Schnoddriges: Schnodder und snot

Foto: mfg GP

Eines der Mädels hier im Forum hat mich auf etwas gebracht, was einen genaueren Blick wert ist, dass Schnodder eine prima Übersetzungsmöglicheit für das englische snot sein könnte. Die Gute hat das Wort nicht gekannt, und ich selber muss gestehen, ich habe es noch nie benutzt, weder privat, noch in einer Übersetzung. Ich nehme mal an, das liegt daran, dass Schnodder eher in Mittel- und Norddeutschland in Gebrauch ist.

Es hat nie großen Sinn, sich Gedanken über ein Wort zu machen, ohne sich erst einmal gründlich umzusehen. Also habe ich in meinen üblichen Anlaufstellen nachgeschlagen.

Küpper, der große Mann der deutschen Umgangssprache, hat dazu folgendes:

1. flüssiger Nasenschleim. Geht zurück auf mhd »snuder« und weiter auf das germ Wurzelwort von »Schnupfen«. Seit dem 15. Jh.

2. Schimpfwort. Eigentlich auf einen, der sich nicht die Nase putzt; von daher auch allgemein auf einen Unreinlichen. 1900 ff.

Küpper lässt sich nicht darüber aus, wo das Wort in Gebrauch ist.
Müller, Dittmaier & Schützeichels ganz unglaubliches Rheinisches Wörterbuch bietet folgendes:

Schnuddel; Schnodder -o- = Nasenschleim s. Schnudder.

und unter Schnudder:

Schnudder; n. einschl. Ruhr, SNfrk, Klevld Schnuəter, Schnotter, Schnott] Sg. t. f., m. (s. o.):

1.  verächtl.
a.  zähflüssiger Nasenschleim, wenn er beim Atmen durch die Nase prasselt oder gar aus der N. bis zum Munde hervortritt u. sichtbar wird Allg. (Katarrh beim Huhn Koch); ech han der en ganze Bar (Topf) Schn. on der Nos Koch-Laub, Allg.; de Schn. hangt em zu der N. raus Saarl, Allg.; wat hot den en Schn. enner (unter) der N. hinken! Bitb, Allg.; dau has en lang Schn. Trier, Allg. RA.: Den höt en Schn. wei en Klackesäl (Glockenseil) Saarbg-Winchering, Allg. Stolz wie en Schn. Trier-Euren. Schn. a (und) Blatz alles Bitb-NWeis. Topert, schneiz (schneuze) deich, botz deng Kändel (Rinne, Nase), do has de kän Hudel (Plage) mat der Schn.! Bitb. Eich wöllt de Welt ging iwer er lauter Schn.! Ausr. des Missmutes Trier-Mehring. –
b.  Rotznase; botz dein Schn.! Mosfrk. –

2.  übertr.
a.  sachl.
α.  verächtl. grin Schn. grüner Belag auf einem stehenden Gewässer Prüm. –
β.  die weisse Masse in der unreifen Haselnuss, aus der sich der Kern entwickelt (auch verächtl.) Koch-Leienkaul Lutzerath. –
γ.  Harzfluss an Steinobstbäumen, Kirscheschn. Siegld-Marienborn . –
δ.  Froschlaich Bitb-Dudeld. –
ε.  -odəl, Pl. -ələ verächtl. Lumpen, Fetzen Jül (s. Schnubbel). –
ζ.  Mistel, viscum album Saarl-Düren, Merz-Hargarten Losh (auch Gässen- »Geissen-«), Bitb-Ehlenz, Prüm-Lützkampen. –
η.  scherzh., verächtl. Mundharmonika Saarbr-Dudw. –
θ.  -ød- f. verächtl. scherzh. Tabakspfeife Bo-Stdt. –
ι.  -y·l. f. verächtl. Mund Dür-Bergst. –

b.  persönl.

α.  verächtl. unordentliches, liederliches Weib Saarbr, Wend-Mauschb , Birkf-Oberst (1 fehlt); -ydəlšən unsaubere Person (Kind u. Frau) Mörs-Neuk (abseits).
β.  verächtl. junger, unreifer, grünschnabeliger Bursche, auch Schnüddelche MülhRh, Köln, Dür-Winden, MGladb-Rheind (1 fehlt). –
γ.  -ūdəlχən Kosew. für kleines Kind Bernk-Stdt; -urəl- Wend-Remmesw.

Claus Sprick in seinem kleinen, aber ungemein feinen  Hömma! hat das Wort als

Schnotten, Schnötten
1. Nasenschleim; Rotz; 2. Hautunreinheiten im Gesicht.

Die Variante gefällt mir persönlich besonders gut, vielleicht weil es mich von der Konstruktion her an unsere bayerischen Rotzglocken erinnert.

Der Grimm gibt uns weitere Varianten:

SCHNODDER [Lfg. 15,8],  m. gleichbedeutend mit schnoder, schnuder, rotz:

so trück die nasz, ein mal, zwey, drey,
bisz dir die hand vol schnodder sey.                 Grobian. 908 neudruck.

so nd. DANNEIL 200a. DÄHNERT 439a, vgl. auch FRISCHBIER 2, 307a; md. und oberd. schnoder, schnuder, schnotter, schnutter. neben snodder ist im nd. snodde und snotte, snot, snut gebräuchlich brem. wb. 4, 899. DÄHNERT 439a. SCHAMBACH 201a. WOESTE 246b. TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 248a; et hängt an e wand wie schnodderlang (rätsel = spinngewebe). zeitschr. f. d.  phil. 11, 35 9.

Interessant hier die Ähnlichkeit einiger Varianten mit dem englischen snot, das meine Betrachtungen ausgelöst hat.

Entwicklungsgeschichtlich stammen Schnodder und seine Varianten vom mittelhochdeutschen snuder; ich zitiere Lexer:

snuder stm. (Artikel im BMZ II2. 453a) catarrhus, flegma, mucus, polipus, reuma, screa, screatus: snuder, schnuder, schnoder DFG. 106b. 239b. 369c. 445a. 497b. 520c. vgl. KWB. 224 u. snudel;
snuder stf. katarrh. wer hât die schnuder, der sol wênig eჳჳen etc. SCHM. Fr. 2,573;

Snuder wiederum geht zurück auf das althochdeutsche snu für Schnupfen, Nasenschleim, Rotz.

Was dagegen die Herkunft von snot angeht, so bietet das OED:

ME. snotte or snot (cf. OE. ¼esnot), = Fris. snotte, snot, MDu. snotte (Du. snot), MLG. (and LG.) snotte, snot (hence Da. snot, snaat, snøt), in sense 2; cf. also LG. snut, MHG. snuz (G. dial. schnutz). The stem is related by ablaut to that of snite v.

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