SlangGuy's Blog ...

Geht’s auch auf Deutsch?

Es geht hier um lau­si­ge Über­set­zun­gen, Sie haben’s mitt­ler­wei­le gemerkt. Und ich möch­te heu­te noch­mal ganz kurz auf die letz­te Epi­so­de mei­ner Kolum­ne zurück­kom­men, um zu ver­deut­li­chen, was genau ich dar­un­ter ver­ste­he bzw. was damit nicht gemeint ist.
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Bei der Recher­che für mei­ne aktu­el­le Auf­trags­ar­beit, die Über­set­zung einer Rap­per-Bio­gra­phie, stieß ich neu­lich auf das Œuvre eines deut­schen Rap­pers, das sich recht gut zur Ver­deut­li­chung des­sen anbie­tet, was ich letz­te Woche geschrie­ben habe. Sie erin­nern sich?

Ich habe nichts gegen das deutsch-eng­li­sche Misch­masch deut­scher Rap-Lyrics, ich habe nichts gegen ein »Fuck!« im Tat­ort oder dass man heu­te auch im Deut­schen »Eier hat« statt bie­de­re deut­sche »Trau­te«.

Apro­pos: So ziem­lich das ers­te Mal, dass mir in einer Ein­deut­schung aus dem Eng­li­schen »Eier« im Sin­ne von Mut unter­ge­kom­men sind, das dürf­te wohl in der deut­schen Fas­sung von Sam Peck­in­pahs The Oster­man Week­man gewe­sen sein; ich ent­sin­ne mich da eines Sat­zes wie »Wenn einer von euch Ker­len zwei rich­ti­ge Eier im Sack hät­te… «. Ich kann’s jetzt nicht wört­lich zitie­ren, da ich die deut­sche Fas­sung nicht griff­be­reit habe…

Wie auch immer, ich möch­te wirk­lich nicht in den Geruch des »Sprach­rei­ni­gers« kom­men; dafür habe ich nun wirk­lich zu gro­ße Freu­de am Ori­gi­nel­len, Abson­der­li­chen, Wit­zi­gen, was weiß ich. Nur bei lau­si­gen Über­set­zun­gen im Kon­text eines gewis­sen Anspruchs hört bei mir der Spaß auf. Wenn etwa in einem ansons­ten tadel­los geschrie­be­nen Zei­tungs­ar­ti­kel das über­setz­te Zitat eines Poli­ti­ker die­sen als Son­der­schü­ler daste­hen lässt…

Aber dazu kom­men wir schon noch; erst mal ein Bei­spiel für etwas, was mir durch­aus gefällt. Mir sind wie gesagt die Lyrics eines gewis­sen Hus­ten­saft Jüng­lings unter­ge­kom­men. In des­sen Song »Über­all« gibt es ein Fea­ture – das ist im Jar­gon ein Gast­auf­tritt eines ande­ren Rap­pers – von einem gewis­sen Money Boy. Und der beginnt sei­nen Part folgendermaßen:

Ey, sip­pe Lean bei dem Liter, ey
Ficke im Bett ’ne Lati­na, ey
Sie hat eine fet­te Vagi­na, die Pus­sy ist wet wie ein Glas Valensina
Ey, hab’ ’nen Chauf­feur und ’nen Diener
Die Gun in der Mit­tel­kon­so­le vom Beamer
Ey, gebe der Thot mei­nen Wiener

Und so wei­ter. Ist ver­mut­lich nicht jeder­manns Sache, aber ich find’s zum Schmun­zeln. Und ich zitie­re das hier, um noch­mal zu beto­nen, dass ich nichts gegen eng­li­sche Bro­cken habe und in die­sem Fall noch nicht mal was gegen die Lehn­über­set­zung »sip­pe Lean bei dem Liter«, was ich mal als wört­li­che Über­nah­me von »by the litre/liter« deu­te, was man nor­ma­ler­wei­se natür­lich mit »liter­wei­se« ein­deut­schen wür­de. Und da die­je­ni­gen unter Ihnen, die das Zitat stört, sicher nicht tie­fer in die Mate­rie ein­drin­gen wol­len, nur soviel: »lean« ist eine Mischung aus ver­schrei­bungs­pflich­ti­gem – weil code­in- und pro­me­tha­zin­hal­ti­gen – Hus­ten­saft und Limo­na­de wie etwa Spri­te. Find ich okay, nicht dass Meat Boy auf die Mei­nung eines alten Kackers viel Wert legen wird.

Noch­mal: Das ist für mich völ­lig in Ord­nung, da ist alles im Lot, dar­um soll es hier wirk­lich nicht gehen. Ein oder meh­re­re Bei­spie­le dafür, was für mich nicht in Ord­nung ist, gibt’s das nächs­te Mal.

 

 

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