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Zum Geleit: Thu Ver­zicht auf die­sen Band

emb.20Vor ein paar Tagen sprach ich hier noch von den Bedeu­tungs­än­de­run­gen, die einem Wort so wider­fah­ren kön­nen. Jetzt, wo ich mir die Mühe mache, das – der ollen Frak­tur wegen – nur unter ziem­li­chen Anstren­gun­gen zu lesen­de Vor­wort zu Fah­ren­krü­gers Bai­ley fürs für­de­re Stu­di­um abzu­tip­pen, fin­de ich gleich ein net­tes Bei­spiel dafür. Fah­ren­krü­ger erklärt im Vor­wort den Gebrauch sei­nes Dic­tionn­aires:

Eini­ge Kennt­nis­se muß frei­lich der Sucher mit­brin­gen, wenn er beim Auf­schla­gen das rech­te deut­sche Wort, das gera­de zur Stel­le passt, her­aus­fin­den will. Mir liegt eben ein Schau­spiel von Beau­mont und Flet­cher zur Hand, und mein Auge trifft fol­gen­de Stel­le, die ich hier zum über­flüs­si­gen Bei­spiel aus­he­be.

Come, I war­rant ye.
Am not I with ye, sweet? Are her clothes packt up,
And all her linen? Give your maids direc­tion:
You know my time’s but short, and I’m com­man­ded.

Give your maids direc­tion! Wie ist hier das Wort Direc­tion zu über­set­zen? Man schla­ge das Lexi­kon auf, und man fin­det sie­ben deut­sche Wör­ter: die Rich­tung, Der Gang; die Ein­rich­tung, Anord­nung; Anwei­sung, Vor­schrift; Adres­se. — Wel­ches paßt nun zu der gedach­ten Stel­le? Am bes­ten unstrei­tig das Vor­letz­te. Gebt euren Mäg­den Vor­schrift. Man neh­me eins der sechs andern, und man wird ent­we­der Unsinn, oder etwas Schie­len­des sagen. Wer aus Jugend oder Stumpf­sinn sich hier­in nicht zurecht fin­den kann, der muß noch kein Lexi­kon brau­chen, oder auf das Spra­chen­ler­nen Ver­zicht thun.

Beim Lesen sei­ner Fra­ge »Wel­ches paßt nun zu der gedach­ten Stel­le?« habe ich unwill­kür­lich Anwei­sung ein­ge­setzt. Ich war also ent­spre­chend erstaunt, als er den Satz mit »Gebt euren Mäg­den Vor­schrift« über­setzt. Mit ande­ren Wor­ten, mei­ne Lösung wäre »ent­we­der Unsinn, oder etwas Schie­len­des« gewe­sen. Zu sei­ner Zeit jeden­falls. »Vor­schrif­ten machen« ist alles, was mir in die­se Rich­tung so ein­fällt. Das ist aber doch… Ist es wirk­lich was ganz ande­res? Ich wer­fe rasch mal mei­nen Grimm an und fin­de bei »Vor­schrift« u.a.

d) in die­ser frei­en anwen­dung dann in all­ge­mei­nem uner­schöpf­li­chem gebrauch; beach­tens­wert sind die fäl­le, wo es sich aus­drück­lich um münd­lich gege­be­ne regeln und anwei­sun­gen han­delt, und die, wo das regel­ge­ben­de unper­sön­lich, ein abs­trac­tum oder gott ist: bei­de hör­ten weni­ger auf die ihnen ert­heil­ten vor­schrif­ten als auf das rol­len des wagens HOLTEI erz. schr. (1861) 21, 133; in Lepo­rel­los klei­dern … giebt er (don Gio­van­ni) Maset­to und sei­nen beglei­tern vor­schrif­ten O. JAHN Mozart (1856) 4, 392; den­ken sie sich, der Wil­ten will mir vor­schrif­ten machen, ich soll nicht den ver­hei­ra­te­ten frau­en den hof machen W. V. POLENZ Gra­ben­hä­ger (1897) 2, 7;

Tat­säch­lich: jeman­dem Vor­schrif­ten geben – wer hät­te das gedacht? Gut dass so eine Bil­dungs­lü­cke rasch gefüllt ist – sofern man sich in einem Wör­ter­buch zurecht fin­det; andern­falls man laut Fah­ren­kü­fer glatt »auf das Spra­chen­ler­nen Ver­zicht thun« soll­te. Eine har­te Vor­schrift. Ich wür­de das den Lesern mei­ner Slang­wör­ter­bü­cher nicht zum Geleit geben wol­len.

Anm.: Das Bei­spiel stammt, nur ganz neben­bei, aus Beau­mont & Flet­chers Rule a Wife And Have a Wife (Ist das Inter­web nicht groß­ar­tig? Um die Stel­le zu fin­den, hät­te man frü­her Tage ver­tan.)

 

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