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Trump-Wör­ter­buch #31: Mela­nia – Opfer oder Komplizin?

Donalds Trumps Gat­tin hat den Gazet­ten so man­ches Rät­sel auf­ge­ge­ben, aber letzt­lich scheint man sich an ihr die Zäh­ne aus­zu­bei­ßen. Trotz frei­zü­gi­ger Fotos aus ihrer Zeit als Model hält sie sich so bedeckt wie kei­ne First Lady vor ihr. Mut­ma­ßun­gen, wohin man sieht. War ihre Hei­rat mit Donald die gro­ße Lie­be oder nur ein für bei­de pro­fi­ta­bles Mit­tel zum Zweck? Ist sie so rät­sel­haft, wie immer geschrie­ben wird, oder gibt sie nur des­halb Rät­sel auf, weil hin­ter der schö­nen Fas­sa­de nichts wei­ter ist als eine so ober­fläch­li­che wie eis­kalt berech­nen­de Frau? Für die einen ist sie Trump auf den Leim gegan­gen, für die ande­ren eine wasch­ech­te Trump. 

Mela­nia Trump wur­de am 26. April 1970 als Mela­ni­ja Knavs in Slo­we­ni­en (Novo Mesto/Neustädtl), damals noch Teil­re­pu­blik der Sozia­lis­ti­schen Föde­ra­ti­ven Repu­blik Jugo­sla­wi­ens, gebo­ren und wuchs im nahe­ge­le­ge­nen Sev­ni­ca (’sew­nit­sa), Lich­ten­wald, auf. Ihr Vater Vik­tor war Chauf­feur und han­del­te mit Auto­er­satz­tei­len; ihre Mut­ter Ama­li­ja design­te Stoff­mus­ter in einer Tex­til­fa­brik und ver­schaff­te einer fünf­jäh­ri­gen Mela­nia ers­te Erfah­run­gen als Model bei Betriebs­mo­de­schau­en. Womit wohl auch die Saat zum Traum vom inter­na­tio­na­len Super­mo­del aus­ge­bracht war. Als Teen­ager von einem Foto­gra­fen ent­deckt, arbei­te­te sie bereits als Model, begann aber 1989 Archi­tek­tur zu stu­die­ren. Erst 1992, als sie Zwei­te im Look-of-the-Year-Con­test des Maga­zins Jana wur­de, brach sie das Stu­di­um ab und ging mit ihrem Preis, einem Model­ver­trag, nach Mai­land. Dabei über­nahm sie auch die ein­ge­deutsch­te Ver­si­on ihres Fami­li­en­na­mens und nann­te sich fort­an Mela­nia Knauss. Sie arbei­te­te die nächs­ten Jah­re als Model in Mai­land und Paris, bis sie 1996 die Auf­merk­sam­keit des Agen­ten Pao­lo Zam­pol­li erreg­te, der sie nach New York hol­te und bei sei­ner Agen­tur ID Models unter Ver­trag nahm.1

Mit ihrem Besu­cher­vi­sum durf­te sie nicht eigent­lich im Land arbei­ten, nahm aber doch eini­ge Model­jobs an. Mit einem H‑1B-Visum schließ­lich ergat­ter­te sie ihren ers­ten gro­ßen Auf­tritt in einer von Ellen von Unwerth foto­gra­fier­ten Camel-Ziga­ret­ten-Kam­pa­gne, womög­lich in ers­ter Linie weil sie mit 27 alt genug dafür war.2 Ande­rer­seits war sie wohl auch die per­fek­te Wahl für den Touch ver­füh­re­ri­scher, knis­ternd sexu­el­ler, groß­städ­ti­scher Mon­dä­ni­tät mit Biss, nach der der Kam­pa­gne war. »Sie strahl­te eine gewis­se gefass­te, zurück­hal­ten­de Sex­i­ness aus«, sag­te die Art-Direk­to­rin, »also nicht Sex pur, son­dern eine irgend­wie schön anzu­se­hen­de Art von sexy.«3

