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Nicht jedes Gewor­de­ne ist ein Gemach­tes

Ein kur­zes Kapi­tel­chen aus mei­nem Scho­pen­hau­er — »Abdruck«, das bes­ten­falls die hart­ge­sot­te­nen Gram­ma­ti­ker inter­es­sie­ren dürf­te. Was an die­sem Bei­trag immer­hin zum Lächeln ani­miert, ist der Gedan­ke einer »die Spra­che erler­nen­den Ver­nunft«. Man muss schon ein Genie von Scho­pen­hau­ers Kali­ber sein, um sich vor­stel­len zu kön­nen, die Durch­schnitts­in­tel­li­genz könn­te Latein – oder irgend­ei­ne ande­re Spra­che – anders erler­nen als durch das stump­fe Ein­pau­ken unre­gel­mä­ßi­ger Ver­ben und die­ser alt­be­währ­te Lern­pro­zess könn­te tat­säch­lich »heil­lo­se Irrt­hü­mer imli­ci­ren und ein­imp­fen« …

Vor­ab für uns Lai­en: Depo­nen­tia sind Ver­ben, die nur in Pas­siv­form exis­tie­ren, aber akti­ve Bedeu­tung haben. lamen­tarī, lamen­tor, lamen­ta­tus sum (bekla­gen, jam­mern), zum Bei­spiel. Lamen­tor ist zwar von der Form her Indi­ka­tiv Prä­sens Pas­siv (ich kon­stru­ie­re mal: »ich wer­de beklagt«), will aber sagen »ich bekla­ge«, »ich bewei­ne« etc. – oder »ich bewei­ne kläg­lich«, wie die­se Web­site so schön illus­triert. Oder im Deut­schen sehr pas­send das refle­xi­ve »ich bekla­ge mich«. Beim Medi­um han­delt es sich um ein drit­tes Genus ver­bi zwi­schen Aktiv und Pas­siv, das wir noch im Alt­grie­chi­schen fin­den. »Es drückt aus«, ich zitie­re Wiki­pe­dia, »dass eine Hand­lung sich auf den Han­deln­den unmit­tel­bar aus­wirkt.«

Den vor­her­ge­hen­den Para­gra­phen fin­den Sie hier.

Arthur Schopenhauer’s sämmt­li­che Wer­ke

Par­er­ga und Para­li­po­me­na
Klei­ne phi­lo­so­phi­sche Schrif­ten

Ver­ein­zel­te, jedoch sys­te­ma­tisch geord­ne­te Gedan­ken über vie­ler­lei Gegen­stän­de


Kap. XXV.
Ueber Spra­che und Wor­te


 

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§ 312

Die Depo­nen­tia sind das ein­zi­ge Unver­nünf­ti­ge, ja, Unsin­ni­ge der römi­schen Spra­che, und nicht viel bes­ser steht es um die Media der grie­chi­schen. –

Ein spe­zi­el­ler Feh­ler aber im Latei­ni­schen ist, daß fie­ri das Pas­si­vum des face­re vor­stellt: dies impli­cirt und impft der die Spra­che erler­nen­den Ver­nunft den heil­lo­sen Irrthum ein, daß Alles, was ist, wenigs­tens alles Gewor­de­ne, ein Gemach­tes sei. Im Grie­chi­schen und Deut­schen hin­ge­gen gel­ten γιγνεσϑαιund „wer­den“ nicht unmit­tel­bar als Pas­si­va des ποιειν und „machen“. Ich kann grie­chisch sagen: ονχ εδτι παν γενομενον ποιονμενον: aber Dies lie­ße sich nicht wört­lich ins Latei­ni­sche über­set­zen, wie doch ins Deut­sche: „nicht jedes Gewor­de­ne ist ein Gemach­tes.“ –

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Ich hof­fe, die grie­chi­schen Zei­chen hal­ten sich..

Fort­set­zung von hier. / Fort­set­zung hier.

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