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»Rough Music«, Cha­ri­va­ri & Haberfeldtreiben

»Us bain’t rough musi­cing Mother Grim­by, her’s done not­hin’. Us is rough musi­cing maän Gray as lives in t’ la-a‑a ne.« 

Bei der Arbeit an mei­nem Wör­ter­buch der eng­li­schen Umgangs­spra­che ist es immer wie­der wenn schon nicht unbe­dingt nötig, so doch alle­mal inter­es­sant, der Geschich­te des einen oder ande­ren Wor­tes, der einen oder ande­ren Wen­dung nach­zu­spü­ren, wobei man denn auch immer wie­der auf Din­ge stößt, deren Fas­zi­na­ti­on man sich nicht ent­zie­hen kann, auch wenn sie einen im Augen­blick nur vom Pen­sum abhalten.
So stieß ich denn neu­lich im 5. Band von Joseph Wrights ganz vor­züg­li­chem Eng­lish Dialect Dic­tion­a­ry (1905) ganz neben­bei auf den Begriff »rough music«, der mich – ver­mut­lich der moder­nen Slang-Kon­no­ta­tio­nen von »rough« wegen – sofort anzog.
Zunächst ein­mal bedeu­tet der Begriff nichts wei­ter als das, was man bei uns als »Kat­zen­mu­sik« bezeich­nen wür­de, Lärm also, der neben Pfei­fen und viel Geschrei vor allem durch das Ein­dre­schen auf Töp­fe, Pfan­nen und ähn­li­chem rad­au­taug­li­chem Gerät ver­an­stal­tet wird.
Das wirk­lich Inter­es­san­te dabei ist, dass die­se »rough music« wie bei uns auf dem Kon­ti­nent auch Bestand­teil von Rüge­bräu­chen wie etwa Schand­auf­zü­gen war, mit denen man auf dem Land Ver­feh­lun­gen wie ehe­li­che Prü­gel oder Untreue rüg­te, mora­li­sche Ver­feh­lun­gen also, die nicht direkt unter die offi­zi­el­le Gerichts­bar­keit fie­len. Damit ähneln sie von Form und Funk­ti­on her unse­rem Haber­feld­trei­ben oder dem Charivari.
Neben dem eher harm­los anmu­ten­den nächt­li­chen »Musi­zie­ren« vor dem Haus der zu rügen­den Per­so­nen gab es auch hand­fes­te­re Riten, bei denen »rough music« eine Rol­le spiel­te. Da gab es etwa den Brauch des »riding the stang«, bei dem der Betref­fen­de – zuwei­len auch nur in effi­gie – auf einer Plan­ke durch die Gegend getra­gen und irgend­wo in den Dreck gekippt wur­de. Für den ver­wand­ten Ritus des »riding skim­ming­ton«, der dem­sel­ben Zweck dien­te, hat Wright eine gan­ze Spal­te von Vari­an­ten zusam­men­ge­tra­gen. Bei einer wähl­te man einen Dorf­be­woh­ner, der einen Hir­schen zu spie­len hat­te, der für den Mis­se­tä­ter, einen untreu­en Ehe­mann etwa, stand. Man jag­te den mit einem Geweih Aus­ge­stat­te­ten durch das Dorf bis an die Haus­tür des zu Rügen­den, wo man ihn unter Kat­zen­mu­sik sym­bo­lisch töte­te; ein zusätz­li­ches Maß an Rea­lis­mus bekam die Sze­ne durch das Ver­sprit­zen von Blut, das man in einer Schweins­bla­se mit­ge­bracht hatte.
Klingt nicht weni­ger kurz­wei­lig als das laut­star­ke Auf­sa­gen von Knit­tel­ver­sen, das mit­un­ter zum Ritus gehörte:

‘Now [Jim­sy Hart], if thee disn mend thy manners,
The skin of thy ass we’ll zend to the tanner’s;
And if the tan­ner, he on’t tan un well.
We’ll hang un pon a naail in hell;
And if the nail beg­inth to crack.
We’ll hang un ‘pon the devil’s back;
And if the devil urnth away.
We’ll hang un the­re ano­t­her day.’

Joseph Wright, The Eng­lish Dialect Dic­tion­a­ry, Vol. 5. (1905)

Und zu alle­dem gab es, wie gesagt, besag­te »rough music«…

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