Ehr­gei­zig, wie sie war, ließ sie sich denn auch den Busen ver­grö­ßern, um mehr Jobs für Unter­wä­sche zu bekom­men, wie sie zugab. Alles in allem führ­te Mela­nie offen­bar ein ruhi­ges, dis­zi­pli­nier­tes Leben, ging sel­ten auf Par­tys, blieb lie­ber zuhau­se, leb­te gesund. Sie ging nicht tan­zen, bes­ten­falls gepflegt essen. Die Män­ner, mit denen sie sich abgab, waren eher »rei­che, geschäfts­tüch­ti­ge, euro­päi­sche Typen«, sag­te ihr Mit­be­woh­ner Matthew Ata­ni­an. »Das waren Ita­lie­ner, Play­boys. Aber sie gin­gen nur essen, und sie war immer vor mir zuhau­se.«4 Auch ihre alte Mit­be­woh­ne­rin aus Paris, das spä­te­re Play­mate of the Year Vic­to­ria Silv­stedt, schil­der­te Mela­nie als Heim­chen. Eine Eigen­schaft, die sicher nicht zuletzt zu ihrer Zurück­hal­tung als First Lady bei­getra­gen haben dürf­te. Und womög­lich war es auch der Grund, war­um ihr der erträum­te Sprung zum Super­mo­del im land­läu­fi­gen Sinn ver­sagt blieb.

In einer von Zam­pol­lis Par­tys im Kit Kat Club, einer ver­ruch­ten, dem Nacht­club aus dem Film Caba­ret nach­emp­fun­de­nen Kaschem­me, sah Mela­nia Knauss sich 1998 schließ­lich Donald Trump vor­ge­stellt. Als Trump, der Play­boy, sie um ihre Tele­fon­num­mer bat, gab sie sie ihm nicht, bat ihn aber um die sei­ne. Sie sahen sich eini­ge Wochen, bis sie eine Ex von ihm aus dem Trump Tower kom­men sah. Sie­ben Jah­re sahen die bei­den sich mit Unterbrechungen.

Donald Trump und Mela­nia Knauss waren fünf Jah­re zusam­men, als dem Ange­ber mit den vier Plei­ten in der Bilanz die Chan­ce wink­te, sich vom Fern­se­hen mit The App­ren­ti­ce zum erfolg­rei­chen Tycoon sti­li­sie­ren zu las­sen. Im Umfeld zu den Vor­be­rei­tun­gen dazu galt es, aus der durch­aus schö­nen, aber offen­sicht­lich nicht eben auf­re­gen­den Mela­nia eine Per­sön­lich­keit zu machen. Die­ses Make­over ver­pass­te ihr kein Gerin­ge­rer als Vogue-Redak­teur und Fashion-Iko­ne André Leon Tal­ley: »Vor ihrem Vogue-Make­over war Mela­nia eine aus­ge­spro­chen hüb­sche jun­ge Frau, die sich irgend­wie ver­klei­det wirk­te – eher eine brü­net­te Mari­lyn Mon­roe als eine Jackie O. Nach Mela­ni­as Make­over … war sie tran­szen­dent, hoch­mo­disch und eines redak­tio­nel­len Bei­trags wür­dig. Make-up. Haar. Schmuck. Sie war jetzt wirk­lich bereit für ihren gro­ßen Augen­blick.«5 Tal­ley führ­te sie bei der Met Gala und ande­ren Ver­an­stal­tun­gen ein, bei denen man gese­hen wer­den muss­te, um jemand zu sein.

The App­ren­ti­ce hat­te im Janu­ar 2004 Pre­mie­re und war auf der Stel­le ein Hit. Trump war die Sen­dung wie auf die Psy­che geschnei­dert: Geschäfts­leu­te kämpf­ten bis aufs Mes­ser um sei­ne Gunst. Und er war der Kai­ser, der Woche für Woche über Leben und Tod ent­schied: »You’­re fired!« Mela­nia hat­te einen Auf­tritt in einer der ers­ten Epi­so­den, in der sie Besu­cher durch ihr Ver­sailles im Pent­house des Trump Tower führte.

