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Ugs-Pro­jekt 11: ackern

Umgangs­deutsch für Über­set­zer. Ein wei­te­res soli­des Wort der gesamt­deut­schen Umgangs­spra­che ist das Verb »ackern«. Und ich mei­ne hier nicht die ers­te Defi­ni­ti­on »pflü­gen«, »mit dem Pflug bear­bei­ten« wie in dem Sprich­wort »Mit unglei­chen Pfer­den ist übel ackern.« Ich mei­ne die Bedeu­tung »arbei­ten«, mehr oder weni­ger hart: »Danach muß­te sie als Anti­fal­ten-Creme-Model ackern oder erfolg­lo­se TV-Movies pro­du­zie­ren.« Und in die­ser Bedeu­tung gehör­te es mei­ner Ansicht nach auch in Über­set­zun­gen. Ich habe es noch lei­der nie in einer gese­hen. Aus SlangGuy’s Wör­ter­buch der deut­schen Umgangs­spra­che für Über­set­zer

Nur der Gau­di hal­ber, weil’s gar so schön klingt, die ursprüng­li­che Bedeu­tung vom guten alten Ade­lung Ende des 18. Jahr­hun­derts:

Ackern, verb. reg. act. von Acker. 1) Über­haupt so viel als pflü­gen. 2) Beson­ders, bey der Som­mer­saat, zum let­zen Mah­le pflü­gen, wel­ches auch zur Saat pflü­gen, und saat­fur­chen, in der Mark Brand­er­burg aber, in Anse­hung der Gers­ten­saat, strei­chen, genannt wird. Das letz­te Pflü­gen bey der Win­ter­saat wird dage­gen an den meis­ten Orten ären genannt. 3) Bey den Kup­fer­ste­chern bedeu­tet es die zur schwar­zen Kunst bestimm­te Plat­te mit der Wie­ge auf­rei­ßen, um her­nach das Licht hin­ein zu scha­ben.1

ackern

(1) <Vb.> Schwer / ange­strengt / viel arbei­ten; sich abmü­hen; oft aber auch nur syn­onym zu arbei­ten.

Wen­dun­gen: »ackern wie ein Wil­der«; »ackern wie ein Tier / Pferd / Och­se / Büf­fel«; »ackern wie ein Wahn­sin­ni­ger / Irrer / Blö­der«; »sich etwas era­ckern«; »sich etw zusam­men­ackern«; »ackern gehen«. Zita­te: »Ich habe die letz­ten paar Tage geackert wie ein Tier.« »Ich sag dir, ich hab geackert wie ein Pferd.« »Danach muß­te sie als Anti­fal­ten-Creme-Model ackern oder erfolg­lo­se TV-Movies pro­du­zie­ren.« TV-Spiel­film, Aug ’96. »Bei denen muß­te man ganz schön ackern.« Ger­da Mai­bach, Poli­zis­ten und Gewalt. »weil ein Mann zwar (nach Son­nen­fels) nur für zehn Mann ackern, allein sicher­lich für mehr als zehn­tau­send den­ken kann« Jean Paul, Aus­wahl aus des Teu­fels Papie­ren.   »Gera­de mal 1,2 Pro­zent – die­sen gerin­gen Anteil era­cker­te sich der All­rad im ver­gan­ge­nen Jahr an der welt­wei­ten Sprin­ter-Pro­duk­ti­on.«

 

sinn­verw.: schuf­ten; rackern; sich abra­ckern; malo­chen. robo­ten; schrub­ben; malo­chen; rackern; buckeln.

ackern

(2) <Vb.> (im über­tra­ge­nen Sin­ne auch »sich geis­tig anstren­gen«, etwa in der Schu­le) flei­ßig / ange­strengt ler­nen.

