SlangGuy's Blog ...

Wenn Über­set­zen (mal wie­der) so gar kei­nen Spaß mehr macht.…

… dann liegt das bei mir weni­ger am Schwie­rig­keits­grad oder an der lau­si­gen Hono­rie­rung der Bran­che, son­dern dar­an, dass man Lösun­gen benut­zen soll, die ein­fach falsch sind. Und jeder Pro­fi weiß, dass sie falsch sind. Aber die ers­te Über­set­zung hat nun mal kein Pro­fi gemacht, son­dern irgend­ei­ner ver­bro­chen, der von Tuten & Bla­sen kei­ne Ahnung — und kein Wör­ter­buch — hat. Und was er damit anrich­tet! Frü­her war das viel­leicht noch nicht mal so wild, da ließ sich womög­lich gegen­steu­ern, aber heu­te mit all den elek­tro­ni­schen Medi­en, da sitzt das im Hand­um­dre­hen in der DNA.

Sehen Sie: DNA? Das ist so ein Fall. Jeder von uns hat in Bio gelernt, was  es mit der Des­oxy­ri­bo­nu­kle­in­säu­re auf sich hat. Und auch wenn man das im Ein­zel­nen alles wie­der ver­ges­sen hat, es blieb DNS. Was jetzt nicht unbe­dingt ein Pro­blem sein mag, hat unser­eins damit eh nur im Kri­mi zu tun.

Apro­pos Kri­mi: Man möch­te schier nicht glau­ben, wozu man sich in über­setz­ten Kri­mis so alles »ver­schwört«! Selbst zum Dieb­stahl! Dabei ist in unse­rem Stra­fe­ge­setz noch nicht mal dann von »Ver­schwö­rung« die Rede, wenn es denn tat­säch­lich eine wäre, also gegen den Staat. »Con­spi­ra­cy« als Tat­be­stand ist im Deut­schen die »Ver­ab­re­dung«, man »ver­ab­re­det« zu einer Straf­tat; und so ist »con­spi­ra­cy« eben auch zu über­set­zen. Trotz­dem, Kri­mi …

Aber neh­men wir nur mal »government«, ein Pro­blem, das fast so alt ist wie Dop­pel­he­lix und Straf­ta­ten selbst. Dass jemand sei­ne Pen­si­on (gleich noch so ein Pro­blem: gemeint ist in der Regel die Ren­te) »von der Regie­rung« bekommt, ist eben ein­fach Quatsch; er bekommt sie vom Staat.

Und weil ich es gera­de hier lie­gen habe: Da sehe ich auf dem Titel eines Buchs einer der ältes­ten und womög­lich meist behan­del­ten Über­set­zungs­feh­ler über­haupt. Da heißt es im Unter­ti­tel näm­lich »war­um Zivi­li­sa­tio­nen herr­schen oder beherrscht wer­den«.

Zivi­li­sa­ti­on,  die; -, ‑en [frz. civi­li­sa­ti­on, engl. civi­liz­a­ti­on]: 1. a) Gesamt­heit der durch den tech­ni­schen u. wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt geschaf­fe­nen u. ver­bes­ser­ten sozia­len u. mate­ri­el­len Lebens­be­din­gun­gen: die­ses Land hat eine hohe, nied­ri­ge Z.; Wir … hat­ten ihr Land urbar gemacht und ihnen die Z. gebracht (Welt 9.6. 62, 3); … einen, der aus­ge­zo­gen ist, die christ­li­che Z. zu ret­ten (Aug­stein, Spie­ge­lun­gen 20); … b) Zivi­li­sie­rung.1

Es han­delt sich hier nicht um Men­schen; wie soll­ten »Lebens­be­din­gun­gen« »herr­schen« (ja, ja, schon klar, Sie wis­sen genau, was ich mei­ne) oder »beherrscht wer­den«. Nur weil da im eng­li­schen »civi­liz­a­ti­on« steht…

Neu­lich mein­te jemand, er müss­te sich dar­über beschwe­ren, dass ich NRO schrei­be statt NGO. Das “mache” für die Betref­fen­de “über­haupt kei­nen Sinn”. (Wit­zi­ger­wei­se.) Und so blöd­sin­nig die­ser Vor­wurf sein mag, es ist nun mal über­wie­gend von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on die Rede; es zieht mir jedes­mal den Schmelz von den Zäh­nen, wenn ich die­ses abscheu­lich blö­de Wort benut­zen muss.

Und jetzt geht es gleich in einem gan­zen Buch über tiny, small, big, huge, gigan­tic government! Wie zum Teu­fel soll man das auf die Schnur krie­gen und dann auch noch Ronald Rea­gan zitie­ren …

Da möch­te man fast »rüde« wer­den, um noch so einen Quatsch anzu­füh­ren. Eben las ich in der Wiki­pe­dia: »Bischof Dou­glas Fea­ver galt als der ›rüdes­te Mann in der Church of Eng­land‹. »Rude« und »rüde« mögen mit­ein­an­der ver­wandt sein, unter­schei­den sich aber von der Bedeu­tung um eini­ges … Wenn man­che das nicht so emp­fin­den, dann a) weil sie kei­ne Ahnung haben, was der Eng­läd­ner unter »how rude!« ver­steht und b) weil jah­re­lang falsch Über­setz­tes in gewis­sen Kon­tex­ten im Deut­schen eben zu einer Bedeu­tungs­ver­schie­bung führt. Irgend­wann wer­den uns die deut­schen Wör­ter aus­ge­hen, die tat­säch­lich aus­sa­gen, was man aus­sa­gen möch­te.

Was natür­lich über den Dau­men den­ken­de SMS-Genera­tio­nen auch nicht mehr stört. Dem Über­set­zer frei­lich, des­sen täg­lich Brot die Spra­che und ihre – ja doch, Fein­hei­ten – sind, kann besag­te DNS da schon mal sau­er wer­den. Und dann fällt es einem dann auch schwer, »sweet« zu blei­ben, was – kru­zi­tür­ken­noch­mal! – in die­sem Kon­text eben ent­ge­gen aller Dep­pen­über­set­zun­gen nicht »süß« ist son­dern »lieb« …

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