Im Janu­ar 2005 dann hei­ra­te­ten sie, eine gro­ße Ange­le­gen­heit mit 350 Gäs­ten, die Trump gern für alle Welt gefilmt haben woll­te, was Mela­nia jedoch nicht woll­te. Immer­hin trug sie das bis zu die­sem Zeit­punkt teu­ers­te Braut­kleid aller Zei­ten. 2006 brach­te sie ihren Sohn Bar­ron zur Welt. Außer­dem bekam sie die ame­ri­ka­ni­sche Staats­bür­ger­schaft. Unter dem Namen Mela­nia Tim­epie­ces & Jewel­ry design­te sie mit gro­ßem Erfolg eine eige­ne Kol­lek­ti­on Uhren und Schmuck. Spä­ter kam dazu eine Kosmetikserie.

2015 gab Donald Trump sei­ne Kan­di­da­tur zur Prä­si­dent­schaft bekannt. Als das Paar an dem Tag per Roll­trep­pe aus den Höhen des Trump Tower schweb­te, schien Mela­nia eher nur so, viel­leicht aus Inter­es­se mit von der Par­tie sein.6 Die­se Beob­ach­tung stammt von Ste­pha­nie Win­s­ton Wol­koff (Vogue), damals Mela­ni­as bes­te Freun­din, die dann erstaunt fest­stell­te, dass sich Mela­nia das gan­ze Jahr über, trotz des täg­li­chen Aus­tauschs der bei­den Frau­en, nie zur Kam­pa­gne ihres Gat­ten, son­dern nur über All­tags­din­ge, das Wet­ter und Bar­ron äußer­te. Außer­dem sag­te sie, was Wol­koff den zahl­lo­sen Repor­tern sagen soll­te, die etwas über ihre Freun­din wis­sen woll­ten: »Sie schick­te mir eine SMS mit Hin­wei­sen für das bevor­ste­hen­de Inter­view [mit Haper’s Bazaar]. Ich soll­te sagen, dass sie und Donald sich vor fünf­zehn Jah­ren ken­nen­ge­lernt hät­ten. Dass sie in Slo­we­ni­en gebo­ren sei. Dass ihre Schwes­ter und ihre Eltern ihr Pri­vat­le­ben haben woll­ten. Dass es ihre Ent­schei­dung sei, nicht an der Kam­pa­gne teil­zu­neh­men. Dass sie sich ganz Bar­rons Erzie­hung wid­me. Dass sie ein erfolg­rei­ches Unter­neh­men füh­re und ›das Leben genie­ße‹, zu schwei­gen davon, Mut­ter zu sein. Dass mit dem ›Leben genie­ßen‹ war offen­sicht­lich … ›Ich bin in der Kari­bik. So herr­lich hier. Ich möch­te ein­fach hier­blei­ben.‹«7 Ihre Freun­din sol­le der Pres­se sagen, »Mela­nie nicht zu unter­schät­zen, nur weil sie still und reser­viert« sei.8 Wol­koff sag­te Jah­re spä­ter, Mela­nia wol­le nicht, dass »die Leu­te erfah­ren, wer sie ist und was in ihr vor­geht. Und indem sie ein Rät­sel bleibt, indem sie die­se stäh­ler­ne Mau­er auf­recht­erhält, braucht sie sich auch nie­man­dem gegen­über zu recht­fer­ti­gen«.9

Schon damals unter­stütz­te Mela­nia ihren Gat­ten, wenn über­haupt, am liebs­ten von zuhau­se aus.10 Ste­pha­nie Win­s­ton Wol­koff konn­te sich des Ein­drucks nicht erweh­ren, dass sie Rei­sen und Reden ihres Gat­ten größ­ten­teils noch nicht ein­mal im Fern­se­hen ver­folg­te. Bei einem Besuch im Trump Tower bekam sie einen Anruf von Donald mit, bei dem er sie nach sei­ner letz­ten Rede frag­te. Zu ihrer Freun­din: »Ooops, ich habe ver­ges­sen, mir sei­ne Rede anzu­schau­en!« Und zu ihm sag­te sie: »Hast du groß­ar­tig gemacht, Schatz!« Prak­tisch den gan­zen Wahl­kampf über sprang Ivan­ka für sie ein, um die Wäh­le­rin­nen für Trump zu gewin­nen. Und zwi­schen Ivan­ka und Mela­nia herrsch­te ein kal­ter Krieg.

