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Über­set­zun­gen, die mir gestoh­len blei­ben kön­nen (3)

Wirk­lich inter­es­san­tes Inter­view in der SZ von ges­tern: Bob Wood­ward. Ich lese es schon des­halb, weil ich mal ein Buch von ihm über­setzt habe, lei­der nur eines, und das unter denk­bar ungüns­tigs­ten Umstän­den, aber was soll’s. Das Inter­view ist so gut wie sei­ne Über­set­zung lau­sig; noch ama­teur­haf­ter als üblich.

Wie in aller Welt kommt es, dass jemand, der intel­li­gen­te Fra­gen zu stel­len ver­mag, der schrei­ben kann, schließ­lich ist er Jour­na­list, der­art ver­sagt, wenn es dar­um geht, das von sei­nem ame­ri­ka­ni­schen Gegen­über Geäu­ßer­te ins Deut­sche zu brin­gen? Nicht nur die Wort­hül­sen, um den abge­dro­sche­nen Begriff mal zu ver­wen­den. Wood­ward beant­wor­tet doch sei­ne Fra­gen, will sagen, er sagt etwas mit Sinn und Ver­stand, war­um kann man die­sen Sinn nicht auch im Deut­schen rüber­brin­gen? War­um wer­den da wie­der mal Wör­ter über­setzt statt Sinn?

„Nach unse­rem Gespräch“, heißt es da in einer von Woood­wards Ant­wor­ten, „sag­te mein Chef, nimm dei­nen Arsch hier raus und gehe zurück an die die Arbeit.“

Dass man „zurück an die Arbeit geht sagt, anstatt „wie­der an die Arbeit“, nur weil da eben im Eng­li­schen „back“ steht, mag ja noch durch­ge­hen, aber „nimm dei­nen Arsch hier raus“? Ich weiß, tau­send lau­sig syn­chro­ni­sier­te Fil­me haben die Wen­dung „get your ass out of here“ oder seltener„take your ass out of here“ wört­lich ins Deut­sche zu zer­ren ver­sucht, aber nicht nur haben sie das idio­ma­ti­scher zu ver­pa­cken ver­sucht, hier wird schon wie­der ein intel­li­gen­ter Mensch als Dumm­kopf hin­ge­stellt, der Modi­sches nach­plap­pert, und das auch noch schlecht. Was der Mann gesagt und gemeint hat ist: „Und jetzt mach, dass du wie­der an die Arbeit kommst!“ Oder etwas mit die­sem Tenor. Da kann man beim Über­set­zen in die Vol­len gehen. Aber dem Mann eine dep­per­te pseu­do­deut­sche Wen­dung aus schlecht syn­chro­ni­sier­ten Fil­men zu unterstellen?

Dass Wör­ter tat­säch­lich eine Bedeu­tung haben, eine bestimm­te, mei­ne ich, soll­te doch wohl gera­de einem Jour­na­lis­ten klar sein. So ist es etwa nicht „schmerz­haft“, ein Buch zu schrei­ben, was für ein Unfug, es ist „beschwer­lich“, „müh­sam“, war­um nicht „eine Quä­le­rei“? „Pain­ful“ steht doch nun wirk­lich mit all sei­nen Nuan­cen in jedem Wör­ter­buch (was nun wirk­lich nicht bei allen Wör­tern der Fall ist). War­um muss eine „fruit bowl“ unbe­dingt zur „Früch­te­schüs­sel“ wer­den, wo jeder ande­re Deut­sche eine „Obst­schüs­sel“ oder eine „Obst­scha­le“ daheim ste­hen hat? Was zu ver­nach­läs­si­gen ist, sicher, aber hier und da weiß man noch nicht mal, wovon über­haupt die Rede ist: „Wenn man die Bücher über Bush ansieht, haben alle bestan­den.“ Was heißt das denn? Und den­ken Sie nicht, dass der Kon­text dar­über Auf­schluss gibt. Man muss sich selbst einen Reim drauf machen; sprach­lich ist die Infor­ma­ti­on nicht gege­ben. Bei einem Bob Wood­ward? Nu hör aber auf.

Die Über­set­zung ist durch die Bank ama­teur­haft; was für ein bedau­erns­wer­ter Abschluss nach einem der­ar­ti­gen Auf­wand – nach einem Besuch in Ame­ri­ka bei dem Mann! Die Stel­le, die mich aber wirk­lich nervt, weil sie mich an gar so vie­le inkom­pe­ten­te Redak­tio­nen mei­ner eige­nen Über­set­zun­gen erin­nert, ist die­se: „Ich lie­be die­se Arbeit und ich lie­be es, mor­gens auf­zu­ste­hen und zu den­ken … Dort sind über­all Din­ge ver­steckt und unbe­kannt.” WTF!, möch­te man schrei­en. Und selbst wenn man wei­ter­liest: “Ich fin­de es leich­ter zu arbei­ten, als nicht zu arbei­ten.“ Es folgt kein Sinn. Und ich spre­che hier noch nicht mal von der Dep­pen­for­mel ‘ich lie­be es’ mit fol­gen­der Infi­ni­tiv­kon­struk­ti­on (dage­gen ist längst kein Kraut mehr gewach­sen), auch wenn ich weiß, dass der Mann nicht so spricht. Das sieht man an sei­nen Büchern und an sei­nen Inter­views; der Mann ist kei­ne plap­pern­de US-Pro­mi­tus­se, die sich in ihren fünf­zehn Minu­ten suhlt, er ist kei­ner, der „es liebt, etwas zu tun“, der Mann ist einer der „etwas ger­ne macht“ oder nicht. Aber dar­auf will ich hier gar nicht hin­aus, was hier nervt, ist die Über­set­zung von „the­re is“ mit „dort sind“. Was der Mann sagen woll­te ist, „Es gibt auf der Welt da drau­ßen so Vie­les auf­zu­de­cken.“ War­um schreibt man das nicht ein­fach hin?

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