Deutscher Slang à la 1892 (24)

Im Mosaik meiner Bemühungen, ein Bild dessen zu vermitteln, was wir – heute und historisch – als »Slang« bezeichnen, möchte ich hier eine der ersten Sammlungen vorstellen, die – nach englischem Vorbild – unter diesem Begriff für die deutsche Sprache zusammengetragen wurden. Die Einleitung dieser Sammlung ist ebenso interessant wie aufschlussreich. Sie ist außerdem einer der ersten Belege für die Anerkenntnis einer gesamtdeutschen Umgangssprache, an die wir im Augenblick, dank des Internets, in rasendem Tempo letzte Hand anzulegen scheinen. Ich persönlich nehme das Folgende als erstes Kapitel meiner Mission, mehr Umgangssprache aus allen deutschen Gegenden bei der Übersetzung aus Fremdsprachen zu verwenden.

Das Vorwort zu Arnold Genthes, Deutsches Slang habe ich bereits hier vorgestellt. Ich möchte im Laufe der nächsten Zeit die Sammlung selbst vorstellen. Interessant dabei ist, dass Genthe 1892 kaum ein Wort bzw. eine Wendung bringt, die wir nicht auch heute noch als solides Umgangsdeutsch bezeichnen würden. Um der Sammlung etwas mehr Gewicht zu geben, werde ich den einen oder anderen Eintrag durch einen Blick in andere Wörterbücher oder ins Internet ausführen bzw. kommentieren. Das kann durchaus dauern, schließlich muß ich das in Fraktur gehaltene Bändchen mühsam abtippen, lässt sich allerdings beschleunigen, wenn die Leser hier Interesse an den einschlägigen Seiten haben…

Quese, f., Blase auf der Haut (z. B. infolge von Rudern).

quieksen, v. int., kreischen.

quietschen, v. int., 1. kreischen; 2. zur Bezeichnung des Geräusches, welches nicht geöltes Metall, wenn es mit harten Gegenständen in Berührung kommt, von sich gibt (Thürangel, Pferdebahnschienen etc.).

quosen, v. int., 1. gemütlich, behaglich essen; 2. verworrenes Zeug reden.
quurksen v. int., zur Bezeichnung des Tones, den das Gehen in ganz durchnäßtem Schuhwerk hervorbringt.



rabasteln, v. int., geräuschvoll hantieren, lärmend herumwirtschaften; rumrabasteln v. int., dasselbe.


Racker, m., Pfiffikus, Schelm, (gutmütiges Schimpfwort); Rackerzeug, m., Gesindel, oft in gemütlichem Sinne.

Radau, m., Lärm, Unfug, z. B.: macht doch nicht solchen Radau!

rammdößig, a., bezeichnet das dumpfe Gefühl im Kopfe, das man infolge starken Lärms, übergroßer Arbeit hat.

rammeln, v. int., rütteln, z. B.: an einer verschlossenen Thüre rammeln.

Ramsch, m., ungeordneter Haufe, Ausschußwaare. alte, zurückgesetzte Waare, Restbestand; Red.: im Ramsch kaufen = im Ganzen, in Bausch und Bogen, ohne Auswahl des Besseren kaufen.

ran, adv., heran; z. B.: immer ran! etc.

Rand, m., 1. Red.: außer Rand und Band sein = sehr ausgelassen sein; 2. das versteht sich am Rande = das ist selbstverständlich; 3. (derb) Rand = Mund, den Rand halten.

Randalrausekeln 47

Randel, m., Lärm, Skandal; randalieren, v. int., Lärm machen.

ranschlängeln, v. refl., sich vorsichtig nähern.

Rappel, m., Red.: einen Rappel haben = nicht recht bei Sinnen sein, nicht bei gesundem Verstand sein; rappelig a., verrückt, nicht ganz bei Sinnen;

rappeln, v. int., Red.: bei den, rappelt’s wohl? rappelköpfig, a. = rappelig

Raptus, m., Red.: einen Raptus haben = nicht ganz bei Sinnen sein; einen Raptus bekommen = einen unsinnigen Gedanken haben, närrischen Entschluß fassen, z. B.: er bekam mit einem Mal den Raptus, ohne weiteres abzureisen.

rasaunen, v. int., schnell, lärmend, polternd rennen; die Treppe, die Straße runterrasaunen (s. rumrasaunen, v. int.).

Ratz, m., Red.: schlafen wie ein Ratz = sehr fest schlafen. In Zusammensetzungen: Spiel-, Leseratz etc. , Mensch, der auf’s Spiel, auf’s Lesen etc. ganz versessen ist; ratzekahl, adv., ganz und gar, mit Stumpf und Stiel z. B.: er hat sich die Haare ratzekahl abscheeren lassen.

rauf, praep., hinauf, herauf.

raufkraxeln, v. int., hinaussteigen, hinaufklettern (s. kraxeln).

Rauhbein, n., grober, streitsüchtiger Mensch.

Raupen, pl., Red.: den Kopf voll Raupen haben etc. = immer dumme Sachen im Kopf haben.

raus, adv., heraus, hinaus; Red.: etw. raus haben = etw. gut können, verstehen.

rausbeißen, v. tr. , (z. B. den Juristen, den noblen Mann etc.) einseitiges unberechtigtes Hervorheben einer besonderen Eigenschaft ec.; als etw. erscheinen wollen, was man nicht ist.

rausekeln, v. tr. , jem. durch fortgesetzte Reckereien, Verhöhnungen etc. vertreiben.

48 rausgraulen – reinfallen.

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