Im Novem­ber 2016 dann gewann Trump gegen Hil­la­ry Clin­ton und wur­de im Janu­ar 2017 als Prä­si­dent ver­ei­digt. Mela­nia war damit die neue First Lady, die ers­te, deren Mut­ter­spra­che nicht Eng­lisch war.11 Außer­dem zog sie nicht gleich mit ins Wei­ße Haus, son­dern blieb mit Bar­ron bis zum Ende sei­nes Schul­jahrs in New York.

Schließ­lich jedoch füg­te sie sich ins Unver­meid­li­che: den Umzug ins Wei­ße Haus. Sie betrau­te ihre Freun­din Ste­pha­nie Wol­koff, die mit allen Event-und-Publi­ci­ty-Was­sern gewa­sche­ne Vogue-Mit­ar­bei­te­rin, mit der Orga­ni­sa­ti­on eini­ger Events um die Amts­ein­füh­rung. Es ist bezeich­nend, dass Mela­nie sich bei alle­dem von den Chef-Orga­ni­sa­to­ren Tom Bar­rack und Mark Bur­nett, aber auch von den Trump-Kin­dern über­gan­gen sah. Ohne Wol­koff hät­te sie womög­lich über­haupt nicht gewusst, was da vor sich ging.

Am Tag der Amts­ein­set­zung pas­sier­te dann etwas, des­sen Erklä­rung, so Wol­koff, ein ganz neu­es Licht auf Mela­nies Cha­rak­ter warf. Nach einem lächeln­den Blick zwi­schen Donald und Mela­nie bei der Ver­ei­di­gung wand­te sich Mela­nie, die Stirn fast aggres­siv in Fal­ten gelegt, ab. Es sah ganz so aus, als lege die neue First Lady ihre Ver­ach­tung für das Gesche­hen an den Tag. Was auf Twit­ter sofort zu #Free­Me­la­nia führ­te. Tat­sa­che war, wie Mela­nia Wol­koff spä­ter erk­lä­te, dass ihr Sohn Bar­ron ihr aus Ver­se­hen gegen den Knö­chel getre­ten war, was ziem­lich weh­ge­tan hat­te. »Als ihre Bera­te­rin schlug ich ihr vor, die gerun­zel­te #Free­Me­la­nia-Stirn rich­tig zu stel­len. Wor­auf sie sag­te: ›Wen küm­mert es, was die den­ken? Das ist mei­ne Pri­vat­sa­che. Ich bin denen kei­ne Erklä­rung schul­dig.‹ ›Die‹ waren nur zufäl­lig das ame­ri­ka­ni­sche Volk.«12 Und als ihr Wol­koff klar­zu­ma­chen ver­such­te, dass sie nicht in New York blei­ben konn­te, bekam sie noch mal das­sel­be zu hören: »›Es ist mir egal, was die Leu­te den­ken. Ich mache, was ich für mich und Bar­ron für rich­tig hal­te.‹ … Sie wür­de es sich selbst recht machen, wie erwar­tet. Das war Mela­ni­as Art.«13

Da Mela­nia wie jede First Lady ein Anlie­gen brauch­te, eine Sache, der sie sich ver­schrei­ben konn­te, setz­te sie sich mit Wol­koff zusam­men. Sie hat­te nie­man­den, dem sie ver­trau­en konn­te, und war schon ein­mal – mit dem Pla­gi­at einer Rede von Michel­le Oba­ma – auf die Nase gefal­len. So sag­te sie schließ­lich in ihrer ers­ten öffent­li­chen Anspra­che dem Cyber-Bul­ly­ing, dem Mob­bing ande­rer ins­be­son­de­re auf Social-Media-Platt­for­men, den Kampf an. Das ent­behr­te nicht einer gewis­sen Iro­nie ange­sichts der Tat­sa­che, dass ihr Gat­te, »Ame­ri­kas Chef-Twee­ter«, Nacht für Nacht auf Twit­ter auf ande­re ein­prü­gel­te, dass es nur so rauch­te. Wie auch immer, sie wei­te­te ihre Kam­pa­gne schließ­lich auf Schu­len aus, wo sie sich auch bei per­sön­li­chen Auf­trit­ten für mehr Respekt, Freund­lich­keit und Mit­ge­fühl ande­ren gegen­über aus­sprach. Die im Mai 2018 vom Sta­pel gelas­se­ne Kam­pa­gne trug den Namen »Be Best«. Die drei Säu­len der Kam­pa­gne waren: die Sor­ge um die sozia­le und emo­tio­na­le Gesund­heit von Kin­dern, die sozia­len Medi­en und ihre nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf das Online-Ver­hal­ten sowie der Dro­gen­kon­sum unter jun­gen Men­schen oder deren Eltern.14 Kin­der soll­ten ler­nen, ihre Wor­te ande­ren gegen­über abzu­wä­gen und ihre Gefüh­le auf posi­ti­ve Art zu äußern.15 Sie wei­te­te ihre Kam­pa­gne sogar nach Afri­ka aus.

