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Slang­fra­ge: toe-rag

Mei­ne Zeit als Slang-Kory­phäe ist wohl vor­bei; und was soll’s, man kann da auf Dau­er nicht mit­hal­ten. Und wen inter­es­siert schon, dass man 1000-mal mehr weiß auf die­sem Gebiet als einer, der nach ein biss­chen Goo­geln die Klap­pe auf­reißt? Um so mehr freut es mich, wenn trotz­dem hin und wie­der mal jemand – über den Link gleich hier rechts – eine ein­schlä­gi­ge Fra­ge stellt.

Ich zitie­re, anony­mi­siert, ver­steht sich:

Hi!
falls du dich noch erin­nerst? Du hast uns Geor­gia Nichol­son Fans damals so rüh­rend betreut und dann war dein Forum ganz plötz­lich ver­schwun­den. Schnief! Ich war die mit dem xxx Ava­tar. Ich lese immer noch eng­li­che Bücher, na ja, biss­chen erwach­se­ne­re viel­leicht. Aber ich ver­spre­che, dass auch mei­ne klei­ne Toch­ter, die ich inzwi­schen habe, mei­ne Loui­se Ren­ni­son Bücher lesen wird. Du soll­test wirk­lich wie­der ein Forum aufmachen.

Aber aktu­ell. Wo du schon einen Link hier hast für Slang­fra­gen, hät­te ich wie­der mal eine Fra­ge. Ich habe da ein Slang­buch xxx geschenkt bekom­men, eigent­lich schon vor ein paar Jah­ren, aber mit die­ser blö­den Krank­heit kam ich jetzt erst zum lesen. Da fand ich den Aus­druck “Ter­ror­krü­mel” für “toerag”. Weil ich bei­des wit­zig fin­de, aber wo mei­ne eng­li­sche Freun­din das für tota­len Rub­bish hält trau ich mich, mal wie­der anzu­fra­gen. Kann ich mein Töch­ter­chen, den Ter­ror­krü­mel, als “toerag” bezeichnen?

Hi xxx,
natür­lich erin­ne­re ich mich; ihr wart eine gro­ße Freu­de und Hil­fe für mich. (Und herz­li­chen Dank, dass du mir erlaubst, dei­ne Mail hier zu ver­öf­fent­li­chen!) Aber so klei­ne Dick­brett­boh­rer wie euch gibt’s anschei­nend nicht mehr. Mei­ne Wör­ter­buch-Pro­jek­te düm­peln auf der Fest­plat­te vor sich hin. Kei­ner will 1000-sei­ti­ge Wer­ke. So genau inter­es­siert das heu­te nie­man­den mehr.
Umso grö­ßer ist mei­ne Freu­de, in der Rich­tung wie­der mal tätig wer­den zu kön­nen. Ach ja, das Büchl hab ich übri­gens auch hier ste­hen. Sind durch­aus eine Rei­he guter Lösun­gen drin, und was den »Ter­rror­krü­mel« für »toerag« angeht … ich habe in mei­nen Büchern auch so eini­ge Böcke geschos­sen, das liegt ein­fach in der Natur der Sache.

Um die Ant­wort vor­weg­zu­neh­men: Dein sicher­lich süßer klei­ner »Ter­ror­krü­mel« ist nie und nim­mer ein »toe-rag«. Gott bewahre!

Aber erst mal muss ich geste­hen, dass mir der wit­zi­ge Begriff »Ter­ror­krü­mel« bis­lang fremd war, auch wenn sofort ein Bild ent­steht. Was den Begriff auch so gut macht. Wenn ich mal so kurz in den ein­schlä­gi­gen Web-Wör­ter­bü­chern nach­schaue, ent­spricht es genau dem Bild, das das Wort her­vor­ruft. Eine »Ner­ven­sä­ge«, wenn auch viel­leicht kei­ne so klei­ne bzw. jun­ge, wie ich mir das zunächst vor­ge­stellt habe.
Nur das ist eben bei »toe-rag« nicht der Fall. Mal abge­se­hen davon, dass der Begriff gut 150 Jah­re alt ist und aus der Zeit vor Socken und Strümp­fen kommt: »Fuß­lap­pen« waren das bei uns. Und wenn man sich das so vor­stellt, waren die noch ekli­ger als ande­rer Leu­te wochen­lang getra­ge­ner Socken.

Wes­halb »toe-rag« auf Per­so­nen bezo­gen auch wirk­lich die Wider­lich­keit die­ser Leu­te in den Augen des Spre­chers zum Aus­druck bringt. Man hält den so Bezeich­ne­ten für abscheu­lich, für Abschaum, für das Letzte.

Die bei­den Wör­ter­bü­cher, in denen ich den Begriff hier fin­de, sind das wacke­re Col­lins Eng­lisch-Deutsch, das für »toerag« »Arsch« hat und das famo­se Muret-San­ders Eng­lisch-Deutsch, das über­setzt mit »Scheiß­kerl«. Und in die Rich­tung geht das auch: Dreckskerl, Mist­kerl … ein wirk­lich mie­ser Kun­de eben …

Und dann scheint »Ter­ror­krü­mel« rela­tiv jung zu sein. Ich könn­te jetzt nicht genau sagen, inwie­weit »toe-rag« ange­staubt ist. Wenn ich nach mei­ner Daten­bank gehe, sind die Ein­trä­ge aus älte­ren eng­li­schen Seri­en bzw. stam­men aus dem Mund von älte­ren männ­li­chen Per­so­nen. Und alles »rich­ti­ge Män­ner«, wie ich so sehe.
Aber so oder so, »Ter­ror­krü­mel« put­zig, »toe-rag« abso­lu­tes no-no.

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