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Wort­spie­le – mit Vor­satz und kal­ten Blu­tes

emb.17Da vie­le Wort­neu­schöp­fun­gen, auch lau­si­ge wie „fou­doir“, unter die Kate­go­rie des „Wort­spiels“ fal­len, inter­es­siert mich natür­lich alles zum The­ma. So stieß ich neu­lich im Jah­res­band 1877 von Belford’s Mon­th­ly Maga­zi­ne: A Maga­zi­ne of Lite­ra­tu­re and Art auf eine klei­ne, offen­bar aus der Not gebo­re­ne Betrach­tung dazu. Ein gewis­ser Robin Good­fel­low hat sie in der Rubrik „Olla Podri­da“ des Hefts vom Dezem­ber 1876 gemacht, und ich deut­sche sie hier rasch mal ein:

Neu­lich, auf einer klei­nen Abend­ge­sell­schaft, bei der ein gerüt­telt Maß an atti­schem Salz gereicht wur­de, ent­schlüpf­te mei­nem Mun­de ein zah­mes, wenn auch bei­lei­be nicht ganz und gar lin­ki­sches Wort­spiel. Die schlich­te­ren Gemü­ter unter den Anwe­sen­den (ich selbst nicht aus­ge­nom­men) bra­chen dar­über in ein herz­haf­tes Lachen aus, sahen ihrer über­mü­ti­gen Aus­ge­las­sen­heit jedoch umge­hends einen Dämp­fer auf­ge­setzt ob des gering­schät­zi­gen Chors eini­ger alt­ge­dien­ter und gewohn­heits­mä­ßi­ger Wort­akro­ba­ten: Oh! Oh! Wie kommt es, dass Leu­te, die zum Wort­witz nei­gen, über die Wort­spie­le ande­rer immer die Nase rümp­fen? Wie kommt es fer­ner, dass die­se Leu­te stets einen so eher­nen Glau­ben an ihre eige­nen Para­gram­me an den Tag legen und veri­ta­ble Bon­mots dar­in sehen? Ist es denn wirk­lich ein Faux­pas, sich ein harm­lo­ses klei­nes Wort­spiel nicht zu ver­knei­fen? Und war­um set­zen wir eine so betre­te­ne Mie­ne auf, wenn man uns einer so läss­li­chen Sün­de zeiht? Der­ge­stalt waren die Fra­gen, die mir durch den Kopf schwirr­ten, als ich mich bei eben geschil­der­tem Anlass jedes wei­te­re Auf­se­hen ver­mei­dend in mich zurück­zog. Ich habe bemerkt, dass net­te Leu­te über ein gutes Wort­spiel lachen, weil es gut ist, und über ein schlech­tes eben weil es nichts taugt; und wenn ein Wort­spiel den Tie­fen eines ver­spiel­ten Gemüts ent­springt, dann ist es doch der Gip­fel von Affek­tiert­heit, so zu tun – wie das gera­de die Mode ist –, als ver­sto­ße jemand damit gegen den fei­nen Ton. Ich beei­le mich jedoch, zwi­schen dem spon­ta­nen und dem Wort­spiel des gewohn­heits­mä­ßi­gen Wort­akro­ba­ten zu unter­schei­den. Ers­te­res ist ein spie­le­ri­scher, aus der Gele­gen­heit gebo­re­ner Ein­fall; letz­te­res ist eine kalt­blü­ti­ge Wit­ze­lei, eine vor­sätz­li­che, in der Absicht, wit­zig zu sein, began­ge­ne Wort­spie­le­rei. Sir Geor­ge Lewis’ Ansicht nach wäre das Leben durch­aus erträg­lich, wäre da nicht das Amü­se­ment; ent­spre­chend möch­te man über das Wort­spiel sagen – ohne Wort­akro­ba­ten wäre es durch­aus zu ertra­gen. Addi­son nennt das Spiel mit Wor­ten eine Art fal­schen Esprit, wie sei­ne Pra­xis über die Jahr­hun­der­te nahe­zu­le­gen scheint, und fügt dem hin­zu: »Die Saat zum Spiel mit Wor­ten ist in unser aller Ver­stan­de aus­ge­bracht, und so sehr Ver­nunft, Über­le­gung und gesun­der Men­schen­ver­stand sie auch zu unter­drü­cken suchen, sie sprießt selbst beim größ­ten Genie, ist des­sen Schol­le nicht nach den Regeln der Kunst umge­bro­chen und kul­ti­viert.« Es scheint dies dem Gedan­ken das Wort zu reden, dass das Wort­spiel an sich etwas Ver­werf­li­ches sei, doch Addi­sons Äuße­rung bezieht sich ledig­lich auf das Wort­spiel im Rah­men lite­ra­ri­schen Schaf­fens; sei­ne kri­ti­schen Anmer­kun­gen bestä­ti­gen eher mei­ne eige­ne Ansicht, eher die­je­ni­gen, wel­che die Wort­spie­le­rei kal­ten Blu­tes bege­hen, miss­bil­li­gen soll­te als die, bei denen sie schil­le­ren­de Äuße­run­gen eines glück­li­chen Augen­blicks ist. Ein zu Papier gebrach­tes Wort­spiel ist eine Art Bas­tard des Epi­gramms, da ein Wort­spiel, wie der Name besagt, eben ein Spiel mit Wor­ten, und ich mei­ne mit deren Klang und deren Bedeu­tung, dar­stellt. Um ein Wort­spiel zu lesen, müss­te man sich vor­stel­len, wie es klingt, ein Pro­zess, der an das Malen eines Echos gemahnt.

Robin Good­fel­low, “Pun­ning” Decem­ber 1876,
Belford’s Mon­th­ly Maga­zi­ne: A Maga­zi­ne of Lite­ra­tu­re and Art, Vol. I, Toron­to, 1877
(Über­set­zung © Bern­hard Schmid)

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