Anders als jede First Lady vor ihr stand Mela­nia jedoch nicht bedin­gungs­los hin­ter ihrem Prä­si­den­ten; sie scheu­te sich durch­aus nicht, eine ande­re Mei­nung zu äußern. Und dann war sie bei öffent­li­chen Anläs­sen eher sel­ten an sei­ner Sei­te zu sehen, reis­te sogar manch­mal getrennt von ihm.16 Aller­dings war sie es auch bald leid, dass der West Wing ihr den Ter­min­ka­len­der ihres Gat­ten vor­ent­hielt – sie soll­te nur immer alles ste­hen und lie­gen las­sen, wenn man ihr sag­te: Spring! »Kön­nen Sie sich vor­stel­len, dass Bar­ba­ra Bush oder Hil­la­ry Clin­ton von den Büro­kra­ten des West­flü­gels igno­riert oder dar­an gehin­dert wur­den, eine Pres­se­ver­laut­ba­rung zu ihrer Wahl als Chef­be­ra­te­rin her­aus­zu­ge­ben? Es war, als hät­ten Prie­bus, Walsh, Hicks und Joe Hagin … Mela­ni­as E‑Mails, Tex­te, Memos und Tele­fon­pro­to­kol­le samt und son­ders durch den Schred­der gejagt.«17 Mela­nia war mehr oder weni­ger zum Schwei­gen ver­ur­teilt, was im Ver­ein mit ihrer »Unsicht­bar­keit« dazu führ­te, dass die Medi­en sie nicht moch­ten und sie schlecht­mach­ten, wo immer es ging. Es half auch nicht gera­de, dass Lager­feld, Given­chy oder Dior trug, wann immer man sie tat­säch­lich mal sah.

Und wer pro­fi­tiert von einer macht­lo­sen, unsicht­ba­ren First Lady? Nun, die »Prin­zes­sin«, Ivan­ka, die es von Anfang an auf den Pos­ten der First Lady abge­se­hen hat­te und die­sen auch sofort, wann immer sich die Gele­gen­heit bot, übernahm.

Über die Fra­ge, inwie­weit Mela­nie Trump das alles unterm Strich nur recht sein konn­te, wenn sie nie die Absicht hat­te, sich als First Lady zu pro­fi­lie­ren, kann man nur spe­ku­lie­ren. Immer­hin rich­te­te sie sich, im Gegen­satz zu Ivan­ka, die sofort mit einem eige­nen Stab anrück­te, nicht sofort mit ihrer Ver­trau­ten Wol­koff im Wei­ßen Haus ein. Für gro­ßen Ehr­geiz als First Lady spricht das nicht. Inwie­weit kam es ihr nicht doch gele­gen, im Hin­ter­grund zu blei­ben, ihr eige­nes Leben zu füh­ren, was sie schließ­lich bis heu­te tut? War die Hei­rat mit Trump die »Trans­ak­ti­on«, als die Wol­koff sie bezeich­net, seit ein Unter­schla­gungs­vor­wurf zum Zer­würf­nis zwi­schen den bei­den Frau­en führ­te? »Wir spre­chen hier nicht von einer typi­schen Ehe oder einen typi­sche Bezie­hung, die bei­den sind für­ein­an­der da, sie … haben ihre Grün­de für ihr Zusam­men­sein, die für nie­man­den nach­voll­zieh­bar sind … außer dass es ihnen die Mög­lich­keit gibt, sich auf eine Wei­se zu prä­sen­tie­ren, in der sie etwas Mensch­lich­keit in die Prä­si­dent­schaft ein­bringt oder ein­ge­bracht hat.«18 Was alles nur dem schö­nen Schein die­ne, sie sei eine Kom­pli­zin, letzt­end­lich sei sie nicht anders als Donald und im Grun­de ihres Her­zens nicht bes­ser als die ande­ren Trumps, die alle­samt von der Prä­si­dent­schaft pro­fi­tie­ren.19

