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Autoren, Über­set­zer & Leu­te, die nichts inter­es­siert

emb.23Es ist eine alte Weis­heit: Die Beschäf­ti­gung mit einer Über­set­zung hilft dem Autor nicht sel­ten dabei, sei­ne eige­nen Gedan­ken zu klä­ren. Aber sel­ten habe ich das so deut­lich aus­ge­spro­chen gese­hen wie bei André Gide. Der näm­lich schrieb 1930 im Vor­wort zur deut­schen Aus­ga­be sei­ner Nour­ri­tures fol­gen­des:

„Als sich mir die Gele­gen­heit bot, die Arbeit des Über­set­zers in allen Ein­zel­hei­ten durch­zu­se­hen, um dem deut­schen Publi­kum eine voll­kom­men zufrie­den­stel­len­de Über­tra­gung eines Wer­kes zu bie­ten, auf das ich einen beson­de­ren Wert lege, wur­de es mir bald klar, daß, sooft mir Stel­len in der Über­set­zung unge­nü­gend erschie­nen, dies an einer gewis­sen Unklar­heit und Zwei­deu­tig­keit des fran­zö­si­schen Tex­tes lag. Das führ­te mich dazu, die betref­fen­den Stel­len voll­stän­dig umzu­schrei­ben, um mei­nen Gedan­ken eine schär­fe­re und kla­re­re Prä­gung zu geben, als mir dies sei­ner­zeit gelun­gen war. So befrie­digt mich jetzt oft die deut­sche Über­set­zung mehr als der ursprüng­li­che Text, und wenn ande­re es unter­neh­men soll­ten, die ›Nour­ri­tures‹ in frem­de Spra­chen zu über­set­zen, so möch­te ich sie ersu­chen, bei ihrer Über­tra­gung auf den deut­schen Text zurück­zu­grei­fen.“

André Gide, Uns Nährt die Erde (dtv)

Die­se Pas­sa­ge bestärk­te mich Anfang der 1970er-Jah­re wie sonst nichts auf der Welt in mei­ner Absicht, Über­set­zer wer­den zu wol­len. Auf die­se, tja, Schnaps­idee (muss ich mitt­ler­wei­le wohl sagen) war ich Mit­te der Sech­zi­ger-Jah­re gekom­men, als sich Edgar All­an Poe neben Karl May zu schlei­chen begann. War­um das eine Schnaps­idee war? Nun, das letz­te Wort haben in die­ser Bran­che lei­der Leu­te, die nicht nur nicht über­set­zen, son­dern vom Über­set­zen über­haupt herz­lich wenig Ahnung haben. Oder von Lite­ra­tur. Oder über­haupt einem anstän­di­gen deut­schen Satz. Bei all den lau­si­gen Lösun­gen, mit denen ich inzwi­schen leben muss (es steht ja all­zu oft noch mein Name drauf), ich glau­be nicht, dass André Gide so etwas über­haupt hät­te dru­cken las­sen. Viel­leicht unter Pseud­onym, was manch­mal mei­ne Ret­tung war – wenn man sich um mei­ne Bit­te um ein sol­ches über­haupt geschert hat…

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