SlangGuy's Blog ...

Sprach­lehr­bü­cher sind Kacke!

Ich bin sicher, Sie haben mal die eine oder Fremd­spra­che gelernt – oder wenigs­tens zu ler­nen ver­sucht. Und vie­le von Ihnen sind geschei­tert. Ich spre­che jetzt nicht von der Schu­le. Da hat man Jah­re Zeit, und je nach Leh­rer und Talent, hat man was füs Leben. Es bleibt was hän­gen. Selbst vom Latein­un­ter­richt ist bei mir genug hän­gen geblie­be, um mir bei der einen oder ande­ren roma­ni­schen Spra­che zumin­dest bei der Lek­tü­re aus der Pat­sche zu hel­fen. Nein, ich möch­te hier viel­mehr mal mei­nem Ärger über Sprach­lehr­bü­cher, tja, »für erwach­se­ne Anfän­ger« sage ich jetzt mal, Luft machen. Es gibt sie zu Dut­zen­den. Und eines ist beschis­se­ner als das ande­re. Nee, das ist so! Blei­ben Sie ruhig mal dran…

Ich kam die­ser Tage auf die Schnaps­idee, mir mal ein biss­chen Rus­sisch drauf­zu­schaf­fen. Fra­gen Sie nicht war­um, der Begriff »Schnaps­idee« soll­te hier für den Anfang genü­gen. Und war­um auch nicht? Schon die Schrift ist exo­tisch genug, um zu rei­zen. Und viel­leicht ergibt sich ja mal die Gele­gen­heit, Putin ein demokratie‑, menschen‑, frau­en- und schwu­lenfreind­li­ches Arsch­loch ins Gesicht zu schleu­dern, zumin­dest in einem gehar­nisch­ten Brief. Okay, aber das wäre jetzt mal ein Fern­ziel…

Schön, blei­ben wir in der Gegen­wart. Ich bin durch­aus ein Freund der har­ten Metho­de: Roman kau­fen, jedes Wort nach­schla­gen, durch­de­kli­nie­ren, durch­kon­ju­gie­ren. Ich habe so Fran­zö­sich gelernt. Mai­gret se défend wird mir immer in Erin­ne­rung blei­ben; den einen oder ande­ren Satz kann ich nach fünf­zig Jah­ren noch aus­wen­dig. Und wenn Sie den Link ankli­cken, dann haben Sie auch gleich den Rie­sen­un­ter­schied zwi­schen damals und heu­te: das Web. Hat­ten wir sei­ner­zeit nicht. Lei­der. Was ich trotz­dem nicht mehr habe, ist die Zeit. Trotz­dem sei’s hier mal gesagt: Wer heu­te nicht ein hal­bes Dut­zend Spra­chen spricht, ist sel­ber schuld.

Aber blei­ben wir beim Rus­si­schen. Da gibt es erst mal ein Rie­sen­pro­blem, und das ist die­se sau­blö­de Schrift. Kyril­lisch. Da ist halt ein­fach nix mit drauf­los­le­sen, mit wel­chem beschis­se­nen Akzent auch immer. Selbst Buch­sta­ben, die wie unse­re aus­se­hen, sind in Wirk­lich­keit ganz ande­re. Da ist näm­lich nix mit ein­fach nach­schla­gen, dekli­nie­ren, kon­ju­gie­ren. Nein, im Ernst, da geht erst mal gar nix ohne das Alpha­bet. Und 33 Buch­sta­ben? Die spin­nen, die Rus­sen!

Aber gut, da ist das Web natür­lich wie­der super, duf­te, pri­ma, 1A. Wenn Sie’s inter­es­siert, hier mei­ne ers­ten Favo­ri­ten. (извините (= ‘tschul­di­gung), ich bin ja erst ein paar Tage dabei.)

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Sehr schön: fünf Buch­sta­ben in fünf Minu­ten. Super. Nicht dass das auch schon hän­gen bleibt, aber man kann ja öfter bis end­los gucken. Und die Frau macht das pri­ma & ohne Bla­bla. Auf das Bla­bla kom­men wir gleich noch, wenn ich auf die beschis­se­nen Sprach­lehr­bü­cher zu spre­chen kom­me. Ein »H« ist ein »N«, und ein auf den Kopf gestell­tes »N« ist als »U« gedacht, ist aber ein »i«. Logisch. Kin­der­leicht.

Dann wäre da noch die Dame hier:

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Ganz gro­ße Klas­se! Das wird dau­ern, sicher, jeden­falls bei einem ver­kalk­ten Doo­fel wie mir. Aber ich bring das. Mit den bei­den Mädels schaff ich das.

