Ram­bo, Ram­ba, Ram­bet­te

Blät­te­re gera­de wie­der mal in Her­bert Pfeif­fers ganz vor­züg­li­chem Gro­ßen Schimpf­wör­ter­buch (das ich gera­de zur Geschen­ke­zeit nur jedem ans Herz legen kann) und fin­de fol­gen­des:

Ram­bo
(nach dem von Syl­ves­ter Stal­lo­ne ver­kör­per­ten Hel­den des gleich­na­mi­gen ame­ri­ka­ni­schen Action­films) bru­ta­ler Kraft­protz, oft von Rache­durst und einer gewis­sen Ein­falt geprägt. Das Wort hat sich in der Publi­zis­tik rasch durch­ge­setzt. So wur­de Ronald Rea­gan in sei­ner Amts­zeit als US-Prä­si­dent des Öfte­ren als »Ram­bo« geschol­ten, einer­seits wegen der stab­rei­men­den R’s in sei­nem Namen, ande­rer­seits wegen sei­ner umstrit­te­nen Poli­tik der Stär­ke. Auch die Head­liner der Süd­deut­schen Zei­tung las­sen die R’s rol­len: »Radl-Ram­bos auf Raub­tour« (Juli 1994); und für die Zeit (April 1995) war Gesund­heits­mi­nis­ter Horst See­hofer ein »Ram­bo mir freund­li­cher Fas­sa­de«. In dem Buch Die Aggres­si­ve Frau (1993) von Elke Mül­ler-Mees taucht sogar der ana­lo­ge Begriff »Ram­ba« auf. (mehr …)

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Hohe Lite­ra­tur hin oder her…

Über­set­zen ist in ers­ter Linie ein Hand­werk. Schon früh habe ich bei mei­ner Wör­ter­buch­ar­beit die zeit­rau­ben­de Suche nach deut­schen Lösun­gen in gedruck­ten Über­set­zun­gen auf­ge­ge­ben; die mage­re Aus­beu­te lohnt den unge­heu­ren Auf­wand ein­fach nicht. Aber ab und an, wenn ich nur danach zu grei­fen brau­che, schla­ge ich denn doch wie­der nach – um dann auch prompt ent­täuscht zu wer­den.

So dach­te ich mir neu­lich, schau doch mal, wie Woll­schlä­ger im Ulys­ses „biff him one“ über­setzt. Nun, sein „hau ihm in die Fres­se“ wäre mir per­sön­lich eini­ge Num­mern zu derb, ist aber durch­aus in Ord­nung, aber der Satz davor ist, wie ich fest­stel­len muss, völ­lig falsch über­setzt: „He does­n’t half want a thick ear, the bligh­ter. Biff him one, Har­ry.“ Dar­aus macht Woll­schlä­ger: „Was wollt ihr dem noch lan­ge die Hucke voll­quat­schen, dem Wider­ling! Hau ihm in die Fres­se, Har­ry!“ (mehr …)

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Tom Wol­fe, Woo­dy Allen, Dol­ly Bus­ter & die Visi­ble Pan­ty Line

Was mir so bei der Überarbeitung meiner Übersetzung von Tom Wolfes Acid Test unterkam. (2) In Dolly Busters Krimi Hard Cut, den ich mal in der Hoffnung auf einschlägigen Wortschatz…

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Der Lek­tor sieht das eben anders…

P1140913bWar­um Über­set­zun­gen trotz immer bes­se­rer tech­ni­scher Möglich­kei­ten eher schlech­ter wer­den als bes­ser und Über­set­zen an sich heu­te weni­ger denn je von dem Hand­werk hat, das es eigent­lich sein soll­te – und mehr denn je sein könn­te. Ein paar Betrach­tun­gen zur ein­zi­gen Bran­che,  in der Ama­teu­re die Arbeit von Pro­fis »polie­ren«, »tunen« oder – in der Regel – ganz ein­fach ver­schmie­ren.

Auf wel­chem Pla­ne­ten, so die ewig wieder­keh­rende Fra­ge des Über­setzers bei der Durch­sicht eines re­di­gierten Manus­kripts, auf wel­chem Pla­ne­ten in die­ser oder sonst einer Gala­xie voll bizarrs­ter Wesen mögen die »Kor­rektu­ren« die­ses Lek­torats wohl eine Ver­bes­se­rung sein? Die schie­re Quan­ti­tät der Ände­run­gen, der oft kaum nach­voll­zieh­ba­re Unsinn so eini­ger, die Über­flüssigkeit so vie­ler, die, wenn schon nicht grund­verkehrt, so immer­hin den Rhyth­mus eines Sat­zes, eines Para­gra­phen, einer Sei­te zer­stören. Das ist Überset­zer­alltag: Und je mehr man lernt, je mehr man nach­schlägt, je grö­ßer Daten­banken und Er­fahrungsschatz wer­den, je öfter man sich im Kampf gegen all­zu Plum­pes sti­lis­tisch an ge­stan­de­nen deut­schen Autoren zu ori­en­tie­ren ver­sucht, des­to wei­ter über­setzt man über den Hori­zont einer Kas­te hin­aus, die – ja, die sich die­se Arbeit eben nicht macht, die nicht ler­nen, son­dern ledig­lich wis­sen, ja im Grun­de ein­fach nur recht haben will, nicht zuletzt, weil sie mit­tels Mut­ter­milch & Goog­le (buch­stäb­lich) mit Links auf das kom­men zu kön­nen meint, was man sich in jahr­zehnte­langer Be­schäftigung mit der eige­nen und der Fremd­sprache ange­eig­net, ach was, buch­stäb­lich drauf ­geschafft hat: das Lek­to­rat.
P1230450aÜber­set­zen ist wohl das ein­zi­ge Hand­werk, bei dem selbst die Arbeit alter Hasen mit 20 und mehr Jah­ren Berufs­er­fahrung von jeman­dem »kor­rigiert« wird, (mehr …)

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Ralph Elli­son › Die Bio­gra­phie (1)

Mit Invisible Man veröffentlichte der Afro-Amerikaner Ralph Ellison 1952 einen Jahrhundertroman. Vom weißen Amerika mit Ehren und Sinekuren überhäuft, fehlte nur eines in seinem Leben – ein zweiter Roman. Arnold Rampersad schreibt die vermutlich definitive Biographie des großen Autors.

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