Klassische Songtexte erklärt: Running Bear

Man hat den Song ein Leben lang gehört und doch nicht so recht verstanden. In dieser Reihe möchte ich ein paar Erklärungen zu Songs liefern, bei denen es bei mir eine Zeitlang gedauert hat, bis der Groschen fiel. Ich hoffe, ich kann Ihnen das eine oder andere kleine Aha-Erlebnis bescheren. Viel Spaß!

Aus einer Zeit, in der man sich nicht viel dabei gedacht hat, einen Song auf einem pseudoethnischen Rhythmus aufzubauen, stammt der Song »Running Bear« (1959) von Johnny Preston. Ich habe ihn meine ganze Kindheit hindurch im Bayerischen Rundfunk gehört. Alles, was ich kapiert habe war, dass da ein Indianer in ein Mädel verliebt war und sie in ihn. Und dass die beiden nicht zusammenkommen konnten. Warum? Weil ein breiter Fluss zwischen ihnen war. So viel habe ich mitbekommen. Erst als ich den Songtext später gelesen habe, sah ich den eigentlichen Grund: Ihre beiden Stämmen waren miteinander verfeindet. Romeo und Julia aus Verona also. Montagues und Capulets. Nicht dass Jiles Perry Richardson die beiden Stämme in seinen Lyrics benannt hätte. Wussten Sie übrigens, dass Richardson kein Geringerer  war als The Big Bopper? Ja, der Hüne aus Clear Lake, Iowa, der uns ein Jahr zuvor den flotten Rocker »Chantilly Lace« beschert hatte, den ich mir hiermit gleich mal für die eine oder ander künftige Erklärung im Rahmen dieser Serie vormerken will. Und natürlich kam der Big Bopper im Februar 1959 »on the day the music died« bei dem legendären Flugzeugabsturz ums Leben, der uns auch Buddy Holly und Ritchie »La Bamba« Valens nahm. Er hat also noch nicht mal erlebt, dass sein »Running Bear« im Juni 1959 weltweit die Charts eroberte.

On the bank of the river stood Running Bear, young Indian brave
On the other side of the river stood his lovely Indian maid
»Brave« ist der »Krieger«, wie ich hier nur nebenbei anmerken möchte. »Little White Dove«, die »Kleine Weiße Taube«, habe ich übrigens jahrzehntelang als »little white girl« verstanden. Was aber auch seinen Sinn hat. Wie auch immer, die beiden schmachten einander lange im Mondschein über den reißenden (»raging«) Fluss hinweg an und werfen sich Kusshändchen zu. Ich bin kein Ethnologie, weiß also nicht, ob Indianer geküsst haben. Ich erinnere mich an ein Seminar aus dem Studium, in dem wir erfuhren, dass ein nackter Busen sie so wenig in Fahrt brachte wie die Afrikaner. 
Was ich nie so recht mitbekommen habe (Hört man überhaupt je so ganz genau zu bei Schlagern?), ist, dass die beiden es irgendwann nicht mehr aushielten und in die reißenden Fluten sprangen…

Running Bear dove in the water, Little White Dove did the same
And they swam out to each other through the swirling stream they came

… und beide ertranken… 

As their hands touched and their lips met, the raging river pulled them down
Now they’ll always be together in their happy hunting ground

… und in die ewigen Jagdgründe eingingen. Womit der Song noch tragischer ist, als ich ihn je aufgefasst hätte.

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