So einen Hals könnte man kriegen…

schon in aller Herrgottsfrüh bei der ersten Presseschau im Web. Kaum dass man in eine der digitalen Gazetten guckt, um zu sehen, was es Neues gibt, quillt einem das lausige Deutsch amateurhafter Übersetzungen entgegen.

Foto: MfG GP

Ich will ja gar nicht davon anfangen, wie einfach es heute der Journalist zu haben scheint, sich seine Artikelchen zusammenzuschustern – er braucht sich offensichtlich nur im Web einen Beitrag in einer fremden Sprache zu suchen und zu übersetzen. Fertig ist die Laube. Von mir aus; mir ist es egal, wie originell meine tägliche Dosis Klatsch bei der ersten Tasse Kaffee ist, wenn sie nur tatsächlich ins Deutsche übersetzt wäre und nicht einfach hirnlos englische Wörter durch deutsche Wörter ausgetauscht würden. Möglichst in derselben Reihenfolge. Vermiest einem einfach den ganzen Tag so was, wenigstens mir als Übersetzer.

Ein paar Beispiele von heute Morgen aus einer Mitteilung über die Dreharbeiten zur Actionkomödie Knight and Day. Es geht um Cameron Diaz und Tom Cruise.

Die beiden »mussten für den Film eine Reihe gefährlicher Stunts absolvieren und Cruise fand es schwer, sich hinterher davon zu erholen.« Ich brauche nicht nachzuforschen, um zu sehen, dass da im Englischen »found it hard« steht. Ist vielleicht etwas pingelig von mir, aber der Gedanke, dass man »es schwer finden« sollte, sich von Verletzungen, Krankheiten, irgend etwas zu erholen, will mir nicht in den Kopf. Ich bin der Ansicht, dass der Deutsche »sich nur schwer von etwas erholt«. Das »nur« kann weglassen, wer ohne die kleine Wörtchen gleich ein Hemingway zu sein meint.

Natürlich will ich nicht so ganz ohne Rückendeckung vom Leder ziehen. Aber unter den immerhin 938 Beispielsätzen zu »sich erholen«, die mir das famose DWDS anzeigt, ist nicht einer, in denen es jemand schwer fände, sich von irgendetwas zu erholen.

Die beiden Schauspieler seien privat gute Freunde, heißt es weiter, »und normalerweise genießen sie es, sich scherzhaft gegenseitig zu schlagen und zu treten, wann immer sie aufeinander treffen.«

Ich weiß, hier steht »enjoy«, und sei mir bitte keiner böse, aber jeder der in so einer Konstruktion »enjoy« als »genießen« ins Deutsche zerrt, der gehört geschlagen und getreten. Wir genießen es, uns in die Fresse zu hauen? Sorry, noch nicht mal, wenn wir unseren Spaß, von mir aus sogar unsere Freude dran haben. Nicht dass das mein einziges Problem mit diesem Satz ist.

Aber es kommt noch schöner: »Ich mochte es irgendwie herumzuspielen, und ab und zu, nach einer langen Stunt-Strecke, sagte Tom so was wie: ›Nein, nein – nicht heute.‹ Er war zu wund!«

Ich frage mich, wann der letzte Deutsche eigentlich mal etwas »gern gemacht« hat. Und dann heißt es im Englischen mit Sicherheit »he was like«. Da muss ich irgendwann mal gesondert drauf eingehen. Trenddeutsch, hab ich ja gar nichts dagegen, heißt das: »und er so…«

Aber wie sich herausstellt, fehlt es bei solchen Übersetzern nicht nur am Sprachgefühl, sondern schon an den englischen Grundkenntnissen. »[Wir würden] aufeinander zukommen und etwas sagen wie: ‚Wie geht’s? Wie steht’s?‘ erzählte der Leinwandheld. . .« Ist noch gar nicht so lange her, da ersetzte mir jemand in einem Manuskript mein »Sonntags gingen wir die Kirche« durch »Sonntags würden wir in die Kirche gehen.« Die Handlung ist vorbei, da gibt es keine Möglichkeiten mehr für ein Konditional I. Selbst wenn man nicht gelernt haben sollte, dass »would« eine Gewohnheit in der Vergangenheit ausdrückt, sollte man da stutzig werden.

Das soll für heute wieder mal genügen.

Warum ich immer wieder darauf herumreite? Weil man diese Art unfreiwilliger (das ist ein großer Unterschied!) Kanaksprach jegliches Sprachgefühl verdirbt und damit zunehmend auch vom Verlagslektorat »verlangt« wird. Nur schreiben englische Autoren eben nicht derart exotisch, noch nicht einmal wenn sie lausig schreiben. Was man den Autoren englischer oder amerikanischer Gazetten eben nicht nachsagen kann. Auch den deutschen im Grunde nicht – es sei denn sie übersetzen.

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