte des amerikanischen Volkes eingesetzt und damit über jede Kritik erhaben sieht, betrachtet Leopold sich als ein von Gott eingesetzter und damit über jede Kritik erhabener Souverän. Beide halten sie Kritik an ihrer Person für Häresie. Kritiker bezeichnet er als hinterfotzig, ihre Offenheit als eines Gentleman unwürdig … </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2022/02/st1r.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2022/02/st1r.png" alt class="wp-image-15893" width="97" height="103"></a></figure></div>


<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>Mark Twain</strong> </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>König Leopolds Selbstgespräch<br>Eine Verteidigung seiner Herrschaft im Kongo</strong></p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px">1905 </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:24px">in der Übersetzung von Bernhard Schmid © 2023<sup><a href="https://slangtimes.com/2023-06-14/koenig-leopolds-selbstgespraech-6/#footnote_1_18115" id="identifier_1_18115" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie hier">1</a></sup> </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg" alt class="wp-image-7419" width="200" height="188" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b-300x281.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px"></a><figcaption class="wp-element-caption">»Ein Denkmal zur Verewigung meines Namens.« —</figcaption></figure></div>


<p class="has-text-align-right" style="font-size:22px">[Fortsetzung von <a href="https://slangtimes.com/2023-05-25/koenig-leopolds-selbstgespraech-5/">hier</a>]</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px">»Wir blieben am Montag den ganzen Tag dort und sprachen mit den Leuten. Am Sonntag hatten mir einige der Jungen von einigen Knochen erzählt, die sie gesehen haben wollten, und so bat ich sie am Montag, mir diese Knochen zu zeigen. Nur wenige Meter von dem Haus, in dem ich wohnte, entfernt lagen im Gras verstreut zahlreiche menschliche Schädel und Knochen, in einigen Fällen ganze Skelette. Ich zählte sechsunddreißig Schädel und fand zahlreiche Skelette, denen der Schädel fehlte. Ich rief einen der Männer und fragte, was das zu bedeuten habe. ›Als das Theater mit dem Gummi begann‹, sagte er, ›erschossen die Soldaten so viele, dass wir es leid wurden, sie zu begraben, und sehr oft durften wir das auch gar nicht, und so zogen wir die Leichen einfach hinaus ins Gras und ließen sie liegen. Es gibt Hunderte davon, wenn Sie sie sehen wollen.‹ Aber ich hatte mehr als genug gesehen, und war der Berichte der Männer und Frauen über die schreckliche Zeit, die sie durchgemacht hatten, überdrüssig. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aprilaufstand" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bulgarischen Gräueltaten</a> könnten im Vergleich zu dem, was hier geschah, als ein Ausbund von Milde gesehen werden. Ich weiß nicht, wie diese Menschen das überstanden haben, und ich frage mich das noch heute beim Gedanken an ihre Geduld. Dass einigen von ihnen die Flucht gelang, ist ein Grund zur Dankbarkeit. Ich blieb zwei Tage dort, und was sich mir besonders einprägte, war das Sammeln des Gummis. Ich sah, wie in Bongo, lange Reihen von Männern in den Ort kommen, mit ihren kleinen Körben unter dem Arm; ich sah, wie sie als Entlohnung dafür ihre Milchkanne voll Salz bekamen, und die zwei Yards Kattun, die man ihren Anführern hinwarf; ich sah ihre zitternde Scheu und, recht betrachtet, so vieles mehr, zum Beweis für die dort herrschende Schreckensherrschaft und die faktische Sklaverei, in der man das Volk dort hält.«</p>



<p class="has-text-align-left" style="font-size:22px"> Genauso machen sie das: Sie schnüffeln und spionieren und laufen mit jeder albernen Kleinigkeit zur Presse. Und dieser britische Konsul, dieser Mr. Casement, ist genauso. Er kommt in den Besitz des Tagebuchs einer meiner Staatsbeamten, und obwohl es sich um ein privates Tagebuch handelt und nur für die Augen seines Besitzers bestimmt ist, gebricht es Herrn Casement in einem Maß an Feingefühl und Kultur, dass er Passagen daraus in Druck gibt. [<em>Liest eine Passage aus dem Tagebuch vor</em>]</p>



