»Kannste mir das mal pimpen?« (3)

Enter the pimp. Der Manager und Beschützer tritt auf den Plan, und aus welchen psycho­logischen Gründen auch immer, er neigt zum bequemen Leben, zur Angabe, zum teuren Wagen, zu extravaganter Kleidung und protzigem Schmuck. Im Verein mit der Neigung so mancher Frau, sich für einen Begleiter mit Macht, Ansehen, Geld zu entscheiden, tat der pimp sich oft gar nicht so schwer, zu dem phantastischen Anblick zu werden, der sich jungen schwarzen Männer im Ghetto inmitten ganz gemeiner Armut Tag für Tag bot: Ein Mann von Welt in einem gewaltigen Wagen, inmitten einer Schar feiner Damen, die ganze Gesellschaft in edlem Zwirn. Die hässliche Seite der Prostitution spielt bei diesem Bild ebenso wenig eine Rolle, wie seiner­zeit bei den berühmten Gänseküken die Tatsache, dass es sich bei dem beweglichen Objekt, das sie beim Ausschlüpfen erblickten, eben nicht um die Mami handelte sondern um einen bärtigen Mann. Anders gesagt: so etwas prägt beim ersten Anblick. Ein übriges tut dann, um bei der Verhaltensforschung zu bleiben, die Konditionierung: Natürlich gibt es im Ghetto biedere Leute, die lieber einer anständigen Arbeit nachgehen, aber was bietet sich in einem Armenviertel schon an Möglichkeiten, schon gar an solchen, bei denen eine derartige Belohnung zu winken scheint? Ganz zu schweigen von der Strafe eines Lebens als armer Hund! Und während in den weißen Gegenden die wirklich und damit auffallenden Reichen (vergessen Sie nicht, wir sprechen von Äußerlichkeiten) ganz woanders zu Hause sind, geht es im Ghetto enger zu und der Kontrast ist entsprechend extrem.
Der schwarze pimp ist so dem Ghetto Inbild von Erfolg und smarter Lebensart geworden. Alle, denen jetzt andere Vorbilder durch den Kopf gehen mögen, sind vermutlich ganz einfach zu jung. Es gab nichts Schöneres zu sehen, es gab keine Bravo, kein Popcorn, kein Mtv, der Siegeszug des Fernsehers im Ghetto beginnt erst in den 1960er Jahren. Und dann waren die vom TV geschaffenen Helden noch lange, lange nicht schwarz. Kein schwarzer Junge konnte auch nur davon träumen, Ben Cartwrigt zu sein. Hier auch noch auf Helden einzugehen, die weder äußerlich noch innerlich so blütenweiß waren wie der Chef der Ponderosa Ben Cartwright, überstiege den gesteckten Rahmen bei weitem, aber der ungeheure Erfolg des Blaxploitation-Kinos in den 1970ern kommt nicht von ungefähr. Und so waren denn die 70er Jahre auch das erste goldene Zeitalter des pimp – doch, doch, nur dass das Konzept des pimp damals nur dem schwarzen Ghetto wirklich etwas sagte und eben noch nicht wie mit Aufkommen des Gangsta-Rap Ende der 80er Jahre in die Vorstadt überschwappte, wo es sich mit der Sturm-und-Drang-Phase weißer Halbwüchsiger verband.

(Fortsetzung hier)

 

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