Zitieren als Reigen oder die Bürde des Zitats für den Übersetzer
Immer wieder bei der Übersetzung eines Sachbuchs fällt einem auf, dass Autoren Stellen aus anderen Büchern zitieren, die selbst nur Zitate sind. Ich habe bisher noch nicht erlebt, dass auch nur einer auf das ursprüngliche Zitat zurückgegangen wäre. Er hätte dann vielleicht die eine oder andere Überraschung erlebt. Da fehlt dann durchaus mal ein Wort des Originalzitats. Wenn es durch viele Hände bzw. Bücher gegangen ist, dann fehlen auch mal mehr oder es kommt was dazu.
So es ist auch schon vorgekommen, dass die – womöglich in einem langen Reigen – tradierte Stelle, wenn schon nicht das Gegenteil dessen aussagt, was der Autor damit belegen wollte, so immerhin sein Argument nicht in dem Maße fördert, wie er sich das vorgestellt hat.
Aber lassen Sie mich hier nur ein kleines Beispiel aus meiner jüngsten Arbeit anführen, weil die Anekdote doch alles in allem auch für sich alleine ganz witzig ist.
Der Autor1, den ich grade in der Mache habe, möchte einen Beleg dafür anführen, wie gewalttätig das ritterliche Mittelalter doch war, bevor sich die höfische Kultur – er beruft sich da auf Norbert Elias – Schluss machte mit der Feudalanarchie und hinterfotzigere Methoden des Durchsetzens ersann – die man heute so als Mobbing bezeichnen würde.
Es sei seinerzeit im ritterlichen Europa zugegangen wie in den Steinzeitgesellschaften (mehr …)
- da es sich um ein Manuskript handelt, nicht um ein bereits gedrucktes Buch, asse ich den namen mal lieber weg [↩]