<p style="font-size:22px">»Jedes Mal, wenn der Korporal losgeht, um Gummi zu holen, gibt man ihm Patronen mit. Er muss alle unbenutzten zurückbringen, und für jede benutzte hat er eine rechte Hand zurückzubringen. M. P. sagte mir, dass sie zuweilen auf ein Tier geschossen hätten, um es zu erlegen; sie hätten dann einem lebenden Menschen eine Hand abgeschnitten. Zu dem Ausmaß, in dem dies geschieht, teilte er mir mit, dass der Staat am Mambogo in sechs Monaten 6.000 Patronen verbraucht hat, was bedeutet, dass 6.000 Menschen getötet oder verstümmelt wurden. Es sind mehr als 6.000, da mir die Leute mir wiederholt gesagt haben, dass die Soldaten die Kinder mit dem Kolben ihrer Gewehre töten.«</p>



<p style="font-size:22px">Wenn der feinsinnige Konsul Schweigen für wirksamer hält als Worte, dann setzt er es ein. So überlässt er hier dem Leser den Schluss, dass tausend Tötungen und Verstümmelungen im Monat für ein so kleines Gebiet wie die Konzession am Mambogo eine große Zahl sind, und lässt die Dimensionen stillschweigend erkennen, indem er seinem Bericht eine Karte des riesigen Kongostaates beigibt, auf der kein Platz ist für ein so kleines Objekt wie diesen Fluss. Dieses Schweigen will sagen: »Wenn es in dieser kleinen Ecke tausend im Monat sind, dann machen Sie sich eine Vorstellung von der Gesamtzahl in diesem riesigen Staat.« Ein Gentleman würde sich nicht zu solchen Verstohlenheiten herablassen.  </p>



<p style="font-size:22px">Was die Verstümmelungen anbelangt. Man kann einen Kongokritiker nicht den Mund schließen und dafür sorgen, dass er geschlossen bleibt; er schlägt einen Haken und geht sofort wieder, aus einer anderen Richtung, auf einen los. Sie sind aalglatt und mit allen Wassern gewaschen. Als die Verstümmelungen (das Abtrennen von Händen, die Entmannung etc.) Europa in Aufregung zu versetzen begannen, kamen wir auf die Idee, sie mit einer Erwiderung zu entschuldigen, die ihnen unserer Meinung auf immer nach den Wind aus den Segeln nehmen, was das Thema angeht, und auf die ihnen die Worte fehlen würden: wir schoben diesen Brauch kühn den Eingeborenen in die Schuhe und behaupteten, wir hätten ihn nicht erfunden, sondern nur befolgt. Hat ihnen das den Wind aus den Segeln genommen? Hat es ihnen den Mund gestopft? Nicht eine Stunde lang. Sie duckten sich und parierten mit dem Einwand, »ein christlicher König, der sich aus der Unterscheidung zwischen der Erfindung barbarischer Grausamkeiten und deren Übernahme von Wilden moralische Erlösung verspricht, der möge, schon um der Barmherzigkeit, willen so viel Trost als möglich aus seinem Bekenntnis ziehen!«</p>



<p style="font-size:22px">Die Handlungsweise dieses Konsuls – dieses Spions, dieses Wichtigtuers – ist wirklich erstaunlich [nimmt die Broschüre »Behandlung von Frauen und Kindern im Kongo-Staat; was Mr. Casement 1903 sah« zur Hand] Kaum zwei Jahre ist das her! Dieses Datum der Öffentlichkeit aufzudrängen, das war schon eiskalte Bosheit. Die Absicht dahinter war, die öffentliche Wirkung der Versicherungen meines Pressesyndikats zu unterminieren, laut denen ich im Kongo schon seit Jahren nicht mehr so hart vorgehen lasse. Dieser Mann hat eine Vorliebe für Lappalien – er schwelgt geradezu in ihnen, ergötzt sich an ihnen, hätschelt, ja streichelt sie, bevor er sie zu Papier bringt. Man braucht nicht erst einzudösen über seinem monotonen Bericht, um das zu erkennen; allein die Überschriften der Unterabschnitte beweisen es. [<em>Liest</em>]</p>



<p style="font-size:22px">»Zweihundertvierzig Personen, Männer, Frauen und Kinder, werden gezwungen, der Regierung wöchentlich eine Tonne sorgfältig zubereiteter Nahrungsmittel zu liefern, und das alles in allem für die fürstliche Summe von 15s. 10d!«</p>



