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John Bar­ry, Har­ry Pal­mer & das Geheim­nis des Cim­ba­lom

Die­ser Tage hat­te ich die Plat­te des Jah­res in der Post. Mei­ne CD des Jah­res. Schon nach dem ers­ten Hören. Womög­lich die ers­te Plat­te seit Jahr­zehn­ten, die bei mir gleich mehr­mals hin­ter­ein­an­der lief. Und das obwohl sie schon fast 50 Jah­re alt ist: John Bar­rys Sound­track zum ers­ten Har­ry Pal­mer-Film, den Sid­ney Furie 1964/5 nach Len Deigh­tons ers­tem Thril­ler von 1962 dreh­te. Einer der ganz gro­ßen Thril­ler – mit einem Ham­mer von einem Sound­track.

Ich habe kei­ne Ahnung, wer auf die Idee kam, aus­ge­rech­net das Hack­brett in das Gen­re der Film­mu­sik ein­zu­füh­ren, aber mei­ner Erin­ne­rung nach sind die Thril­ler der 1960er voll davon. Ver­mut­lich über­trie­ben, aber defi­ni­tiv ein Hin­weis dar­auf, wie sehr sich die­ser völ­lig eige­ne Sound in mei­nem geis­ti­gen Ohr fest­ge­krallt hat. Es war eine gran­dio­se Idee. Ich wuss­te bis vor kur­zem noch nicht mal, dass es aus­ge­rech­net ein Hack­brett ist, wor­an ich mich da so leb­haft erin­ne­re. Ich hät­te ein prä­pa­rier­tes Kla­vier nicht aus­ge­schlos­sen. Wie auch immer, nach­dem ich die letz­ten Jah­re immer wie­der mal eine Num­mer aus die­sem Sound­track auf Secret Agent gehört hat­te, woll­te ich der Sache mal auf den Grund gehen.

Der Sound­track zu The Ipcress File stammt von John Bar­ry. Und John Bar­ry ken­nen wir natür­lich als musi­ka­li­schen Beglei­ter der James Bond-Fil­me.1 Übri­gens ist er mit­nich­ten der Schöp­fer des eigent­li­chen James Bond-The­mes; das stammt von Mon­ty Nor­man. Der Hin­weis dar­auf fin­det sich im Abspann der Bond-Fil­me. Es wur­de um die­ses ohr­wur­mi­ge Dum di-di dum dum jah­re­lang pro­zes­siert. John Bar­rys Musik für den Thril­ler setzt auf Span­nung; ver­gleicht man sie mit ähn­li­chen Sound­tracks aus der Zeit, so fehlt ihr etwa die jaz­zig-gehetz­te Ner­vo­si­tät des typi­schen Lalo Schif­rin-Sound­tracks, man ver­glei­che Bul­litt, oder die – immer wie­der iro­nisch gebro­che­ne – Wär­me (oder macht gera­de die lei­se Iro­nie die­se Wär­me mit aus?) von Michel Legrands genia­len Kom­po­si­tio­nen zur Tho­mas Crown Affair. Ob John Bar­ry das Hack­brett als ers­ter in der Musik für einen Thril­ler ein­ge­setzt hat, weiß ich noch nicht, wer­de es aber ver­mut­lich noch her­aus­fin­den.

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Bei besag­tem Hack­brett han­delt es sich übri­gens um ein Cim­ba­lom, das mit Klöp­peln bedient wird, obwohl es sich durch­aus auch wie eine Zither spie­len lässt. Es ist in der Volks­mu­sik gar nicht so weit von uns im Osten sehr beliebt, vor allem aber bei den Grie­chen. Was hier nur erwähnt sei, weil es die­ser Umstand nicht eben zur ers­ten Wahl als prä­gen­des Instru­ment für den Sound­track eines Thril­lers macht. Ich mei­ne, die Art, wie es in der öst­li­chen Volks­mu­sik gespielt wird, sug­ge­riert alles Mög­li­che, nur nicht Span­nung. Gera­de weil es rela­tiv »ton­reich« gespielt wird, nicht dass ich mich da groß aus­ken­nen wür­de. Wie auch immer, um so genia­ler von Bar­ry, das Cim­ba­lom, spar­sam ange­schla­gen, als Span­nungs­trä­ger in den Thril­ler zu holen. Na gut, falls er es denn tat­säch­lich war. Das wer­de ich schon noch raus­krie­gen…

So oder so, das Cim­ba­lom in The Ipcress File ist so unver­gess­lich wie Micha­el Cai­nes Horn­bril­le. Und die iro­ni­sche Unver­schämt­heit, nein, sor­ry, die unver­schäm­te Iro­nie, des Agen­ten Har­ry Pal­mer sei­nen Vor­ge­setz­ten gegen­über. Die Film­mu­sik wech­selt sich auf der CD übri­gens mit hand­ver­le­se­nen Dia­log­fet­zen aus dem Strei­fen ab. Ich frag mich schon, ob da nicht eine alte Vinyl­schei­be in ent­spre­chen­der Hül­le Spaß machen wür­de…

  1. Und als Ehe­mann von Jane Bir­kin, wenn man drei Jah­re als Ehe bezeich­nen will. []

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