Die­se umgangs­sprach­li­che Bedeu­tung von »ackern« ist bereits älter. Küp­per datiert sie auf das 19. Jh. Da er unter dem Ein­trag »ackern« ganz offen­sicht­lich Frisch­biers Preus­si­sche Sprich­wör­ter und volks­thümhli­che Redens­ar­ten zitiert, möch­te ich des­sen Ein­trag hier wört­lich anfüh­ren:

ackern, in Elbing âckern, sw., schwe­re Arbei­ten ver­rich­ten, nament­lich swach­be­an­lag­te Per­so­nen unter­rich­ten. Der Leh­rer ack­ter mit schwer­köp­fi­gen Schü­lern, er musz sich mit ihnen aback­ern, müde arb­wei­ten, ja bis zur völ­li­gen Erschöp­fung zer­a­ckern. – durch­ackern, eine Lek­ti­on, um sie klar- und fest­zu­stel­len. Bock, 1. Hen­nig, 8. Sprw. II, 26. Sche­mio­nek, 1.2

Wen­dun­gen: »mit jm ackern« schlecht­be­gab­te Per­so­nen unter­rich­ten; jn unter Mühen ein­ex­er­zie­ren. Zita­te: »Er muss­te ganz schön ackern, um die Prü­fung zu bestehen.« sinn­verw.: büf­feln; och­sen;

ackern

(3) <Vb.>(auf beim Sport, etwa auf dem Fuß­ball­platz) sich anstren­gen; »den Fuß­ball über das Spiel­feld trei­ben«3 (Küp­per, der die­se Bedeu­tung mit »1930 ff.« datiert, dürf­te das etwas zu eng gese­hen haben, obwohl die »Anstren­gun­gen« beim Fuß­ball natür­lich letzt­lich dar­auf hin­aus­lau­fen.) Wen­dun­gen: »sich einen Punkt era­ckern«; »den Sieg era­ckern«; »sich ein paar hal­be Chan­cen era­ckern«; »sich den Ball era­ckern« Zita­te: »Am bes­ten gefiel mir aber Quin­te­ro, der hat geackert wie ein Irrer und wur­de dann auch dafür belohnt mit dem Tor.« »Der bis­si­ge Fei­le era­cker­te sich vor­ne zwar den einen oder ande­ren Ball und kam zum Abschluss, ins­ge­samt waren wir aber zu harm­los und …« »Einen ver­dien­ten 1:3 Arbeits­sieg era­cker­te sich Öls­bachs Frei­stil­mann Sebas­ti­an Claus­nit­zer gegen den TVT´ler And­re Sin­ger.«

ackern

(4) <Vb.>(Gefäng­nis) Geschäf­te täti­gen.

ackern

(5) <Vb.>(Milieu) Als Pro­sti­tu­ier­te arbei­ten; als Pro­sti­tu­ier­te die Stra­ßen nach Kund­schaft absu­chen. Wen­dun­gen: »alt­deutsch ackern«; »im Puff ackern«. Zita­te: »Und ich kann im Puff ackern, wa?« »Die Hälf­te des Wör­ter­buchs für Ein­ge­weiht beschäf­tigt sich natür­lich mit jenen Tätig­kei­ten, an denen die Luden ihr Fett ver­die­nen, wenn die Hüh­ner ackern: mit dem Bum­sen.« Eura­spurg. sinn­verw.: anschaf­fen gehen; anschaf­fen; auf den Strich gehen; auf den Wackel gehen.

ackern

(6) <Vb.> -ā- Prüm-Burb schw.: Buch­eckern sam­meln. (Josef Mül­ler führt dies in sei­nem Rhei­ni­schen Wör­ter­buch von 1928 an.)  büf­feln; och­sen.

 

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  1. Johann Chris­toph Ade­lung, Gram­ma­tisch-kri­ti­sches Wör­ter­buch der Hoch­deut­schen Mund­art. Hil­des­heim: Georg Olms Ver­lag, 1970. []
  2. Frisch­bier, H., Preus­si­sches Wör­ter­buch. Ost- und West­preus­si­sche Pro­vin­zia­li­ls­men. Ber­lin: Ens­lin, 1882 []
  3. Küp­per, Wör­ter­buch der deut­schen Umgangs­spra­che. []

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