<p style="font-size:22px">Was ja wohl wirklich großzügig war. Immerhin kam das auf knapp einen Penny pro Woche für jeden Nigger. Das herunterzuspielen, passt diesem Konsul in den Kram, obwohl er sehr wohl weiß, dass ich sowohl das Essen als auch die Arbeit umsonst hätte haben können. Was ich mit tausend Beispielen beweisen kann. [<em>Liest</em>]</p>



<p style="font-size:22px">»Expedition gegen ein Dorf, das mit seinen (zwingenden) Lieferungen im Rückstand ist; Ergebnis: Ermordung von sechzehn Personen, darunter drei Frauen und ein Junge von fünf Jahren. Zehn Personen wurden verschleppt und bis zur Freilassung gefangen gehalten, darunter ein Kind, das während des Marsches verstarb.«</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_18115" class="footnote">THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie <a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/kingleopoldssoli00twai_0" target="_blank">hier</a></li></ol>]]></content:encoded>
					
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		<title>König Leopolds Selbstgespräch (5)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SlangGuy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 May 2023 15:54:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Mark Twain brachte 1905 — mit all der ihm gemeinhin zugeschriebenen Naivität — sein Entsetzen über die ruchbar gewordenen Gräuel zum Ausdruck, die man im Namen des belgischen Königs Leopold II. im Kongo beging. Er tat dies in Form eines fiktiven Monologs, in dem der König seine Handlungsweise auf himmelschreiende Weise zu rechtfertigen versucht. Ich [&#8230;]]]></description>
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<p style="font-size:24px"><strong>Mark Twain brachte 1905 — mit all der ihm gemeinhin zugeschriebenen Naivität — sein Entsetzen über die ruchbar gewordenen Gräuel zum Ausdruck, die man im Namen des belgischen Königs Leopold II. im Kongo beging. Er tat dies in Form eines fiktiven Monologs, in dem der König seine Handlungsweise auf himmelschreiende Weise zu rechtfertigen versucht. Ich frage mich, ob sich nach diesem Muster nicht auch Satire auf Putin und Konsorten schreiben ließe — nicht weniger naiv, aber auch nicht weniger wirkungsvoll&nbsp;…&nbsp; </strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg" alt class="wp-image-7419" width="200" height="188" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b-300x281.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px"></a></figure></div>


<p style="font-size:22px">In diesem Abschnitt von Leopolds Soliloquium weidet der belgische König sich weiter an dem Umstand, dass die Amerikaner ihm, wenn auch unwissentlich, bei der Errichtung seines brutalen Sklavenstaats zur Hand gegangen sind. Ausgerechnet die »tugendhaften« Amerikaner! Hier scheint natürlich Twains eigene Ansicht über seine Landsleute durch. </p>



<p style="font-size:22px">Dann echauffiert der Potentat sich über die »Whistleblower« in Gestalt der Missionare, die weltweit über seine Gräuel berichteten. So verärgert wie verachtungsvoll zitiert er aus einem ihrer Pamphlete …</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2022/02/st1r.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2022/02/st1r.png" alt class="wp-image-15893" width="97" height="103"></a></figure></div>


<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>Mark Twain</strong> </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px"><strong>König Leopolds Selbstgespräch<br>Eine Verteidigung seiner Herrschaft im Kongo</strong></p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:30px">1905 </p>



<p class="has-text-align-center" style="font-size:24px">in der Übersetzung von Bernhard Schmid © 2023<sup><a href="https://slangtimes.com/2023-05-25/koenig-leopolds-selbstgespraech-5/#footnote_1_18175" id="identifier_1_18175" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie hier">1</a></sup> </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg" alt class="wp-image-7419" width="200" height="188" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b.jpg 400w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2014/09/P1260811_b-300x281.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px"></a><figcaption class="wp-element-caption">»Ein Denkmal zur Verewigung meines Namens.« —</figcaption></figure></div>


<p class="has-text-align-right" style="font-size:22px">[Fortsetzung von <a href="https://slangtimes.com/2023-05-15/koenig-leopolds-selbstgespraech-4/">hier</a>] </p>