Die­ser Ver­dacht, dass es Mela­nia um das Bran­ding, die »Mar­ke« Trump, gegan­gen sein könn­te, drängt sich auf, wenn man sich die Affä­re um die Behaup­tung auf der Web­site der Dai­ly Mail, hät­te in ihrer Model­zeit als Escort gear­bei­tet, näher ansieht. Dass Mela­nia dafür auf Scha­den­er­satz klag­te, ist ver­ständ­lich, inter­es­sant ist nur die Behaup­tung, durch die Lüge 150 Mil­lio­nen Dol­lar ver­lo­ren zu haben. So groß waren ihre Umsät­ze nun auch wie­der nicht. Letzt­lich lief die Begrün­dung der Kla­ge dar­auf hin­aus, dass die Pro­dukt­se­rie, die sie als First Lady auf­zu­bau­en gedach­te, von ihrem Sta­tus als eine der meist­fo­to­gra­fier­ten Frau­en der Welt Mil­lio­nen hät­te ein­brin­gen kön­nen. Ent­spre­chen­de Schrit­te zum Auf­bau eines sol­chen Unter­neh­mens erfolg­ten nach einer außer­ge­richt­li­chen Eini­gung frei­lich nicht. Die Affä­re mache deut­lich, so die Autorin Nao­mi Klein, wie die Trumps die Prä­si­dent­schaft sehen: »als kurz­fris­ti­ge Inves­ti­ti­on in die enor­me Stei­ge­rung des Werts ihrer kom­mer­zi­el­len Mar­ke auf lan­ge Sicht«.20

Tat­sa­che ist, dass Mela­nia nicht mehr zu sehen ist. Alles in allem scheint ihr der Name Trump oder ihre Ehe mit Donald und der Tru­bel um des­sen Gerichts­ver­fah­ren denn doch zu viel gewor­den zu sein. Sei­ne Pro­ble­me sind ihr allem Ver­neh­men nach egal.21 2023 ließ sie ihren Ehe­ver­trag neu aus­han­deln, aus Sor­ge dar­über, wie viel für sie und ihren Bar­ron nach der Bezah­lung von Klä­gern, Geld­bu­ßen und Anwäl­ten noch bleibt.22 Das Wei­ße Haus dürf­te ohne­hin der letz­te Ort sein, an den sie zurück­keh­ren will. Oder sind die jäm­mer­li­chen Geburts­tags­grü­ße, die Trump ihr übers Fern­se­hen vom Gericht aus zukom­men ließ,23 ledig­lich eine wei­te­re Stra­te­gie der bei­den, die Auf­merk­sam­keit vom Eigent­li­chen abzu­len­ken, wie Wol­koff das Mela­ni­as Reak­ti­on auf Trumps Berüh­rungs­ver­su­che in der Öffent­lich­keit unter­stellt?24

Wol­koffs Urteil über Mela­nia steht fest: »Ihr Ego­is­mus ist so aus­ge­prägt, dass sie sich den Rest der Welt vom Leib hal­ten kann. Er macht sie unan­tast­bar; wenn sie sich einen Dreck um etwas schert, kann es sie nicht berüh­ren. Die Mau­er um sie her­um ist ihr Schutz­me­cha­nis­mus. Das Geheim­nis ihres Glücks ist ihre abso­lu­te und unge­nier­te Ober­fläch­lich­keit.«25

Und wenn Trump die Wahl verliert? 

