SlangGuy's Blog ...

Foo­doir… Tho­mas Lie­ven im Schmoll­win­kel

emb.13Wie­der so eine Prä­gung, die nicht so recht funk­tio­nie­ren will. Das gan­ze Jahr über schon begeg­net sie mir bei der mor­gend­li­chen „Pres­se­schau“: foo­doir. Als ich das Wort zum ers­ten Mal sah, waren mei­ne ers­ten Gedan­ken: Ist das neu­er Slang für die „Küche“? Eine Koch­ni­sche? Ein Ess­zim­mer? Einen Win­kel, in dem man vor dem Schla­fen­ge­hen noch einen Hap­pen als Bett­hup­ferl zu sich nimmt? Ein Käm­mer­chen, in das der schuld­be­wuss­te Gour­met sich heim­lich zurück­zieht, um mal… oder gar einen Raum, in dem man Gau­men­freu­den mit Sex kom­bi­niert, schließ­lich steht für die Ame­ri­ka­ner „bou­doir“ weni­ger für das Frau­en­zim­mer, par­don, als schlüpf­rig-asso­zia­tiv für den Raum mit dem Bett. Mit­nich­ten. „Foo­doir“ kommt, wie ich zu mei­nem Erstau­nen fest­stel­len muss­te, nicht von „food“ & „bou­doir“, son­dern von „food“ & „memoir“.

Und damit funk­tio­niert das Wort für mich ein­fach nicht mehr.

Eine Neu­bil­dung, zumal eine, die so offen­sicht­lich „geist­reich“ sein möch­te, soll­te doch wohl für ein Bild sor­gen, und dass die­ses Bild in die rich­ti­ge Rich­tung wei­sen soll­te, anstatt in die Irre zu füh­ren, scheint mir nur eine logi­sche Fol­ge­rung, die sich dar­aus ergibt. Kein Mensch denkt bei „foo­doir“, das Pferd sozu­sa­gen beim Schwanz auf­zäu­mend, an eine „memoir“, in der es vor­ran­gig um Gau­men­freu­den geht, anders gesagt an mit Rezep­ten gepfef­fer­te Memoi­ren.

Der alte „foo­die“, um beim The­ma zu blei­ben, als Slang für den mehr oder tren­di­gen Genie­ßer ist nicht son­der­lich ori­gi­nell, aber ein­leuch­tend und damit gut. Auch das weit neue­re „food­print“, das in Anleh­nung an den „car­bon foot­print“ den Anteil an Erd­ober­flä­che bezeich­net, der nötig ist, um einen Men­schen ein Jahr lang mit Nah­rung zu ver­sor­gen, ist ner­vig tren­dig, aber nicht dumm.

Aber „foo­doir“?

Tut mir leid, aber selbst nach einer gut ein­jäh­ri­gen Bekannt­schaft mit der Prä­gung steht mir noch immer das „bou­doir“ im Weg, das die rei­men­de Lau­tung nun mal sug­ge­riert; dum­mer­wei­se hat sich das Wort bereits als lite­ra­ri­sche Gen­re­bezeich­nung eta­bliert. Ich habe noch nicht nach­ge­se­hen, wie man das ein­deut­schen wird, fata­ler­wei­se lässt man es ver­mut­lich wie­der mal ste­hen; ich plä­die­re mal wenigs­tens für „Gour­memoi­ren“. Ist wenigs­tens nicht weni­ger doof.

Ob man wohl künf­tig auch den Urva­ter aller “foo­doirs”, Sim­mels Kavi­ar, in die­sem Regal ste­hen sieht? Nun, ein wirk­lich kul­ti­vier­ter, aber iro­nie­be­gab­ter Gau­ner wie Tho­mas Lie­ven zöge sich des­halb sicher nicht gleich in den Schmoll­win­kel zurück (das näm­lich ist die wört­li­che Bedeu­tung von “bou­doir”); sein weit sen­si­ble­rer Schöp­fer dage­gen dreht sich dann ver­mut­lich im Grab.

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