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Okay, damit wäre für das Alpha­bet gesorgt. Das nächs­te Pro­blem ist aber natür­lich, bei­ben wir beim Web, die Suche. Wie was Rus­si­sches fin­den? Oh Mann! Okay, aber man ist ja lan­ge genug am Com­pu­ter & weiß, dass man nicht gleich eine rus­si­sche Tas­ta­tur zu ordern braucht. Auch das ist heu­te kein Pro­blem, klar, aber man muss ja nicht gleich über­trei­ben. (Wer weiß, wie lan­ge mei­ne Begeis­te­rung für das Rus­si­sche sich hält. Also muss eine Bild­schirm­tast­tur her. Und auch hier hilft das Web:

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Wie­der ein Voll­tref­fer: Eine Erklä­rung ohne lan­ge Prä­li­mi­na­ri­en. Ohne Bla­bla. ein herz­li­ches Dan­ke­schön an Chris – oder ist das dann Kris? Okay, lern ich auch noch. Dan­ke erst mal.

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Jetzt aber ein klei­nes per­sön­li­ches Pro­blem von mir. Ich brauch was zum Angu­cken. So ganz allein mit Zuhö­ren ist bei mir nicht. Ich bin old school. Ich hab ganz gern das alt­mo­dischs­te aller Medi­en: das Buch. Also tiger ich rüber in die Buch­hand­lung. Wow, Rus­sisch­bü­cher bis zum Abwin­ken! Mei­ne lie­ber Schol­li! Was neh­men? Da ich auch wie­der mal arbei­ten muss (mein ame­ri­ka­ni­scher Autor ist end­lich mit der vier­zund­zwan­zigs­ten letz­ten Fas­sung sei­ner Anlei­tung zur welt­ret­ten­den Ener­gie­wen­de zu Pot­te gekom­men), muss ich mich rasch ent­schei­den.

Übri­gens, das aller­dümms­te von all den Rus­sisch-Lehr­bü­chern, die ich da in der Hand hat­te, war mein Hoff­nungs­trä­ger Rus­sisch für Dum­mies! Vierund­rei­ßig (34!) Sei­ten Voll­bla­bla, bevor auch nur die gerings­te Info rüber­kommt. Und dann immer noch lan­ge nix Brauch­ba­res. Dum­mies? Dep­pert muss man sein, wenn man das kauft.

Egal, ich grei­fe zu zwei Titeln unse­rer bewähr­ten Sprach­ver­la­ge Hue­ber & Klett. Mit CDs zum Rein­hö­ren. Klingt super. Die zieh ich mir mal bei­de (dop­pelt hält bes­ser), Preis für unter fuff­zig Mücken find ich zivil.

Aber…

… und jetzt sind wir da, worum’s mir geht …

Die Klett-Kis­te hat zwar nur eine Sei­te Ein­lei­tung, schön, bie­tet mir aber eine Inhalts­an­ge­be auf Kyril­lisch. Nee, Leu­te, so geht das nicht! Da steht Rus­sisch für Anfän­ger drauf, ihr Pfei­fen! Und eine Kar­te der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on geht mir aber auch schon so was von am Arsch vor­bei!

Immer­hin, die aller­ers­te Übung scheint gar nicht so blöd, weil sie deut­sche & rus­si­sche Vor­na­men neben­ein­an­der­stellt. Da lernt man viel­leicht schon ein paar von den komi­schen Buch­sta­ben. Da denk ich, wow »Natal­ja – Наталья« (ich hof­fe, das ist rich­tig getippt; ich habe das mit der rus­si­schen Tas­ta­tur noch nicht so ganz drauf), das geht ja wie’s Kat­zen­ma­chen. Ja, von wegen. Bei der Übung 1b ver­sa­ge ich schon ganz kläg­lich. Ha, und wis­sen Sie war­um? Weil die deut­sche Anlei­tung schei­ße ist. Pas­sen Sie auf.

Die Zif­fern ent­spre­chen der Rei­hen­fol­ge der Buch­sta­ben in den rus­si­schen Vor­na­men. Set­zen Sie die­se Buch­sta­ben in die Käst­chen und sie erhal­ten die rus­si­sche Ent­spre­chung von »Jas­no«. Woher ken­nen Sie das Wort?

