Ugs-Projekt 2: abasten

SlangGuy’s Wörterbuch der deutschen Umgangssprache: »sich einen abasten«. Auch einer der Einträge aus meinem alten Wiki-Versuch, deshalb gibt’s ein bisschen mehr – und vermutlich auch durchaus etwas Neues für den einen oder anderen. Da ich erst noch sehen muss, ob und wie das hier weitergeht, hat es auch noch keinen großen Sinn, mir zu überlegen, wie hier im Blog eine Wörterbuchseite anzulegen wäre, von der aus die Einträge alphabetisch einzusehen wären. Aber klicken Sie auf den Tag »Ugs-Wb« unten, dann dürften die bisher vorhandenen Einträge, wenn auch unsortiert, aufgelistet werden.

Kennen Sie den Astmann von Nôtre Dame? Nein? Das war Victor Hugos Glöckner mit dem »Ast«, der die schöne Esmeralda entführt. Im Rotwelschen nämlich ist der »Ast« der Buckel. Wenn man an die abgesägten Äste denkt, die man zuweilen als Höcker an Bäumen sieht, ist das ein durchaus enleuchtendes Bild. Ob die Bedeutung »Schulter, Rücken« daraus hervorging oder umgekehrt, ist hier nebensächlich, jedenfalls meint Küpper, hier eine mögliche Erklärung für das Verb abasten zu sehen. Mit anderen Worten, man schleppt etwas auf dem Rücken herum.

Möglich.

Allerdings findet sich auch ein weit direkterer Ahn, der auf den ersten Blick sinnvoller scheint, bei den Grimms: asten definiert man hier mit colere.1 Wer noch sein altes Lateinwörterbuch herumstehen hat, ist immer fein raus, aber das Internet tut es natürlich auch: colere: bestellen (einen Hof), bewirtschaften, bebauen etc. Da steckt sehr wohl unsere heutige umgangssprachliche Bedeutung bereits drin. Grimms Belege liefern den, ja, Beleg: einen hof asten und under handen han; guter die er nit selber astet oder buwet; hof zu Elma, den itzunt Clas Kalhart ast und bewet. Wir müssen das jetzt nicht im einzelnen ausklamüsern.

Wie auch immer, die Belege der Gebrüder Grimm zeigen bereits, dass bereits im Mittelhochdeutschen geastet wurde aber da gerate ich natürlich ins Schwimmen. Matthias Lexer jedenfalls hat es in seinem Mittelhochdeutschen Handwörterbuch.

Ganz nebenbei, der Baum selbst astet weniger als er ästet. Nochmal die Gebrüder Grimm:

ästen, propagari, äste treiben, gewinnen, mhd. esten, sich ästen, propagare se: ein tüchtiger meister weckt brave schüler und ihre thätigkeit ästet wieder ins unendliche. Göthe 37, 51; der alte stamm ästet sich zu einem ungeheuren narrenbaume. 36, 136; wie ein hirsch, der ohne rücksicht des territoriums sich ästet, denk ich, musz auch der mineraloge sein. Göthe bei Merck 1, 267.

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sich einen abasten

(1)<Vb.> Sich [sehr] anstrengen; sich abmühen; sich [mächtig] ins Zeug legen: »sich tierisch einen abasten«.

»Ich hab mir nämlich voll einen abgeastet, bis es so war wie jetzt.« WWW »Geht auch allein, wenn man gelenkig ist, aber ich aste mir mit Bauch schon einen ab.« WWW »… dass man an dem Bild noch was richtig mystisch machen kann…ich habe es ja selber versucht und mir dabei tierisch einen abgeastet…wenn schon keine …« WWW 

sinnverw.: asten; rackern; abrackern, sich; sich ein Bein ausreißen; sich den Arsch ausreißen; sich den Arsch aufreißen.

sich mit etw abasten

(2)<Vb.> Sich mit etw abplagen; sich mit einer Sache abmühen; etw Schweres tragen.

»Jou, wie geil und ich aste mir mit’m Jäger voll einen ab und kille einen Hordler nach dem anderen und steige noch nicht mal in den Rängen.« »Ich aste mir nämlich auch schon seit Wochen einen ab mit der Konstruktion von selbstgebauten Holz-‚Robo-Sanders’…« 

sinnverw.: xxx.

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  1. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhem Grimm []

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