<p style="font-size:22px"> Gut möglich, dass die Yankees das jetzt gerne zurücknehmen würden, aber sie werden feststellen, dass meine Leute nicht ohne Grund drüben in Amerika sind. Aber es besteht ohnehin keine Gefahr; weder Nationen noch Regierungen können es sich leisten, ihre Fehler einzugestehen. [<em>Mit zufriedenem Lächeln macht er sich daran, aus einem Dokument mit dem Titel »Bericht von Rev. W. M. Morrison, amerikanischer Missionar im Kongo-Freistaat« vorzulesen</em>]</p>



<p style="font-size:22px">»Ich lege hiermit einige der vielen entsetzlichen Vorfälle vor, von denen ich aus persönlicher Beobachtung Kenntnis habe; sie enthüllen das System organisierter Plünderung und Gräuel, das König Leopold von Belgien in diesem bedauernswerten Land eingeführt hat und bis auf den heutigen Tag unterhält. Ich sage König Leopold, weil er, und nur er, dafür verantwortlich ist, da er der absolute Souverän ist. Er bezeichnet sich selbst als solchen. Als unsere Regierung 1884 durch die Anerkennung seiner Flagge den Grundstein für den Freistaat Kongo legte, konnte sie nicht ahnen, dass es sich bei dieser Unternehmung, die unter dem Deckmantel der Philanthropie einherkam, in Wirklichkeit um König Leopold von Belgien handelte, einen der raffiniertesten, herzlosesten und gewissenlosesten Herrscher, die jemals auf einem Thron gesessen haben. Und das hat nichts zu tun mit seiner allenthalben ruchbar gewordenen moralischen Verderbtheit, durch die sein Name und seine Familie auf zwei Kontinenten zum Gegenstand der Verachtung geworden sind. Unsere Regierung hätte diese Flagge ganz sicher nicht anerkannt, hätte sie gewusst, dass es sich in Wirklichkeit um König Leopold handelte, der da um Anerkennung bat; hätte sie gewusst, dass sie im Herzen Afrikas eine absolute Monarchie errichtete; hätte sie gewusst, dass sie, die die Versklavung von Afrikanern in ihrem eigenen Land mit großem Aufwand an Blut und Geld abgeschafft hat, damit eine noch schlimmere Form der Sklaverei in Afrika selbst einführt.«</p>



<p style="font-size:22px">[<em>Mit bösartiger Freude</em>] Ja, da war ich wohl eine Spur zu schlau für die Yankees. Das schmerzt; das wurmt sie. Das können sie nicht verwinden! Und es beschämt sie noch auf eine andere, schwerwiegendere Weise; werden sie doch ihre Chroniken nie von dem Tadel befreien können, dass ihre eitle Republik, selbsternannte Fürsprecherin und Verfechterin aller Freiheiten dieser Welt, die einzige Demokratie der Geschichte ist, die ihre Macht und ihren Einfluss zur Errichtung einer absoluten Monarchie geltend gemacht hat!</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full is-resized"><a href="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/Leo4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/Leo4.jpg" alt class="wp-image-18177" width="325" height="361" srcset="https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/Leo4.jpg 650w, https://slangtimes.com/wp-content/uploads/2023/06/Leo4-270x300.jpg 270w" sizes="(max-width: 325px) 100vw, 325px"></a><figcaption class="wp-element-caption">»sie laufen mit ihren Sorgen zu ihnen«</figcaption></figure></div>


<p style="font-size:22px">[<em>Beäugt mit unfreundlichem Blick einen stattlichen Stapel von Pamphleten</em>] Hol sie der Teufel, diese lästigen Missionare! Zentnerweise schreiben sie derlei Zeug. Ständig scheinen sie in der Nähe zu sein, ständig am Spionieren, stets Augenzeugen allen und jeden Geschehens; und alles, was sie sehen, bringen sie zu Papier. Ständig streifen sie von Ort zu Ort; die Eingeborenen betrachten sie als ihre einzigen Freunde; sie laufen mit ihren Sorgen zu ihnen; sie zeigen ihnen ihre Narben und Wunden, die ihnen von meinen als Polizei eingesetzten Soldaten zugefügt wurden; sie halten die Stümpfe ihrer Arme hoch und klagen darüber, man habe ihnen die Hände abgehackt, als Strafe dafür, dass sie nicht genug Kautschuk beigebracht haben, und als meinen Offizieren vorzulegender Beweis dafür, dass die geforderte Strafe ordentlich und wahrhaftig vollzogen wurde. Einer dieser Missionare sah einundachtzig dieser Hände über einem Feuer trocknen, um sie meinen Beamten übergeben zu können – und natürlich musste er hergehen und alles zu Papier bringen und in Druck geben. Sie reisen und reisen, sie spionieren und spionieren! Und nichts ist zu belanglos für sie, um es zu drucken. [<em>Nimmt ein Pamphlet zur Hand. Liest eine Passage aus dem Bericht über eine »Reise im Juli, August und September 1903 von Rev. A. E. Scrivener, ein britischer Missionar«</em>]</p>