»Dann ist sie in Süd­frank­reich, auf einer so rich­tig gro­ßen Yacht, mit einem so rich­tig breit­krem­pi­gen Hut, und tut, was sie immer tun woll­te: nichts.«26

Anmer­kun­gen

  1. Racha­el L. Tho­mas, Title: Mela­nia Trump. Min­nea­po­lis, Min­ne­so­ta : Abdo Publi­shing, 2020. ↩︎
  2. Laut Gesetz durf­ten in den USA nur Per­so­nen über 25 für Ziga­ret­ten wer­ben, was die meis­ten ange­hen­den Models aus­schloss; alle ande­ren waren offen­sicht­lich bereits wie­der zu alt. Wie jemand aus der Kam­pa­gne sag­te: »Wir taten uns schwer, ein Model über 30 zu fin­den, die nicht nach einer Mut­ter aus­sah.« Mary Jor­dan, The Art of her Deal: The Untold Sto­ry of Mela­nia Trump. New York: Simon & Schus­ter, 2020. Im Jahr dar­auf wur­de die Wer­bung für Ziga­ret­ten in den USA prak­tisch kom­plett ver­bo­ten. ↩︎
  3. [Mary Jor­dan, The Art of her Deal: The Untold Sto­ry of Mela­nia Trump. New York: Simon & Schus­ter, 2020. ↩︎
  4. Kate Ben­nett, Free, Mela­nia: The Unaut­ho­ri­zed Bio­gra­phy. New York: Fla­ti­ron Books, 2019. ↩︎
  5. Ste­pha­nie Win­s­ton Wol­koff, Mela­nia and me: the rise and fall of my fri­end­ship with the First Lady. New York: First Gal­lery Books, 2020. ↩︎
  6. Ebda. ↩︎
  7. Ebda. ↩︎
  8. Ebda. ↩︎
  9. EXCLUSIVE: Mela­nia Trump’s for­mer fri­end reve­als White House secrets | 60 Minu­tes Aus­tra­lia. 20.09.2020 ↩︎
  10. Racha­el L. Tho­mas, Title: Mela­nia Trump. Min­nea­po­lis, Min­ne­so­ta: Abdo Publi­shing, 2020. ↩︎
  11. Dafür sprach sie, jeden­falls eige­nen Aus­sa­gen nach, mehr Spra­chen als jede ande­re First Lady: neben Eng­lisch auch Slo­we­nisch, Fran­zö­sisch und Deutsch. ↩︎
  12. Ste­pha­nie Win­s­ton Wol­koff. ↩︎
  13. Ebda. ↩︎
  14. Racha­el L. Tho­mas, Title: Mela­nia Trump. Min­nea­po­lis, Min­ne­so­ta : Abdo Publi­shing, 2020. ↩︎
  15. Ebda, ↩︎
  16. Ebda. ↩︎
  17. Ste­pha­nie Win­s­ton Wol­koff. ↩︎
  18. EXCLUSIVE: Mela­nia Trump’s for­mer fri­end reve­als White House secrets | 60 Minu­tes Aus­tra­lia. 20.09.2020. ↩︎
  19. Ebda. ↩︎
  20. Nao­mi Klein, Klein, Nao­mi — No Is Not Enough: Resis­ting Trump’s Shock Poli­tics And Win­ning the World We Need. Chi­ca­go: Hay­mar­ket Books, 2017. ↩︎
  21. Micha­el Lee Simpson and Lin­da Marx »Mela­nia Trump Car­ri­es On After Geor­gia Indict­ment: ‘Ano­ther Pro­blem for Her Hus­band, Not for Her’ (Exclu­si­ve)« Peo­p­le, August 16, 2023. ↩︎
  22. Bess Levin »Mela­nia Trump Ren­ego­tia­ted Her Pren­up in Case Trump’s Legal Pro­blems Bleed Him Dry: Report«, Vani­ty Fair, Sep­tem­ber 29, 2023. ↩︎
  23. »Trump wis­hes Mela­nia a hap­py bir­th­day, blasts ‘rig­ged’ hush money tri­al«. Asso­cia­ted Press. ↩︎
  24. Wol­koff, 60 Minu­tes. ↩︎
  25. Wol­koff, Mela­nie and Me. ↩︎
  26. Wol­koff, 60 Minu­tes. ↩︎

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