Wel­che Zif­fern? Bis ich dahin­ter kom­me, dass »die fol­gen­den Zif­fern« gemeint. Pin­ge­lig? Ich jeden­falls hab das nicht gleich kapiert. Und wo wir schon am Mau­len sind. Bei mir heißt das »Set­zen Sie die­se Buch­sta­ben in die Käst­chen ein«. Pin­ge­lig? Das ist ein Sprach­lehr­buch, herr­gott­noch­mal! Und im Deut­schen »setzt« man nicht etwas, man »setzt etwas ein«. Und »Jas­no«? Es ist mir in dem Sta­di­um mei­ner Kennt­nis­se (gleich Null) so was von scheiß­egal, woher ich das Wort »Jas­no« ken­ne – das ich nicht ken­ne, um’s mal gleich zu sagen. Und wo das rus­si­sche Alpha­bet erst auf der aller­letz­ten Sei­te des Buches auf­ge­führt ist… Nee, das mag ich nicht…

Nehm ich den Hue­ber-Titel (Rus­sisch-Sprach­kurs: Schnell & Inten­siv) zur Hand. Da sind die Kapi­tel­über­schrif­ten immer­hin schon mal zwei­spra­chig. Und es fängt mit dem Alpha­bet an. Aber dann kommt sei­ten­wei­se Bla­bla in einem Vor­wort und als Start gibt’s zig Bild­chen von Gegen­stän­den, deren Bezeich­nung im Deut­schen wie im Rus­si­schen gleich ist. Womit gesagt wer­den soll, dass wir ja auch schon so vie­le rus­si­sche Wör­ter ken­nen & damit kön­nen. Aber lie­be Hue­ber-Leu­te, dass Trak­tor, Glo­bus, Auto und Ana­nas etc. auch die Rus­sen ver­ste­hen, inter­es­siert mich auch nicht. Bei aller Lie­be, bis ich mich mal mit einem rus­si­schen Land­wirt über sei­nen Trak­tor unter­hal­ten kann oder möch­te… Und Samo­war? Ich hat­te mal einen am Gym­na­si­um. War ganz wit­zig, ein sil­ber­nes Rie­sen­teil, aber die Brü­he, die da raus­kam, war wohl eher was für den sibi­ri­schen Win­ter, nichts für einen zar­ten Vier-Minu­ten-Earl Grey. Aber von mir aus: Samo­war. Kann ich schon ein biss­chen Rus­sisch. Ja, von wegen! Dann gibt’s gleich noch mal — dies­mal ohne Bild­chen — eine lan­ge Lis­te (120 Stück) mit inter­na­tio­na­len Wör­tern von »Abon­ne­ment« über »Kame­ra« bis »Wet­ter«, die mir eben­falls am Arsch vor­bei­ge­hen. Immer­hin fin­de ich »Wet­ter« inter­es­sant. Sagen die wirk­lich auch »Wet­ter«? Werd ich bei Gele­gen­heit mal einen Rus­sen fra­gen, wenn ihr mir end­lich bei­bringt wie! Nein, im Ernst, ich will jetzt end­lich was ler­nen, herr­gott­noch­mal. Mein nächs­ter Herz­kas­per ist der letz­te! Und das Aller­letz­te, was ich am Anfang ler­nen will, sind Wör­ter die im Deut­schen und im Rus­si­schen gleich sind. War­um? Weil ich sie schon ken­ne, herr­gott­noch­mal!

Ich möch­te gar nicht von all den Scheiß­spiel­chen und Kreuz­wort­rät­seln & Scheiß anfan­gen, die einem beim Durch­blät­tern so ent­ge­gen­quel­len. Kann ich alles mal machen – wenn ich mal Rus­sisch »kann«.

Also, lie­be Leu­te, war­um fängt ein Sprach­lehr­buch für Erwach­se­ne nicht ein­fach so an:

1. Sei­te: ich, du, er / sie / es – wir, ihr, Sie (natür­lich mit Sie­zen & Duzen)

2. Sei­te: ich bin, du bist, er/sie/es ist – wir sind, ihr seid, sie sind (natür­lich mit Sie­zen & Duzen) 

3. Sei­te: ich habe, du hast, er/sie/es hat – wir haben, ihr habt, sie haben (natür­lich mit Sie­zen & Duzen) 

Das wäre doch in jeder mir bekann­ten Spra­che schon die hal­be Mie­te. Dar­auf las­sen sich simp­le Dia­lo­ge auf­bau­en: du bist blöd – nein, ich bin nicht blöd etc. Da las­sen sich dann Fra­ge­wör­ter anknüp­fen. Wer? Wann? Wie? War­um? Und dann kann man ja zeit­nah mit »Guten Tag, ich bin der Bern­hard, wer bist du?« wei­ter­ma­chen. Und bit­te nix auf die Sei­te quet­schen! Alles schön groß, typo­gra­phisch luf­tig, mit Rand. Lasst das Bla­bla weg & das ver­damm­te Buch wird nicht län­ger…

Okay, ich werd’s trotz­dem mal pro­bie­ren, mit mei­ner bewähr­ten Haus­mi­schung aus alle­dem. Aber erst schaff ich mir mal das ver­damm­te Alpha­bet drauf. Ohne die Scheiß­bü­cher…

до свидания! 

Bis bald (kann ich noch nicht & schuld dar­an sind die­se Scheiß­bü­cher!)

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