Linguistische Aspekte des Slang (2)

E.B. Tylor – Linguistische Aspekte des Slang (2)

Macmillan’s Magazine, Vol. XXIX (1873-74) pp. 502-513

Übersetzung: © Bernhard Schmid

Wie andere Sprachzweige auch erweitert der Slang seinen Wortschatz durch Bildung neuer heimischer Wörter ebenso wie durch Übernahme anderer aus dem Ausland. Wenn wir zunächst die Neuschöpfungen betrachten, werden uns gute Beispiele eines Prinzips begegnen, auf das die englischen Philologen hinzuweisen sich wirklich lohnt: nämlich dass das Englische eine im ungehinderten Wachstum begriffene Sprache ist, die sich durch praktisch sämtliche aus anderen – neuen wie alten – Sprachen der Welt bekannten Wortbildungsprozesse zu erweitern vermag. So stoßen wir, allein durch einen Blick auf Beispiele aus dem Slang, auf das Wirken eines ganz elementaren Sprachprozesses sowohl in der modernen wie in prähistorischer Zeit, nämlich die Herannahme der unmittelbaren Nachahmung von Lauten und Geräuschen bei der Bildung grammatischer Wörter (namentlich von Substantiven, Adjektiven, Adverbien, ja sogar ganzer Verbwurzeln). Beispiele dafür sind chink für Geld, hubble-bubble für eine Huka, hum and haw für unschlüssig sein, te-he für kichern (»upon this I te-he’d«, schreibt Madame d’Arblay), und tantwivy, die Nachahmung eines Jagdhorns, in der Bedeutung »mit hoher Geschwindigkeit«. (»Away they went tantwivy«). Es finden sich auch gute moderne Beispiele dieser primitiven Sprache im französischen Argot. Eine Gliederpuppe nennt dieser ein bouisbouis in Nachahmung des wohlvertrauten Quietschens unseres Kasperles. Ein Omnibus ist ein aie-aie nach den Schreien, mit denen man ihn ruft, wie der alte französische Ausdruck hay-hay, die Geldbuße, die man jenen auferlegt, die die öffentliche Ordnung durch nächtliches Geschrei stören. Wie lange es her ist, dass die ganz natürliche Interjektion fi! fi! zum Adjektiv geworden ist, mag man an dem Namen »maistre fifi« ersehen, mit dem eine amtliche Verordnung aus dem Jahre 1350 Secretfeger bezeichnete. »De l’estat des vui-dangeurs appellez maistres fifi.« Ebenfalls im Slang vertreten ist das nächste Stadium in der Entstehung von Sprache, wenn er der Alltagssprache Wörter, die eine direkte Nachahmung von Lauten und Geräuschen darstellen, entnimmt und sie neuem Gebrauch zuführt; so kommt es zu dem Verbum fie-fie, i.e. schelten, puff in der Bedeutung Reklame, Begriffen wie bang-up, bang-full oder solchen wie dem Substantiv ticker (tocquante im Französischen) für eine Uhr.

(Fortsetzung von)(Fortsetzung hier)

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