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Nach Trips­trill zum Spat­zen­käm­men

Bei mei­ner Beschäf­ti­gung mit einem gewis­sen trümm­li­gen Wört­chen habe ich wie­der mal etli­che Wör­ter­bü­cher ent­de­cken dür­fen, die mir mäch­tig impo­nie­ren. (Wie in aller Welt haben die­se Leu­te das nur gemacht?) Eines davon ist Her­mann Fischers Schwä­bi­sches Wör­ter­buch. Es umfasst sechs dicke Bän­de und trägt den Unter­ti­tel: Auf Grund der von Adel­bert v. Kel­ler begon­nen Samm­lun­gen und mit Unter­stüt­zung des Würt­tem­ber­gi­schen Staa­tes. Erschie­nen ist es von 1904 bis 1924 in Tübin­gen.

Wie gesagt hat­te ich zunächst nur das Wört­chen »trümm­lig« gesucht, aber wenn ich ein Wör­ter­buch in die Hand bekom­me, dann blät­te­re ich nun mal gern drin. Und fand da zu mei­ner gro­ßen Freu­de gleich was ganz Per­sön­li­ches.

Da wo ich her­kom­me, sag­te man auf die als auf­dring­lich emp­fun­de­ne Fra­ge, wohin man denn gehe: »Nach Trips­trill – zum Spat­zen­käm­men.« (Selbst­ver­ständ­lich mit ordent­lich baye­ri­schem Akzent.) Ich habe das hier im frän­ki­schen Aus­land nie gehört, und egal wen ich danach gefragt habe, kei­ner woll­te es ken­nen.

Umso grö­ßer die Freu­de über das, was ich bei Fischer fand:

Trips-trill (drips­dril) fin­gier­ter Orts­na­me. Auf die impor­tu­ne Fra­ge „wohin” (wo. woher) antw. man: auf (nach. bezw. zu, von) Tr. In die­ser kür­zes­ten Form bezeugt Mg. Wz. RB;. Aug. Journ. 1789. 8, 171. Klein 2, 196. Schm. 139. Beliebt sind aber Zusät­ze: Auf Tr. Wo mun dich net will GOE­Betzg. Zu Tr. in (auf) der Pelz­müh­le, s. d., die ver­brei­tetste Ver­bin­dung ; — wo man die Nur­ren beut­let Ho. Bal. Rw. Buck. Reis. 2, 741 ; — wo man die Hen­nen mön­chet Buck; — wo man die krum­men Arsch­lö­cher bohrt Eh. (den Wei­bern krum­me A. b. o. O.); — wo die Gän­se Haar­beu­tel trat­gent BiMas. ; — wo man Hund­lein dächst (Gsl­Böhr. Zu Tr. aufm Schne­cken­markt Rb. Wenn du nur zu Tr. wärest Rav­Ringg. Die wenn man folgt, nah kommt man nach Tr. Ew. Wüss. Dich soll­te man in eine Kuh nein nägen und auf Tr. schi­cken Rb. zu einem recht dum­men. Du kannst mir auf Tr. kom­men BiE­ro. — Der Name ist schon alt und über Deutsch­land weit­hin verbr., Zfdw. 3, 124ff. Bei uns denkt man an den Hof Tref­fen­trill BRCleebr./OAB. S, 222; woher aber die­ses selbst? Man hat an eine Tril­le (die­ses Subst. liegt sicher zu Grund) gedacht, in der nur Tref­zen gemah­len wer­den, aber das könn­te nur einen Spott­na­men erklä­ren; die Etym. ‚Tre­pho­nis Truil­la’ ist unhis­to­risch. Vgl. Bacm. 116. Heyd Biblio­gr. 223. Gk. 2, 1420. Df. 370. B. 1,673. ElS. 2, 764.

Mit der Ein­schrän­kung, dass es ein Tripps­drill tat­säch­lich gibt; es ist eine win­zi­ge Ort­schaft bei Heil­bronn, wie ich eben von mei­nem alten Freund Her­bert Pfeif­fer erfah­re, der in Sachen Schimp­fen & Schel­ten bes­tens bewan­dert ist. Wit­zi­ger­wei­se ist ihm die Wen­dung mit Trips­trill nicht nur geläu­fig, er hat­te – geht eben nichts über Fach­leu­te – auch gleich einen wert­vol­len Tipp für mich: Georg Lud­wig Kriegk, Schrif­ten zur all­ge­mei­nen Erd­kun­de aus dem Jah­re 1840. Hier­in gibt es ein Kapi­tel mit dem Titel »Witz, Scherz und Spott in der geo­gra­phi­schen Spra­che der Völ­ker« und hier­in das Unter­ka­pi­tel: »Geo­gra­phi­sche und eth­no­gra­phi­sche Spitz­na­men und Spott­ge­schich­ten«. Da heißt es:

Deutsch­land hat eine beson­ders gros­se Zahl sol­cher [dem Spott preis­ge­ge­be­nen] Orte, wel­che  jedoch, sowie die Spöt­te­rei selbst, im Ver­gleich mit der  frü­he­ren Zeit sehr abge­nom­men zu haben scheint. Am bekann­tes­ten sind Schil­da in Sach­sen und nächst ihm Hirschau  in der Ober­pfalz, von wel­chen das Ers­te­re unter uns eben­so,  wie Abde­ra bei den Grie­chen, sprich­wört­lich gewor­den ist.  Aus­ser ihnen möch­ten fol­gen­de die für ein­zel­ne Gegen­den  bedeu­tends­ten sein: Bux­te­hu­de bei Ham­burg, Bysum in  Hol­stein, Tete­row in Meck­len­burg, Schöp­pen­s­tedt in Braun­schweig, Polk­witz in Schle­si­en, Iglau in Mäh­ren, Eipel­dau  (Leo­pold­sau) bei Wien, Brück in Stei­er­mark, Weil­heim  in Ober-Bai­ern, Din­kels­bühl in Fran­ken, Gans­lo­sen (bei  Geiss­lin­gen) und Trips­trill (in der Gegend von Heil­bronn) in Wür­tem­berg, Gries­heim bei Darm­stadt und Schwar­zen­born in Kur­hes­sen.

Ich bin sicher, aus die­sem Werk wer­de ich hier dem­nächst mehr zitie­ren. Vor allem aber wer­de ich auf Fischers Schwä­bi­sches Wör­ter­buch zurück­kom­men, nach­dem ich mir das Vor­wort gege­ben habe… Hier für die Inter­es­sier­ten noch die Titelei­en nebst Vor­wor­ten der Ein­zel­bän­de.

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