SlangGuy's Blog ...

Jäger, Samm­ler, Hams­ter & Sim­pli­ci­us

Wie­so ich von der »fora­ging socie­ty« am hel­lich­ten Tag auf »hei­li­ge Ein­falt!« kom­me? Kann ich Ihnen ger­ne erklä­ren. Kei­ne Ahnung, wie es Über­set­zer­kol­le­gen so geht, aber ich mache mir den lie­ben lan­gen Tag lang Noti­zen zu Inhal­ten oder Wör­tern, die mir bei der Arbeit so unter­kom­men. Nicht nur brin­gen einen Inhal­te der Bücher, die man so ins Deut­sche zerrt, auf Gedan­ken, auch Wör­ter an sich las­sen einen stut­zen, regen zum Über­le­gen an. Da war doch was …

So die­ser Tage der eng­li­sche Begriff der »fora­ging socie­ty«, d.h. einer Gesell­schaft, die sich auf der Suche nach Nah­rung befin­det, was wir Deut­sche ger­ne als »Jäger und Samm­ler« bezeich­nen – und ich mei­ne jetzt nicht die Schnäpp­chen­jä­ger, die ger­ne mal was kau­fen, was irgend­wo vom Las­ter gefal­len ist, son­dern Stein­zeit. Da kennt das Eng­li­sche schon auch die »hun­ter-gathe­rers«, sicher, aber in dem Buch, das ich gra­de über­set­ze, war eben wie­der mal von einer »fora­ging socie­ty« die Rede. Wie­der mal. Aber dies­mal fiel mir aus irgend­ei­nem uner­find­li­chen Grund der Sim­pli­ci­us Sim­pli­cis­si­mus ein. Oder der Aben­theur­li­che Sim­pli­cis­si­mus Teutsch,  wel­ches der Titel ist, unter dem er sei­ner­zeit an den Tag geben ward.

Dort ist näm­lich von der »Four­ra­ge« die Rede, vom »Four­ra­ge rei­ten« oder »four­ra­gi­ern« und von denen, die so etwas mach­ten, von »Four­ra­gie­ren«. Und aus irgend­ei­nem Grund hat es dies­mal geschna­ckelt. Das ist ja doch wohl ein und das­sel­be Wort. Ich ver­wei­se auf Scho­pen­hau­ers Erkennt­nis von den Kon­so­n­ann­ten als Ske­let­ten der Wör­ter, anhand derer die­se sich in ver­schie­de­nen Spra­chen wie­der­erken­nen las­sen.

Und tat­säch­lich heißt es in mei­nem OED unter der ethy­mo­lo­gi­schen Bemer­kung zu »fora­ge« und Kon­sor­ten:

[OF. for­ra­gier, f. for­ra­ge fora­ge n.; also a. OF. four­ra­ge­our, agent‑n. f. four­ra­gier fora­ge v. With the bforms cf. mes­sen­ger, pas­sen­ger.] [a. F. four­ra­ge, f. OF. feur­re fodder:—Com. Rom. *fodro, of Teut. ori­gin: see fod­der and ‑age.] [F. four­ra­ger, f. four­ra­ge: see prec.]

Und der Duden weiß dazu:

Fura­ge, die; — [frz. four­ra­ge, zu afrz. fuer­re= Vieh­fut­ter, aus dem Germ.] (Milit. ver­al­tet): a) Ver­pfle­gung für die Trup­pe; b) Fut­ter für die Pfer­de.
fura­gie­ren: Fura­ge beschaf­fen (Mil. ver­al­tet)
fura­gie­ren  <sw..; hat> [frz. four­ra­ger] (Milit. ver­al­tet): Fura­ge beschaf­fen.1

Dass dass da nun tat­säch­lich auch noch »fod­der« und »Fut­ter« her­ge­hen, erstaunt mich, aber so rich­tig wit­zig find ich, dass die gan­ze PC-Biblio­thek, und ich habe bis­lang locker 2000 Mücken in sie inves­tiert, die »fora­ging socie­ty« nicht ken­nen mag. Bei »fora­ging« geht fol­gen­des her:

Hams­ter­fahrt die fora­ging trip; auf Hams­ter­fahrt gehen go fora­ging
fora­ging ant s ZO. Trei­ber­amei­se f
Hams­ter­fahrt f fora­ging trip    2

Und die Hams­ter­fahrt  kennt man noch aus Nach­kriegs­er­zäh­lun­gen der Eltern:

Hams­ter­fahrt,  die: Fahrt [aufs Land] zum Zwe­cke des Hams­terns: ‑en mit mei­nem Vater, an Som­mer- und Herbst­ta­gen vor der Wäh­rungs­re­form (Meckel, Such­bild 114).3

 

Wenn ich nun extra­po­lie­re und an all den Scheiß den­ke, den man mir ver­lags­sei­tig die letz­ten drei­ßig Jah­re so ins Manu­skript geschrie­ben hat, weil so ein Redak­teur nichts wei­ter hat­te als das Lan­gen­scheidt Schul­wör­ter­buch, dann könn­te ich Haus und Hof drauf wet­ten, dass ich bei Erschei­nen der Schwar­te, die ich gra­de in Arbeit habe, mit einer Hams­ter­ge­sell­schaft rech­nen kann…

Sim­pli­ci­us? Ein­falt? Alles Klar?

 

  1. © 2000 Duden­ver­lag []
  2. © Lan­gen­scheidt KG, Ber­lin und Mün­chen []
  3. © 2000 Duden­ver­lag []

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