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Ein Ame­ri­ka­ner in Brüs­sel prä­sen­tiert: die eier­le­gen­de Woll­milch­sau (3)

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Wir haben in den ers­ten bei­den Tei­len – hier & hier – der Mini­se­rie über Jere­my Rif­kins jüngs­ten Best­sel­ler Die Drit­te Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on erfah­ren, wie­so der Autor so voll­mun­dig von einer Drit­ten und Letz­ten Indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on spricht und wie Rif­kin und sein Team sich die­se Drit­ten Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on vor­stel­len. Zum Abschluss möch­te ich noch eini­ge Kon­se­quen­zen und Per­spek­ti­ven darstellen.

Wir haben gese­hen, was nach Ansicht des Erfolgs­au­tors und »Welt­be­ra­ters« Jere­my Rif­kin getan wer­den muss, um sowohl der Kli­ma­ka­ta­stro­phe als – fürs ers­te – auch dem end­gül­ti­gen Kol­laps der Welt­wirt­schaft zu ent­ge­hen. Aber wo genau soll das denn sei­ner Ansicht nach alles hin­füh­ren? Nun, eben in eine voll­kom­men neue Ära, deren Weg­be­rei­ter die Drit­te Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on sein soll. Aber was wird uns denn im Ein­zel­nen auf dem Weg in die­se neue Zeit passieren?

Nun, zum einen wer­den etwa alte Macht­struk­tu­ren in der Wirt­schaft an Bedeu­tung ver­lie­ren. Wenn »Hun­der­te von Mil­lio­nen Men­schen ihre eige­ne grü­ne Ener­gie pro­du­zie­ren und sie in einem ›Ener­gie­in­ter­net‹ mit ande­ren tei­len«, dann führt das zur Demo­kra­ti­sie­rung der Ener­gie und die­se wie­der­um zu einer fun­da­men­ta­len Neu­ord­nung zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen: Die­se »wird sich auf unse­re Art, Geschäf­te zu machen, eben­so aus­wir­ken wie auf die Erzie­hung unse­rer Kin­der, unser Leben als Staats­bür­ger und unse­re Art zu regie­ren«. Rif­kin spricht hier von »late­ra­ler Macht«, in der Glei­che das Sagen haben, im Gegen­satz zur alten hier­ar­chi­schen Macht, die von oben nach unten regiert.

Und so wie in der Wirt­schaft wird auch die Macht in der Poli­tik in die Brei­te gehen. Mit der EU als Bei­spiel sieht Rif­kin statt auto­no­mer Natio­nal­staa­ten eine Welt von Kon­tin­tal­bünd­nis­sen. Die EU ist allen vor­an, aber die Ansät­ze dazu sind auch in Asi­en, Afri­ka und Süd­ame­ri­ka längst gemacht.

Dazu wird es laut Rif­kin so oder so kom­men, wich­tig ist nur unter wel­chen Vor­zei­chen. Das Zeit­al­ter der Zusam­men­ar­beit set­ze ein grund­le­gen­des Umden­ken vor­aus, des­sen Fun­da­ment die Abkehr von der klas­si­schen und neo­klas­si­schen Wirt­schafts­leh­re ist. Sie, so Rif­kin, sei nicht nur von grund­le­gend fal­schen Annah­men aus­ge­gan­gen, was die Wirt­schaft angeht, sie habe auch ein völ­lig fal­sches Men­schen­bild propagiert.

Die Wirt­schafts­leh­re habe uns 200 Jah­re ein­ge­trich­tert, wir sei­en von Natur aus alle gie­ri­ge klei­ne Ego­is­ten, die sich um des Fort­kom­mens und des eige­nen Pro­fits wil­len gegen­sei­tig im Kon­kur­renz­kampf zer­flei­schen — und das siche­re Fort­be­stehen und Wach­sen der frei­en Markt­wirt­schaft. Rif­kin räumt im Ein­klang mit neue­ren Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft mit die­ser Vor­stel­lung auf, einen Gedan­ken, den er in sei­nem Buch Die Empa­thi­sche Zivi­li­sa­ti­on gründ­lich aus­ge­brei­tet hat. Grund­sätz­lich wird in der neu­en Ära »sozia­les Kapi­tal« das Finanz­ka­pi­tal an Bedeu­tung in den Hin­ter­grund drängen.

Da wird sich, so der Autor, eini­ges zwangs­läu­fig erge­ben, der Rest müs­se uns sys­te­ma­tisch aner­zo­gen wer­den. So wer­de sich etwa sich nicht ganz von selbst heraus­ent­wi­ckeln, was Rif­kin das »Bio­sphä­ren­be­wusst­sein« nennt und letzt­lich Dreh- und Angel­punkt der neu­en Ära sein wird. Wir müs­sen ler­nen, »unse­re Spe­zi­es in all ihrer Diver­si­tät als eine ein­zi­ge Fami­lie zu sehen und all die ande­ren Spe­zi­es auf der Erde als evo­lu­tio­nä­re Groß­fa­mi­lie, mit der wir inter­de­pen­dent in einer gemein­sa­men Bio­sphä­re leben«. Hier ist die gute alte Schu­le gefor­dert, die dazu selbst wie­der die Schul­bank wird drü­cken müs­sen. Das Klas­sen­zim­mer, das Empa­thie und Bio­sphä­ren­be­wusst­sein ver­mit­teln soll, muss – wie Macht und Ener­gie – dezen­tra­li­siert und kol­la­bo­ra­tiv werden.

Aber die Details soll­te man, falls sie einen inter­es­sie­ren, bes­ser selbst lesen. Las­sen Sie mich zum Abschluss noch sagen, dass Rifi­kin sei­ne Drit­te Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on weder als Patent­me­di­zin prä­sen­tiert, die schlag­ar­tig die Krank­hei­ten unse­rer Gesell­schaft hei­len kön­ne, noch als Uto­pie, die uns ins Gelob­te Land füh­ren wird. Für Sie ist sie jedoch ein »schlich­ter, prag­ma­ti­scher öko­no­mi­scher Plan, der uns gera­de noch recht­zei­tig in eine nach­hal­ti­ge, koh­len­stoff­freie Ära füh­ren kann, um uns und die, die noch nicht so weit sind, zu ret­ten. Falls es einen Plan B geben soll­te, ich habe ihn noch nicht gehört«.

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