<p style="font-size:22px">» … Alsbald kamen wir ins Gespräch, und die Eingeborenen erzählten, ohne jede Aufforderung meinerseits, die Geschichten, die mir so vertraut geworden waren. Sie lebten in Ruhe und Frieden, als die Weißen vom See her kamen und allerlei Forderungen stellten, und sie wussten, was das bedeutete – Sklaverei. Also versuchten sie, die Weißen von ihrem Land fernzuhalten, aber ohne Erfolg. Den Gewehren waren sie nicht gewachsen. So fügten sie sich denn und beschlossen, aus den veränderten Umständen das Beste zu machen. Zuerst kam der Befehl, Häuser für die Soldaten zu bauen, dem man ohne Murren nachkam. Dann mussten sie die Soldaten und alle Männer und Frauen in deren Begleitung verpflegen. Dann befahl man ihnen, Kautschuk beizubringen. Das war etwas ganz Neues für sie. Es gab Kautschuk im Wald, einige Tage von ihrem Dort entfernt, aber dass er etwas wert war, das war ihnen neu. Als man ihnen eine kleine Belohnung bot, kam es zu einer Art Kautschukrausch. »Was für merkwürdige weiße Männer, die uns Stoffe und Perlen für den Saft einer wilden Ranke geben.« Sie freuten sich über ihr vermeintliches Glück. Doch bald sahen sie die Belohnung reduziert, bis man ihnen schließlich sagte, sie sollten den Kautschuk umsonst beibringen. Dagegen versuchte man sich zu sträuben; aber zu ihrer großen Überraschung erschossen die Soldaten einige von ihnen; die anderen sahen sich unter Flüchen und Schlägen aufgefordert, auf der Stelle zu gehen, andernfalls noch mehr von ihnen getötet würden. Zu Tode erschrocken, begannen sie, Lebensmittel für die vierzehntägige Abwesenheit von ihrem Dorf vorzubereiten, die zum Sammeln des Kautschuksafts nötig war. Als sie so dasaßen, sahen die Soldaten sie. »Was, ihr seid noch da?« Peng! Peng! Peng! und einer fiel tot um, dann ein weiterer, inmitten ihrer Frauen und Gefährten. Ein furchtbares Wehklagen hebt an, und man versucht, die Toten für die Beerdigung vorzubereiten, aber das wird ihnen verboten. Alle müssen sofort in den Wald. Ohne Nahrung? Ja, ohne Nahrung. Und die armen Teufel mussten sogar ohne ihre Zunderbüchsen zum Feuermachen losziehen. Viele starben im Wald an Hunger und Unterkühlung, und noch mehr durch die Gewehre der grausamen Soldaten, die für den Außenposten verantwortlich waren. Trotz aller Bemühungen ihrerseits ging die Ernte zurück und es wurden immer mehr von ihnen getötet. Man führte mich herum und zeigte mir, wo früher die großen Häuptlinge gewohnt hatten. Eine vorsichtige Schätzung bezifferte die Bevölkerung vor, sagen wir mal, sieben Jahren auf 2000 Seelen in und in einem Umkreis von etwa einer Viertelmeile um den Posten. Heute käme man nicht einmal mehr auf 200, und es herrscht so viel Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, dass es rasch noch weniger werden.«</p>



<p class="has-text-align-right" style="font-size:22px">[Fortsetzung hier]</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_1_18175" class="footnote">THE P. R. WARREN CO., BOSTON, MASS. 1905, Copyright, 1905 By Samuel L. Clemens; ein Original des gemeinfreien Textes finden Sie <a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/kingleopoldssoli00twai_0" target="_blank">hier</a></li></ol>]]></content:encoded>
					
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